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Impressionen aus Denver

Es stürmt, den ganzen Tag. Schnee fällt, als ich mich aus dem Schlafsack am Trailhead zum French Gulch zwänge. Der Himmel ist dunkel, und wir steigen dennoch durch das lange Tal zum Fuß des Bald Mountain. Zu mehr genügt die Vormittagstour nicht. Optimal für Schneeschuhwanderer, drehen wir angesichts des abgeblasenen Rückens und des Nordhangs wieder zum Büssle zurück. Im Schneegestöber geht es zurück nach Breckenridge, wo wir in der Gym zwei Stunden lang unsere Körper auf Vordermann bringen. Erwartungsvoll fahren wir auf die I-70 nach Denver, aber der Schneesturm lässt nicht nach und der Verkehr ist qualvoll.

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die Luft ist feucht-kalt, wie in diesem Buch-Laden

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Park in Denver

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Haschisch für jeden, in Colorado

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es stürmt und schneit in Denver

In Denver angekommen, schneit und bläst es aus allen Richtungen. Recht ungemütlich für eine Stadtbesichtigung, die deswegen recht kurz gerät. Letztlich umso besser, denn die Fahrt aus der Stadt in der Rushhour entpuppt sich als Tortur. Die Straßenverhältnisse (Schneematsch und tonnenweise Löcher) sind anmaßend, der Verkehr (Schritttempo) noch ärger. Wir brauchen über eine Stunde, um halbwegs aus der Stadt zu kommen. Die I-70 nach Osten ist eine Herausforderung, zumindest an diesem Frühabend: Böen, Schneeeverwehungen, Eis- und Schneefahrbahn. Wir sehen viele Fahrzeuge im Graben, manchmal einfach hinausgerutscht, manchmal richtig komplett zerstört. Es wird ein langer, dunkler Abend, und letztlich schaffen wir es nach Colby, Kansas, für das Nachtlager. Das Fahren bei solchen Verhältnissen ist anstregender als eine Tour im French Gulch und zwei Stunden im Fitness Center. Nächstes Ziel auf unserem Roadtrip zur Ostküste: Kansas City & St. Louis am Mississippi.

Quandary Peak: Aprés-Sturm Pulverschnee

Zwei Tage sind wir in Breckenridge „festgesessen“ – der Wintersturm, der uns schon am Mt. Elbert begrüßt, bringt viel Schnee und damit eine hohe Lawinengefahr und wenig Sicht. Über den instabilen Schnee in Colorado haben wir schon viel gehört und zeigen Respekt: wir verbringen die Zeit in Breckenridge trotz allem recht produktiv, auch wenn Beate hin und wieder jammert. Das lokale Freizeit-Zentrum bietet ein Fitnesscenter, eine Boulderwand, Laufstrecke und ein Schwimmbad. Sonst finden wir an Breckenridge nicht viel Interessantes – Shops, Lokale, Ferienhäuser. Und nirgends darf man über Nacht parken. Das stößt uns natürlich sauer auf. Wir nehmen die Gym in Beschlag, alles wird genutzt und wir sind nach zwei Tagen bereit für eine weitere Skitour in den Rocky Mountains.

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wir ziehen wieder einmal die erste Spur

Nach einer sehr kalten Nacht (-20°C) starten wir vom Trailhead (3.307 m) über den langen Ostrücken zum Quandary Peak. Im Wald liegt viel Pulver, später in den vollkommen der Sonne und Wind ausgesetzten Flächen kommen Steine hervor. Der Weg ist klar und zieht beständig in die Höhe, und noch am Vormittag observieren wir vom Gipfel des Quandary Peak (4.348 m) die Gegend nach passenden Touren für die nächsten Tage.

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der Ostrücken zum Quandary Peak

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hin und wieder: schöne Tiefblicke

Die Abfahrt im Osthang ist lang, sicher und mit einer zwanzig Zentimeter hohen Pulverdecke bestens präpariert. Weiter unten queren wir mit den Fellen hinüber zum Ostrücken zurück, passieren die leicht aperen Passagen langsam und vor dem Wald wechseln wir wieder in den Abfahrtsmodus. Der Nachmittag, warme und sonnige Stunden, verfliegt: kochen, putzen, trocknen, ein Nickerchen einlegen.

Mt. Elbert: Mit dem Wintersturm am Ostgrat

Colorado hat Schnee dringend notwendig, und er kommt. Wir verabschieden uns von Vicente, Michelle & Doug und Marcella & Steve und fahren noch am Abend aus Ouray nach Montrose. Ein guter Startpunkt für die nächste Etappe in Colorado, wir müssen nach Leadville, wollen zum Mt. Elbert (4.401 m). Unterwegs zu den Twin Lakes beginnt es zu schneien, und wir brauchen etwas länger als geplant zum Trailhead.

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am Trailhead

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zum Ostgrat hinauf

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der Ostgrat – ein Feld loser Felsen und Steine

Um 11.00 starten wir in das erwartete Schlechtwetter. Es ist ein Versuch, der Weg entlang des breiten Rückens ist relativ klar, wenn auch mit 12 Meilen (hin und retour) nicht kurz. Das Wetter wechselt beständig, mal brennende Sonne, dann wieder stürmischer Schneefall. Je höher wir kommen, desto mehr hüllen uns die Wolken ein. Um 14.00 stehen wir dann auf 13.000 Feet (3.962 m) am Ostgrat. Der Boden ist kaum mit Schnee bedeckt, alles abgeblasen in den Steilhang, den wir wegen der beträchtlichen Lawinensituation nicht befahren können. Wir nehmen die Ski ab, errichten ein kleines Depot und marschieren noch eine gute halbe Stunde gegen den Gipfel. Der Wind wird stärker, der Schneefall ebenso, und das rutschige Gestampfe über losen Fels erfreut uns nicht mehr. Die Zeit drängt und wir müssen gute 300 Höhenmeter vor dem Gipfel umdrehen. Die Abfahrt ist nicht viel angenehmer – schlechte Sicht und viel Respekt vor den lauernden Felsen unter dem Schnee. Wir sind aber gegen 16.00 sicher wieder am Büssle, und fahren rasch über den Fremont Pass zur I-70, wo wegen dem Wetter und dem Rückreiseverkehr aus den Skigebieten nach Denver etwas Chaos herrscht. Wir biegen bald nach Süden ab, wollen Breckenridge zur Homebase für die nächsten Tage machen. Der Winter ist zurück in Colorado.

