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Roca Pelada: Unterwegs auf Privatbergen

Gauchos jagen Wildschweine in der Pampa, Poxo quert mit uns in seinem Geländewagen Flüsse und wir versuchen Gipfel und Couloirs zu erklimmen. Klingt fast nach Alltag, hier in Los Molles / Las Lenas. Aber so einfach ist es nicht immer. Es stürmt, es schneit, und dann sind die Pisten gesperrt und wir dürfen nicht darüber hinaus. Wir wollen auf die andere Talseite, aber wie wir später feststellen, das ist alles Privatland und gehört irgendeinem Superreichen aus Malaysien, der auch das Skiresort betreibt. Es ist alles privat hier, auch die Berge, und das in einem Umkreis von 15 Kilometern. Wir holen uns die Genehmigung, aber für das Wegerecht verlangt man von uns 30 Euro, pro Tag, pro Nase. Wir lassen das bleiben, umgehen die Sicherheitsleute in das nächste Tälchen, welches wir vor Tagen schon mal befahren haben (Roca Colgando).  Auch das ist privat, uns aber letztlich vollkommen wurscht, weil das ein Witz ist.

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eine Tour ohne Security

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und trotzdem fein, steil und schneereich

Gestern steigen wir neben Pisten hoch und fahren diese ab. Reiner Zeitvertreib, denn im unteren Teil des Tales ist abseits der Pisten der Schnee mager, und weiter oberhalb sind diese gesperrt. Am nächsten Tag fährt Maren mit, neu in unserem Hostal (übrigens sehr empfehlenswert!). Unsere Tour führt uns unterhalb des Roca Colgando zum Parallelcouloir, hinüber zum Roca Pelada (ca. 3.300 m). Es bläst uns fast aus dem Couloir, Beate verliert ihre Ski am Skidepot für einige hundert Meter, der Bruchharsch macht uns zu schaffen, aber letztlich löst sich alles fein im Pulver auf und Maren kann ihre Telemark-Künste vorführen.

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im Hintergrund Cerro Las Lenas

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Maren zeigt ihre Telemark-Schwünge

Las Lenas ist Privatland, und mit diesen Regeln und Kosten eigentlich kein wirkliches Skitourengebiet mehr. Schade, es gäbe hier viel zu tun, denn die Couloirs sind zahlreich und steil. Für Skitourengeher ist die Welt ein bißchen kleiner geworden. Habe ich es schon mal erwähnt: ich mag keine Ski-Ressorts.

Cerro Ponce: Schwerarbeit

Der Schnee ist gefallen. Ein bißchen zuviel – in zwei Tagen rund 1,5 Meter. Nach unserem ersten Couloir am Roca Colgando sehen wir die Notwendigkeit, einen Skitouren-Start etwas höher anzusetzen und denken an die Skipisten um Las Lenas (ca. 2.200 m). Der Plan geht zunächst nicht auf: die meisten Pisten sind wegen Lawinengefahr bzw. Sprengung von Lawinenhängen gesperrt. Wir weichen also aus und marschieren kilometerlang weiter ins Tal in Richtung Cerro Soldado. Aber wir kommen nicht vorwärts, bleiben im tiefen und schweren Schnee regelrecht stecken. Etwas frustriert kehren wir nach einem langen und harten Arbeitstag zurück nach Los Molles in unser feines Hostal.

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ein stürmischer Aufstieg

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im tiefen Schnee

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die Bergwelt um Las Lenas

Am Tag darauf prächtiges Frühlingswetter – Sonne, Wärme und in der Höhe böige Winde. Wieder probieren wir es mit der Piste, und kommen zunächst ein paar hundert Höhenmeter sehr einfach hinauf. Als wir dann in den Tiefschnee abbiegen, beginnt die Arbeit. Alle fünfzehn Minuten wechseln wir uns beim Spuren ab, es geht sehr langsam voran. Wir erklimmen ein Plateau auf ca. 3.100 m und spuren Richtung Süden. Der tiefe Schnee nimmt kein Ende, und die Zeit vergeht wie im Flug. Zu unserer Rechten entdecken wir einen schönen, unberührten Steilhang, unterhalb des Cerro Ponce (3.600 m). Den müssen wir einfach nehmen, und zeichnen mit unserer Spuranlage unsere Unterschrift in die Berge um Las Lenas.

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bereits kurz unter dem Grat am Cerro Ponce

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schöne Steilhänge

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etwas Pulver, aber schwer

Die Abfahrt wird leider noch mühsamer als der Anstieg. Im tiefen Schnee bekommen wir auch bei einem Gefälle von mehr als 40° kaum Fahrt. Weiter unten und kurz vor der Piste kommt dann auch noch ein Deckel dazu. Die Skipiste kommt also wie gerufen, die wir in wenigen Minuten bis zur Talstation abfahren. Wir kehren nach Los Molles zurück, und ich checke die Wetterprognose für den nächsten Tag. Es ist noch mehr Schneefall angesagt.

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Anmarsch in der Pampa

Roca Colgando: eine Nacht im Bus, dann Spurarbeit im Tiefschnee

Wir verlagern unser Basecamp von Bariloche nach Los Molles (15km von Las Lenas und 200km von San Rafael) in einer Tag und Nachtaktion: das ganze Equipment zum Busbahnhof in Bariloche, dann mit dem Übernachtbus nach San Rafael und weiter mit einem Bus nach Los Molles, wo wir im Nichts aussteigen und erstmal nach unserem Hostal schauen müssen. Ich mache mich auf die Suche, während Beate unser Material bewacht. Kaum bin ich mit einem Auto auf dem Weg zurück zu ihr, kommt sie mir schon mit einem Pickup entgegen.

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ab in den Couloir – die Punkte in der Mitte des Schneefelds sind keine Felsen sondern Hasen

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Blick zurück ins Tal

Nach einem schnellen Frühstück fahren wir zu unserer ersten Tour im Gebiet um Las Lenas (ca. 2.200 m). Unser Ziel ist ein Grat, den wir über einen breiten, aber steilen Couloir erreichen. Es liegt viel Schnee. Unser Gastgeber meint, wir hätten Glück. Den Winter lang hat es kaum geschneit. Ein Sturmtief hat in den letzten Tagen fast einen halben Meter Neuschnee gebracht. Mehr ist angesagt. Mein Herz schlägt schneller. Im Couloir selbst ist die Sicht beschränkt, die Wolken hängen tief, und der Schnee ist schwer. Die Spurarbeit ist Schwerarbeit heute, aber nach einem Tag des Nichtstuns ist eine Wohltat, im Wind und Schneefall diesen Hang hinaufzusteigen. Die vielen Hasen hier haben ihre Gaudi im Schnee, und als wir oben am Grat (3.420 m, Roca Colgando) ankommen, genießen wir das wilde Wetter mit einer Jause. Die Abfahrt selbst ist fast genauso anstrengend wie der Aufstieg – der schwere Schnee erlaubt trotz des steilen Gefälles keine schnelle Abfahrt, und das fahle Licht tut sein übriges. Hey, wir haben viel Schnee, und das zählt. Bienvenidos a Los Molles!

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wir kämpfen uns hoch

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der tiefe, schwere Schnee erlaubt trotz der Steilheit keine schnelle Abfahrt