Posts

Bisons & Hot Springs: Erinnerungen an einen Road Trip

Es sind einige Wochen her, dass wir in München aus dem Flugzeug gestiegen sind. Zurück in den Alltag, zurück aus dem hohen Norden Alaska’s, den unendlichen Weiten Kanadas und der bezaubernden Mondlandschaft Islands. Es gibt da so Momente, da träumt von diesen Tagen, und wünscht sich nichts mehr als zu zweit wieder unterwegs zu sein. Eine lange Reise, ein Road Trip, ein Weg in das Abenteuer. Das sind unsere Erinnerungen, das ist, was wir sind.

Road Trip from Mark Buzinkay on Vimeo.

Ein Kontinent der Immigranten

Wir fahren in L’Assumption vor, entlang einer Parade von Einfamilienhäusern, blieben an einem Hauseingang stehen, wo Kinder auf uns zustürmen, ein Mann im Dress der Montreal Expos im Türrahmen steht und eine zierliche Frau aus dem Fenster winkt. Wir werden freudig begrüßt, auf Französisch, Englisch und Ländle-Deutsch. So richtig gekreuzt haben sich unsere Wege das erste Mal vor zehn Jahren.

montreal-5

Mit Tyson und Coralie

Im Jahr 1880 macht Richard Riedmann seinen ersten Schritt auf Süd-Manhattan, verlässt nach einer mehrwöchigen Überfahrt das Schiff. Der Auswanderer macht sich geradewegs auf den Weg nach Rochester, im Nordwesten des Bundesstaates New York. Seine Bekanntschaft mit einem dort ansässigen Pfarrer machen ihm die Entscheidung, wohin er auswandern und sich niederlassen möchte, leicht.

canandaigua-2

in der US-amerikanischen Provinz

Für beide Familien – in Montreal wie Rochester – beginnt ein Weg der Anpassung. Während im französisch-sprachigen Kanada Moni ihre sprachlichen Fähigkeiten entwickeln muss und ein Leben mit Germain und den Kindern ohne ihre zurückgelassenen familiären Bindungen in Vorarlberg beginnt, ist die Situation in Rochester nicht viel anders. Die Entwicklungslinien ähneln sich, auch wenn die Rahmenbedingungen andere sind. Liebe da, wirtschaftliche Motive dort. Oder wie bei Charles, die pure Lust anderes kennenzulernen. Charles radelt durch die ost-kanarische Provinz, spricht kaum ein Wort Französisch, ist aber über und über begeistert von Quebec. C’est la vie, sagt er mir, grinst über beide Ohren und träumt schon wieder vom Essen, den Leuten und der ländlichen Architektur der Gaspesie.

canandaigua-1

Sonnenberg Gardens, Cannandaigua

canandaigua

bei Riedmans

In Canandaigua unweit von Rochester sind wir für zwei Abende zuhause. Spätsommerliches, schwüles Wetter, Nebel am Morgen, die Ruhe ist überall, ein Schildkröte schlendert über die Interstate. Laurie und Rich, beide selbständig tätig, sind in vielen Dingen aktiv. Und damit meine ich vor allem die Community – vom Soccer Training bis zum Ausschuss des lokalen Botanischen Gartens. Nicht zu vergessen die Honig-Produktion, für die Rich ein langjähriges Faible entwickelt hat. Trotzdem vergeht der Tag für uns wie in Zeitlupe, wir haben viel Zeit und genießen es. Endlich mal Wäsche waschen. Endlich mal ein Auto-freier Tag. Und endlich mal ein mehrgängiges Abendessen. Der Abend endet in der Großfamilie der Riedmans am Canadice Lake, bei Bier, Wasserski und jeder Menge Geschichten. Und dann geht es wieder nach Kanada und zu den Niagara Waterfalls.

canandaigua-3

nein, keine neue Sportart für uns, macht aber Spass

Impressionen aus Quebec

Für mich ist es immer noch das Grand St. Malo. Sehr bretonisch. Steinmauern, enge, steile Gassen. Creperie. Wer die Bretagne liebt, der ist hier zuhause. Auf dem Weg aus der Gaspesie nach Montreal.

quebec-1

im alten Quebec

quebec-2

Le Chateau Frontenac

quebec-3

Dejeuner…

quebec-4

super gsi!