Ohio Peak: Mit alten Freunden touren

Ouray scheint für uns ein Ort der Begegnung zu sein. Wir klettern mit Vicente Eiswasserfälle in Silverton, treffen Eva und Steve House im Outlaw, werden zum Abendessen von Doug und Michelle aus San Francisco eingeladen, und verbringen den gestrigen Abend mit Marcella und Steve. Die beiden kennen wir noch vom letzten Winter von gemeinsamen Touren am Rogers Pass (Lookout Col, Youngspeak, Castor). Sie sind wie wir mit ihrem Bus unterwegs, das zweite Jahr nun, verbrachten den Jänner im Nordosten beim Eisklettern, jetzt geht es für sie langsam mit dem Frühjahr nach Norden Richtung Yukon und Alaska.

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zum Nordsattel des Ohio Peak

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Gute Zeiten!

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die Wetterfront rückt näher

Der Abend wird – für unsere Verhältnisse – lang, es gibt enorm viel zu erzählen. Als uns die Augen zu fallen, kehren wir in unseren Bus zurück. Gemeinsam geht’s wieder über den Red Mountain Pass nach Silverton, wir touren zum Ohio Peak (ca. 3.780 m). Eigentlich eine Sprinttour (direkt von der 550 auf einer Minenstraße, später geradeaus zum Nordsattel), aber der Schnee hat gestern unter der Sonne enorm gelitten, und so entscheiden wir uns gegen längere Alternativen mit abgeblasenen Rücken und aperen Hängen. Marcella bleibt in Silverton, hat ein Vorstellungsgespräch über Skype, Steve kommt mit uns mit. Wieder ein Prachttag, wenn auch am Horizont die angesagte Winterfront näherrückt.

San Joaquin Ridge: lang, steil, Colorado

Wir sind einen guten Tag unterwegs, von Jackson Hole, Wyoming über grandiose Landschaften – Canyons, Steppen, Berge – bis nach Telluride, Colorado. Unsere erste Skitour in den San Juan Mountains steht an, und wir sind ein wenig besorgt wegen der warmen Temperaturen im Tal: in Grand Junction hat es über 15° Celsius.

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durch den Bear Creek Canyon

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die San Joaquin Ridge, unser Couloir ist auf der rechten Seiten (N)

Telluride (2.667 m) ist ein hübsches Ski-Örtchen, etwas in der gehobenen Klasse, da fallen wir etwas auf hier, parken unser Büssle in der Main Street und machen uns am Gehsteig für die Tour zur San Joaquin Ridge bereit. Zum Bear Creek Trailhead sind es nur ein paar Meter, und schon sind wir mit den Ski einsam im Bear Creek Canyon unterwegs. Zunächst ist der Weg breit und ausgetreten, dann wird die Schlucht eng und die Spuren weniger. Wir verlieren eine halbe Stunde am Bear Creek Wasserfall, weil wir auf der falschen Seite vorbei wollen. Aber auch auf der anderen Tobel-Seite ist es super steil und eng, und es kostet viel Mühe, den Wasserfall endlich zu passieren. Aber auch darüber ist das Gelände anspruchsvoll – ein enger Steig, eine fragwürdige Brücke, sehr eisige Querungen. Wir werden hier körperlich ordentlich getestet.

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Das San Joaquin Couloir

Das geht auch nach dem Wasserfall so weiter – steile Hänge, üble Querungen, und unangenehmer Schnee. Die Pausen fallen entsprechend oft aus, meine Jause ist bald aufgebraucht. Wir machen weiter, die Sonne verschwindet langsam hinter Wolken, und endlich sind wir am San Joaquin Couloir, ein langer Schlauch (ca. 300 m, 40-45°). Doch aus dem Befahren wird nichts: manche Stellen sind so aper, dass man die Ski abnehmen müsste. Der Rest ist mit einem Bruchharsch gefüllt: oben 10cm Kruste, darunter ein Meter tiefer, lockerer Schnee mit wenig Bindung zum Fels. Wir entscheiden uns, die Ski unten zu deponieren und hinaufzuklettern, den höchsten Punkt der Ridge (4.103 m) zu besteigen und wieder “zu Fuss” zurückzukehren.

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Blick vom Gipfel der San Joaquin Ridge gegen NW

Der Aufstieg ist mühsam, ständig brechen wir durch die oberste Schicht durch und müssen aus hüfttiefem Schnee nach oben graben. Wir brauchen fast eineinhalb Stunden bis zum höchsten Punkt, der eigentlich nur noch Felsen ist. Der Abstieg ist wesentlich schneller, wenn auch kalt und mit viel Eisfall verbunden. Auch die Abfahrt ist nicht grandios, denn der Bruchharsch ist von der üblen Sorte. Entsprechend mühsam fahren wir ab, mit ein paar interessanten Stellen, die die volle Kontrolle der Ski beanspruchen. Es bräuchte einfach Neuschnee hier, egal in welcher Exposition. Gut, dass es hier so viele gefrorene Wasserfälle gibt. Die Steileisgeräte singen schon im Auto…

Middle Teton: Abschied aus der Teton Range

Das Sliver Couloir gestern war nicht genug – wir waren nicht am Limit, brauchten noch etwas Saftigeres für den Abschied aus der Teton Range. Grand Teton schien uns zu massiv (viel Schnee in den Couloirs, die sonst bei Eis recht schnell zu durchlaufen sind), also fiel die Wahl auf den Middle Teton (3.902 m). Der Zustieg erfolgt wieder über den Garnet Canyon, vorbei am Nez Percé und dem Disappointment Peak, fast bis zum Talschluss. Kurz davor wartet das südseitig ausgerichtete, sehr lange, prächtig steile aber breite Ellingwood Couloir (460 m, 50°).

