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Sella: viele Türme zur Auswahl

Langsam nähern wir uns der Vertikalen. Nach den vier Tagen im MTB-Sattel über die Pässe der Alpen von Schwaz nach Naturns (Geiseljoch, Tuxerjoch, Sattelalm, Schneebergscharte und Eisjöchl) und den kleinen Abenteuern am Monte Cevedale wird’s am Sellajoch (2.240 m) nun wirklich steil. Die Sonne geht auf, noch ist wenig bis kein Betrieb am sonnigen Joch oberhalb des Grödnertals. Dreißig Minuten später sind wir schon unterwegs, versuchen den Einstieg in die Südwand des ersten Sellaturms zu finden. Da wir ein paar Kletterschuhe zu wenig dabei haben, und ich nun mit Alpinstiefeln klettern gehe, probieren wir eine etwas einfachere Route für den heutigen Vormittag. Die Wahl fällt auf die Kostner-Route in der Südostwand (IV, 9SL, 260m Kletterlänge).

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Der 1. Sellaturm vom Westen

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Blick zum Passo di Pordoi

Den Zustieg finden wir, aber erst nach etwas Sucharbeit. Unser Führer, “Dolomiten vertikal”, ist zwar ein prima Ideengeber, aber gerade was die Zustiege betrifft sehr unpräzise. Wie auch immer, ausgerüstet mit einem Rack an Friends, Keilen und Schlingen geht es an die Arbeit. Die erste Vierer-Stelle ist ein recht breiter Kamin, der sich vor allem durch polierte Griffe und Tritte auszeichnet. Haben wir den einmal überwunden, folgen etwas leichtere, teils aber ganz schön enge Passagen durch weitere Kamine und Verschneidungen. Auch die Wegführung ist nicht immer so einfach. Spätestens beim markanten Spreizschritt zwei Seillängen unter dem Gipfel wissen wir, dass wir richtig liegen.

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der besagte Spreizschritt über einen gut 100 m tiefen, offenen Kamin

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auf dem 1. Sellaturm

Die letzten Meter zur Spitze des ersten Sellaturms (2.533 m) sind fast ein Gehweg. Oben gibt’s ‘ne Pause mit Brot und Tee, obligate Fotos, und wir schauen hinüber zur Südwand des zweiten Sellaturms. Auch nicht besonders dramatisch, denke ich. Der Abstieg ist letztlich leichter zu finden als es zunächst den Anschein macht. Eine kleine Stelle wird abgeklettert, und schließlich auch noch gute 15 m abgeseilt.

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beim Abstieg Passagen zum Abklettern…

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… und zum Abseilen

Wir kehren zum Sellajoch zurück, zufrieden über den Vormittag. Hier am Joch ist aber schon Volksfeststimmung. Viele Rennradler sind hier oben, und dann auch noch zahlreiche Reisebusse, die hier Stop machen. Die Passagiere ergießen sich über die näheren Hügel und schauen über die faszinierende Landschaft. Wenige Minuten später merken wir auf der Wiese hinter unserem Büssle nichts mehr vom Trubel. Beate sonnt, ich ordne unsere Kletterausrüstung. Später geht es nach Bruneck, Kletterschuhe besorgen, und nach einem kurzen Stadtspaziergang folgen wir der Straße durch das Pustatal bis Toblach und weiter nach Süden zum Toblacher See. Wieder so eine erfrischende Waschgelegenheit… Bevor es dunkel wird, passieren wir die Mautstelle zum Rifugio Aurenzo. Saftige 22 Euro sind zu löhnen. Hoch oben unterhalb der Südwand der Drei Zinnen parken wir endlich für die Nacht – und genießen den Sonnenuntergang mit Blick auf den Süden, bevor wir am nächsten Morgen in die Wand einsteigen.

Radtour um den Rosengarten

Am ersten gemeinsamen Tag starteten wir folgerichtig mit den Rennrädern eine Explorationsrundfahrt um die Rosengartengruppe. Von Bozen (260 m) ging es zunächst über viele Tunnels ins Eggental, ein einziger langer Aufstieg mit mäßiger Steigung bis Welschnofen (ca. 1.200 m). Der Weg wurde ab hier ein wenig steiler, das Tal enger und die Serpentinen häufiger, bis man beim Karersee (ca. 1.560 m) schon den kommenden Pass ein wenig riechen kann. Doch es zieht sich, und da nun der Wald weg ist, empfängt uns die Sonne mit Hitze.

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Im Eggental

Es sind noch gute 200 Höhenmeter zur Passhöhe Karerpass (1.745 m), aber dann ist die erste Pause fällig. Wir haben ordentlich Energie verbraucht, und verputzen unsere Jause zur Gänze. Hier sind wir an der südlichen Spitze der berühmten Rosengartengruppe, einer Ansammlung faszinierender Gipfel und Felswände.

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super gsi!

Auf dem Weg zum Sellajoch

Auf dem Weg zum Sellajoch

Die Abfahrt ins Trentino geht über Vigo di Fassa nach Pozza di Fassa (1.325 m, wo wir uns mit einer großen Jause eindecken). Nun steigen wir wieder langsam hoch nach Canazei. Jetzt wird’s wieder steil, viele Kehren warten auf uns, denn es geht auf das Sellajoch (2.244 m). Die Aussicht auf die umliegenden Berge ist grandios, umfahren nun die Rosegartengruppe vom Westen und erblicken im Nordwesten den Langkofel (3.181 m). Im Osten baut sich die Sellagruppe auf.

Sellajoch

Das Sellajoch

Nun folgt eine einzige Abfahrt – zunächst Wolkenstein, St. Christina und St. Ulrich bis nach Waidbruck an der Eisack. Der Radweg führt uns dann recht flach bis nach Bozen zurück. Apropos Radwege: da kann sich das Land Vorarlberg einiges an einer durchgängigen Kennzeichnung bzw. Aufbau eines Radwegenetzes ordentlich was von den Südtirolern abschauen!

Grohmannspitze

Die Grohmannspitze am Sellajoch

Landschaftlich eine unglaubliche Runde mit machbaren 115 km und rund 2.700 Höhenmetern. Aber schon eine Stufe schwieriger als die Tour Chur-Lenzerheide-Davos-Chur. Am nächsten Tag stand die nächste Prüfung auf dem Programm – das Martelltal.

Radrunde Rosengarten

Überblick über die Radrunde