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Impressionen aus Palermo

Unser Soultrip nach Sizilien kommt nun zu einem Ende und zu seinem Höhepunkt – eine der wahnsinnigsten Städte Europas: Palermo. Man könnte Bücher füllen mit den Szenen, die sich hier abspielen. Vielleicht ist das überall so auf Sizilien – in Messina, Catania und Syracusa. Hier fällt es uns aber auf: Fußball in den Gassen, Vespas auf den Gehsteigen, Antipasti in den Cafés, Hochzeitsgesellschaften vor den Kirchen, Hupen in den Ohren und historische Fassaden in den Augen. Diese Ansammlung an Farben und Tönen, Formen und Bewegungen ist wohl das Ideal einer dichten Beschreibung (‘dense description’, Geertz, siehe auch hier). Ja, es würde wohl mehrere Forscherleben ausfüllen, das hier zu dokumentieren, geschweige denn zu verstehen. Wir leben in einer verrückten Welt, heißt es, aber die Welt war wohl schon immer verrückt in Palermo. Wir saugen diese Stadt tief in uns ein, und lassen sie erst allmählich los, im Schlaf auf dem Oberdeck unserer Fähre nach Genua.

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prächtiges Palermo

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super gsi!

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die kleinen Gassen sind die Interessanten

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das ließ ich mir nicht nehmen…

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der Tag geht, und wir auch

Dolce Vita in San Vito: Klettern, Sonnen, Nachthimmel

Endlich haben wir die großen Schnellstraßen in Palermo passiert, der Verkehr ist dicht, und auch groß Einkaufen muss mal sein – für die letzten Tagen auf sizilianischem Boden. Wir folgen also der Autobahn nach Trapani, mit einem kurzen Abstecher nach Segesta, der bekannten Ruinenstätte. Trapani selbst bietet nicht viel, dafür die etwas abseits liegenden Küstendörfer: Bonagia, Custonaci, Casteluzzo und letztlich San Vito.

segesta

in Segesta

custonaci

Custonaci

Custonaci dient uns als willkommener Ort für eine Übernachtung. Die Szenerie kann schöner nicht sein – wilde Wellen, Wind, dunkle Wolken und Sonnenschein. Wir genießen es, und der Wind läßt über Nacht nach. Der Morgen ist erfrischend herrlich, kaum Wolken am Himmel, und wir besorgen uns eine Topo-Karte des Klettergebietes um San Vito herum. Dort finden sich massenhaft Routen, und wir gelangen über einen Weg durch die Klippen an den Strand zum Sektor “Bunker”. Die Sektoren sind so weitläufig, dass sich die Seilschaften gut über die Küste verteilen, auch wenn vom nahen Camping zahlreiche Kletterfans zu uns herübermarschieren. Wir klettern einige Stunden, bis uns die Fingerhaut langsam empfindlich wird – der Fels hier ist sehr scharf. Fein für den Halt der Füße, hart für die Fingerspitzen.

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Felskletterei um San Vito

In San Vito ist für Abwechslung gesorgt. Wir liegen faul am Strand, lesen, stürzen uns in das kältere Meerwasser. Es ist Dolce Vita hier, anders kann ich es nicht benennen. Ohne Sorgen verbringt man hier seinen Tag, und den Abend nicht unweit des Camping direkt am Meer – einen feineren Stellplatz kann man sich nicht vorstellen. Das abendliche Ritual folgt – Essen kochen, Wein trinken, den Nachthimmel anschauen, eindösen.

san-vito

es geht heimwärts

Auch am nächsten Morgen ist die Welt dieselbe. Wir trinken einen Cappuccino in San Vito. Wir klettern an den Klippen. Wir erholen uns am Strand. Und doch ist etwas anders: es ist unser letzter Tag in Sizilien. Wir müssen nach Palermo, und dann noch viel weiter. Kaum hat alles angefangen, ist es schon wieder vorbei. Wir denken an die Möglichkeit, es einmal anders zu machen.