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im Garnet Canyon

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South Teton im Blickfeld

Der lange Marsch hinauf wird erleichtert durch eine bereits größtenteils vorhandene Trittspur. Dennoch, der Weg zieht sich, und am Sattel holen wir ein Skibergsteiger-Duo ein, welches sich gerade für den Weitermarsch bereit macht. Denn ab hier wird es knifflig. Abhänge, Wechten, sehr steile Hänge und tiefer Triebschnee. Wir machen noch gut 150 Höhenmeter zum Gipfel gut. Dann blockieren blanke Felsplatten unseren Weg. Die Skitouren-Geher probieren eine nördliche Umgehung, scheitern. Ich versuche südlich auszuweichen und versinke im tiefen Schnee des Steilhanges. Die blanken Felsen darunter bieten keinen Halt, und wir haben keine Firnanker oder ein Seil zur Sicherung dabei. Kurz unter dem Gipfel (geschätzte 50m) müssen wir ebenfalls umdrehen.

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in der Mitte des Ellingwood Couloirs

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exponiertes Skidepot

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der unterste Teil der Ostwand, oben links unser Skidepot

Das Skidepot liegt im östlichen Steilhang und der Tiefblick macht es etwas ausgesetzt. Jeder Handgriff geschieht konzentriert, was hier wegrutscht, ist weg – Ski, Ausrüstung, Menschen. Wir warten, bis die anderen Skitourengeher den Steilhang abfahren, geschätzte 50°+. Das fühlt sich nun auch so an, und Beate vergisst fast vor lauter Respekt, Schwünge zu fahren und rutscht langsam den Hang ab, bevor sie sich vor einem Abhang fängt, aufsteht und zur eigentlichen Steilstelle gelangt. Es dauert etwas, dann sticht sie in den Querhang, der wild ausschaut, noch steiler wird und etwas Mut verlangt. Hier ist der Adrenalin-Ausstoß wohl am höchsten, dann kommen noch ein paar hundert Höhenmeter im gemäßigten 45° Terrain, bis es endlich zum Middle Teton Glacier geht. Von hier kann man die Abfahrt auch blind fahren. Durch den Garnet Canyon geht es wieder retour zum Auto, wo wir groß umpacken, alles trocknen und uns für den langen Weg nach Süden machen. Wer alpine Skitouren liebt, der kommt in der Teton Range auf seine Kosten. Man muss lange Zustiege auf sich nehmen, und dann gibt es keine Ausreden mehr. Ich habe Geschmack an den Steilabfahrten gefunden.

Nez Percé: ab durch das Sliver Couloir

Das Sliver Couloir beschäftigt uns schon seit Tagen. Eigentlich schon seit dem ersten Tag in Jackson, denn der Couloir ist vom Weiten als feiner, weisser Strich im Fels des Nez Percé (3.627 m) zu sehen. Vom Short 25 blicken wir hinüber, vom Disappointment Peak, und nun wollen wir es wissen, ob wir diese Rinne (3-5 m breit, 550 m lang, 45°-55° steil) auch packen können. Ja, wir können.

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unser Tagesziel: das schmale Sliver Couloir leicht rechts vom Gipfel des Nez Percé

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schöner Morgen über dem Tetons National Park

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Einstieg in den Garnet Canyon

Noch im Dunkeln steigen wir in den Garnet Canyon ein, folgen einer schlecht angelegten Spur weit hinein, sehen rechts zum Disappointment Peak hinüber, zum Grand Teton, und links nur eine Felswand, die ab und zu von Couloirs durchbrochen wird. Für eine Rinne entscheiden wir uns, fellen hinauf und gelangen zum Plateau zwischen Nez Percé und Shadow Peak. Wir umkurven den Berg und stehen plötzlich vor dem Sliver Couloir. Ah, herrlich, denken wir, einfach hinauf stampfen. Einfach ist es, aber mühsam, weil lang und steil.

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im Garnet Canyon, im Hintergrund South Teton

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langer Aufstieg im Sliver Couloir

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endlich die Abfahrt durch das Couloir

Am Ende des Couloirs, vielleicht ein hundert Höhenmeter unter dem eigentlichen Gipfel, bläst der Wind wie in einer Turbine. Wir machen uns rasch für die Abfahrt fertig. Beate macht heute den Anfang. Der Schnee ist fest und gut für die „Sprung“-Kurventechnik. Unsere Oberschenkel brennen, aber die Freude überwiegt, das Couloir ohne Schwierigkeiten bewältigt zu haben. Wir queren im Pulver zum Garnet Canyon hinüber, fahren nochmals ein steiles Couloir durch und dann über Pulverhänge bis zum Bradley Lake, wo wir nochmals in Felle wechseln und zum Parkplatz zurückkehren. Ok, damit wäre das auch geklärt. Wir haben noch jede Menge Puffer, das war noch lange nicht das Limit.

