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Silvrettahorn: dunkel, windverblasen, von Wechten bewacht

Die Einsamkeit, die wir gesucht haben, gab es auf der Hütte nicht. Dafür interessante Gesprächspartner aus den Niederlanden. Wie sich im Laufe des Abends herausstellt, Bergsteiger von Format. Da können wir uns einiges abschauen. Wir teilen Tisch, Stube, Geschichten und das Essen. Auch wir bringen etwas von Adventure Food mit. So wird der Abend kurzweilig. Derweil pfeift der Wind draußen immer stärker, Wolken nebeln die Gipfel um uns herum und unsere Tour auf das Silvrettahorn ist fraglich.

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Aufstieg zur Wiesbadener Hütte

Am Nachmittag sind wir von der Bielerhöhe (2.036 m) zur Wiesbadener Hütte (2.443 m) aufgestiegen. Die Verhältnisse hier sind erschreckend. Keine durchgehende Schneedecke. Apere Berghänge. Offene Bäche und ein offener Stausee. Der Aufstieg ist leicht und wir observieren mehr die Gegend als dass wir uns um den Weg Gedanken machen. Als wir ankommen, ist die Stube schon warm, das Wasser kocht und wir schlagen unser Lager auf.

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Sturmböen über dem Ochsentaler Gletscher

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Auf allen Vieren hinauf zum Silvrettahorn

Der nächste Morgen ist weniger einladend. Die Wolken geben die Bergspitzen nicht preis. Ein starker Südwind bläst uns entgegen, gegen den Windchill gewappnet starten wir zur Grünen Kuppe. Unsere Hüttenmitbewohner gehen zur Dreiländerspitze. Überall Steine, rutschige und abgeblasene Hänge. Wir finden einen Weg hinauf, dann hinunter zur ersten Traverse auf den Gletscher. Die Spalten sind teilweise offen, teilweise leicht zugedeckt. Die Querung gelingt, wir steigen steil entlang des Randgletschers zur Ebene unterhalb des Piz Buins. Die Sicht ist miserabel, aber wir wissen, wo es lang geht. Rechter Hand nehmen wir eine lange Rampe zum Sattel unterhalb des Silvrettahorns (3.244 m). Im Windschatten eines Gendarmen platzieren wir unser Skidepot. Die Kraxlerei nach oben zieht sich, ist aber nicht besonders anstrengend. Mit Pickel geht es sicher hinauf. Am Gipfelkreuz zieht es gewaltig, und wir machen, dass wir wieder herunter kommen. Erst am Skidepot gibt es endlich Mittag – Nussstollen und Tee. Und ein Blick auf den Silvrettagletscher.

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böig, dunkel

Die Abfahrt wird zunächst eine reine Wegsuche. Dann unterhalb des Gletschers ein ständiges Stein-Vermeiden & Stein-Aufschlagen Spiel. Nicht wie oft wir über Steine donnern ist die Frage, sondern ob die Skikanten es überleben. Erst ab dem Snowcat-Weg zur Wiesbadener können wir es etwas laufen lassen, oder noch besser, die Felle wieder aufschnallen und um den Stausee wieder zurück eilen. Der Wind hat unsere Gesichter rot gefärbt, und die vielen Felsen Narben auf unseren Ski hinterlassen.

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ein romantisches Plätzle unter dem Silvrettahorn

Breitfielerberg: Combat Back Country Skiing

Traue nie einem Skiguide. Regel Nummer 1 einer Skitourenplanung. Weil: die Autoren sind die Touren entweder gar nie gegangen oder vor ewiger Zeit. “Ewig” meint, dass der Wald Zeit hatte nachzuwachsen. So geschehen heute. Die erwähnte Schneise im Aufstieg von Partenen (1.050 m) zur Bergstation Tromenier (1.732 m) sollte eine alte Pistenabfahrt sein. Ja, da ist schon eine. Aber was für eine. Jungwald. Baumstümpfe, Tobel-artige Kaskaden. Den Aufstieg legen wir bald auf eine andere Route, versuchen uns durch andere, schmalere Schneisen nach oben, legen irgendwann einmal die Ski auf dem Rücken und stampfen hoch zur Bergstation. Manchmal hüfttief, manchmal durch Sträucher und über Felsen.

