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Über die große Prärie

Jetzt stehen die langen Wege an. Nach den Naturparks Killarney und Lake Superior umrunden wir die Nordküste des gleichnamigen Sees in einem Vormittag. Es klart auf, der Regen hört auf, und nach einem kurzen Tim Horton-Stop schauen wir uns den Canyon von Ouimet an. Steiler, schwarzer Fels. Nun ist eine Laufpause angesagt, wir vertreten unsere Beine im hügeligen Waldterrain. Auch die anschließende Solardusche ist bereits Routine.

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die Nordküste des Lake Superior

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Der Canyon von Ouimet

Das Fahren gefällt mir. Die Strecken sind nicht langweilig, es gibt viel zu sehen, und der Verkehr ist sehr mäßig. Wir rollen nach Thunder Bay und schauen uns ein wenig in der Marina um. Heute ist Labour Day, und alles hat geschlossen. Macht nichts, unsere Büssle-Vorräte reichen für die nächsten Tage sicher. Nocheinmal gute 250 Kilometer weiter suchen wir in Ignace einen Stellplatz und werden an einem See fündig.

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am Lake Richard

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super gsi!

In der Früh haben wir keine Lust zu Laufen. Fahren einfach mal los, das Gelände bleibt hügelig und Seen-reich. Die sportliche Abwechslung am heutigen Tag kommt nach gut zweihundert Kilometern: wir entdecken die Cottages von Gillis. Das Kanu ist schnell ausgeborgt und schon umrunden wir die Küste von zwei absolut ruhigen, dunklen Seen. Das Wasser ist so warm, dass wir einem Tauchgang nicht entsagen können. Wir plaudern noch ein wenig mit Gillis, die im Winter in Arizona ein Häuschen hat. Ihre Söhne sind ebenfalls Reise-Freaks. Wir hätten den ganzen Tag dort verbringen können, langweilig wäre es nicht geworden. Auch Gillis war vom Büssle begeistert und hätte gerne etwas Ähnliches. Aber wie es so schön heißt, im Leben trifft man sich immer zwei Mal. Email-Austausch hilft schon mal.

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in der Prärie wurde es nicht langweilig

Winnipeg hat uns nicht groß begeistert, eine Stadt aus der Prärie, sehr US-amerikanisch vom Stadtbild, Beate hat aber ihre tägliche Ration Sushi bekommen. Auch hat sie Obst und Gemüse im Markt erstanden und ist wieder zufrieden. Damit ich auch. An der Grenze zu Sasketchewan übernachten wir an einem Truck-Stop. Praktisch, aber keine Augenweide. Man muss das pragmatisch sehen – WC, Wasser, sicherer Parkplatz.

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Doppeldecker-Güterzüge, mehrere hundert Meter lang

Die Sonne geht mit einem weiten Morgenrot über der Ebene auf. Wir starten los, bei Regina gibt’s Kaffee und Donut. Der Latte schmeckt süß, checke meine eMails, und dann wechseln wir hinter dem Lenkrad. Die Cockpit-Routine bestimmt unseren Tag, Geräte aufladen, Straßenkarten studieren, in die Weite gucken. Hier zu fahren ist sehr einfach. Doppelspurige Autobahn, wenig Verkehr. Und die Prärie ist nicht uninteressant. Weite Getreidefelder, riesige Silos, und hin und wieder die eine oder andere Bison-Herde. Stadt über Stadt folgt, wir passieren die Grenze nach Alberta, tanken noch billiger, und verbringen den Rest des Tages im Kinbrook Island Provincial Park. Bald sollten wir die Rocky Mountains sehen. Und Calgary.

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das ist ein kleines Getreide-Verlade-Silo westlich von Medicine Hat

Gegen Westen, mit dem Kanu: Superior Lake

Der Trans-Canada Highway wird uns noch länger begleiten. Von Killarney über Saulte St. Marie, wo ein seltener Restaurant-Stop eingelegt wird, fahren wir in die Nacht hinaus. Der Verkehr ist mäßig, dennoch fahren wir vorsichtig. Elche kreuzen gerne bei Nacht die Straßen. Und für uns wird nach 150 Kilometer die Ausschau nach einem guten Nacht-Spot eine kleine Herausforderung.

Am nächsten Morgen sind es nur noch wenige Kilometer zur Park Office des Lake Superior Provincial Park. Es schüttet, als wir mit Karte, neuen T-Shirts und dem Schlüssel zum Kanu aus dem Büro stürmen. Unser Launch-Spot ist am Rabbit Blanket Lake, wenige Kilometer weiter. Es donnert und gießt wie aus Kübeln, wir bleiben also gute zwei Stunden im Bus und lümmeln herum. Es gibt immer genug zu tun – Route im Detail planen, Fotos bearbeiten, aufräumen und Kaffee trinken.

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im Rabbit Blanket Lake

Gegen 11.00 nutzen wir eine Regenpause und stürmen zum Kanu. Den ursprünglichen Plan einer Übernachtung mit Zelt in der Wildnis lassen wir aufgrund der nahen Gewitter-Front fallen, sind also leicht ausgerüstet, als das Alu-Kanu zu Wasser gelassen wird. Wir paddeln den Rabbit Blanket Lake entlang, folgen dann dem South Old Woman River aufwärts. Der Fluss fließt gemütlich, die Paddlerei ist genüsslich, trotz wieder einsetzendem Starkregen. Wir passieren einen Biberdamm, dann wird der Fluss eng und unübersichtlich. Wir sind mitten in einem Sumpf und versuchen unseren Weg durch das Dickicht zu paddeln. Letztlich kommen wir richtig zum ausgeschilderten Ausstieg – die Zu-Fuß-Passage beginnt. Wir entscheiden uns das Kanu zu ziehen, es wiegt einfach zu viel für uns, und so haben wir auch noch die Hände frei gegen die aggressiven Mücken.

