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Youngspeak: bitte mehr davon!

Unser letzter Tag am Rogers Pass, der Himmel bleibt klar, und wie gute, alte Nachbarn treffen wir uns mit Steve und Marcella am Morgen vor unseren Campern beim Ausräumen der Ski und beim Packen des Rucksacks. Wir lassen Seil und Steigeisen im Auto, Beate packt aber eine Extra-Portion Jause ein. Es wird wieder ein längerer Anstieg, da will man nicht vor Hunger umdrehen. Sonnencreme, Pieps und los geht’s vom Parkplatz (1.200 m) zum Asukan River wie gestern zum Sapphire Col und Castor. Wir sind flott unterwegs, laufen bald auf zwei Gruppen auf. Trotz der Weite der Gegend haben sich alle Gruppen für den Youngspeak (2.926 m) entschieden.

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der Youngspeak lauert hinter dem Felszacken in der Bildmitte

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unser Tagesziel von gestern: Castor

Wieder ist ein herrlicher Skitouren-Tag in British Columbia. Gemütlich steigen wir hoch, manchmal ist die sanfte Pulver-Decke etwas wenig griffig. Macht nichts, wir kommen bald zur Asukan Hütte, und nach einer Essenspause geht’s zur Sache. Über einen kurzen Gletscher zum steilen Gipfelhang, dann flach zum runden Gipfel. Aussicht: grandios. Temperatur: kalt. Abfahrt: gewaltig.

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im steilen Gipfelhang

Im steilen Gipfelhang fliegen wir nur so vom Berg, der Pulver trägt uns wie auf einer Welle in langgezogenen, scharfen Kurven. Steve will noch mehr und entschließt sich, nochmals hinaufzusteigen. Wir hingegen müssen an diesem Tag noch weiter, Richtung Golden. Hier trennen sich unsere Weg, aber vielleicht nur für heute. Denn wir bleiben in Kontakt und hoffen auf irgendwannmal. Wir verlassen den Rogers Pass und widmen uns einem neuen großen Gebiet zu: Lake Louise und die Icefields.

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flotte Pulver-Abfahrt

Castor: man kann nicht mehr verlangen

Nicht nur im Wallis gibt’s einen Berg mit dem Namen Castor, sondern auch am Rogers Pass in British Columbia. Mit Steve und Marcella gab’s gestern einen Camper-Abend. Ich weiss nicht mehr genau, was wir alles diskutiert und ausgetauscht haben – Strassen-Info, Ski-Routen in Südamerika, Literatur, … der Abend hätte ewig so weitergehen können, wären wir vor Müdigkeit nicht umgefallen. Die Sonne vom Lookout Col…

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Steve und Beate im Aufstieg – Castor in der Bildmitte

Die Nacht bleibt klar und kalt. Entsprechend eisig sind die Verhältnisse am Morgen, als wir vom Auto (1.200 m) weg zum Asukan River laufen. Das sind einige Kilometer durch dichten Wald, aber auf einer fetten Spur. Wir sind heute zu dritt – Steve vom Nachbarauto ist mit dabei. Unser Ziel ist zunächst der Sapphire Col (ca. 2.600 m), der sich über einem Hängegletscher ausbreitet. Auf die andere Seite fällt er recht spektakulär ab, aber für dieses Tal haben wir am heutigen Tag keinen Permit. Wir entscheiden uns für den Gipfel, der südlich des Passes diesen bewacht: Castor (2.777 m).

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etwas steil zum Sapphire Col, dahinter Castor

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Steve beißt sich hoch

Der Aufstieg zieht sich, aber das mitgebrachte Seil und Gletscherausrüstung benötigen wir nicht. Unser Weg ist gut mit Schnee versorgt. Erst kurz oberhalb des Sapphire Col legen wir unser Skidepot an und stampfen ohne Steigeisen den überwechteten Grat zum Gipfel des Castor hoch. Die Rundumsicht an diesem wolkenlosen Tag ist gigantisch. Noch besser wird die Abfahrt: im steileren oberen Drittel der Route haben wir schönen Pulver und genießen schnelles Carven zwischen Steilhängen und Spalten. Der Tag wird zum Abend und bleibt immer noch herrlich. Danke an Marcella und Steve!

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kurz unter dem Gipfel des Castor

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super gsi!

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Was will man mehr?

Lookout Col: Sauna-Tour am Rogerspass

Der Tag in Revelstoke ist am besten als Regenerationstag einzustufen. Kurze Tour, Hallenbad und Sauna, Bibliothek, Stadtbummel, essen, schlafen. Entsprechend gelaunt fahren wir den Trans-Canada Highway 60 km weiter – auf den Rogers Pass. Der Glacier National Park ist ein Skitouren-Gebiet aller Schwierigkeitsgrade, wenn das Wetter passt. Zumindest heute soll es so sein – etwas bewölkt, aber in Summe eher sonnig. So erklärt uns das auch der Park Ranger bei der Permitvergabe.

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zu Beginn etwas Schneefall

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dann klart es auf

Wir starten vom Parkplatz (1.200 m) am Illecillewaet River und folgen diesem mehr oder weniger mehrere Kilometer durch dichten Wald. Erst weiter oben wird der Wald dünner, der Fluß spaltet sich in viele Zuflüsse und wir stehen vor einer grandiosen, gestuften Wand, die im Illecillewaet Gletscher mündet. Soweit müssen wir heute gar nicht, wir lehnen uns gegen den Hang im Süden und folgen diesem bis zu einer Moräne, später bis zum Lookout Col (2.150 m). Unsere Jause ist schnell aufgegessen, die Thermos blitzschnell leer: nachdem wir den Wald verlassen hatten, kam die Sonne raus. Die Hitze wurde bald unerträglich. Hosen auf, am Oberkörper nur mehr Shirt. Trotzdem haben wir am Lookout Col ein nasses Gewand. Wir packen uns ein, denn nur eine Wolke entfernt lauert die Kälte.

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vom Lookout Col sehen wir zum Sapphire Col hinüber (Bildmitte)

Am Lookout Col treffen wir auch auf zwei andere Skitourengeher: Marcella und Steve. Sie sind wie wir auf einem langen Trip mit dem Camper, wollen allerdings auch den Sommer in den Rockies verbringen. Wir fahren gemeinsam ab, unsere Büssle stehen am Parkplatz einträchtig nebeneinander. Das wird am Abend wohl eine Maté-Session geben, denn beide kommen aus Ushuaia an der Südspitze Argentiniens.

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schöne Abfahrt

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Steve in Action

Der Schnee ist im oberen Teil erstaunlich pulvrig, im Mittelteil firnig bis sulzig, und im Wald noch recht fest. Passt. Jetzt gibt’s erstmals Kaffee, und dann mal was Gutes zu beißen. Unser Bus ist ja immer noch mit Lebensmitteln gebunkert. Das Leben ist gut.