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einsam am Breitfielerberg

Von dort geht’s zunächst zick-zack durch die Lawinenverbauungen, und später in die freie Wildbahn oberhalb der Baumgrenze in eine bucklige, steile Schneewelt. Wir spüren noch das Crossfit-Training von gestern abend, aber die Hänge schauen einfach zu gut aus hier, und die Sonne scheint prächtig. Also über Ost auf eine Anhöhe, und dann durch teilweise glatte, abgeblasene Passagen kurz unter den Gipfel des Breitfielerbergs (2.417 m) zum Skidepot. Es ist hier oben sehr felsig, da der Wind den Schnee herausgeblasen hat. Skidepot-Rast, Blicke zum Vermuntstausee und Hochmaderer, dann Abfahrt. Zunächst etwas dünne Decke, später aber in den Mulden reichlich Pulver, hin und wieder Steinkontakt. Die besten Passagen folgen von ca. 2.200m bis etwa auf Höhe der der Bergstation Tromenier. Reichlich kuppiertes Gelände, super Turns, genügend Steilheit, und feiner Schnee.

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Ski-Depot, hinten naht die Schlechtwetterfront

Eine kurze Einfahrt in die Schneise der alten Abfahrt ist eine “Sackgasse”. Das Gelände ist fast zugewachsen, mühsam zu begehen. Wir wählen den Wanderweg als Abstieg, tragen die Ski gute 300 Höhenmeter hinunter durch aperen Wald, bis wir wieder auf einen breiten Weg stoßen, den wir abfahren können, direkt bis zur Talstation. Zwei-Meter Sprung vom Hang über eine Stützmauer rundet diese sehr kampfbetonte Route ab. Wie vermutet, waren wir die einzigen in der Gegend. Schön für uns.

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Traum-Abfahrt, und dann kommt das Combat-Gelände

Vallüla: Doch kein Regen, dafür Gratkletterei

Nach einem Arbeitswochenende kam die Belohnung am Mittwoch. Das Wetter hielt, trotz versprochenen Regens ab Nachmittag, und wir schon um 07.00 auf der Bieler Höhe (2.037 m). Es geht gemütlich hinauf zum Vallüla-Scharte (auf etwa 2.500 m), mit schönem Blick ins Paznauntal und hinauf zum Rauhen Kopf (3.101 m). Die Sonne ist heraussen, der Weg aber immer noch nass-feucht. Wir passieren die Scharte nach Norden, steigen wieder etwas ab, fast bis zum Unteren Vallülasee. Dort suchen wir uns einen geeigneten Einstieg auf den Nord-West-Grat zur Vallüla (2.813 m).

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zur Vallüla in der Morgensonne

Den Einstieg, wie im Kletterführer Vorarlberg beschrieben, verfehlen wir und steigen etwas höher und westlicher über Grasbänder, nasse Platten und Schotterrinnen zum Grat hinauf. Wir steigen vorsichtig auf, die Grasbüschel sind hintertückisch, die nassen Flechten am Stein verführerisch rutschig. Am Grat selbst fühlen wir uns wohler.

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jetzt geht’s auf den Grat

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kurze Abseilstelle im Überhang

Dennoch: die meist mit 2er und 3er Stellen versehenen Grat-Abschnitte schrecken uns zunächst nicht. Auf dem Papier ist das ein Spaziergang. Doch das ändert sich: auch hier ist der Fels – nicht immer – rutschig, so dass wir oft nur mit den Händen steigen oder auf allen Vieren am Grat herumkrabbeln. Die einfache Route wird nun lang, und wir suchen in diesem Gelände, welches bis auf eine Abseilstelle ohne vorbereitete Stände und Haken auskommt, unseren besten Weg. Es gelingt ohne Zwischenfälle, wir gehen die letzten Seillängen im Sicherungspunktverfahren. Das geht flott, wir sichern meist mit Expressen, Karabinern und jede Menge Bandschlingen.

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Vallüla von Westen

Von der Spitze der Vallüla lacht uns der Piz Buin und seine Nachbargipfel entgegen. Wie klein die Gletscher hier geworden sind! Der Abstieg nach einer kurzen Pause folgt dem Normalweg, den Wanderer hier hinaufnehmen. Aber auch er hat kleine Kletterstellen, rutschige Wege und Schotterrinnen parat. Also sicher kein Weg für Familien mit Kleinkindern. Ein Helm ist empfehlenswert.

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Abstieg von der Bielerspitze zur Bieler Höhe

Auf halben Weg retour entschließen wir uns, noch zum Bielerkopf (2.350 m) und darüber die Bielerspitze (2.545 m) mitzunehmen. Auch hier tolle Ausblicke auf den südlichsten Teil Vorarlbergs. Und immer noch kein Regen.