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super gsi!

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ein kleines Work-Out entlang der Portage

Diese Portage-Passage ist 1200 Meter lang und gestaltet sich als ein schmaler Weg durch das Unterholz. Bald finden wir eine passable Technik, wie wir das Kanu durch den Wald zum nächsten See – Peat Lake – transportieren. Beate findet die Portage mittel-lustig. Einmal dort sind wir froh, auf den See hinauszufahren und den Mücken zu entkommen, trotz heftigem Regen und Böen. Wir umrunden den See und kehren auf gleichen Weg wieder zum South Old Women River und später in den Rabbit Blanket Lake zurück. Es donnert. Völlig durchnässt aber glücklich machen wir es uns wieder einmal im Büssle gemütlich. Ein feiner Tag ohne große Fahrerei trotz Regenwetter.

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Weltuntergangsstimmung am Peat Lake

In Ontario’s Nationalparks: Killarney

Raus aus Toronto, hinein in den Starkregen. Der Verkehr bleibt auch spät nachmittags auf den Ausfallstraßen heftig, und die stürmische Stimmung ist hinter einer Windschutzscheibe, die gegen Regenmengen ankämpft, eher düster. Vor uns eine lange Kolonne roter Rückleuchten, in die Nacht fahrend. Als wir von der Interstate abbiegen, haben wir Nebel. Unmittelbar neben einer Eisenbahntrasse schlagen wir unser Nachtlager auf und verbringen, bis auf einen einzigen lärmenden Güterzug, eine ruhige und Bären-freie Nacht.

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Lake George im PP Killarney

Der nächste Morgen beginnt zunächst einmal mit Ausschlafen. Um 07.00 Frühstück auf den wiedergewonnenen Herdfreuden, dann kurze Anfahrt in den Provincial Park von Killarney. Wir entschieden uns für eine Wanderung auf einen Aussichtsfelsen (The Crack, Killarney Ridge). Diese Gegend ist nur so gespickt mit kleinen und großen Seen, eingefasst in dichten Wäldern und flachen Hügeln. Die Wolkenreihen bleiben weiterhin geschlossen, die Luft ist aber angenehm warm. Der Wald wechselt sein Gesicht ständig. Auch die Flüsse, Bäche und Seen sind mal dunkel, mal schnell. Den Ausblick erreichen wir nach einer knappen Stunde, dazwischen gönne ich mir eine kurze Kletterstelle mit Kriech-Traverse (pas de chat).

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schöner Trail

Am Abstieg kommen uns nun allerlei Wanderer entgegen, mit dicken Rucksäcken, Moskitonetzen im Gesicht, Kühlboxen am Rücken. Wie auf einer Expedition. Auch der Blick auf den Strafenkatalog der Parkverwaltung gibt einen Aufschluss über die kanadische Outdoor-Seele: Vergehen werden detailreich beschrieben und die Strafhöhe festgehalten – offene, alkoholische Getränke; Hund nicht an der Leine; mehr als 6 Personen pro zugewiesenen Zeltplatz… Entweder braucht es das, weil die Leute sonst nicht wüsten, wie man sich in der Natur verhält, oder die kanadische Gesellschaft hat für alles Regeln, die sich dann auch im Naturpark wiederfinden müssen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte: wenn etwas passiert, dann ist der Parkverwalter aus dem Schneider. Also eine Frage der Haftung, ein Symptom unserer Über-versicherten Gesellschaft.

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hier fühlen wir uns wohl

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Aussicht auf den Provincial Park Killarney

Ohne uns in den Katalog der Do’s & Dont’s näher einzulesen, beschließen wir in den George Lake zu springen, am Strand Mittag zu essen und irgendwo auf dem Weg zum Auto bei einem Waschbecken unsere Haare zu waschen. Der Tag ist herrlich, und am späten Nachmittag geht es für uns wieder weiter entlang des Trans-Canada Highway (17) gegen Saulte St. Marie.

Impressionen von den Niagara Wasserfällen & Toronto

Der Abschied aus Canandaigua fällt nicht leicht, und wir wollen endlich das Gastank-Problem lösen. Das gelingt letztlich Hollis in Batavia, der bei der Firma Upson-Maybach. Mehr dazu in einem separaten Post zum Thema “Büssle in Nordamerika”. Thanks again & see you in Europe with your van! Jetzt kann richtig gekocht werden.

Die Fahrt nach Buffalo wird dennoch aufregend. Beate schläft wieder einmal wie ein Stein, und ich navigiere uns mit der Karte im Schoß zur kanadischen Grenze. Der Übertritt ist diesmal völlig ohne Probleme, und kurze Zeit drauf stehen wir an den Niagara-Wasserfällen. Überwältigend, trotz des Touristenrummels. Das Wasser tobt, bevor es die Tiefe verschlingt.

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Niagara: klares Wasser, dass sich in die Tiefe stürzt

Der Verkehr nach Toronto ist eine Qual, die Stadt selbst aber macht einen feinen Eindruck. Wer Großstädter sein möchte und sich in einem Hochhaus wohl fühlt, der hat den Skydome, die Marina und viel Grün um sich. Wir schlendern durch die Straßen, sind vom schwülen Wetter ermattet, und Beate’s Allergie-Schub kommt wieder. Also nichts wie retour ins Auto, Medikamente schlucken und wieder hinaus auf die verstopften Expressways. Beate’s Augen können nicht widerstehen, ich lotse uns irgendwie hinaus auf der 400 North Richtung Sudburry.

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Toronto Downtown in Sicht

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an der Harbour Front

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der überall sichtbare Turm beim Rogers Center