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Die finalen Längen an den Dentelles

Nun neigte sich unsere Woche in der Provence endgültig dem Ende zu. Nach einem Radvormittag in der Camargue, einer Stadtbesichtigung in Nimes und ein Betrachten des weltberühmten Aquädukts Pont du Gard (der Parkplatz mit Eintritt wäre mit 15 Euro recht heftig ausgefallen), wollten wir uns vor der längeren Rückreise noch ein paar Seillängen gönnen.

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Beate in der Dämmerung

Dank unserem Kletterführer “France Haute Provence” vom Rockfax Verlag (das Buch ist gleich aufgebaut wie der hier beschriebene Kletterführer “France – Cote d’Azur) fanden wir den Weg zum Klettergebiet recht rasch. Das Buch ist fantastisch und übersichtlich aufgebaut und bietet wieder einmal mehr eine schöne Auswahl an tollen Klettergebieten für alle, die über kein lokales Insider-Wissen verfügen.

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Der tolle Kletterführer von Rockfax

Die Dentelles de Montmirail (Nähe Gigondas, unweit von Orange im südlichen Rhone-Tal) sind ein beliebtes Gebiet, welches aus mehreren Klettersektion besteht. Single-Pitch-Routen oder Mehrseillängen sind möglich, fast alle Routen sind sehr gut abgesichert. Ein 70m-Seil ist in manchen Längen notwendig, wir kamen aber mit unserem 60m-Einfachseil auch überall hin.

Wir wurden erst um halb sechs abends am Rocher du Grand Travers vorstellig, und trotzdem war noch recht viel los. Der kleine Parkplatz war zum Bersten voll. Wir kletterten bis es dunkel wurde (erst dann wurde es wirklich still), packten endgültig unsere Sachen und fuhren entlang der Rhone flussaufwärts über Lyon nach Hause. Es war eine großartige Woche gewesen, die wir nur allzu gerne um ein Vielfaches verlängert hätten.

Impressionen aus Nimes

Unser Besuch in der Camargue war sehr kurz, aber auch sehr angenehm gewesen. Schon auf dem Weg nach Norden zu unserem letzten Klettergebiet im größeren Umkreis von Orange kamen wir auch an Nimes vorbei, einer Stadt aus historischer Zeit. Das Ausmaß der Altstadt hat uns verblüfft, wir hätten noch ein bis zwei Tage dort locker länger verweilen können. Nimes hatte bei uns einen stärkeren Eindruck hinterlassen als die Metropole Marseille.

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früher Wassergräben, heute Spaziermeile

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die Altstadt besticht durch viele kleine Plätze

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das Kolosseum aus römischer Zeit

Mehrseillängen-Routen in den Calanques

Der eher gemütliche Vortrag in Marseille ließ unsere Lust auf Fels und Seil noch weiter wachsen. Der Mistral hatte sich gelegt, mit Kletterausrüstung, Badesachen und einer feinen Tagesverpflegung ging es hinab in unsere Bucht “En Vau”.

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Port Miou bei Cassis, 30 Gehminuten von En Vau entfernt

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die Kletterfelsen um die Bucht von En Vau

Zunächst ließen wir uns auf die fünf Seillängen von La Saphir (6-) ein. Eine schöne Route mit guten Griffen und feinem Fels. Die Route ist prima abgesichert und recht schlicht in der Linie. Friends und Keile braucht es nicht, aber die eine oder andere Schlinge, um die zwei Klebehaken am Stand miteinander zu verbinden, um Redundanz zu schaffen, sind kein Fehler. Wer weiss, was der Salzgehalt in der Luft dem Metall antun kann? Der Abstieg erfolgt zunächst über ein höher gelegenes Plateau und dann in einem weiten Linksbogen wieder in die Bucht zurück. Der exakte Routenverlauf ist, wie schon jene Routen bei St. Raphael, im Kletterführer “France: Cote d’Azur” von Rockfax detailliert beschrieben.

