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Holzschlangen – Ecuador XXI

Mit seltsamen Gefühl kehrte ich ins Grand Hotel zurück. Ich hatte mir ein Zimmer für eine Nacht reserviert, holte den Schlüssel an der Rezeption ab und ging rasch nach oben. Ich wollte nur noch duschen, meine Sachen ordnen und ins Bett. Ich hatte einen Teil meiner Sachen im Hotel zurückgelassen, besonders die Bücher und ein paar Souvenirs, die es im Dschungel sicher nicht einfach gehabt hätten.
Besonders angetan hat mir ein kleiner Laden einer Kooperative, die Pullover, Hängematten und selbsthergestellte Kunstgegenstände lokaler Künstler und Arbeiter verkauften. Ich hatte mich reichlich eingedeckt: ein dicker Pulli für den Winter, eine weinrote, riesige Hängematte, mehrere Tucane aus Balsaholz und eine Holzschlange, die sich beinahe von selbst bewegte. Ich habe diese heute noch. Quito ist gut ausgestattet mit Einkaufsmöglichkeiten, doch ich hatte an diesem Tag keinen Bedarf mehr an dünner Shopping-Luft. Beate, I felt out of breath when I ran the last steps up to the hotel, und dann fiel ich ins Bett und freute mich auf den Flug nach Hause.

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Rückkehr nach Quito – Ecuador XX

In Puyo bin ich nicht lange geblieben. Ich war dankbar für das viele Essen und die heiße Dusche, aber das war auch schon alles. Ich ging sehr bald ins Bett, schlief durch und musste am nächsten Morgen nichts anderes tun als frühstücken und meine Sachen packen.
Eigentlich wollte ich die paar Kilometer zu Fuss zum Busbahnhof gehen, doch ein Platzregen ließ mich ein Taxi nehmen. Ich stand beinahe allein an diesem Morgen in der Halle, nur ein oder zwei Ticketverkäufer in ihren Kabinen sahen gelangweilt in ihre Magazine. Der Bus füllte sich auch nicht mit mehr als drei Fahrgästen, als wir abfuhren. Es schüttete immer noch, und irgendwie war ich dann doch froh, dass es vorwärts ging.

Wir fuhren stundenlang die Anden nordwärts, sammelten Leute von der Straße auf und luden alles auf, was es zu transportieren gab: Hölzer, Textilien in Plastik verpackt, Käfige samt Hühnern, und irgendjemand schleppte auch noch Fische in den Bus. Es stank und der Busfahrer schickte den Fahrgast samt Ladung auf das Busdach. Mittlerweile saßen dort schon einige, trotz des Regens. Je näher wir Quito kamen, umso voller und bedrängter wurde es.
In Quito selbst nahm ich wieder am selben Busbahnhof, an dem ich vor mehr als einer Woche die Hauptstadt verlassen hatte, meinen völlig durchnässten und mit Rost überzogenen Rucksack entgegen. Trotz aller böser Erinnerungen, ich hatte mich für meine letzte Nacht wieder im Grand Hotel eingemietet. I felt nothing as I entered the lobby, Beate, ich nahm einfach meinen Schlüssel und verschwand in einem dieser Zimmer im 3. Stock.

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Fried rice in Puyo – Ecuador XIX

Meine Tage im Nebelwald gingen zu Ende. Bis zur Ankunft des Pickups, der mich zurück nach Puyo bringen sollte, hatte ich mich noch als Sammler von Pflanzen, Fruchthülsen und Mineralien versucht. Die Vielfalt war auch um das Camp herum einzigartig. Der jüngste der drei Brüder zeigte mir, wie man aus Palmenblättern Kopfschmuck flechten konnte, und ich sprach mit den Jungs über ihre Pläne. Sie sahen ihre Zukunft als Fremdenführer, besuchten in Banos eine Tourismusschule und lernten fleißig Spanisch.

