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Mit den Ski über die Brèche Puiseux

Vom Mixed-Klettern am Mont Blanc du Tacul hatte ich einen ordentlichen Appetit mitgebracht. Das Abendessen in der Refuge des Cosmiques (3.613 m) teilen wir mit zwei Alpin-Gendarmen in Ausbildung, von denen sich einer beim Eisklettern ein frisches blaue Auge geholt hat – ein Eisstückchen hat ihn beim Abseilen im Gesicht getroffen. Auch wenn er nachts im Lager unaufhörlich schnarchen sollte, ich war einfach zu müde, um mich hierdurch stören zu lassen.

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am Glacier des Périades

Auch am nächsten Tag scheint die Sonne, dazu weht allerdings konstant ein etwas stürmischer Wind. Etwas angespannt schauen wir nach draußen. Am ersten Tag hatten Wolken die Route über die Bréche Puiseux verunmöglicht. Nun fahren wir alleine südlich des Gros Rognon über den Glacier du Géant ab, der Schnee ist hier windgepresst und zerfahren, unangenehm zu fahren. Der schwere Rucksack macht es nicht leichter, bei jedem Stoß kommt das Gepäck am Rücken nach vorne. Irgendwann überwinden wir die Serac-Zone (Séracs du Géant) und stehen am Salle à Manger (ca. 2.400 m Seehöhe).

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bereits im steilen Couloir hinauf zur Bréche Puiseux

Lange beraten wir nicht, wie wir durch die Spaltenzone gehen müssen, um auf den Glacier des Périades zu gelangen. Ich spure leicht, später etwas schwerer, da wir ständig im Triebschnee einbrechen. Wir wechseln, Mathieu führt nun bis zum gut versteckten Einstieg in das gut 300 m hohe Couloir zur Bréche Puiseux (3.432 m). Wir schnallen die Ski auf die Rucksäcke, die Steigeisen auf die Skischuhe.

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geschafft, Bréche Puiseux

Das rund 45° steile Couloir gewinnen wir langsam. Ich schnaufe, zähle meine Schritte bis zur nächsten, kurzen Pause, wuchte mich wieder ein paar Meter hoch, zähle, schnaufe, spüre das schwere Gepäck, und irgendwann kommen wir endlich in die Sonne. Auf allen Vieren krieche ich hinauf, Meter für Meter, klettere die letzten Stufen über Fels und Eis, hinauf zum scharfen Grat der Périades. Wir machen uns fertig für zwei Abseillängen nach Osten, zum Glacier du Mont Mallet.

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zwei Abseillängen von der Bréche Puiseux ins andere Tal

Das angebrachte Fixseil macht keinen guten Eindruck, ich hänge noch einen Prusik hinzu, bevor ich mich dem Seil anvertraue. Alles geht gut, auch wenn ich es nicht besonders mochte, schnalle wieder meine Ski an meine Füße, mache am Stand alles fertig für die Abfahrt, die wir nun selbst durch die Gletscherspalten finden müssen. Es ist in den letzten Tagen niemand hier gewesen, wir werden die erste Spur ziehen dürfen.

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Blick zurück zur Bréche Puiseux (im Bild rechts)

Wir beratschlagen uns kurz, fahren dann einzeln, in Sichtweite und in Spur ab. Der Weg ist gut, der Schnee besser. Der erste richtige Pulver seit Tagen, und hinter der Spaltenzone fahren wir dann wie die Wilden. Die Beine brennen, die Kräfte lassen nach, das schwere Gepäck wirft uns hin und wieder um. Irgendwann am Nachmittag gewinnen wir über den Glacier de Leschaux das Mer de Glace. Ein letzter Aufstieg (1.638 m) zwingt uns die Ski nochmals auf die Schulter zu heben, dann gehts in engen Kurven und mit kurzen Tragepassagen fast bis nach Chamonix hinunter.

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Pulver für uns allein

Es dauert fast zwei Stunden, bis wir uns wieder erholt, umgezogen, getankt und eingekauft haben. Müde und zufrieden sitze ich hinter dem Lenker nach Martigny. Wenn alles gut geht, genieße ich diese Gegend in zwei Wochen wieder. Mit Beate.