Oh Madonie – Rennrad, Einsamkeit, Fernblicke

Der Tag beginnt schön ruhig, auch wenn wir an einer Rennstrecke übernachtet haben. In Pergusa am gleichnamigen See liegt eine Auto-Rennstrecke. Das Besondere: sie umschließt den See vollkommen, so dass keine Zugang zum See möglich ist. Auch eine Form von Tierschutz. Wir fuhren also entlang der Strecke am äußeren Ring entlang und fanden irgendwo eine feine, kleine Lücke für einen nächtlichen Stellplatz. Die Nacht brachte einen kurzen Regenschauer, am Morgen blieb es etwas grau, klarte später völlig auf.

madonie

super gsi!

Wir fahren nach Nord-West in das Naturreservat Madonie. Die Landschaften sind rauh, beeindruckend. Der erste Aufstieg führt uns mit dem Rennrad von Scilato nach Collesano – ein Wolken-Sonne-Spiel mit absolut ruhigen Straßen. In Cosellano lassen wir uns es nicht nehmen, schnell für einen Cappuccino und Cornetto vom Rad zu steigen. Wir wollen eine Hungerrast wie am Etna gerne vermeiden. Wir sind ziemlich happy, und die Abfahrt bis an Meer bei Campofelice bietet auch nur eines: Entspannung und schöne Blicke.

madonie

einsam

madonie

sizilianische Landschaften

Hier beginnt der etwas stressige Kurzabschnitt: auf der Bundesstraße entlang der Autobahn bis zur Abzweigung nach Cerda zu radeln und mit Rasern und dicken Brummern um den Asphalt zu streiten. Erst der langsame Aufstieg nach Cerda bringt wieder Verkehrsberuhigung, aber auch wärmere Temperaturen. Man merkt die Höhenmeter kaum, die man hier macht, denn es nie sonderlich steil, und immer wieder streuen sich kurze Abfahrten ein, sodass man bald vor der Entscheidung steht: wollen wir einen kleinen Umweg nach Sclafani Bagni machen? Selbstverständlich wollen wir, und rollen nun etwas langsamer, weil steiler auf einer engen Straße vorbei verlassener Thermen Kehre für Kehre bis auf den Marktplatz des kleinen Städtchen, welches wie ein Nest auf einem Felsen sitzt.

madonie

Sclafani Bagni

Lange halten wir uns dort nicht auf: die Wolken werden wieder dunkler, irgendwo brummt es im Himmel, also schießen wir über Hügel flach bis nach Caltavaturo und dann in rassigen Abfahrten bis zum Ausgangspunkt. Was für eine befriedigende Rad-Runde! Wir brauchen nicht lange, um abfahrtsbereit zu sein, passieren Palermo auf der Autobahn, wollen ganz in den Westen, an das Ende Siziliens. Klettern ist endlich wieder dran!

Madonie Rennrad

knappe 90km, 1.700 Höhenmeter

Nichts als teurer Rauch am Etna

Am Morgen springen wir frisch aus dem Büssle, der Parkplatz am Rifugio Sapienza ist aber trotz einiger Camper menschenleer. Scheint noch alles zu schlafen, als wir in leichter Bergmontur die Hänge unterhalb des Skilift am Etna hochsteigen. Das Lavagestein ist lose, aber dennoch gut zu gehen, und so kommen wir doch recht rasch voran, auch wenn wir kein Bedürfnis haben, schnell nach oben zu kommen. Die Route ist eher fad und man sieht bereits von unten, wohin man laufen wird müssen, zumindest zum ersten Teilziel, der Bergstation des Skilifts. Als wir oben ankommen, beginnt die Bergbahn gerade anzulaufen. Wir schauen nach unten, und am Parkplatz passiert immer noch nicht viel.