Heiss und eisig zur Dreiländerspitze

Prächtiger hätte ein Skitag nicht sein können. Am Sonntag war kein Bergwetter, also viel Zeit zum Arbeiten und dem Körper mal eine Pause zu gönnen. Frisch und ausgeruht begeben wir uns also nach Partenen und fahren mit der Vermuntbahn zur Bieler Höhe (2.036 m). Die Sonne scheint, kaum Leute hier, nicht einmal die Loipe über den See ist präpariert. Wie ziehen die erste Spur über den zugefrorenen Stausee. Anstatt nach rechts zur Schneeglocke abzubiegen, folgen wir dem Ochsental.

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auf dem Weg ins Ochsental, hinten rechts der Piz Buin

Beinahe am Ende und vor dem Beginn des klein gewordenen Ochsentalergletschers passieren wir die Wiesbadener Hütte. Sie ist noch nicht geöffnet, aber wartet schon darauf, die ersten Skitourengeher und Tagesgäste von der Bieler Höhe aufzunehmen. Es ist weiterhin sehr warm, und wir haben recht viel zu schleppen. Das verdanken wir der Unkenntnis der letzten Meter zum Gipfel. Wir haben uns auf Eis eingestellt, dementsprechend ist unsere Ausrüstung (z.B. Couloir Gurt von Black Diamond).

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der angenehm zu gehende Vermuntgletscher, in der Bildmitte die Dreiländerspitze mit dem steilen Gipfelhang

Unterhalb der Wiesbadener Hütte ziehen wir geradeaus und dann auf dem Vermuntgletscher gegen Osten unsere Spur. Eine andere biegt über die Grüne Kuppe nach Westen ab, wohl zum Piz Buin oder zur Fuorcla da Cunfin. Die Landschaft ist gewaltig, und schaut nach den letzten Schneefällen sehr unberührt aus. Erst gegen Mittag entdecken wir bei der oberen Ochsenscharte erste Tourengeher, die von der Jamtalhütte heraufkommen. Wir schließen später auf, über den Vermuntgletscher geht es recht sanft dahin, trotz der Hitze.

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Blick über die Oberen Ochsenscharte ins Jamtal

Die große Abwechslung kommt mit dem Schlusshang zur Dreiländerspitze (3.197 m). Dieser ist recht steil, hart und windverblasen. Nun stehen wir auch plötzlich im Schatten, und ein heftiger Wind erfasst uns an dieser wind-exponierten Stelle. Mit ein paar Spitzkehren kommen wir hinauf zum Skidepot. Wildschnee tobt um uns, die Temperatur sinkt enorm schnell und unsere Hände fühlen den Windchill innerhalb von zwei Minuten, in denen wir uns Hardshell-Jacke und Klettergurt für den Grataufstieg anziehen. Die Hände werden steif. Ich bekomme kaum mehr meinen Gurt zu, die Felle abzunehmen wird zur Herausforderung. Nach fünf Minuten gelingt es uns nicht mehr, die Steigeisen festzuzurren. Der Grat ist oben vereist, hat uns ein Skitourengeher, der am Freitag oben war, noch am Morgen erzählt. Wir diskutieren nicht lange, packen unsere Sachen und stehen flott am Ski. Die Abfahrt vom Grat bringt uns Ruhe vom starken Höhenwind, die steifen Hände, die langsam schmerzhaft wieder auftauen, treiben uns aber auch noch Tränen in die Augen, als wir die Wiesbadener Hütte schon längst hinter uns gelassen haben.

Langer Tag auf der Madrisa

Wer hätte das gedacht. Als mich Beate per SMS am Vortag in Villar d’Arene über die Sonntagstour auf die Madrisa informierte, dachte ich an einen lockeren Nachmittag im Liegestuhl. Dem 6.00 Wecker folgte aber eine Fahrt nach Gargellen (1.424 m), ein mühsames Hinaufstrampeln mit den Mountainbikes und reichlich Gepäck zum Gandasee (1.966 m) und ein noch längerer Zustieg durch buschiges und rutschiges Steilgelände zum Fuß des Nordost-Grates (ca. 2350 m), wo uns auch schon grunzende Steinböcke erwarteten.

