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Transalp 2012: Tragen, Eisjöchl, was sonst noch?

Von der Schneebergscharte hatten wir uns gut erholt. Zumindest kamen wir früh aus dem Bett, bedienten uns am Frühstücksbuffet der Schneeberghütte (2.355 m), zusammen mit den hier am Berg Arbeitenden. Der Rest der hier Freiwilligen schlief noch fest. Im Morgengrau geht’s also hinaus, zu den Rädern, und gleich auf eine feine Downhillstrecke, die uns über Karrenwege zur Bundesstraße, die vom Timmelsjoch herunter kommt, bringt. Sogar die Kühe schauen uns verschlafen an, als wir vorbei sausen. Auch ist die Bundesstraße fast frei von Verkehr, so dass uns auf den gut 10 Kilometern Abfahrt nicht ein mal ein Dutzend Autos entgegenkommt, neben zwei Kühen.

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Morgen oberhalb von Moos in Passeier

In Moos in Passeier (1.007 m) decken wir uns erstmal mit einer ordentlichen Jause für den Weg ein. Es wird steil werden, und lang. Wir folgen den Serpentinen ins Pfelderer Tal, zunächst am nördlichen Rand, und später auf einer etwas breiteren Asphaltstraße über Pfelders (1.628 m) zur Lazinser Hütte (1.782 m). Ab der Alm beginnt der antizipierte Schiebeweg. Doch zum Unterschied der vorigen Tage sind wir hier nicht allein. Eine Busladung Senioren, dazu Urlauber aus Pfelders, versuchen sich im Bergwandern. Da muss man sich als Biker einiges anhören. Warum wir denn nicht fahren, sondern schieben (haha). Warum wir keinen Motor haben (hehe). Warum wir überhaupt hier sind (hoho). Als der Regen einsetzt und die meisten letztlich umkehren, wir aber mit Regenmontur die Räder weiter gegen die Schwerkraft nach oben stemmen, sind wir kopfschüttelnd dann doch und schließlich “wilde Hund'”.

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Beginn der Schiebestrecke zum Eisjöchl

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Stettiner Hütte oder türkisches Bad?

Über zwei Stunden geht das so. Regen, Wind, Kurve um Kurve das Rad schieben und tragen, das linke Pedal aus der Wade entfernen, kurz fluchen, Nase putzen, nächster Schritt. Das klingt nach Monotonie, und es ist eine. In einer Wolke gibt’s nichts zu sehen, ausser Gestrandete, Überholte und Überholende, oder Entgegenkommende. Bei Wind und Wetter ist auf dieser Höhe bald jeder mit sich selbst beschäftigt, die tiefschürfenden Sprüche bleiben nunmehr aus. Mag auch daran liegen, dass jeder am Eisjöchl (2.908 m) nur noch in die Stettiner Hütte will, dass mit seiner eng bemessenen Stube aber dem deutlichen Andrang wegen einem Hennenhaus gleicht. Die Scheiben laufen an, denn die Besucher dampfen, und die heißen Suppen tun ihr Übriges. Wir bleiben gerade mal fünfzehn Minuten, zum Erstaunen unserer Tischnachbarn.

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vom Eisjöchl hinunter

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auch im Regen kann’s lustig sein

Wieder in Regenmontur passieren wir das Eisjöchl und müssen wieder einmal in kaum fahrbares Gelände blicken. Zumindest am Anfang, dann wird’s von Meter zu Meter besser, bis heraufkommende Wanderer schon zur Seite treten müssen. Uns hält jetzt nichts mehr auf, wir wollen ins Tal. Und das heißt letztlich über groben Schotter zum Eishof im Pfossental (2.069 m), später auf Asphalt durch das Schnalstal raus ins Vinschgau nach Naturns (554 m). Die Abfahrt ist rasant, und plötzlich schießen wir aus einem Tunnel wie die Kanonenkugeln aus den Bergen ins tropisch-warme Tal der Äpfel und Schwimmbäder, raus aus der Transalp 2012. In Naturns wird ausgiebig regeneriert, im Schwimmbad, im Supermarkt, und etwas später auch im Büssle, das aber schon in Ayers, unser Sprungbrett für eine Hochtour zum Monte Cevedale. Ja, so schnell vergehen auch vier harte Tage.

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das Eisjöchl schon weit weg, nun bald im Schnalstal

Falbenairspitz: die Entdeckung einer Region

Auf dem Weg aus dem Süden wieder zurück in die Heimat hatten wir noch einen Tag zur Erkundung frei. Wir hatten schönstes Bergwetter, und so starteten wir nach einem Tag in Tschierv am Piz Dora vom Reschensee hinein ins Langtauferer Tal, das ich so noch gar nicht kannte. Uns eröffnete sich eine Vielfalt an alpinen Möglichkeiten, von denen wir an diesem Tag eine ausprobieren wollten: die Falbenairspitz.

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Das Melag Tal, links geht’s zur Weisskugelhütte

Von Melag (rund 1.900 m) weg schlichen wir uns in bitterer Morgenkälte die Loipe zur Melag Alpe (1.970 m) hoch. Immer im Schatten, und doch angenehm, ging es zunächst über den Sommerweg in Richtung Planailscharte. Erst nachdem wir den lichten Lärchenwald verlassen haben, entwickelt sich vor uns das Bergparadies dieser Region. Die Hänge über uns scheinen endlos, der Blick ins Melag Tal gewaltig. Im Norden, auf der anderen Seite des Tals und über den Hängen wartet das Kaunertal.

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Der Anstieg ist im vollen Gange…

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die Sonne grüßt, die Spur wird steiler

Es geht fortwährend hinauf, fast schon in einer direkten Linie, immer wieder Steilhänge ausweichend. Wir machen keine Pausen (außer einmal um was zu trinken), und steigen nun in der prallen Sonne den Nordhang Meter für Meter hoch. Der Hang ist in der Tag gewaltig, und erst auf dem Joch sehen wir mit dem Blick nach unten, was für eine Steigung wir da hinter uns gelassen haben.

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der Blick hinauf zum Joch…

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Über den Ostgrat zum Gipfel des Falbenairspitz

Nun wird es ein wenig technischer, die Harscheisen müssen ran, über den Ostgrat geht es über mehrere Kuppen zum Gipfel des Falbenairspitz (3.199 m), der wieder das Bergemeer Südtirols, der Reschenregion und des Engadins unserem Blick frei gibt. Man kann sich hier oben nicht satt sehen, und doch wollen wir die Abfahrt, die überraschend vielseitig wird. Es wird zu einem Suchen nach gut fahrbaren Schnee, nicht zu tief, nicht zu schwer, nicht zu windgepresst, wir fahren oft in Mulden und Rinnen, vor tiefem Schnee können wir bald nicht mehr. Wir fahren mit kurzen Pausen ab, fahren schließlich ohne Probleme durch den Wald, und kommen irgendwann wieder über die Loipe zum Bus retour, nachdem wir nochmals die Felle angeschnallt haben. Ein genialer Tag, unsere Köpfe kochen vor Sonnenhitze, wir drehen noch ein paar Kilometer auf der Loipe, verabschieden uns dann nach einem Bier von der Region. Wir wollen wieder kommen, es ist einfach so viel zu tun hier, noch so viel.

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Blick vom Gipfel zum Langtauferer Ferner