Ab hier wird’s etwas interessanter, zumindest müssen wir durch hohe Schneegassen wandern und später auf einem etwas flachen Plateau Staub schlucken: der Wind wird stärker. Die Aussicht ist heute nicht so prächtig, dennoch bleiben die Wolken oberhalb des Etna. Aus dem einen oder anderen Grat kommt Rauch empor, aber sonst ist alles sehr friedlich hier. Bis dann die ersten Allrad-Busse vorbeirauschen, vollgestopft mit Touristen, die sich den Weg nicht antun wollen und direkt bis zum Kraterrand fahren. Für einen stolzen Preis – rund 50 Euro pro Nase. Die machen aber ein fettes Geschäft, denke ich mir, und sehe mich bestätigt, als wir gut 20 Minuten später am “Parkplatz” ankommen. Der Weg zum “Krater” ist gerade mal 400 m, und dann sieht man in ein Loch, aus dem etwas Rauch kommt. Das muss der teuerste Rauch in der Gegend sein!

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Mondlandschaft am Etna

Diesem treiben schauen wir keine fünf Minuten zu. Schon nehmen wir eine Abkürzung über einen gegenüberliegenden Hang und sind sehr schnell wieder bei der Bergstation. Dort stehen schon mehr als hundert Personen für die nächsten Busse Schlange. Ich fasse es nicht. Wir gehen weiter, steigen bis zum Rifugio ab, schauen uns nochmals verwundert an und drehen den Motor grinsend an. Auch das ist Sizilien. Der große Parkplatz ist mit mehreren Großraumbussen belegt, daneben Dutzende Fahrzeug. Das Geschäft blüht, und wir haben nichts dazu beigetragen. Also runter vom Berg, und ab nach Syracusa!

Lange Runde um den Etna

Die Nacht bleibt unheimlich still, kein Bäumerauschen, sehr finster im tiefen Wald. Fast schon pünktlich geht’s um 06.30 an die Arbeit, frühstücken, anziehen, Auto fertigmachen, zum Ausgangspunkt fahren, Velos bereit machen und Wasser auftanken. Unser erster richtiger Tag in Sizilien, wir sind gespannt, wie sich die Insel anfühlt, was sie hergibt und ob sie unsere Träume und Vorstellungen von Wildheit und ungestümer Lebenskraft trifft.

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Start im Morgengrauen

Etna Runde

gute 120 Km, 2.300 Höhenmeter

Wir starten an der Nordseite des Etna (Ätna) und rollen im schnellen Wechsel mal runter, mal rauf. Die Straße ist nicht viel befahren, und die ersten Kilometer spulten sich wie immer sehr locker ab. Erst ab der Bundesstraße zwischen Bronte und Randazzo kommt LKW-Verkehr auf. Das stört die Blicke auf die schnee-bedeckten Flanken des Vulkans aber nicht. Schnell passieren wir Bronte und Adrano, deren Verkehr und löchrige Straßen uns nicht zusagen, und erwischen gerade noch die richtige Abzweigung, um nicht nach Paterno, sondern in die Hügel nördlich von Adrano zu gelangen. Dieser Anstieg ist etwas steiler als die vorhergehenden, aber vollkommen verkehrsberuhigt. Dafür hat man nie die Gewißheit, auf der richtigen Straße unterwegs zu sein. Die Beschilderung fehlt hier so gut wie zur Gänze, man muss sich ein wenig auf sein Gespür verlassen.

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hinauf durch die Vororte von Adrano

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düsterer Blick nach Catania

Zwischen den Villen und großen Anwesen radeln wir Kilometer für Kilometer um den Etna, und endlich auch zur wichtigen Einmündung zur Straße zwischen der Bergstation am Etna und Nicolisi zu gelangen. Hier ist die Vegetation verschwunden, Lavaströme haben sich 2002 hier den Berg hinuntergewälzt, und alles platt gemacht. Auch die Straße, daher ist unsere Strecke recht neu und entsprechend gut ist auch der Asphalt. Gut 13 Kilometer geht es nun die Serpentinen hoch, es wird warm, die Trinkflaschen leeren sich, Hunger kommt auf, aber kein Kiosk oder Gaststätte, die offen wäre, bietet sich an. Letztlich sind wir froh, diese Straßen passiert zu haben um etwas müde in die Stühle des Rifugio Sapienza (1.920 m) zu fallen. Entgegen unseren üblichen Pausen essen wir hier so richtig ausgiebig, so dass es eine Weile dauert, bis wir uns wieder auf unsere Räder erheben wollen. Die Pizza ist einfach zu gut, und gierig stecke ich noch zwei Scheiben Brot in meinen Rucksack. Wir wissen was wir bis jetzt geschafft haben, wir wissen aber auch, dass wir noch einiges vor uns haben.