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eine Seillänge noch, dann gibt’s die Bucht…

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schöner Stand in der zweiten Kletterroute des Tages

Standesgemäß musste die Mittagspause am Wasser erfolgen, wenn auch die Sonne nur noch knapp über die Klippen in die Bucht schien. Auf ein Schläfchen konnte ich mich aber nicht einlassen, Beate forderte die zweite Klettertour des Tages, diesmal auf La Sirene (Route Sirène liautard, 5+, 1-2 Friends und Keile sind nicht schlecht). Diese Route hatte ebenfalls 5 Seillängen, war aber etwas criss-cross und oben, nach dem 3 m langen Loch im Pfeiler, musste man durch die Botanik etwas ungemütlich abklettern, um den Stand vor der letzten Seillänge zu erreichen. Meine Route war es nicht, und auch der Ausstieg ist mit viel kratzendem Gebüsch verbunden. Lange Hosen sind empfehlenswert, wenn es nicht zu heiß ist.

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wir konnten es kaum erwarten, wieder ins Wasser zu springen…

Nach der zweiten Rückkehr in die Bucht von En Vau waren überhaupt keine anderen Besucher mehr da, die Sonne schon hinter den Felsen verschwunden, aber wir mussten noch unsere Abendwäsche durchführen. Mit der leicht abbaubaren Seife und Schampoo ging das auch im Salzwasser rasch und unkompliziert. 45 Wander-Minuten später machten wir unseren Bus reisebereit und verließen die Calanques von Marseille in Richtung Camarque.

Impressionen aus Marseille

Zurück aus dem Canyon der Verdon steuerten wir die Buchtenwelt südlich von Marseille an. Die Nacht war recht stürmisch, so dass wir das Zeltdach am Büssle einziehen mussten. Auch der Tag eignete sich wegen des heftigen Mistrals nicht für’s Klettern, aber eine schöne Laufrunde am sonnigen Morgen ging sie auf alle Fälle aus.

Gespannt pendelten wir in die südfranzösische Metropole, um die Luft der weiten Welt zu schnuppern. Schon der Bahnhof gibt dieses imperiale Ambiente her, Marseille als das Tor des Südens in die französische Kolonialwelt.

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Blick vom Bahnhof ins Stadtzentrum

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elegante Segler im Hafen von Marseille

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“Eingang” zum Künstlerviertel

Wir erlebten Marseille als erfrischend, wenn auch das “Montmartre” Marseille’s etwas touristisch anmutete. Der Hafen wirkt dagegen authentisch, wie ein gigantischer Wasserparkplatz mitten in der Stadt. Die Nacht verbrachten wir wieder in den Calanques, der Mistral ebbte ab, ein Kletterwetter für den nächsten Tag kündigte sich an.

Durch den Canyon von Verdon

Nach unserem ersten Tag am Meer bei St. Raphael verabschiedeten wir uns schon wieder ins Hinterland der Provence mit einem genauso fantastischen Ziel: der größten Schlucht Europas. Am Nachmittag durchfuhren wir die Schlucht von Verdon mit dem Bus, am Abend liefen wir am Lac du St. Croix an ihren Ufern, und am nächsten Tag wollten wir alles vom Radsattel aus betrachten.

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Lac du St. Croix

Auch die Nacht verbrachten wir am Ufer des künstlich angelegten Sees, in guter Nachbarschaft vier weiterer Wohnmobile (1xCH, 1xD, 2xF). Die Kleinen des Schweizer Paares inspizierten unangekündigt unseren Bus und waren begeistert.

