Posts

Buchrezension: Mountainbike-Erlebnis Graubünden

Da wir schon fast alle Routen in unseren anderen MTB-Guides (u.a. Bike-Guide Vorarlberg Alpin) abgeklappert haben, suchten wir nach neuem Material für Touren “in einem erweiterten Radius”. Die Wahl fiel auf Vital Eggenberger’s “Mountainbike-Erlebnis Graubünden“.

mtb-erlebnis-graubuenden

Mountainbike Erlebnis Graubünden

Das Büchlein (50 Routen, 200 Seiten) deckt Routenvorschläge vom Rheintal bis zum Engadin, Hinterrhein, Prättigau, Mittelbünden und Surselva ab. Ein Merkmal der Routenvorschläge ist sicherlich die Gestaltung der Roadmap: sehr übersichtlich, auf das wesentliche Detail verkürzt, mit hilfreichen Tipps zur Navigation. Auch ein Streckenprofil ist zu finden. Allzu viele Beschreibungen textlicher Natur sind allerdings nicht zu finden.

Im Schneeregen über den Col de la Seigne

Ja, wir dachten, es könnte nicht mehr ärger kommen als die Passage über den Col de Carro. Oder dem Regentag im Valsavarenche. Aber hinterher ist man immer schlauer. Später als üblich (gegen 7.00) verließen wir Val d’Isère (1.844 m) und fuhren rund 25 Kilometer über die D902 flott über Tignes bis nach Bourg St-Maurice (820 m) durch das Tal der Isère. Was wir sahen, konnte uns nicht gefallen: der Himmel zog sich zu.

Zunächst folgten wir der Straße nach Beaufort, bogen aber in der Hälfte beim Refuge de la Nova (1.545 m) in das kleine Seitental (Torrent des Glacier) ab. Die Straße war gut fahrbar, allerdings fing nun der Regen an, zunächst leicht, dann immer stärker werdend. Nun überholten wir auch erstmals Wanderer, die auf der bekannten Rundtour um den Mont Blanc (TMB) unterwegs waren. Dick eingehüllt in Regenponchos und Hardshells. Wir schafften es noch zum Refuge des Mottets (ca. 2.000 m), es schüttete und es wurde schön frisch. In der angenehm warmen Aufenthaltsstube wimmelte es nur so von japanischen Seniorengruppen, die sich ihren Wanderausflug auch anders vorgestellt hatten.

ville-des-glaciers

Im Val des Glaciers

Unsere Pause dauerte länger als gewöhnlich, wir mussten überlegen, wie es weitergehen sollte. Aber einen Milchkaffee später war alles klar: im eiskalten Regenwetter das Rad auf den Pass schieben, dann rasend schnell durch Matsch und Geröll ins Tal flitzen und irgendwo eine warme Unterkunft für die Nacht suchen. Unangenehm wie es war, die kalten, nassen Sachen überzustreifen, das Rad zu packen und fast im Laufschritt den Hang 500 Höhenmeter hinaufzuhieven, vorbei an Wanderern und ähnlichen Gestalten, irgendwie ging es vorbei, durch den Nebel und Starkregen, durch Bäche und Matsch.

col-de-la-seigne

Eiskalt und nass am Col de la Seigne

Am Col de la Seigne hatten wir alle anderen eingeholt, schossen an ihnen vorbei ins Tal, teils bewundert und teils angefeindet (tja, Wanderer), und dann kam der Moment, von dem wir zunächst selbst super überrascht waren. Hatten wir uns doch so über die Angaben in unserem Guide zur Tourenbeschreibung in Valsavarenche geärgert, und uns, höflich gesagt, über den Routenvorschlag über den Col de Cerro gewundert, trafen wir tatsächlich den Autor dieses Büchleins mit einer Großgruppe Mountainbiker aus D in Gegenrichtung auf dem Weg zum Col de la Seigne. Ein kurzer Wortaustausch folgte, Achim Zahn tritt weiter nach oben, Beate und ich konnten nur noch ungläubig lachend dem Weg am Refugio Elisabetta vorbei ins Tal folgen. Das Val Veiny wäre so schön gewesen, mit seinem Blick auf die höchsten Alpengiplfel, aber der Regen und der Nebel…

val-veny

Im Val Veiny: links erste Teile der Mont-Blanc-Gruppe in den Wolken

val-veni

am späteren Abend kurz die Sonne und der Blick auf einen Grat, der hinauf zum Mont Blanc führt