Gegen Mittag stiegen wir in die erste Seillänge, wobei das Topo des Kletterführers Vorarlberg wenig hilfreich war. Überhaupt ist diese Tour im angesprochenen Guide sehr miserabel beschrieben – Zustieg und Dauer der Gesamtunternehmung sind sehr vage wenn überhaupt erwähnt. Dies führte zu längeren Pausen bei der Wegfindung. Auch war nicht ersichtlich, ob die Stände vorbereitet sind oder nicht. Wie dem auch sei, die sieben Seillängen waren durchaus länger als gedacht.

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Beate im NO-Grat

Die Gratkletterei ist im unteren Abschnitt angesiedelt und nicht besonders schwierig (3. Grad), liefert aber eine schöne Vorschau auf die Felsqualität in der eigentlichen Wand. Diese fand ich persönlich interessanter, da sich Platten mit Risskletterei abwechselten. Da die Route sehr spärlich mit Nägeln versehen ist, ist ein kreatives Legen von mobilen Zwischensicherung nötig. Keile, Friends und vor allem ein großes Sortiment an Bandschlingen erlauben ein stressfreies, interessantes Klettern. Manche Pitons sind von etwas zweifelhafter Qualität, also zumindest am Stand immer auf Redundanz setzen. Die zwei 4er-Seillängen sind die lohnendsten, wer Rissklettern liebt.

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Beate winkt schon, wir sollten uns flott vom Gipfel ins Tal begeben, die Sonne geht gleich unter

Der Zustieg zum Gipfel der Madrisa (2.770 m) dauert nach der letzten Seillänge sicher noch gute 15 Minuten in leichter Kletterei am Gipfelgrat entlang. Leider ist im Kletterführer die Dauer des Abstiegs nicht beschrieben. Das wäre uns fast zum Verhängnis geworden, sind wir bei Sonnenuntergang noch mitten auf der Normalroute abwärts gewesen, die zunächst über den Grat nach Westen und dann später durch steile Tobel zum Wanderweg unterhalb des Gafierjöchle führt. Ein paar Minuten später und wir hätten in Dunkelheit diesen Weg suchen müssen. Vom Gipfel der Madrisa brauchten wir mehr als eineinhalb Stunden zum Gandasee, auch teils auf Grund des Schnees, der noch in der Nordwand liegt. Mit dem MTB fuhren wir dann schon in der Dunkelheit ins Tal hinab. Die Tour auf die Madrisa ist ein langer Tagesausflug, den man besser früher als später beginnen sollte.

Ein langer Tag: Grosslitzner-Seehorn Überschreitung

Nun häufen sich doch unsere Besuche am Vermuntstausee in letzter Zeit – Valgraggersgrad, Hochmaderer und nun die große Überschreitung von Grosslitzner und Seehorn an einem Tag.

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links der Litznersattel, rechts davon der Grat zum Großlitzner

Diese Tour hatten wir schon länger auf unserer Liste, aber erst jetzt und durch Zufall sind wir zu einer Gruppe dazu gestossen, die uns auf diese Tour eingeladen hat. Mit Roland, Johann und Alida vom Alpenverein Dornbirn stiegen wir um 6.30 vom Vermuntstausee (1.749 m) hinauf bis knapp unter die Saarbrückner Hütte (2.538 m). Von dort geht die Tour hinauf zur Litznersattel (2.737 m), und noch ein bisschen weiter nach Westen gegen den Grat des Großlitzner, über eher rutschiges, sandiges Geröll.

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Großlitzner vom Grat zum Seehorn aus gesehen, schöne zwei Seillängen zum abseilen

Den Einstieg in unsere Kletterei am Grat (wir hatten zuvor schon einige einfache Passagen ohne Seil überwunden) bildeten griffige, etwas mit Flechten überzogene große Blöcke, die meist im dritten Grad luftig aber locker zu bewältigen waren. Insgesamt stutzten wir die 6 Seillängen (laut Kletterführer Vorarlberg) auf 3 zusammen und kamen so recht flott auf den Gipfel des Großlitzner (3.109 m). Die Aussicht zum Ortler, Piz Palü und Tödi war heute überwältigend. Damit war aber auch schon die Kletterei im Großen und Ganzen beendet.

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Beate vor dem Gratanstieg zum Seehorn

Vom Gipfel seilten wir zwei lange und überhängende Seillängen ab, kletterten weiter etwas ab und folgten dann dem nicht schwierigen, manchmal etwas ausgesetztem Grat hinüber zum Südgrat des Großen Seehorns. Hier war überhaupt keine Sicherung notwendig, recht einfach und steil ging es Kuppe für Kuppe nach oben. Auch das Große Seehorn (3.121 m) war bald erreicht.