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zum Abschluss der Tour ein weiterer feiner Couloir hinab zum Garnet Canyon

Disappointment Peak: langer Pulvertag

Zwei Tage Schneefall und Jägerwetter bescheren Jackson Hole und der Teton Range wieder gute Schneeverhältnisse. Den ersten Schlechtwettertag verbringen wir im Avalanche Canyon, den zweiten in Jackson selbst – Pool, Bibliothek, Einkäufe. Nur die Nächte sind ein wenig unruhig, wir werden freundlich von einem Platz zum anderen gescheucht. Ist leider in Skiressorts recht üblich, wir sind nicht die “wohlhabende” Klientel.

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Grand Teton in der Morgensonne, darunter in roter Farbe Disappointment Peak

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Morgennebel bildet sich über den gefrorenen Bradley Lake

Die nächste große Tour starten wir am Disappointment Peak (3.541 m). Der Name kommt von einem frühen Besteigungsversuch des Grand Teton, der sich im Hintergrund aufbaut. Von Osten schaut es aus, als ob die Höhe eine direkte Verbindung zum Gipfel des Grand Teton aufweist. Daher die große Enttäuschung, am erwähnten Gipfel vor einem Abgrund zu stehen. Die Nacht ist kalt, und entsprechend locker ist der Schnee, den wir von Beginn an (Taggart Lake Trailhead, 2.072 m) unter den Ski haben. Nebel kommt im Tal auf, den wir aber bald hinter uns lassen. Wir spuren den gesamten Aufstieg, aber da der Schnee locker ist, ist es um ein Vielfaches einfacher als am Buck Mountain. Die Navigation passt heute relativ gut und wir finden die kleinen Seen am Hochplateau unterhalb des Spoon Couloirs. Dieser nicht enge Kanal führt über 150 m und ist meist um die 35° steil. Nicht viel, wenn auch einzelne Passagen deutlich steiler sein dürften (über 45°). Mit einer Serie von Spitzkehren gelangen wir bis zur Mitte des Couloirs, dann packen wir die Ski auf den Rücken – der Untergrund ist rutschig, besser für Skischuhe geeignet.

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Booten im Spoon Couloir

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Tiefblick vom Gipfel des Disappointment Peak

Weiter oben, das Gelände zieht sich, die Sonne brennt mittlerweile erbarmungslos auf uns herunter, und irgendwann ist im oberen Teil Schluss mit den Ski – zu viele Felsen. Skidepot, und dann Abmarsch hinauf zum Gipfel, mit ein paar Klettereinlagen auf rutschigem Stein im abschüssigen Gelände. Die Tiefblicke sind fantastisch, besonders zum Teepee Pillar östlich des Grand Teton. Es ist bereits ein Uhr nachmittags, also machen wir uns rasch auf die Abfahrt, der Schnee wandelt sich bereits. Dennoch, am Disappointment Peak wie im Spoon Couloir haben wir Prachtschnee, und weiter unten im Wald genauso. Eine herrliche Tour bei sicheren Verhältnissen.

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herrlicher Pulver im Spoon Couloir

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Spoon Couloir mit unserer Aufstiegs- und Abfahrtsspur

Schneesturm im Avalanche Canyon

Der Plan war einfach und unwiderstehlich: da relativ schlechte Sicht angesagt war, wählen wir eine Route, die uns mittlerweile zu großen Teilen vertraut ist: der Avalanche Canyon. Trotz seines Namens (“Lawinenschlucht”) sind die Bedingungen im Avalanche Canyon derzeit recht sicher, so schien es zumindest am Vortrag bei der grandiosen Abfahrt vom Buck Mountain. Wir erwarten miese Sicht aber feinen Schnee, und wollen bis zum Talschluss des South Fork, unterhalb des Veiled Peak (3.453 m).

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kurz vor dem Taggart Lake – Wolken ziehen zu

Der Morgen ist recht klar, und wir starten am Taggart Lake Trailhead gegen 07.00. Es dauert nicht lange, wir haben mittlerweile den Taggart Lake überquert, und es zieht zu. Der Avalanche Canyon wirkt dunkel und dunkler, je weiter wir hinein vordringen. Es beginnt zu schneien, Graupelschnee, später Schneeregen, aus dem kurzzeitig Regen wird. Ungemütlich. Wir wollen nicht umdrehen, spekulieren mit kälteren Temperaturen, je weiter wir hinaufkommen. Das tritt letztlich auch ein, aber mit einer enormen Wucht. Dichter Schneefall, böige Winde aus allen Richtungen. Der nasse Schnee stöckelt gewaltig, und wir mühen uns gegen das Wetter bis zur Trennung des North und South Fork weiter. Unter der mächtigen Felswand, die das Tal spaltet, wird es bissig. Vom Regen durchnässt, vom Wind ausgekühlt, packen wir die Felle ein und beschließen einen raschen, wenn auch koordinierten Rückzug aus der Lawinenschlucht. Es dauert seine Zeit, bis wir wieder beim Büssle sind, trockengeblasen vom Wind. Morgen ist wieder mäßiges Wetter angesagt, und klar, wir wollen wieder hinaus, in die Tetons.

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Jägerwetter im Avalanche Canyon

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es wird immer dunkler

Buck Mountain: Vorgeschmack auf alpine Touren in den Tetons

Oh, endlich: eine lange (8,5 Std, 1.600HM), alpine Skitour in den Tetons (Taylor Mountain und Oliver Peak sind hübsche Halbtagestouren). Der Morgen fängt etwas frustrierend an. Nicht wegen des Weckertons um 05.30, sondern des Klopfens von Regen auf dem Büssledach. Wir warten etwas ab, um 07.30 starten wir ohne Niederschlag vom Taggart Lake Trailhead (2.072 m) zum ersten Tagesziel, ein Gipfel mit dem Namen „25 Short“, ein Gipfel mit 25 Feet zu wenig für einen 10.000er (3.040 m). Der Aufstieg ist lang, steil und führt durch recht lichten Wald. Was uns müde macht: schwerer Schnee vom Regen, tief genug, um das Ziehen einer eigenen Spur ordentlich in den Beinen zu spüren. Wir wechseln uns mehrmals mit der Führungsarbeit ab, erreichen 25 Short um 11.00. Von hier sind wir am Grat unterwegs, dem Wind ausgesetzt.

