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Refugio Frey: das Couloir-Trainingscamp

El Chaltén ist Vergangenheit, sehr zu unserem Bedauern, und nun finden wir uns weiter im Norden auf dem Refugio Frey (1.743 m), oberhalb von Bariloche. Es ist Wochenende, und auf der Hütte einiges los. Tagestouristen am Sonntag, eine Filmcrew von Black Diamond am Freitag. Wir geraten unfreiwillig in das Shooting für den Winterkatalog 2015/16 und haben also einen kurzen Einblick in die Modelle der Zukunft. Ich bin wohl der einzige Händler, der jetzt schon weiss, was kommt.

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Refugio Frey, im Vordergrund die Laguna Toncek

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auf dem Weg zu einem der vielen Couloirs

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die Qual der Wahl

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hin und wieder zu steil für Ski

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aber jetzt geht’s endlich nach unten

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und wieder nach oben

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herrlich…

Die Schneelage ist hier am Cerro Catedral etwas enttäuschend. Es ist zwar genug für Skitouren da, aber hart und eisig mit einigen Lawinenkegeln am Ausgang der zahlreichen Couloirs, die das kleine Tälchen am Refugio Frey wie ein Amphitheater abschliessen. Aber es ist, wie es ist, und man muss nehmen, was man bekommt. Verwöhnt vom Cerro Madsen und Loma de Diablo, müssen wir schnell umsatteln: auf wenig Sicht, Harscheisen und Skibrille. An drei Tagen fahren wir die Hälfte aller möglichen Couloirs, bei unterschiedlichen Bedingungen. Mal eisig, hart, im Sturm, dann wieder in der Sonne, im Pulver. Fantastisch. Man muss nehmen, was die Berge bieten. Couloirs ohne Ende, und Möglichkeiten für mehrere Tage. Am Abend sitzen wir zufrieden in der Stube der Hütte, unterhalten uns mit unseren Tischnachbarn simultan in Englisch, Französisch und Spanisch. Der Hüttenwirt wünscht uns viel Glück, als wir wieder ins Tal absteigen (3,5 Stunden hinauf, 2,5 Stunden hinab – wieder mit den Ski am Rucksack).

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ich beim Black Diamond Shooting

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Welchen Couloir fahren wir als nächstes?

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wir steigen überall hoch

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mit tollen Skidepots

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und rassigen Abfahrten

Cañadón Negro: vor dem Flug, schnell noch eine Tour

Der letzte Tag in Ushuaia ist angebrochen. Und wieder ein Tag mit einem klaren Morgenhimmel. Wir stehen etwas früher auf, sind im Morgengrauen über der Stadt, wieder bei der Skischule am Glaciado Martial. Statt wie bei unserer Nachttour zur Virgen gehen wir diesmal etwas gegen Osten, zum Cañadón Negro, einem Joch mit schöner Aussicht ins steil abfallende Nachbartal. Der Aufstieg dauert nur zwei Stunden, ein Vormittagsspaziergang, bevor wir am Nachmittag zum Flughafen müssen – El Chaltén mit Fitz Roy wartet!. Die Abfahrt geht flott von der Hand, auch wenn der große Pulverhang vermisst wird. Ushuaia, ich möchte länger bleiben!

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der Canadon Negro in Sichtweite

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Blick vom Joch ins Nachbartal

Cerro Bonete: einmal rundherum

Wir stehen auf, schauen aus dem Fenster, und die Sterne leuchten uns entgegen. Den vierten Tag in Folge hier in Ushuaia. Den Schlaf hatten wir nötig – nach zwei Touren gestern am Cerro Alvear und Cerro Martial. Der etwas längere Hock bei Nati hat unsere Nacht nochmals etwas verkürzt. Dennoch sind wir um acht Uhr morgens in Skischuhen aus dem Haus und starten in eine letzte größere Tagestour: um den Cerro Bonete, so etwas wie der Klassiker hier.