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es ist nicht mehr weit zum Seehorn

Der Abstieg war etwas mühsam, folgten doch ungefähr zehn Abseillängen zum Bergschrund hinunter. Die meisten dieser Abseillängen wurden von zwei parallel genutzt, um Zeit zu sparen. Trotzdem, Abseilen ist immer zeitaufwändig. Vom Bergschund über den Seegletscher (recht rutschig mit Bergschuhen, aber kaum Spalten) kamen wir gut zur Seelücke. Von dort führt dann ein markierter Steig unterhalb des Kleinlitzner zur Saarbrückner Hütte, die nur noch Radler, Kaffee und Kuchen anbieten konnte – alle Vorräte waren aufgebraucht! Das Wetter hielt, wir hatten zwei 3.000er in der Tasche und einen perfekt ausgenützten Bergtag hinter uns. Der Weg hinab zum Vermuntstausee war uns dann auch nicht mehr lästig.

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die Abseilpiste vom Seehorn, hier im  “Parallelverfahren”

Gneis-Genuss am Hochmaderer

Nach der großen Lehrstunde am Spuller Schafberg am Vortag, gingen wir wieder voller Tatendrang am Hochmaderer (2.823 m) in der Silvretta ans Werk. Die Nacht am Vermuntstausee (1.743 m) war etwas böig, unser Büssle wackelte hin und wieder im Wind. Zeitig standen wir in unseren Bergschuhen und stiegen über den Weg zur Saarbrückner Hütte, später zur Tübinger Hütte kurz unterhalb des Hochmadererjochs (2.505 m) auf. In den Serpentinen zweigt eine Trittspur zur Hochmaderer-Südostwand ab.

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Hochmaderer vom Süden

Die Kletterroute am Südostpfeiler ist rund 200 m hoch und liegt im 5. Schwierigkeitsgrad. Erreicht man den Kopf des Pfeilers, sind es nochmals gute 200 m im 3. Schwierigkeitsgrad zu den Gipfelschrofen, dann über den ausgesetzten Grat zum Gipfelkreuz. Die Stände sind alle gebohrt und redundant angelegt, die Route recht gut zu finden, wobei Abweichungen je nach Können die Route erleichtern oder erschweren können. Wir folgen dem Topo recht genau und brauchten ohne Probleme für den Pfeiler gute 3 Stunden. Erst im oberen Teil zu den Gipfelschrofen muss man sich seinen Weg suchen, was ein paar Verhauer inkludieren kann. Dadurch verzögert sich der Aufstieg, so dass wir letztlich doch gute 5 Stunden zum Gipfel benötigten.

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Beate im Vorstieg am Südostpfeiler

Der Abstieg vom Hochmaderer ist im oberen Teil unangenehm rutschig (Geröll und feiner Split), ab dem Hochmadererjoch aber sicher. Die Heidelbeerbüsche sind noch voll, wir konnten uns von der Qualität der Beeren überzeugen.

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Letzte Meter am Grat zum Gipfel

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Kleinlitzner, Großlitzner und Seehorn im Hintergrund links

Fazit der Tour: im sehr griffigen, aber teilweise mit Flechten überdeckten Gneis lässt es sich gut klettern, die Haut der Fingerspitzen wird allerdings etwas stärker beansprucht. Die Route ist objektiv sicher, der Fels fest und die Stände gut eingerichtet. Zwischensicherungen sollten aber selbst angelegt werden, wenn auch immer wieder mal Bohrhaken zu finden sind.

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Sechs Tage Alpinkletterei hinterlassen Spuren…

Valgraggersgrad: Drei auf einen Streich

Beate hat sich mit Freundin Steffi schon auf die kommende 5-Tages MTB-Session in den Westalpen auf einer Runde über das Lechquellengebiet (Alpe Laguz, Ravensburger Hütte, Auenfeld) vorbereitet. Ich bin mit Gebo, Christian und Maureen ins Montafon aufgebrochen. Ziel: der Valgraggersgrad.

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Beim Zustieg zum Hochmadererjoch

Vom Vermuntstausee (1.743 m) stiegen wir über gut gekennzeichnete Pfade durch das Maderer Täli zum Hochmadererjoch (2.505 m) hinauf.  Die Sicht war prächtig, und trotz des recht frühen Aufbrauchs auch die Stimmung bestens. Ich hatte bis dato von diesem Grat noch nichts gehört, aber ich wollte wieder meine Hände an schroffen Felswänden spüren.