Es dauerte nicht allzu lange, kalt und durchnässt kamen wir bei Courmayeur nach Entreves (1.370 m), suchten uns eine Unterkunft, aßen, duschten, tranken Wein. Die Tour war so gut wie gelaufen. Am nächsten Tag wartete nur noch ein Bergpass, dann eine lange Abfahrt nach Martigny. Es konnte nichts mehr schief gehen. Es konnte nicht.

Lost in the Rain

Wir wußten, dass das Wetter umschlagen würde. Gehofft haben wir, dass es über die Pässe hält. So schön wie über das Fenetre de Durand würde es aber nie mehr werden, in den nächsten Tagen. Um 06.15 schoben wir unsere Räder aus dem Keller des Gasthauses Edelweiss in Villeneuve, sagten “Arrivederci” zu unserem Wirt, der extra früh zum Frühstückmachen aufgestanden war. Der Himmel grau, die Wolken tief, nicht einmal die Bergdörfer auf den gegenüberliegenden Hängen waren auszumachen. Das erste Etappenziel einer sehr langen Tagesstrecke, die hochalpines Gelände inkludierte, war das Valsavarenche, eine unter Gran Paradiso-Aspiranten wohl bekannten Talschaft.

Von Villeneuve (665 m) geht es mehr oder weniger schnurstracks hinauf durch kleine Weiler wie Martignon oder Champlong. Dieser Hang ist mit vielen kleinen Sträßchen bespickt, nur wenige sind beschriftet, und unser Guide “Alpencross” bleibt hierbei ebenfalls vage. Unser Kartenmaterial (IGC N. 3 Il Parco Nazionale del Gran Paradiso, 1989, 1:50.000) erwies sich als nicht Detail-genau. Genauer genommen als falsch. Was auf der Karte einfach zu navigieren aussah, kostete uns rund 1,5 Stunden an Orientierungsfahrten, bis wir den richtigen Weg gefunden hatten. Hier hätten wir uns von unserem Guide ein-zwei Zeilen gewünscht, der uns die richtige Straßenführung in der Ortschaft Champlong beschrieben hätte. Stattdessen stand im Buch zu lesen: “Das Kartenmaterial ist leider ungenau.” Und was?

Lange Rede, kurzer Sinn: unsere Empfehlung ist, gleich die Straße von Villeneuve nach Introd zu nehmen und dann über die asphaltierte Straße nach Buillet und weiter ins Valsavarenche zu fahren. Wer sich dennoch den Champlong-Ausflug antun will, für den haben wir hier eine kleine Karte vorbereitet, um den richtigen Weg ohne Verhauer zu finden:

champlong

Die ungenaue Karte bei Champlong: blaue Pfeile zeigen irreführende Wege; die entscheidende Abzweigung (grüner Kreis) und die grüne Linie weisen den richtigen Weg

Wichtig ist also, in Champlong nicht, wie aus der Karte anzunehmen ist, den kleinen asphaltierten Weg in der Kurve nach rechts oder den Feldweg weiter oben ebenfalls nach rechts zu nehmen. Erster führt nach unten nach Croix Blanche, zweiterer auf einen nicht näher markierten Wanderweg. Stattdessen muss man durch das Dörfchen durchfahren (also nach links der Straße folgen), bis sich die Straße bei einem Wasserkanal teilt. Hier muss man trotz Fahrverbotsschild nach rechts hinauffahren, nicht nach links (führte ins Nirvana…). Die Straße schlängelt sich über zwei Spitzkehren zu einer weiteren Straßenkreuzung (nun Schotterbelag) und ist keine Sackgasse, wie auf der Karte angezeigt. An dieser Kreuzung nach links abbiegen und diesem Karrenweg nun stur folgen. Er führt bis Chevrère, wo man am besten den Talboden über eine Brücke (kurze Abfahrt) kreuzt und dann wenige Meter zur Straße ins Valsavarenche hochfährt.