Es war ein trauriger Abschied, aber ich sehnte die heiße Dusche herbei wie ein Verdurstender in der Wüste. Die Kleidung pickte an mir, alles war feucht, und ich hatte auf einmal Lust auf fried rice. Beate, I felt that desperate for fried rice, dass ich mich sofort als ich in Puyo ankam, in ein chinesisches Lokal saß und als einziger um drei Uhr nachmittags eine Riesenportion in mich hinunter schlang, unter den verwunderten Augen des Kellners.

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Out of Quito – Ecuador VII

In aller Frühe hatte ich bereits meine Sachen auf meinem Bett geordnet, bereit sie in meinem Rucksack zu schultern, das Hotel zu verlassen, ja, Quito zu verlassen. Dunkelheit lag noch immer in den Straßen, ich durchlief die Enge, vorbei an wenigen Ständen, die nichts anboten. Erst am Busbahnhof, dem Ort des organisierten Chaos, entdeckte ich Menschen mit müden Gesicht, aber auch hier, keine Europäer, keine Nordamerikaner.
Der Bahnhof glich der Dunkelheit, allgegenwärtig und doch so fremd. Abstoßend künstlich, kalt und ein Behälter, der Menschen auf Fahrzeuge zu verteilen hatte. Ich musste mich zusammenreißen, ein wenig an meinem Frühstück zu kauen, klammerte mich hinter meine Fahrkarte, um von hier wegzukommen. Ich sah in jedem Bus einen Schritt weiter in Richtung Zukunft, in Richtung Hoffnung, in Richtung besseres Leben. Was auch immer das heißen mochte. Dieser Ort war das Letzte, und ich fühlte mich glücklich, als ich einsteigen konnte, in mein nächstes Abenteuer. I felt out of Quito, Beate, to be closer to you, even I didn’t know anything about you.

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Am Äquator – Ecuador VI

Verfolgt und doch nicht verfolgt verbrachte ich meine letzten Tage in Quito. Dabei waren mir die Uniformierten eh am liebsten. Da wußte ich gleich, dass ich einen Bogen um sie machen musste. Die Kriminellen waren mir auch ziemlich egal, da mir diese nur Sachen stehlen konnten, aber mich nicht einsperren.
Da lag es nahe, dass dies einer ausbaden musste, der eigentlich nichts dafür konnte (oder doch?). Wie alle Südamerikaner eher offen sind und gleich jeden anquatschen, der fremd aussieht, so tat es ein Junge auf einen der zahlreichen Plätze. Ich hatte echt kein Bedürfnis nach neuen Freunden und solchen, die es vielleicht werden mochten. Ich sagte fast nichts, nur knapp, und der Typ blieb einfach hartnäckig und redete und redete bis ich zugab, an diesem Tag zum Äquator fahren zu wollen. Da saß er auch schon neben mir im Bus, hatte seine Gaudi mit spanischen Wörtern, die ich nicht kannte, reichlich pubertär mit der Zeit, denn er schien sich nur für die Schulmädchen im Bus und außerhalb des Busses zu interessieren.
Am Äquator daselbe: das Denkmal, all die Infos, ihm wurscht, aber nicht die Mädels, die er fortwährend anbaggerte und mich mit denen verkuppeln wollte.
Das Highlight war dann zuerst das Foto am Äquator (mit den Beinen auf den zwei Erdhälften) und dann die Fahrt retour, als wir zuerst ein anderes Auto streiften und dann er endlich ausstieg. Ich hatte genug und lief ziemlich fröhlich wie schon seit dem Vorfall im Grand Hotel nicht mehr die Straßen zurück. Morgen ging es in den Amazonas, Beate, and I felt pretty happy about that.