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ein Abend-füllender Lauf am See

War der Canyon von Verdon noch am Nachmittag wolkenlos, verhüllten dichte Wolken die höchsten Bergspitzen am nächsten Morgen. Wir fuhren trotzdem los, ahnten Regen, bekamen aber einen Platten. Die Rennrad-Runde führte uns durch mittelalterliche Dörfer, entlang hunderte Meter hoher Abgründe, über sanfte Täler und wilde Hochmoore. Dazwischen gab es fantastische Tiefblicke, genüsslichen Kaffee in einer lokalen Bäckerei sowie eine abschließende Crepe im Künstlerdorf Moustiers St. Marie.

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Auguines

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Trigance

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der Canyon von Verdon

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Moustiers

Zusammen mit der Runde am Col de Turini war diese zweite Rennrad-Ausfahrt ein voller Erfolg. Die Straßen angenehm, der Routenverlauf attraktiv, und kaum Verkehr auf dem Weg! Die rund 95 km und 1.800 Höhenmeter sind Rad-Genuss pur! Nach einem erfrischenden, aber notwendigem Bad im See (nun in einem kurzen Schauer) folgten wir wieder dem Ruf des Meeres und fuhren gegen Südwesten in die Buchtenwelt um Marseille.

Mit dem Rennrad um die Verdon-Schlucht

die empfehlenswerte Rad-Runde

Der genaue Routenverlauf der Etappe um die Verdon-Schlucht findet sich auch im Buchtitel “Rennradfahren in den französischen Alpen: 20 ausgewählte Touren – Mit Routenkarten und GPS-Daten“ detailliert beschrieben.

Klettern & schwimmen in St. Raphael

Von Sospel über Monaco und Nizza kommend erreichten wir noch am späten Nachmittag St. Raphael (Nähe Frejus). Übernachtet haben wir direkt am kleinen Hafen von Port du Poussai (die Fischer störten auch am Morgen nicht wirklich), hatten unser Abendessen am Strand.

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Port du Poussai

Am nächsten Morgen wollten wir endlich den Fels um uns herum testen – das Klettergebiet “Pilier de Soleil” war angesagt. Die Infos dazu hatten wir aus unserem Kletterführer “France – Cote d’Azur” von Rockfax. Der Zustieg vom Hafen ist sehr kurz – gerade ein paar Minuten. Die Orientierung ist auch nicht schwer, dank des Topos und der breit getretenen Wege.

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An der Kette Blick herab

Der Fels ist super-griffig, fest und an kühlen Tagen fein gegen Süden ausgerichtet (wird im Sommer wohl zu heiss sein!). Die Routen bewegen sich von 3 bis 8, es ist alles da, was man braucht. Keile und Friends sind nicht notwendig, die Route ist bestens abgesichert.  Ein 60 m – Einfachseil genügt.

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fein warm am Fels, sogar der Kaktus wächst hier

Nach dem Klettern gab’s noch eine Runde Schwimmen und faulenzen. Alles sehr ruhig um diese Jahreszeit, da könnte man sich schon eine Weile hier verweilen. Am frühen Nachmittag ließen wir den Hafen und den tollen Fels hinter uns und fuhren nordwärts ins Hinterland der Provence in den größten Canyon Europas.

Kletterführer “Cote d’Azur” von Rockfax

Für unsere Woche in der Provence war dieses Band (France: Cote D’Azur.) von Chris Craggs aus dem Rockfax Verlag eine essentielle Quelle für Ideen und Umsetzung von Kletter-Unternehmungen. Das Buch diente uns vortrefflich in En Vau und in St. Raphael.

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Gewiss gibt es ausführlichere Kletterführer für einzelne Gebiete dieser Region. Dieses Buch ist allerdings für jene gedacht, die sich einmal einen Überblick über die verschiedenen Klettermöglichkeiten der Cote d’ Azur machen wollen. Hat man sich einmal auf ein Kletterrevier fixiert, gibt es genug lokale Literatur (ist im Guide angegeben).