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Blick in den Avalanche Canyon (South Fork) vom Gipfel des 25 Short

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entlang des Grates zur Höhe 10696, Beate inspiziert eine Abfahrtsvariante

Der Grat ist abwechslungsreich. Hin und wieder können wir ihm einfach folgen, öfters etwas abfahren und südseitig wieder den Grat gewinnen. So gewinnen und verlieren wir beständig Höhe, aber nach mehreren Kronen erreichen wir auch hier den höchsten Punkt, einen Felsriegel ohne Namen auf 3.260 m. Wir wissen, wir müssen nun auf die Nordseite wechseln, aber überall Klippen, so fahren wir südseitig nochmals ab, umrunden den gesamten Grat und fahren mit den Fellen einen steilen, aber kurzen Abschnitt in den Nordhang ein, um eine breite Rampe nach Osten zu gewinnen. Definitiv eine Tour, die man bei schlechter Sicht nicht machen sollte. Von der Rampe klettern wir schnell wieder, in Richtung unseres Tagesziels: Buck Mountain.

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Höhe 10696, vom Ostgrat des Buck Mountain betrachtet

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ein steiles Couloir zu Fuß weiter den Ostgrat hinauf

Über einen Sattel erreichen wir den Nordrand des Timberline Lake, dann in scharfen Kehren unter den ersten großen Felsriegel im Ost-Grat. Hier wird’s zu steil für die Ski, also rauf auf den Rucksack, wir erreichen über einen 50m langen Couloir eine etwas flachere Passage, steigen wieder auf Ski zum Ostgrat auf. Wir schauen hinauf, geschätzte 250-300 Höhenmeter unter dem Gipfel (3.639 m). Der Hang ist steil, mit einigen Klippen. Sicherlich machbar, wenn wir Zeit hätten. Es ist kurz nach 14.00, und wir wissen, es geht sich nicht mehr mit Tageslicht aus, wollen wir heute zum Taggart Lake Trailhead zurückkehren. Etwas enttäuscht bauen wir die Ski um. Es wäre das I-Tüpfelchen einer grandiosen Tour gewesen.

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Abfahrt über die Nordrampe unterhalb der Höhe 10696

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Blick zurück zum Buck Mountain

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der Avalanche Canyon, re das Nordtal

Für die Abfahrt entscheiden wir uns für den Avalanche Canyon. Die Rampe, die wir aufgestiegen sind, ist einfach zu verlockend, der Schnee vor der Sonne und dem Wind gut geschützt. Der Pulver hält, bis wir im untersten Teil des Canyons in den Wald einfahren. Dort hat der Regen seine Wirkung gehabt, und wir sind entsprechend langsam. Die 3 Kilometer vom Taggart Lake zurück zum Parkplatz sind nicht mehr der Rede wert. Wir machen es uns im Büssle gemütlich, bleiben über Nacht in der Nähe des Trailhead. Wozu nach Jackson zurückfahren, wenn wir am nächsten Tag wieder in den Avalanche Canyon zurückkehren wollen?

Taylor Mountain: steil und direkt

Der Schnee ist über Nacht umgewandelt. Vom lockeren Pulverschnee ist nicht mehr viel über, jetzt ist er bestenfalls schwer, im Normalfall ein klassischer Bruchharsch. Wir sind die ersten am Parkplatz beim Coal Creek, immer noch (wie gestern zur Tour zum Oliver Peak) auf der Westseite des Teton Pass. Wir wundern uns ein wenig, es ist acht Uhr morgens, und der Parkplatz (ca. 2.190 m) ist leer.

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viel Vegetation unter 3.000 m

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Blick vom windumkämpften Gipfel nach N

Die Spur ist eindeutig und geht am linken Bachufer entlang in den Canyon, biegt aber recht bald gegen Westen in den Hang ein. Einer der vielen Rücken, die sich zum Gipfel des Taylor Mountain (3.155 m) strecken. Nun geht es im vielen Kehren die Höhe hinauf. Ich muss die Spur öfters verlassen und eine eigene ziehen, sie ist für mein Verständnis zu steil, ohne Steighilfe. Über die gesamte Aufstiegsstrecke verändert sich der Schnee kaum, nur ganz oben, da ist er windharschig oder gar eisig. Der Höhenwind ist recht gering, dennoch verbringen wir kaum fünf Minuten am Gipfel. Ein Snickers geht sich aus, dann fahren wir den Rücken ab. Zunächst lässt es sich überraschend leicht drehen, aber je weiter wir nach unten gelangen, desto mühsamer wird’s. In der Mitte der Abfahrt kommen uns die ersten Aufsteiger vom Parkplatz entgegen. Recht spät, für diesen SO-Hang. Am Parkplatz erwartet uns eine kleine Überraschung: er ist voll. Wie wir später feststellen, fahren viele zum Pass einen Shuttle-Dienst – wenig Aufstieg, doppelt soviel Abfahrt. Jackson ist ein Ski-Ressort, und so sind die Skifahrer hier.