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unser Spielplatz heute, li hinten der Cerro Bonete

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Bush-Whacking

Die Tour lässt sich folgendermaßen beschreiben: Das Talbett des Rio Esmeralda muss erstmal gequert werden, und später auf schmalen Waldweg zickzack ins Tälchen zur Laguna Esmeralda hinauf. Es braucht eine Weile dorthin zu gelangen, aber dann wird es erst recht etwas anstrengend, als ein dichter Bergwald zu queren ist. Ski ab. Ein steiler Couloir folgt, mit sehr hartem Schnee am Morgen. Die Ski bleiben am Rucksack, bis sich das Couloir öffnet und zurücklehnt, zu einer breiten Rinne, die von Norden um den Cerro Bonete (1.064 m) führt, letztlich zu einem Joch, der den Berg von den Tres Mujeres trennt. Dieses Joch bietet uns eine kurze Gelegenheit zur Brotzeit, und wir entschließen uns zu einer Traverse, d.h. wir fahren nach Südwesten ab und umrunden quasi den Cerro Bonete.

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steile Gegenseite

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das letzte Drittel zum Joch

Die Abfahrt bietet wenig Pulver auf harter Unterlage, also ein schnelles Vorwärtskommen wie auf einer Piste. Im Flachen müssen wir nochmals die Felle anlegen, und der Weg zurück zum Val de los Lobos, unserem Ausgangspunkt, zieht sich entsprechend. Mit dem Autostopp haben wir Glück – wir werden bis vor die Haustüre gefahren!

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der Gipfel von gestern – Cerro Alvear

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Blick vom Joch ins Valle Carbajal

Cerro Martial: Nachttour über Ushuaia

Um 16.45 kommen wir vom Cerro Alvear zurück. Eine Viertelstunde später steht Nati mit dem Taxi vor der Gartentüre. Aufgeht’s zur Nachttour zum Cerro Martial! Wir verschlingen noch schnell ein Jausebrot, und dann sind wir schon auf dem Weg zum Refugio im ehemaligen Skigebiet oberhalb von Ushuaia.

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Abend über den Beagle Kanal

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Beate und Nati im Aufwärtsdrang, re oben unser angestrebter Sattel

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Ushuaia und die Nacht

Die Tour selbst ist einfach: zunächst folgen wir der ehemaligen Skipiste, dann weiter flach bis zum Talschluss nördlich von Ushuaia. Von hier geht es steil zum Martial-Gletscher. Auf Steilstufen folgen Flachpassagen, und so gelangen wir bald bis kurz vor einem Sattel, den wir rechts verpassen und stattdessen auf einen Felsen zu steuern, der unter dem Namen “Virgen” firmiert. Es ist bereits stockdunkel, als wir die Felle abziehen und nun im Scheinwerferlicht der Stirnlampe den Steilhang abfahren. Dieser lange Hang ist geladen mit Pulver, und so ist dieses Teilstück ein Leichtes und ein Vergnügen. Im Dunkeln im Pulverschnee zu schweben ist immer etwas ganz Feines. Weiter unten finden wir unterschiedliche Schneeverhältnisse vor, aber in Summe auch im letzten Abschnitt immer wieder Pulver! Das macht eine Nachttour besonders angenehm, ebenso das spätere Abendessen bei Nati – Gracias!

Cerro Alvear: windstilles Patagonien

Die täglichen Ausfahrten aus Ushuaia werden am dritten Tag (Monte Olivia, Cinco Hermanos ) zur Routine. Diesmal ist aber Beate dabei, ihr Verdauungsapparat hat wieder Normalbetrieb aufgenommen, und sie kann nun erstmals seit 3 Monaten wieder in die Ski steigen (ihre letzte Tour in diesem Jahr war am Mt. Shasta). Am heutigen Tag steigen wir wieder an der Hauptstraße 3 (‘Tierra Mayor’) aus, queren das Tal des Rio Esmeralda nach Norden entlang einer Langlaufloipe und zischen zwischen den Bäumen ins Tälchen, an dessen Ende der Cerro Domo Blanco ragt.