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Der Grat bot viele Klettermöglichkeiten an Platten und Blöcken

Der Grat bestand aus größeren und kleineren Blockfelsen, manchmal auch größeren Gendarmen, die man umgehen konnte. Ich widerstand der Versuchung nicht, die Gratkletterei machte zu viel Spaß, ich musste über diese Anhöhen drüber. Schwierig waren sie nicht (I bis II), und der Fels war auch größtenteils sehr fest. Ich war sehr happy über diese langen Minuten. Der Reihe nach überwanden wir die Nördliche Valgraggersspitze (2.793 m), dann die Südliche (2.761 m) und schließlich erreichten wir auch den Valgraggerskopf (2.820 m). Die Türme ließen wir aufgrund der rasch aufkommenden Schlechtwetterfront sausen und stiegen, später eher lästig über rutschiges Grasgeländer, durch das Kromertal ab, nicht unweit des Kleinlitzner.

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Christian am Valgraggerskopf

Feinster Pulver vom Hinterberg

Nun können wir die Saison wirklich offiziell für eröffnet erklären: der Startschuss fiel mit einer schönen, längeren (4,5 Stunden) Skitour in der Silvretta, nach all den Trainingsnächten am Lank und der ersten Kurztour (noch mit den alten Skiern) zum Hohen Licht im Oktober.

Von Gargellen (1.423 m) ging es in das uns schon bekannte Vergaldatal, eine lange “Sackgasse” in den Süden. Von hier aus gehen beliebte Touren auf den Vergaldner Schneeberg oder zum Heimbüchel. Im Paralleltal am Valzifenzbach starten noch weitere berühmte Touren, etwa zur Madrisa, zum Schlappiner Joch oder zur Rotbühelspitze.

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Kurz vor 09.00 zu Beginn des Vergaldnatals

Die Hänge links und rechts der Talschneise boten keine überzeugende Schneedecke, und auch der Himmel war zunächst recht bewölkt. Je weiter wir aber in das Vergaldatal vordrangen, desto besser wurde der Schnee und klarer der Himmel. Damit handelten wir uns aber auch frische -13° C ein. Der Aufstieg ist zunächst flach und lang, bis man – endlich – fast am Talschluss die erste Steilstufe links überwindet. Man folgt dann sanften Rücken bis zum Hinterbergjoch. Von hier nochmals etwas steiler am Gipfelhang hinauf zum Hinterberg (2.682 m). Den letzten Kilometer musste Beate spuren, wir hatten nun alle vor uns Aufgestiegenen eingeholt und uns für ihre Spurarbeit bedankt.

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Rotbühelspitze (Erhebung in der Mitte)

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Das Vergaldnatal vom Hinterberg aus gesehen

Das Highlight des Tages war wohl die Abfahrt – die Steilhänge waren vom feinsten Pulver, auch die feinen Hügelpassagen ließen Tiefschneefahren leicht aussehen. Da störte das wenige Hinausschieben aus dem Tal bis zur Skipiste oberhalb von Gargellen kaum noch. So gute Bedingungen wie heute hat man selten im Jahr, wir waren sehr froh den Weg nach draußen gefunden zu haben!

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super gsi!

Transalp 2010 – Tag 2: Bodenalpe – St. Maria i. Münstertal

Nach der ersten Passüberquerung im Verwall am Tag 1 der Transalp 2010 hatten wir am 2. Tag einiges mehr vor: der Fimberpass und den Pass Costainas. Eine Strecke von der Bodenalpe bis zu St. Maria im Münstertal (welches wir im Rahmen der Grabündentour 2010 schon mal besucht haben) mit 2.000 Höhenmetern und 67 Kilometern.

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Blick vom Fimberpass nach Süden

Recht zeitig ging es von der Bodenalpe (1.848m) hoch zur Heidelberger Hütte (2.264 m), die zwar noch im Fimbertal liegt, aber schon auf Schweizer Gebiet. Von der Heidelberger Hütte zog sich ein teils steiler Pfad zum Fimberpass (2.608 m) hoch, abwechselnd im Schieben und im Fahren kamen wir eher langsam vorwärts. Auch hier erwies sich die Passhöhe als schneefrei, doch Wolken zogen ins Tal hinein und ein kurzer Schauer mahnte zur raschen Abfahrt ins Tal.