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hübsche Abfahrt im oberen Teil

Oliver Peak: Powdern in den Tetons

Der Schnee ist von der Sorte, den man für’s Schneemann-Bauen so liebt: pickig. Oder für die Ausgestaltung einer Schneehöhle. Zumindest bleibt der Schnee so in den ersten hundert Höhenmetern, weg von der Straße zum Teton Pass. Schon in der Nacht (Tetonia) war es erstaunlich war, der Schlafsack blieb offen, die Wollmütze im Bücherkasten und das T-Shirt kurz. Oder anders: ein Schlaf nicht in der Gefriertruhe, sondern im Kühlschrank. Angenehm, fast schon zu warm. Es hat hier viel Schnee, aber im Tal wird er nun patzig, und wir brechen mit einem Becher frischem Kaffee zum Teton Pass auf, wo wir nach einer Partie Kühlschrank-Tetris zur Tour aufbrechen. Erklärung zum “Kühlschrank-Tetris”: möglichst viel in den Kühlschrank biegen, was nicht Nager-fest verpackt ist. Denn wir hatten oder haben immer noch einen kleinen Besucher mit Fell im Büssle. Wir sind auch hierauf vorbereitet.

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Welcome to Wyoming

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großartige Stimmung am Teton Pass

Die Route zum Oliver Peak (2.744 m) ist recht klar, und wir haben Hilfestellung durch eine bereits vorhandene Spur vom Vortag. Die Route erlaubt einen sicheren Aufstieg durch den Wald, und trotz der anhaltenden Lawinenwarnstufe 3 ist es eine sichere Tour. Geländemäßig wie im Vorderwald. Wir überqueren zwei kleine Vorgipfel, bevor wir am Wind ausgesetzten Scheitelpunkt der Tour abfellen. Trotz der Wolken ist die Sicht überwältigend. Die ganze Gegend westlich des Passes ist unangetastet, wir sind die einzigen hier weit und breit. Kaum vorstellbar am Pass oder gar dahinter, in Jackson, Wyoming. Der Berg liegt noch in Idaho, ein Teil der Route verläuft in Wyoming. In den oberen zwei Drittel der Tour ist der Schnee leicht und locker, und dementsprechend freut uns die steile Abfahrt durch den Wald, später über Lichtungen, und dann hinaus durch den Canyon wieder zur Passstraße. Eine herrliche Tour, wenn auch für unsere Verhältnisse recht kurz.

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der unwiderstehliche Blick auf Buck Mountain

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alles unverspurt, alles für uns

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Blick vom Oliver Peak nach Victor, Idaho

Middle Cottonwood: Powdern und marschieren

Unsere Tage in Bozeman sind vorüber. Am späten Nachmittag kehren wir vom Hyalite Peak zu unseren Couch-Gastgebern Corey, Quinn & allen anderen Mitbewohnern der Männer-WG. Das ist wieder so eine Couchsurf-Klassiker. Ein Haus voller Zeugs, ein angehender, vom Schulalltag gestresster Krankenpfleger, ein freiberuflicher Marihuana-Cookie-Bäcker und ein Chicago Blackhawks Fan, der seine Freizeit hinter der Spielkonsole verbringt. Dazu zwei Hunde, und jede Menge Freunde, die das Haus häufig frequentieren.

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Blick hinaus aus dem Middle Cottonwood Canyon

Über Nacht fällt Schnee, auch in der Stadt. Wir kratzen Scheiben, und fahren hinaus in die Bridge Mountains. Die Straßen sind schneebedeckt, und abseits nicht geräumt. Wir haben mit dem Büssle gerade noch genug Spiel, um vorwärtszukommen, müssen dann aber auf einer abschüssigen Straße Ketten anlegen – zuviel Blankeis unter dem Schnee. So üben wir etwas mit den für uns neuartigen US-Schneeketten, bevor wir endlich in den Middle Cottonwood Canyon aufbrechen. Ich hoffe, dass der starke Schneefall in den Bridge Mountains die Verhältnisse von letzter Woche (Truman Gulch) wesentlich verbessert hat. Der Anstieg ist zwar angenehmer, trotzdem müssen zahlreiche Bäche gequert und viele Umwege um Büsche und dichte Baumreihen in Kauf genommen werden. Wir kommen langsam voran, und irgendwann schlüpfen wir aus diesem engen Canyon auf eine Alpfläche, die mehr Wahlmöglichkeiten verschafft. Wir entscheiden uns wegen der erheblichen Lawinengefahr (Stufe 3) für eine konservative Linie, die dennoch Fahrspass erlaubt. Es wird ein Aufstieg entlang einer von Baumreihen gesäumten Linie. Die Pause ist kurz, denn der Abstieg wird lang. Nicht so die herrliche Abfahrt, aber der lange Marsch wieder raus aus dem Canyon – kaum zu fahren und mit zu vielen Felsen und Wurzeln bespickt.

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schöne, pulvrige Hänge

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super gsi!

Am Nachmittag machen wir uns dann auf dem Weg, zurück nach Bozeman, und dann hinaus, in den Süden, entlang der State 84 durch eine beeindruckenden Landschaft. Regen, Schneefall, Nebel, alles haben wir während der drei Stunden Autofahrt. Irgendwann drehen wir bei, in Tetonia, ein Parkplatz, ein Abendessen, etwas Radio und Literatur, und um acht sind wir längst im Schlafsack. Wir wollen in die Tetons.

Hyalite Peak: der andere Bozeman-Klassiker

Die Skitouren-Tage um Bozeman gestalten sich derzeit optimal – niedrige Lawinengefahr, frischer Pulver und keine Leute auf “unseren” Gipfeln. Nach dem Mount Blackmore ist der Hyalite Peak (3.146 m) der zweite große Klassiker südlich der Stadt. Auch diese Tour führt zunächst mit dem Wagen hinauf zum Hyalite Reservoir, dann noch ein paar Kilometer weiter südlich des künstlichen Sees. Wir kennen den Parkplatz (2.095 m) schon von unseren Eisklettereien an den Genesis-Eisfällen. Ohne Hektik frühstücken wir im Büssle und gehen dann auf die 24 Kilometer (hin & retour) lange Tour.