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Einstieg ins Zielgebiet

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Cerro Blanco Domo im Hintergrund, unsere Route führt rechts hinauf

Der lästige Teil der Route folgt nach einem etwas längerem Flachstück zum Talende hin, quer durch einen relativ steilen Bergwald entlang einer tiefen Rinne, die wir im oberen Teil als Weg (und die Ski am Rücken) nützen. Wir steigen oberhalb der Baumgrenze aus dieser Rinne und finden von hier weg wunderschöne Wege zu unserem Tagesziel vor: dem Cerro Alvear (1.374 m). Der weitere Aufstieg ist von einem Wechsel aus Flachpassagen, Rinnen, Mulden, Graten, Steilaufschwüngen und am Schluss auch einer Tragepassage gekennzeichnet. Wir bekommen wieder alles, was eine Tour haben kann, inklusive völlige Einsamkeit und unverspurte Hänge.

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Cerro Alvear im Blickfeld

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wieder ein Traumtag um Ushuaia

Vom Gipfel haben wir wieder eine feine, steile Abfahrt. Dem Wald können wir bei unserer Abwärtsbewegung gut ausweichen und werden bis zum Talboden feine Schwünge ansetzen. Das gemütliche Hinausgeleiten aus dem Tal bis zum Ausgangspunkt, nun in der Nachmittagssonne, geht flott. Die Schlittenhunde an Tierra Mayor wittern schon ein Laufvergnügen, als sie uns dahergleiten sehen, ein Heulkonzert bricht los, aber wir sind nicht interessiert. Stattdessen haben wir wieder schnellen Erfolg beim Autostopp, welches uns rechtzeitig nach Ushuaia bringt. Denn eine Viertelstunde später steht schon unser Abendtermin vor der Tür: eine Nachttour mit Nati zum Cerro Martial!

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die letzten Meter zum Gipfel mit Ski am Rücken

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Gipfelblick über das Berge-Meer

Cinco Hermanos: Mehr kann man nicht verlangen

Zweiter Skitouren-Tag in Tierra del Fuego, und weiterhin Traumwetter am Ende der Welt. Kein Wind, fast wolkenloser Himmel, und Schnee noch reichlich vorhanden. Aber Beate bleibt liegen, der Verdauungsapparat stottert. Also steige ich wieder solo am Valle de los Lobos aus dem Bus, und delle den Waldweg von gestern bis zum vegetationslosen Plateau hinauf. Heute treffe ich keine Seele an, heute gehören diese Berge mir allein.

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die ersten Steilstufen zum Sattel, mein Weg führt etwa mittig nach links

Recht flott komme ich an meine geplante Abzweigung. Ich sehe zwei steile Stufen, lege mir den Weg fest und platziere die Harscheisen unter meinen Ski. Der Schnee ist im Osthang noch pickelhart, und die Neigung schon so steil, dass dies eine gute Entscheidung ist. Meine Linie ist direkt und locker über 35° steil, hat aber genug “Schultern” für sichere Zwischenpunkte. Relativ schnell bin ich am Sattel, der mich mehrere Dinge sehen lässt: Monte Olivia und den gestrigen Vorgipfel von der hinteren Seite; Ushuaia und seinen Hafen; und letztlich mein Tagesziel: die Cinco Hermanos (1.209 m), ein prächtiger Kamm mit fünf Gipfeln.