Wir hatten beträchtlich Zeit verloren, und waren immer noch fast im Tal (Chevrère, 1.108 m). Der Himmel hatte schon den einen oder anderen kurzen Nieselregen abgelassen. Tunnel für Tunnel, Ortschaft für Ortschaft fuhren wir das Tal hoch, dann endlich durch Valsavarenche (Degioz, 1.504 m), später durch Eaux Rousses, und final im Starkregen an der Alp Terre vorbei nach Pont (1.960 m). Es schüttete dermaßen, dass wir im nahegelegenen Hotel / Restaurant Schutz suchten. Ausgekühlt, nass, die weissen Hände an einer Schale Café au lait geklammert. Eines wurde immer klarer: den Alpenübergang über den Col de Carro ist an diesem Tag nicht zu packen. Bei diesem Wetter wollten wir nicht einmal mehr zum Col del Nivolé.

Das Wetter ließ nicht nach, unser Frust stieg, und zwei Stunden später immer noch am gleichen Fleck im Restaurant hatten wir einen Liter Weißwein, eine Käseplatte und den Entschluss, über Nacht hierzubleiben, intus. Den Nachmittag verbrachten wir im Bett, gingen bei einer Regenpause kurz zur Albuerge Gran Paradiso hoch, um den Weg für morgen früh zu sondieren. Wir hatten nur einen Wunsch für den nächsten Tag: keine tiefen Wolken, die uns die Orientierung für diese kritische Passage rauben würden. Wir wollten und mußten über den Col de Carro.

MTB Classico: Martigny ins Aosta-Tal

Als einer der schönsten Alpenüberquerungen mit dem Mountainbike ist in der Szene der Hochgebirgsweg von Martigny über das Val de Gagnes ins italienische Aosta bekannt. Dieser Weg diente uns als Einstiegsetappe für eine 5-tägige MTB-Schleife in der Region Wallis-Gran Paradiso-Mont Blanc. Im Wesentlichen hielten wir uns an einen Titel von Achim Zahn (“Alpencross: Mit dem Mountainbike über die Ost- und Westalpen“). Wir hatten ja schon mit anderen Titeln des Autors zu tun gehabt und waren recht zufrieden damit (“Mountainbike Trails“).

val-de-bagnes

Das Val de Bagnes

Der Tag begann mit wolkenlosem Himmel (fast so wie am Vortag im Klettersteig bei Champéry) aber einer lauten Straße, die uns von Martigny (471 m) bis nach Sembrancher brachte. In Lourtier (1.074 m) machten wir mal Kaffee-Pause, bevor es immer noch auf Asphalt weiter durch das Val de Bagnes nach Fionnay (1.491 m) und später auf die Dammkrone des Lac de Mauvoisin (1.975 m) ging. Hunderte Meter ging es zunächst durch kleiner Tunnels entlang und oberhalb des mehrere Kilometer langen Sees, bis man auf einem schönen Karrenweg den See entlang fahren konnte. Hier schoben wir bei Sonnenschein eine kurze, aber feine Mittagspause ein.

lac-de-mauvoisin

Der Lac de Mauvoisin von Süden aus

Der Weg zur Cabane de Chanrion (2.462 m) wurde nun ruppiger, war aber immer noch fahrbar. Vor der Hütte bogen wir aber ‘rechtzeitig’ zur Alpe Grand Charmotane nach Süden ab. Nun ging es nurmehr im Schiebeverfahren weiter, ganze 500 Höhenmeter hinauf. Am Ende wartete das Fenetre de Durand (2.797 m) auf uns, eine breiter Grenzsattel zwischen der Schweiz und Italien.

glacier-du-brenay

Hinten: Glacier du Brenay

fenetre-de-durand

Nur noch wenige Meter vor dem Fenetre de Durand

Das Geschiebe hatte aber noch keine Ende, auf dem Weg ins italienische Valpeline mussten noch zahlreiche Blockstein-Passagen überwunden werden. Der Trail abwärts war aber größtenteils ein Fahrspaß. Über Valpeline (960 m) fuhren wir im Eiltempo nach Aosta (580 m) ab, quer durch die Fußgängerzone bis zu einem Bäcker, und wenig später und schon ein wenig ausgelaugt, über eine Landstraße nochmals gute 15 km bis nach Villeneuve zu unserer Unterkunft “Edelweiss“. Diese erwies sich mit ihrem Wirt als ein Glückgriff (fairer Preis, ausgiebiges Abendessen, sehr frühes Frühstück und auch noch die guten Englisch-Kenntnisse des Wirten!).