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unser langer Zustieg entlang des Hyalite Creek

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das Talende kommt in Sicht

Schon allein die Distanz diktiert eine gewisse Flachstrecke, die sich den ganzen Hyalite Creek entlang zieht, kurz bevor man zum Hyalite Lake hoch zieht. In flotten Kehren machen wir die notwendigen Höhenmeter, um endlich im Talschluss anzukommen, und den Hyalite Peak zum ersten Mal ins Auge zu fassen. Ab hier wird die Windjacke notwendig. Die Nordseite des Hyalite Peak ist felsig, aber der kleine Sattel westlich davon macht einen guten Eindruck. Über diesen Sattel steigen wir letztlich auch zum Skidepot, und dann zu Fuß zum abgeblasenen, flachen, windumkämpften Gipfel auf. Interessanter ist der Sattel, denn seine Krümmung und seine Wind-abgewandte Seite machen ihn zu einer überdimensionierten, auf einer Seite abfallenden Halfpipe, die oben von einer nicht allzu kleinen Wechte abgeschlossen wird.

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Hyalite Peak (li)

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vom Hyalite Peak Fußmarsch retour zum Skidepot, der Sattel mit der mit Pulver gefüllten Nordabfahrt (Bildmitte)

Die Abfahrt ist entsprechend pulvrig, wenn auch durch das fahle Licht die Schneedecke nicht leicht zu lesen ist. Am besten ist es wieder im bewaldeten Gebiet, wo der Pulver tief, trocken und leicht liegt. Es kostet kaum Anstrengung, die Nadelbäume zu umfahren und sich ständig neue Passagen für ein Durchkommen in Sekundenbruchteilen auszusuchen.

Mount Blackmore: Pulvertag in der Gallatin Range

Es fällt Schnee, spärlich, aber ständig, und das genügt, bei etwas frischem Wind von West, eine hübsche Pulverdecke in windabgewandte NO-Hänge zu bilden. Nach mehr als sechs Tagen Skitouren-Pause für Beate ist die Blase am Innenfuss schon recht gut verheilt, und mit extra-Tape und altem Innenschuh geht’s nach zwei Tagen Eisklettern im Hyalite Canyon wieder mit den Ski in die Berge. Unser Ziel: Mount Blackmore (3.095 m) in der Gallatin Range, unweit des Hyalite Reservoirs (2.042 m).

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abgeblasene Westhänge

Die Route ist, orientierungstechnisch, sehr einfach. Dem recht breiten Wanderweg 324 folgend, meist durch dichten Wald, bis zum Blackmore Lake. Von hier geht es etwas steiler, dem Blackmore Creek nach, in einen Talabschluss, der vom Elephant Peak und dem Mount Blackmore bewacht wird. Anstatt über den steilen Anstieg zum Sattel zwischen den beiden Häuptern aufzusteigen, steuern wir direkt von Ost über einen bewaldeten Rücken auf den Gipfel des Mt. Blackmore zu.

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windumkämpfter Ostgrat zum Mount Blackmore

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sehr gute Tourenbedingungen am Mount Blackmore

Am Grat selbst bläst der Wind mit zunehmender Geschwindigkeit, aber auch am Gipfel ist es relativ gemütlich. Die Wolkendecke zieht sich zusammen, und im böigen Wind fahren wir bei bestem Pulver zum Blackmore Creek ab. Sehr fein, mal sehr locker den Berg herunterzukurven. Der Weg zurück zum See und später zum Parkplatz ist zwar lang, aber wir machen dank der guten Bedingungen schnelle Fortschritte, ohne die Kontrolle in der engen Waldabfahrt zu verlieren. Mehr Schneefall ist angesagt, der Winter kommt nach Bozeman zurück.

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die wilde Gallatin Range

Eiskletter-Training im Hyalite Canyon

Unsere Tage in Bozeman laufen gut – eine erste Skitour in den Bridge Mountains, Dylan und Brian als sehr nette und lustige Couch-Gastgeber, und dann die ersten Eiskletter-Routen für Beate überhaupt. Bozeman ist eines der besten Eiskletter-Reviere in den USA, und für einen Start in dieser neue Bergsport-Dispziplin sehr dankbar. Einfach zu erreichen, kurze Zustiege und viele Routen in allen Schwierigkeiten.

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gelungener Start für Beate’s Eiskletterei

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glücklich, weil wieder im Steileis…

Für Beate ist es ein Kennenlernen. Die Tools, die Bewegungstechnik im Eis, das etwas andere Klettern. Wir machen einige Runden und klettern an zwei Tagen über 15 Seillängen. Die leichten Routen sind für Beate bald kein Problem, also gehen wir etwas steiler. Man merkt den leichten Unterschied von wenigen Grad sofort, und das macht die Unterarme, besonders im Vorstieg, recht pumpig. Ich denke, Beate hat es gefallen, und sie wird ihre neuen Steileisgeräte behalten. Jetzt heißt es, längere und steilere Routen zu gehen, selbst vorzusteigen und dann auf Mehr-Seillängen-Routen umzuschwenken. Denn hier beginnt das alpine Eisklettern, wo meist das Wasserfall-Eisklettern aufhört.