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Waldtrail bei Vna

Die Trailabfahrt war größtenteils möglich, wechselte nach der Alp Chöglias (2.054 m) auf Schotterbelag und schon ließ man es ordentlich bis nach Vna (1.659 m) krachen. Es folgte eine schöne Waldtrailpassage ins Sinestratal, und bald erreichten wir auch schon Sent und später Scuol (1.254 m). Hier gab’s mal kurze Rast beim lokalen Volg-Geschäft (ja, es hatte am Sonntag um 11.00 geöffnet!), und unter dunklen Wolken brachen wir zum langen Anstieg ins Val S-charl auf. Zunächst über eine serpentinenreiche Asphaltstrecke, später über eine schöne Naturpiste gelangten wir ins stark frequentierte S-charl auf 1.810 m Seehöhe. Eine wirklich hübsche Alpe, die vom Wander- und Biketourismus lebt.

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Fenster in S-charl

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Trail hinauf zum Pass da Costainas

S-charl diente uns lediglich zur Wiederauffüllen unserer Wasserflaschen, wir wollten den Trubel hier rasch hinter uns lassen und fuhren nun weiter gegen den Talschluss. Kurz vor der Alp Astras gab es dann einen Snack, um kurze Zeit später auf dem Pass da Costainas (2.252 m) anzukommen. Die gesamte Strecke war sehr gut fahrbar, genauso auch die folgende Abfahrt – zunächst auf eher grobem Schotter, später auf einer feinen Naturpiste, und vor Lü ging es dann endgültig wieder auf Asphalt über. Noch flotter passierten wir die wenigen Kehren nach St. Maria im Münstertal, wo wir in der örtlichen Jugendherberge eine Bleibe für die Nacht fanden. Es ging sich noch ein Sonnennachmittag aus, bevor ein Gewitter uns frühzeitig ins Bett begleitete. Tag 3 sollte eine Marathonetappe werden, also waren wir um ein bißchen mehr Schlaf nicht undankbar.

Transalp 2010 – Tag 1: St.Anton – Bodenalpe

Der Start in unsere Transalp 2010 war in den ersten Stunden von einer meteorologischen Ungewissheit begleitet. Wir hatten aufgrund der tiefen Schneefallgrenze den Beginn der Tour ja um einen Tag nach hinten verschoben – es regnete in Strömen, und auf den Pässen lag überall Schnee. Am Samstag allerdings hatten wir zwar dichte Bewölkung, aber keinen Regen, also ideales Bike-Wetter. Auch der Schnee zog sich etwas zurück, so dass unsere erste Teilstrecke von St. Anton (1.440 m) durch das Verwalltal wunderbare Landschaften im dramatischen Licht präsentierte.

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Durch das Verwalltal

Die erste Schiebestrecke kam nach der Schönverwallhütte (die kannten wir schon von unserer Silbertal-Partenen-Runde), durch Moore und Matsch hinauf zur Heilbronner Hütte (2.320 m). Am Tag zuvor lag hier noch rund 15 cm Schnee, aber heute hatten wir freie Fahrt – über eine flotte Schotterpiste hinunter zum Kops-Stausee, dann auf Asphalt am Zeinisjoch vorbei und hinunter ins Paznauntal nach Galtür – von der Bieler Höhe kommend ist das Paznauntal auch eine wunderbare Rennradstrecke.

Verwall Blick zur Silvretta

gute Schotterpiste bis zum Kops-Stausee

Von Ischgl (1.376 m) mussten wir wieder sehr steil hinauf – ins Fimbertal. Ober uns schwebten Touristen mit der Seilbahn hinauf, wir strampelten uns nun doch in der prallen Sonne bis zur Mittelstation der Fimba-Bahn hinauf, und dann nochmals weiter bis zur Bodenalpe (1.848 m). Dieses kleine Berghotel war unser heutiges Nachtlager, und wie sich herausstellte, mit feinem Essen und einer sehr netten Bedienung. Das braucht es an einem ersten Tag! Reservierung empfohlen…

Am Zeinisjoch

Flott in der Abfahrt am Zeinisjoch

Transalp St.Anton nach Trento

Gestern Abend zurückgekehrt, hatten wir fünf Tage Mountainbike-Spaß an unserer Transalp von St. Anton (Österreich) nach Trento (Italien). Es war nun unsere 3. Tour dieser Art – nach Graubünden 2008 und Wallis 2009. Unsere Route folgte im wesentlichen Verlauf dem Vorschlag von Andreas Albrecht (Transalp Roadbook 1 – Die Albrecht-Route), mit einigen Alternativen und Verlängerungen aus Gründen der Neugier, der Einzigartigkeit und unserem Zeitbudget.

