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Großvenediger: Wochenende im Nebel und Wind

Auch wenn man in Österreich zuhause ist, fällt es schwer, so manche Region kennenzulernen. Es gibt so viele, und von Vorarlberg aus ist die Schweiz näher als jede andere Bundesland. Das galt bis dato auch für das Osttirol und die Tauern-Region. Die Gelegenheit kam in Form eines mehrwöchigen Lehrganges beim Österr. Bundesheer, und an den Wochenenden kutschierte Beate unser Büssle nach Lienz.

grossvenediger

hart für’s Kreuz, fein für den Rückweg

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schöner Aufstieg zum Defreggerhaus

Der erste Wochenend-Trip führt ins Virgental nach Hinterbichl (1.329 m), der Ausgangsstation für die Besteigung des Großvenediger (3.666 m). Der etwas oberhalb, im Wald gelegene weitläufige Parkplatz dient gleichzeitig auch als Übernachtungsort. Eine große Gruppe slowenischer Bergfreunde versteht um 06.00 morgens noch nicht, dass ein aufgeklapptes Bus-Zeltdach schlafende Bewohner bedeutet. Erstaunlich auch, dass sie sich um unser Auto gruppieren, das einzige von drei am gesamten Parkplatz. Hut ab vor so viel Rücksicht 😀 !

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super gsi!

Vom Parkplatz fahren wir zunächst mit den Mountainbikes und dem Gepäck auf dem Rücken zur Johannishütte. Die Straße ist schön breit, an manchen Passagen aber auch recht steil. Mit Alpinstiefeln und Hochtourenrucksack läßt es sich aber nicht so locker fahren, wie man es gerne hätte. Dennoch, etwas verschwitzt parken wir unsere Räder bei der Hütte, nehmen den Wanderweg hinauf zum Defreggerhaus (2.960 m). Wir haben keine Eile, dennoch passieren wir viele “gestrandete” Wanderer. Im urigen Defreggerhaus ist aber schon Party. Die Slowenen haben die zentrale Gaststube besetzt und brüllen wie schon in der Früh fröhlich in der Runde. Alle anderen Gäste verdrücken sich in die benachbarten Räume, der Lärmpegel sinkt aber nur merklich. Wir gehen eine Runde mützen, üben nochmals die Spaltenbergung mit der Seilrolle und genießen das feine Abendessen.

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Orientieren im Nebel und auf Gletschern, herausfordernd!

Der Wetterprognose zum Trotz ist das Wetter am nächsten Tag um 05.00 nicht besonders. Dichte Wolken, etwas Regen. Beate ist skeptisch. Ich meine, es klart auf. So oder so, wir wollen dem morgentlichen Hüttenstress entkommen, sind die ersten auf den Felsen oberhalb des Defreggerhauses. Am Gletscherrand finden wir eine breite Spur und folgen ihr, auf das Blankeis und in die Wolken.

Einmal verlieren wir auf dem Blankeis die Spur, müssen eine Viertelstunde auf bessere Sicht warten, dann offenbart sich der Weg, wir navigieren uns weiter, hinauf zum Rainertörl. Der Wind wird stärker, ja böig. Wir sind froh um Handschuhe und dicke Mützen. Wir treffen auf eine andere 2er-Seilschaft, die sich ob der Spaltengefahr an unser Seil hängt. Zum Grat hinauf wird’s wieder steiler, der Wind noch heftiger, die Sicht ist gleich null. Fast schon oben will einer der zwei Seil-Gäste nicht mehr weiter. Bei dem Wind sei das gefährlich. Nicht unrecht hat der Mann, krabbeln wir schon zeitweilig auf allen Vieren vorwärts. Nach einer kurzen Diskussion geht’s dann doch weiter. Wir am kurzen Seil, die Deutschen wollen ohne gehen. Auch recht. Am Gipfel kommen alle an, auch wenn sich so mancher wie auf einem Reitersitz Centimeterweise über den letzten, scharfen Grat fortbewegt.

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bessere Sicht beim Abstieg vom Großvenediger

Am Gipfel wird’s stürmisch. Der Wind, ja, aber auch in schneller Folge aus allen Richtungen eintreffende Großseilschaften. Das Gipfelkreuz ist nicht hübsch, und bevor der Gipfel für alle zu eng und zu recht gefährlich wird, schreiten wir wieder  zurück auf den Gletscher. Ein gutes Dutzend Seilschaften kommt uns entgegen. Teils ohne Steigeisen. Ist nicht lustig, einen Spaltsturz ohne Eisen zu halten. Die Slowenen gehen erst gar nicht hinauf, wie wir später feststellen.

Im Nebel geht’s wieder abwärts, und kurz vor Ende des Gletscherfeldes reißen die Wolken etwas auf. Wir wissen, wir sind auf dem richtigen Weg, und bald am Defreggerhaus vorbei in der Johannishütte bei einem Kaiserschmarren. Und was wir froh waren, den langen Hatsch zum Auto nicht machen zu müssen. Die Bikes warten schon, und wir übersetzen mehrere Wegstellen, die von Muren weggespült wurden. Später, im Virgental, müssen wir wegen weiterer Murenabänge warten. Macht nichts, so haben wir etwas mehr vom Wochenende, bevor Beate wieder ins Ländle zurückfährt.