Insgesamt hatte diese Etappe rund 105 Kilometer und ca. 2.700 Höhenmeter. Am nächsten Tag ging es ins Valsavarenche.

Gratklettereien im Rätikon: Hornspitze, Gorvion

Zusammen mit den Jungs von Molldu (Gebo, Christian, Kay) ging es mit den Bikes und später mit den Wanderschuhen in den Rätikon. Start war das liechtensteiner Dorf Steg (1.303 m). Von hier aus führt eine gut ausgebaute Forststraße durch das Valünertal zum Obersäss (1.646 m) und weiter in teils steilen Anstiegen zur Pfälzer Hütte (2.108 m). An der Pfälzerhütte bin ich letztes Jahr im Rahmen des Trans-Rätikon-Trailruns vorbeigelaufen.

Valünertal

Schwüles Wetter auf dem Weg zur Pfälzer Hütte

Das schwüle Wetter hielt und so nutzten wir das Sonnenfenster für einen schnellen Aufstieg zum nahegelegenen Gorvion (2.308 m). Ein schöner alpiner Weg führt unterhalb des Augstenberg zum Grat, dann folgt eine kurze, feine Kletterei (I), um in wenigen Minuten am schönen Gipfelkreuz die Aussicht zu genießen, vor allem auf die Tourenziele des nächsten Tages: Hornspitze und Tschingel. Aber auch der benachbarte Oberzalimkopf liegt quasi gegenüber und oberhalb des Nenziger Himmels.

Gorvion

Nicht weit von der Hütte: Gorvion

Gorvion

Gorvion

Die Nacht verbrachten wir in der Stube und im Lager der Pfälzerhütte, die gestern bis Mitte Oktober geöffnet hat. Ein zünftiges Abendessen war garantiert, ebenso die eine oder andere Weinflasche. Um Mitternacht war dann doch Schluss, müde kroch man in die Betten. Dennoch murrte keiner ob der frühen Tagwache um 05.30.

hornspitze

die Hornspitze

Entlang des Liechtensteiner Höhenwegs ging es zunächst zum Hochjoch (2.353 m). Zahlreiche Schneefelder sind noch zu überqueren, ein Wanderstock ist zu empfehlen. Vom Hochjoch (Große Furka) folgten wir nunmehr dem Grat zur Hornspitze. Zunächst auf Grashügeln, suchten wir später im griffigen, scharfen und brüchigen Fels unseren Weg. Hin und wieder wiesen Steinmarkierungen den Weg, aber oft musste der eine oder andere Felsformationen überklettern, um den Weg einzusehen. So macht Bergsteigen Spaß, wenn man seine Route selbst wählen muss. Oft ausgesetzt, ging es Meter für Meter höher. Kurz unterhalb des Gipfels hilft auch ein Stahlseil und 5 Eisentritte, einen sehr losen Schotterhang gesichert zu passieren. Vom Gipfelkreuz der Hornspitze (2.537 m) hat man vor allem prächtige Blicke zur Schesaplana-Hütte, ins Prättigau, zum Naafkopf und zum Augstenberg. Der Weg retour ging recht gut und alle kamen wieder heil vom Grat zum Hochjoch zurück.

hornspitze

Ein schottriger Abschnitt des Grats zur Hornspitze

Als Bonus zur Hornspitze bot sich der Tschingel (2.541 m) an, liegt er doch nur 200 Höhenmeter auf der südlichen Seite des Jochs. Eine gute halbe Stunde später waren wir auch hier am Gipfel, den ein Steinhaufen markiert. Besonders gut war von hier der Vilan zu sehen. Eine gute Stunde später waren wir schon wieder in der Pfälzerhütte bei Kaffee und Jause. Die Abfahrt mit dem Mountainbike blieb ohne nennenswerte Ereignisse.