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St.Anton nach Trento per MTB in 5 Tagen

Die Überquerung der Alpen hatten wir in 5 Tagesetappen eingeteilt:

Die einzelnen Etappen schildern wir hier im Blog in den nächsten Tagen. Es war insgesamt eine recht anspruchsvolle Tour (für’s Kreuz – wir hatten ja alles im Rucksack, und für den Hintern): ca. 360 km und 11.700 Höhenmeter. Mit den Rädern hatten wir keine Panne, Unfälle gab’s auch keine, und mit den Unterkünften hatten wir einfach immer ein prima Los gezogen – mehr dazu auch in den Berichten der nächsten Tagen. Wie immer trifft man unterwegs auch interessante Leute, die ein ähnliches Projekt versuchen, und auch Leute, die einfach nur seltsam sind (nicht grüßen, doof schauen wenn man grüßt, Super-Profis halt, deren Laktatwerte und Carbonräder wichtiger sind als ein freundschaftliches “Hallo”). Beeindruckt hat uns auch das Trentino, das wir uns für’s Bergsteigen und Kletterteig-Gehen vorgemerkt haben; und die Tiroler-Schweizer Silvretta, die für Skitouren ein recht nahes Ziel abgeben könnte.

Eine weitere Auswahl an Fotos, die wir nicht in den Posts der nächsten Tage inkludieren, gibt es auch auf unserer Facebook-Page zu sehen.

Piz Buin: Schotter & Fels

Nach den Hochtouren der letzten Wochen (Mönch, Jungfrau, Großes Fiescherhorn und Finsteraarhorn), aber auch den Felsklettereien auf Zimba und Kleinlitzner, wollten wir noch den Piz Buin (3.312 m) zur Sammlung hinzufügen. Wir waren gefasst auf Klettereien und Gletscherwanderungen, aber meist gab es Treibsand, Wassermassen und lockeres Gestein aus Schotter und Fels.

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Ein Teil der Wiesbadener Hütte, Blick nach Norden

Am Vortag ging es noch relativ gemütlich von der Bieler Höhe (2.036 m) mit den MTBs vorbei am Silvretta Stausee auf die Wiesbadener Hütte (2.443 m). Auf dem breiten Alpweg trafen wir zahlreiche Wanderer auf dem Retourmarsch, wir mussten aber doch einige Höhenmeter machen – mit dem recht schweren Rucksack für den nächsten Tag doch eine “schwitzige” Angelegenheit. Dafür gab’s auf der Hütte dann Radler und ein ordentlichles Abendessen.

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Auf dem oberen Abschnitt des Ochsentaler Gletschers, links der Große Piz Buin

Am nächsten Morgen, Frühstück um 04.00, dann Aufbruch in die Noch-Dunkelheit. Zuerst erwischten wir allerdings die etwas südlichere Abzweigung zum Vermuntpass, mussten nach gut 200 Höhenmeter wieder zurück und den richtigen Weg zur Grünen Kuppe nehmen. Aber auch nach dieser ersten Orientierungsstelle war die Wegfindung nicht ganz einfach – über die Ausläufer des Gletschers zum Felsband hin zu Punkt 2.905.

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Am Gipfel, die vielen Keile und Friends kann man getrost zuhause lassen…

Von da an konnten wir das Ziel recht klar anvisieren und den Ochsentaler Gletscher schön mittig traversieren, hin zur Buinlücke (3.054 m). Einmal in der Buinlücke angekommen, folgten wir einfach dem Trampelpfad in den Piz Buin Grat. Fast schon ein Wanderweg, wäre da nicht viel brüchiges Gestein und zwei leichte Kletterstellen, die wir auch ohne Sicherung überwanden. Für den eher faden Aufstieg entschädigte die Aussicht ins Schweizer Engadin, z.B. zum Piz Linhard, zur Schneeglocke, über die Fuorcla dal Cunfin oder zur Tuoi-Hütte.

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so macht der Rückmarsch halbwegs Spass – wenn’s flott geht

Der Abstieg war bis auf die losen Steine kein Problem, und der Firn war auch schon deutlich weicher (einen Gletscherspalteneinbruch hatten wir im oberen Teil des Ochsentalergletschers). Auch im unteren Teil des Gletschers hatten die Temperaturen schon am frühen Morgen (10.00) ihr Werk begonnen: der gesamte Hang war ein einziger, breiter Wasserstrom.