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Ohne Sicherheit – Ecuador V

Wir standen da, in Angesicht zu Angesicht, aber jeder blickte auf die Geldtasche, die wie ausgebreitet da lag, um ausgenommen zu werden. Ich hätte den armen Schlucker spielen können, aber der Große mit dem Schnauzer und den Reiterstiefeln wußte ganz genau, wieviel Bares ich hier hatte. Er hatte ja sogar meinen Geldgürtel auseinander genommen!
Erste Frage: wie gebe ich das, was er will: Dolares. Zweite Frage: wie komme ich möglichst billig davon? Ich nahm also die Geldtasche in die Hand, und wir sahen uns dabei nicht an. Ich sagte ihm “Danke, für die Familie” und nahm einen 10er heraus. Er fasste den Schein nicht an und lachte sich eins. Que pasa? Der Hotel-Manager kam nun ins Spiel. Er nickte in einer Art und Weise, als wäre noch mehr für den Großen drin. Ich blätterte nicht mehr in der Geldtasche herum, sondern nahm einfach ein Büschel heraus und gab es dem Manager. Der fächerte das Geld in seiner Hand auf, blickte zum Reiterstiefel-Typen, der nickte zurück und sah mich an: Das Messer nehme er mit und ich könne es wieder abholen, wenn ich das Land verlasse. Den Teufel werd ich tun und sagte ihm, dass ich die Adresse brauche.
Den Zettel mit der Adresse habe ich sofort weggeschmissen, als der Typ zur Tür draussen war. Das Hotel kotzte mich an, die spielten irgendwie zusammen, und ich war wie viele andere offenbar einer mehr, denn man locker abzocken konnte.
Die 50 Dollar oder so waren mir ziemlich egal. Doch das Gefühl, nicht einmal in den ‘eigenen’ vier Wänden sicher zu sein, das nahm mich doch irgendwie mit. Fortan fühlte ich mich beobachtet, verfolgt, schlug Haken und spielte Verstecken mit imaginären Agenten der Polizei und der Staatssicherheit. Beate, I felt out of my true holidays and felt in into a 007-Classics.

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Das Grand Hotel als Guerilla-Basis – Ecuador IV

Da stand ich nun da, mit heruntergelassener Hose, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Cop hatte nicht nur das Zimmer durchwühlt – ich meine hier alles: Schränke, Bettmatratze, Rucksack, Schuhe, gerade, dass er nicht die Zahnpasta ausdrückte – und natürlich auch mich abgetastet und meine persönlichen Wertgegenstände (Geldtasche etc.) begutachtet. Er fragte, was ich in Quito mache, ich sagte ich sei Tourist und lerne Spanisch. Comprende?
Er ging zum Schrank und holte meinen grünen Schlafsack heraus, dann noch eine Mütze, wie sie im Dschungel oft getragen wird: mit Krempe und olivgrün. Ob ich beim Militär sei, bei der Polizei, oder so. Nein, nur ein einfacher Tourist aus Österreich. Ob ich beim Militär sei, wollte er wissen. Jedes mal die gleiche Antwort. Dieses Spiel spielten wir rund ein halbes dutzend Mal, der Hotel-Manager stand immer noch in der Zimmer-Tür und sagte einfach gar nichts. Dann holte er noch mein Feldmesser aus meinem Rucksack und sagte, ich sei ein Guerillero. Ich musste lachen, innerlich. Die Situation geriet langsam ausser Kontrolle, denn ich ahnte schon, wohin die Reise gehen sollte.
Ob ich bei der Guerilla sei, bla bla. Nein, zum x-ten mal, ich bin aus Österreich, ein Tourist, der in Quito Spanisch-Unterricht nimmt und zum Abschluss seiner Reise noch einen Abstecher ins Amazonas-Tiefland unternehmen will. Wieder vergingen diese ewigen Debatten, dass ich endlich zugeben soll, ich sei bei der Guerilla. Ein netter Abend.
Dann kam wieder Bewegung in die Sache, als der Große mit dem Schnauzer meinte, er müsse mich auf die Wache mitnehmen. Nichts lieber als das, sagte ich, und dachte mir das auch. Endlich ein paar Regeln, keine Unterstellungen, usw. Ich muss das richtig überzeugend gesagt haben, denn der Typ stockte kurz. Es gäbe da eine Möglichkeit, sagte er plötzlich. Ich guckte ihn an. Ich war im Vorteil. Ja bitte? Mein Spanisch wurde langsam besser.
Der Hotel-Manager sah nurmehr auf den Gang hinaus, pfiff sich eins. Der Große mit dem Schnauzer hielt mein Messer in der Hand und grinste verächtlich auf meine Geldtasche, die auf dem Bett lag.
I felt out of the real world right now, Beate. War das eine Falle? Wollte er mich legal dran kriegen wegen Bestechung? Müßte ich mein restliches Leben in irgendeiner ecuadorianischen Zelle verbringen???