Truman Gulch: Ein Jahr mit den Ski unterwegs

Die letzten Tage waren ein Spiegelbild des letzten Jahres. Ein Jahr Skibergsteigen, eine Runde um den Pazifik. In den Sawtooth Mountains in Idaho sind die Bedingungen nicht einfach. Lange Zustiege, viel Wald, Pulverschnee in Miminaldosis. Beate verpasst die letzten zwei Touren am Williams Peak dank einer fetten Blase am rechten Innenfuss. Solo durchstreife ich die Wälder, Grate und Seen. Und wieder geht irgendein Teil kaputt: vor einigen Tagen die Kamera (da fällt doch glatt aus dem Innengehäuse (!) eine winzige Schraube zwischen Linse und Kamerakörper heraus, blockiert die Focusmechanik und macht sie letztlich unbrauchbar), dann macht sich einer der Stockteller davon, und später erfahre ich, dass Beate Puffy-Jacket einen ordentlichen Riss erhalten hat. Zurück aus dem verträumten Stanley, besorge ich in n Idaho-Hollywood Ketchum den Schneeteller, dann suchen wir uns eine heiße Quelle. Die halbe Stunde im heißen Naturbecken, umgeben von Wald und Schnee, tut unendlich gut. Sauber und aufgewärmt schauen wir bei unseren Freunden Madi und McClain vorbei. Wir kennen uns von einer Bootsfahrt in der Halong Bay (Vietnam). Die beiden sind genauso skiverrückt wie wir, und wir machen Pläne für Wyoming. In dieser Nacht wird geplaudert, getrunken und in einem großen Bett übernachtet. Erst in der Früh machen wir uns dann wieder auf den Weg, zunächst nach Idaho Falls, später ins hübsche Butte in Montana, und letztlich nach Bozeman, unserer Basis für die nächsten Tage.

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Blick über den Truman Gulch auf die Eben nördlich von Bozeman, Montana

In den Truman Gulch gehe ich wieder alleine. Der Canyon ist zu Beginn sehr vereist, erst später, dort wo die Sonne und der Wind dem Schnee nicht allzu viel anhaben können, finde ich viel Schnee, teils harschig, teils pulvrig. Ich suche mir irgendeinen der vielen engen und steilen Rücken aus, den ich bis zum Grat (2.621 m) erklimme. Der Wald ist licht genug, um ihn zu befahren, und es macht ausdrücklich eine Menge Spaß, im Pulver steilen Slalom zu fahren. Zum Büssle laufe ich dann wieder eine Stunde mit den Ski am Rücken, den Eiskanal wage ich nicht zu befahren.

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am Grat, Blick zum Saddle Peak

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überraschend gute Abfahrt, wenn man Pulver sucht

Das Jahr ist unheimlich schnell vergangen. Das zweite Jahr beginnt. Es könnte ewig so weitergehen. Öfters erwische ich mich, wie ich in Gedanken an einer Fortsetzung der Reise bastle. Es könnte immer so weitergehen.

Williams Peak: Erkundungstour

Die neuen Innenschuhe habe Beate keine guten Dienst getan: große Blasen, die nun eine Gehpause notwendig machen. Ich mache mich alleine in die Wälder auf, suche nach einem Wanderweg, der mich in die Nähe der Marshall-Lakes bringt. Es ist erstaunlich ruhig hier, für eine so bekannte Skitouren-Gegend wie die Sawtooth Mountains.

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Williams Peak vom Startpunkt der Tour aus gesehen

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Thompson Peak, sein südlicher Nachbar

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wilde Sawtooth Mountains

Alleine durch die Wälder zu streifen hat was Schönes. Immer wieder bleibt man stehen, lauscht, schaut um die Ecke, wo es weiter gehen könnte. Eine klassische Erkundungstour, denn ohne Skitouren-Guide und Karte ist es einfach der Nase nach. Ich möchte hinüber zum Williams Peak (3.242 m), und komme dem Gipfel recht nahe, über den Ostgrat. Hier nehme ich die Felle ab, erkunde die Täler links und rechts auf Begehbarkeit und Zugang, und mache mich wieder auf den Weg nach unten, der heute anstrengender wird als gestern auf dem Rückweg vom Hayburn Mountain. Beate wartet schon mit einer heißen Suppe.

Hayburn Mountain: Skitouren in Idaho

Sawtooth Mountains, endlich. Der Ski gleitet leicht in der breiten Spur über den flachen Rücken, entlang des Redfish Lakes, im lichten Wald, in unendlicher Sonne. Die beißende Kälte am Morgen ist verflogen, der Bodennebel am See liegt hinter uns. Alles ist hinter uns. Die lange Fahrt von Logan, Utah, nach Ketchum, Idaho, die kurze und angenehme Nacht im Büssle auf einem großen Platz vor der Stadt, das mißlungene Treffen mit einem Freund am Vorabend. Letzteres wird noch etwas warten müssen, denn hier im Hinterland haben wir keinen Mobil-Empfang. Das Satelliten-Telefon kommt hier wieder mal zum Einsatz.

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Anmarschweg im leichten Nebel

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links unser Ziel: Hayburn Mountain

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super gsi!

Kleine Seen reihen sich wie eine Perlenkette zwischen dem Hayburn Mountain und seinem Nachbarn. Wir passieren das gefrorene Eis, und suchen dann nach einer veritablen Aufstiegsspur im steilen Gelände. Eine Stunde später stehen wir am Grat, jausen, genießen die Sonne. Zum Gipfel gehts über schroffen Granit. Wir lassen dies bleiben, stechen stattdessen mit den Ski in die Tiefe. Eine selektive Abfahrt, die am See mit einem Fell-Anlegen-Intermezzo unterbrochen wird. Der Rest, entlang des Rückens zurück zum Redfish Lake, ist als würde man auf einem Fließband im Flughafen Kilometer abspulen – einfach, schnell, in Bahnen gelenkt. Final, eine vier Kilometer lange Skating-Strecke zum Auto. Ein 7-Stunden-Ski Tag geht mit Kartoffelpürree, Bohnen und Grapefruit-Limo zu Ende.

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herrliches Skidepot

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steile Abfahrt