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Lava, die alles niederwalzte

Draussen wird es nun schön kalt, mich friert es bei der Abfahrt derart, dass ich mich vor lauter Klappern der Arme richtig am Rad festbeissen muss. Erst in Zafferana Etnea bin ich wieder auf Betriebstemperatur. Die Wolken bleiben heute weiterhin dunkelgrau, aber es fällt kein Tropfen. Die letzten zwanzig Kilometer sind ein Auf und Ab, mit vielen tollen Straßenabschnitten und Kurven. Milo und Linguaglossa bieten uns noch einmal schöne Einblicke in das sizilianische Dorfleben – der Gartenbau dominiert hier ganz besonders. Jeder scheint sich in seinem Garten zu bewegen, bis auf die Trauergesellschaft, die in Milo auf das Begräbnis eines Verstorbenen wartet. Der Dorfpolizist steht schon da, um bald den Verkehr zu regeln. Schließlich findet auch diese Runde einen Abschluss. Am Büssle gibt’s erstmal keine große Pause, sondern wir packen die Räder gleich ein und düsen wieder zurück zum Rifugio unterhalb des Etna: nach einem Dusch-Stop aus der berühmten Wasserflasche, in einer Kehre und frischem Wind, verbringen wir die Nacht am Parkplatz. Am nächsten Tag soll doch auch der Kraterrand des Etna eines Blickes gewürdigt werden.

Soultrip Sizilien

Solche Chancen muss man einfach wahrnehmen – 10 Tage am Stück frei, ohne Verpflichtungen, und folglich vollkommen offline und unerreichbar. Perfekt vorbereitet, und doch müssen wir unsere ursprünglichen Pläne ändern. West-Europa liegt Mitte Mai in einer dauerhaften Störungszone, die Wettervorschau liefert ein Tief nach dem anderen, welches gegen die europäischen Bergmassen prallt. Wie schon im März, als wir kurzfristig unsere Pläne von einer Haute Route in den Westalpen zu einem Skitouren-Trip nach Norwegen umfunktionieren, schmeißen wir unsere Vorbereitungen in die Schublade und legen an einem einzigen Abend einen Entwurf für eine Rennrad- und Kletter-Reise nach Kalabrien und Sizilien vor. Wir hätten nicht geglaubt, dass wir schon ein Jahr nach Umbrien und Rom noch tiefer in den italienischen Stiefel vordringen würden.

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super gsi! Soultrip Sizilien

Unsere Stationen:

In schon klassischer Manier bewegen wir uns entlang einer imaginären Route von Nord nach Süd, besuchen interessante Orte, nehmen unsere Rennräder für sehenswerte Runden vom Büssle und packen zum Kletterzeugs gleich die Badehose mit ein. Je weiter wir nach Süden kommen, desto schonungsloser werden die Straßen und die Verkehrsteilnehmer. Die Obststände werden reicher, die Gärten duftender, und die Menschen lebhafter. Dennoch, egal wo hin wir auch kommen, wir werden freundlich aufgenommen. Das ist nicht selbstverständlich. Denn wir sind ein schlechtes Geschäft: keine einzige Nacht im Camping, keine Eintrittsgelder, nur Essen und Trinken. Das dafür reichlich. Aber es schmeckt auch herrlich nach Sommer. Letztenendes kumuliert diese Reise der Eindrücke in der Stadt der Städte des Südens: Palermo. Ein wahrer Soultrip nach Sizilien.