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Das Grand Hotel – Ecuador III

Nicht unweit der Altstadt hatte ich im Grand Hotel Unterkunft bezogen. Es war als Backpacker-Pension bekannt und recht nett. Ich hatte mir ein kleines Zimmer genommen, Bad am Gang, aber mit einem Fenster und einem durchhängenden Bett.

Ein Zimmer in einer Stadt wie Quito ist immer eine Zufluchtstätte vor dem Lärm, den neugieren Blicken und Fragen von irgendwelchen Einheimischen, vor den Gaunern und der Polizei dieser Straßen. Man konnte sich zurücklehnen, nachdenken, lesen oder etwas schreiben. Am liebsten natürlich schlafen, aber dank der Zeitumstellung war das nicht so selbstverständlich. Die Seehöhe von rund 2.800 m hatte auch etwas für sich.

Nun, das Grand Hotel wurde zu einer Art Zuhause. Ich kannte die Rezeptionisten, die Mädels in der Küche, manche Gäste und viele Geschäfte um das Hotel herum. Wie an allen Abenden hatte ich mich schon auf das Bett geworfen, um noch Vokabeln für meinen Spanisch-Unterricht am nächsten Tag zu wiederholen, als die Polizei an meine Türe hämmerte. Im Schlepptau des Hotel-Managers kam ein großer, schnauzbärtiger Macho-Prototyp zur Tür herein – Reiterstiefel mit Sporen, Jeans und Hemd – und erklärte, er sein Polizist in Zivil und werde meine Unterkunft auf Drogen auf den Kopf stellen. Der Hotel-Manager wirkte angespannt und nickte. In Unkenntnis der Rechtslage und da ich ja eh nichts zu verbergen hatte, kommentierte ich das gerade begonnene Durchwühlen meiner Sachen nur mit wenigen Worten ausschließlich auf Englisch. Ich wollte wissen, was der Typ von sich gab, wenn er mit Manager sprach… And then I just felt out of control, als dieser Polizist in Zivil sich grinsend zu mir zuwandte.

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Stromausfälle in Quito – Ecuador I

Die Reise rückt näher. Nicht dass ich schon Rio riechen könnte, aber die Vorstellung in weniger als 3 Monaten meinen Fuss wieder auf den südamerikanischen Kontinent zu setzen, lässt meinen Puls höher schlagen. Das erste Mal durfte ich diesen Kontinent auf dem Flugfeld von Quito betreten. Die Empfangshalle ein großer Lagerraum, die Strassen voller Russ-qualmender Minibusse und Schlaglöcher. Ist schon eine Weile her, glaube 1996 war das.
Eine schräge Zeit. Nahm Spanisch-Unterricht in einer Schule, die gerade mal 3 Schüler hatte und die Einzelkabinen vielleicht 2x2m groß waren. Gelegentlich saß ich mit meiner Lehrerin im Stockdunkeln, da der Strom immer wieder ausfiel. Erlebnisse im Dunkeln hatte ich in Ecuador öfters, besonders im Amazonas. Da drehte jemand einfach um 6 das Licht ab, zwack! Das einzige, was leuchtete, waren Schwärme von Glühwürmchen. Wenn man sie als solche erkannte… Ecuador, un amor! Das war das erste Mal von vielen, that I felt out of Europe into America de Sur, und jetzt haben wir die Tickets, um wieder zurückzukehren, auf diesen lebenswerten Kontinent.

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