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gut 20m Höhe hat dieser Windkolk

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Monte Olivia (re), li die Bucht von Ushuaia

Mich interessiert vor allem ein Couloir am linken Rand des Kamms: lang, sehr steil und gut gefüllt mit Schnee. Ich komme mit den Ski gut ein Drittel des Couloirs hoch, dann muss ich abschnallen und die Ski am Rucksack befestigen. Gleichzeitig geht mein Helm auf meinen Kopf, denn von oben prasselt es nur so von Eis und Schnee. Ein Schutzschild wäre hier das passende Werkzeug. Schnurstracks stampfe ich in gutem Trittschnee das Couloir hoch, welches bestimmt 40°, in manchen Segmenten vielleicht noch mehr, Neigung aufweist. Schnell überwinde ich die gesamte Länge von vielleicht zweihundert Metern und stehe am Kamm zwischen zwei der fünf Brüder. Was für ein Blick! Der Beagle-Kanal scheint so nah und tiefblau. Den kleinen Bruder mache ich locker in wenigen Schritten, sein größerer Nachbar allerdings benötigt ein Seil zur Sicherung – die Aussicht auf einen Schneerutsch gefällt mir nicht: ich wäre mehrere hundert Meter mitgegangen, recht bodenfrei.

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die Cinco Hermanos von Norden

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von den Cinco Hermanos aus gesehen: der Beagle-Kanal

Die Abfahrt lässt mich etwas überlegen. Hält der Schnee in dieser Neigung? Ich mache zwei vorsichtige Schwünge. Bombenfest. Und so geht es schneller und fließender durch den breiter werdenden Couloir bis zum Fuß des Gipfelhangs. Perfekt! Ohne Pause traversiere ich zum Sattel, bevor es nach einer kurzen Routenwahl in die zweite Steilabfahrt des Tages geht. Oh, alles bestens und nach wenigen Minuten bin ich schon im altbekannten Flachteil, der mich dann doch noch zu einer Essenspause überredet. Die Ruhe ist überwältigend, und mein Hunger auch. Eine Tour, die alles hat – Steilheit, Einsamkeit, Freiheit der Routenwahl. Mehr kann man nicht verlangen. Die Waldabfahrt verlangt nochmals etwas Aufmerksamkeit, und schon stehe ich an der Straße Nr.3 und halte den Daumen hoch. Ein erster Wagen kommt, und hält.

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der zweite Teil der Abfahrt

Monte Olivia: Skitouren auf Feuerland

Bolivien liegt hinter uns, und damit die Höhenbergsteigerei. In Ushuaia, dem größten Ort im argentinischen Tierra del Fuego, liegen wir auf Meeresniveau. Die Luft ist klar und frisch, der Schnee fast auf Seehöhe, und ich nur noch zappelig auf die erste Skitour hier. Beate muss mit einer Darmgeschichte das Bett hüten, ich springe derweil zwanzig Kilometer im Valle de los Lobos auf die Ski und ziehe meine Spur zunächst durch dichten Wald, dann über sanfte Hügel und Senken, und später steil auf zwei Erhebungen, die als Vorgipfel zum Monte Olivia (1.326 m) durchgehen können.

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prächtige Winterlandschaft über Ushuaia

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Cinco Hermanos

Auf meinem vermeintlichen Solo-Gang treffe ich auf zwei Spanier und eine Norwegerin. Das Dreier-Gespann hat den gleichen Sattel im Visier, also gehen wir flott gemeinsam hinauf. Als sie mich dann im Steilhang zum Monte Olivia sehen, bekommen auch sie Lust auf mehr. Derweil kraxle ich auf den Schnee-bedeckten Felsen des Vorgipfels herum, als ich herunterkomme, ist auch schon das Trio am Skidepot.

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Blick ins Valle Carbajal

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mein zweiter Gipfel heute – Skidepot

Die Abfahrt ist eine Mischung aus windgepresstem Schnee, etwas Harsch, und in einigen Couloirs auch Pulver. Ich jauchze, das Skitouren ist einfach eine andere Welt.

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etwas Kraxlerei zum gegenüberliegenden Grat

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teilweise pulvrige Verhältnisse bei der Abfahrt