La Tournée de la Gaspésie

Advocate ist verlassen, Gerry und Jane bleiben uns weiterhin in Erinnerung. New Brunswick zu durchfahren ist eine Sache von wenigen Stunden. Damit ist nicht gesagt, dass es nichts zu sehen gibt. Die Landschaften wechseln beständig, und besonders entlang der Küste kann Beate nicht einschlafen. Das will was heißen.

gaspe

Percé

Irgendwann überqueren wir über die Brücke bei Campbellton die Grenze zu Quebec. Die Welt taucht nun in Blau-Weiss, die Straßen bleiben breit und sanft. Ich sauge jedes Straßenschild und jede Reklame in mich auf, ich verschlinge ihr Französisch, denke und spreche mit mir in der einzigen Sprache hier. Ich genieße es. In der Schule konnte ich das nicht behaupten. Aber nach vielen Reisen in französisch-sprachigen Regionen, unter anderem auch hier in Quebec, habe ich daran Wohlgefallen gefunden. Wir betreten die Gaspesie, jenes gelobte Land der Großstädter aus Montreal und Quebec, das Land der Äpfel und Meeresfrüchte, feiner Strände und wilder Klippen. Ein Spiegelbild der Normandie.

gaspe-2

früher Morgen in der Gaspésie

Das erste Nachtlager schlagen wir über einem Strand unweit von Paspebiac auf. Der Mond geht auf, wir bauen unser Sofa auf, schauen bei offener Schiebetüre hinaus auf den Atlantik. Irgendwann schlafen wir ein. Die Nacht bleibt ruhig, die Fahrt am nächsten Morgen entlang der wilden Küste nach Percé ist kurz. Die Sonne geht auf, die Luft ist erfüllt mit Salz und Sommer, und wir spazieren unweit des Roche Percé auf einen Kaffee. Gaspèsie ist Romantik.

gaspe-3

das traditionelle Telefonat

gaspe-4

wir sind angekommen

Die Fahrt führt uns weiter, in den Nationalpark Forillon. Bestens ausgestattet und erhalten, ist unsere erste Station an diesem Spätsommer-Tag der Strand. Ich schlafe nochmals ein, und als ich aufwache, tummeln sich Seelöwen unweit von uns im Wasser. Etwas später, Beate wird etwas unruhig, wechseln wir den Strand, um unsere Laufschuhe anzuziehen. Ein Trail führt uns zum Leuchtturm am Cape Gaspé, und retour. Die Steilküste ist eine Augenweide. Die Wasch-Routine führt uns zunächst in den Atlantik, dann unter die Solar-Dusche. Wir fühlen uns frisch, die Nudeln schmecken so-so, aber wir haben keine Eile, auch als die Dunkelheit einbricht. Erst spät verlassen wir den Nationalpark, um in der Nähe des Eingangs einen guten Spot für die Nacht zu finden.

gaspe-5

im Nationalpark Forillon

gaspe-6

sehr schick – Auto und Wohnwagen

Das Wetter wechselt am nächsten Morgen, als wir den Norden des Nationalparks Forillon per Laufschuh entdecken. Es ist stark bewölkt, und später, nach einer Dusche am Parkplatz, beginnt es leicht zu regnen an. Die Straße im Norden ist noch aufregender als im Süden, und auch Beate gefällt die Rolle hinterm Steuer. Wir passieren kleine Städtchen mit wilden Namen wie Wolfsfluss, Drei Pistolen oder Sankt Bruno. Die Gaspesie hält, was sie verspricht. Ich könnte hier länger verweilen. Quebec, Montreal und Canandaigua warten.

gaspe-7

am St. Laurent