Der Führer überzeugt durch seine Übersichtlichkeit und die Topos. Sie sind vielleicht die besten, die ich bis dato gesehen habe. Die Wände sind fotografiert, die Routen eingezeichnet und gut identifizierbar. Sehr übersichtlich sind auch die Schwierigkeitsgrade (farblich), die Länge und die Ausgesetztheit erkennbar. Sehr praktisch fand ich auch die Gesamtübersicht der Routen in einer Liste mit Infos zum benötigten Material und worauf es ankommt.

Der Zustieg ist sehr gut beschrieben, mit separaten Karten inklusive GPS-Koordinaten und Orientierungspunkten. Die Anfahrt wird ebenfalls erklärt, für Wohnmobil-Nutzer ist aber nicht klar, ob vor Ort geparkt werden kann (auch wenn sich ein “P” auf der Karte wiederfindet, z.B. in Port Milou).

In Summe bin ich schwer begeistert von diesem Titel. Andere Kletterführer sollten sich dieses Buch mal zu Herzen nehmen und dieses als Standard für “Kletter-freundliche” Literatur betrachten. Der Titel ist in englisch verfasst.

In Serpentinen auf den Col de Turini

Nach einer feinen Anfahrt über Lugano erholten wir uns im nächtlichen Sospel, bevor wir nicht allzu zeitig, aber noch im Morgengrauen die Rennräder vom Bus montierten. Die Vormittagsrunde führte uns in einer lockeren 60km-Schleife über denn Col de Turini (1.606 m) und den Col de Braus (1.002 m).

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Noch Abends in der Altstadt von Sospel

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herrliches Wetter am nächsten Tag

Von Sospel stieg die Straße über mehr als 20 km kontinuierlich in einer angenehmen Steigung an, meist über viele Serpentinen, wenn es galt, tiefe Schluchten zu queren. Der provencialische Herbst mit viel Sonne und kühler Luft ließ uns erst bei der Abfahrt nach Pera-Cava die Finger und Füße etwas gefrieren.

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Paradies für Rennradler

Landschaftlich eine sehr lässige Runde, mit recht guten Straßen und überhaupt keinem Verkehr! Eine etwas längere Version der Runde über Le Suquet ist möglich und im Buchtitel “Rennradfahren in den französischen Alpen: 20 ausgewählte Touren – Mit Routenkarten und GPS-Daten” detailliert beschrieben. Wirklich ein sehr interessantes Rennrad-Gebiet für den Herbst und das Frühjahr!

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die kleine, aber feine Runde um Sospel

Noch am gleichen Nachmittag fuhren wir dann zurück an die Küste – über Monte Carlo und Nizza landeten wir im Hafen von St. Raphael, wo wir uns für die Nacht einrichteten.

Herbstwoche in der Provence

Das war nun dringend notwendig, nachdem sich das Wetter eingetrübt hat und wir in Arbeit zu versinken drohten: eine Woche voller Outdoor-Aktivitäten in der französischen Provence! Schwerpunkt dieser Reise mit unserem Büssle (vergleiche 2009 Briancon, 2009 Wallis, 2010 Perigord) lag beim Rennrad und dem Klettern:

Die einzelnen Berichte vorwegnehmend, eine sehr sehr lässige Woche! Vor allem das Klettern am Meer hat uns unheimlich getaugt, die Gegend insgesamt ist klasse! Das Essen nicht zu vergessen, und den Flair der französischen Städte (Monte Carlo, Marseille, Nimes) und Dörfer (Sospel, Trigance, Moustiers, …).

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Lugano und sein See

Gestartet sind wir in diese Herbstwoche mit einem ausgedehnten Lauf am sonnigen Ufer des Lugano-Sees im gleichnamigen Ort. Das Wetter war so angenehm, dass die halbe Stadt auf der Ufer-Promenade den Nachmittag verbrachte. Wir ließen uns es nicht nehmen, die Runde mit einem Sprung in den See abzuschließen. Erfrischt ging es an Mailand und Genua vorbei entlang des Mittelmeers bis nach Sospel (F) an der französisch-italienischen Grenze.