Forstseeli: leichte Tour trotz Schiebepassagen

Wir haben den schönen Sonntag Vormittag für eine kurze Tour im Schweizer Appenzell genutzt. Die recht kurze Runde (37 km, 1.050 Höhenmeter) bietet schöne Blicke auf Säntis und auf die Alpen des Kantons, ist aber für MTB-Fans bestenfalls eine Alterniv-Route.

rheintal

Das Rheintal bei Oberriet

Von Oberriet geht es auf Asphalt bis zum Montlinger Schwamm, dann wird die Spur teils unfahrbar (sehr grober Karrenweg), bis man irgendwann zu einem schönen, schattigen Forstseeli kommt. Anschließend geht es über Kieswege und immer wieder Schiebepassagen auf und ab zum Resspass (1.185 m). Von da an folgt man einfach der Asphaltstraße über Steinegg und Eggerstanden wieder zurück nach Oberriet.

forstseeli

Das Forstseeli

saentis

Säntis vom Resspass

Mountainbike Trails – Buchrezension

Ein Buch, dass wir für die Planung unserer Routen in den französischen Alpen verwendet haben und so klasse Touren wie die 90km Runde auf den Col du Galibier oder um die Festungen um Briancon absolvieren konnten, muss etwas wert sein: eine Empfehlung.

voll von Infos

Mountainbike Trials ist ein dickes Taschenbuch mit Karten, Tipps, Statistiken und Bildern für die klassischen und weniger klassischen MTB-Routen in den Ost- und Westalpen. Das Lesen der Routen ist nicht immer ganz einfach (zumindest ist das Sich-Zurecht-Finden auf der Karte etwas gewöhnungsbedürftig), aber liefert eine gute Vorstellung davon, was einem erwartet.

Was uns gut gefallen hat, war das große Angebot und die entsprechende Dichte auch für Nicht-Alpencross-Fahrten, sondern eben für Tagestouren. Was natürlich Voraussetzung für diese Art des Fahrens ist, aber nie von einem Band geliefert werden kann: das entsprechende Kartenmaterial. In Frankreich bekommt man 1:50.000, 1:25.000 und 1:60.000 in jedem halbwegs großen Sportgeschäft. Man sollte aber vielleicht schon an eine Planung zuhause denken, dann ist eine Kartenbeschaffung über das Web interessant. Wir nutzten dies um diverse Aktivitäten (MTB, Klettersteige, Hochtouren, Trailrunning) sowie Stellplätze vorab einzutragen und eine interessante Gesamtrunde für unsere Frankreich-Woche zu gestalten.

Wer sich für dieses Buch interessiert, der findet hier die entsprechende Info für den Bezug: Mountainbike Trails: Auf alten Militärstraßen um die höchsten Berge der Alpen

Über den Col d’Izoard

Der zweite große Bike-Trip unserer Briançon-Woche war eine lange Schleife von ca. 40km über mehrere Höhen und Festungen im Umkreis der Stadt Briancon. Im Dunkeln starteten wir auf die erste Anhöhe zum Ancien Fort de la Croix de Bretagne (2.011 m). Die alte Militärstraße war ruppig aber schön breit und für den meisten Teil gerade so steil, dass sie befahrbar blieb.

In mehr als zwanzig Kehren zur Festung de la Croix de Bretagne

Die Militärstraße zum alten Fort war in einem recht guten Zustand

Der Weg war dennoch anstrengend – die großen Steine und der lose Untergrund belasteten Rücken und unseren Fahrrhythmus. Der Anblick des verlassenen Forts war dann eine kleine Erleichterung.

An den Mauern des Ancien Fort de la Croix de Bretagne

Die anschließende Abfahrt war im oberen Drittel ein äußerst lässiger Trial, später eine höchst-steile Angelegenheit, die nur noch durch das Absteigen vom Rad zu bewältigen war. Beim Zusammentreffen mit dem Torrent de Ayes (1.600 m) ging der Weg wieder in die Höhe, wir folgten der guten Straße über das Dörfchen Ayes hinaus zu den Chalets de Vers le Col (2.209 m).

Der Herbst im Tal des Torrent des Ayes

Auf dem Weg zum Col des Ayes (2.477 m)

Endlich auf dem Col des Ayes (2.477 m)

Der letzte Anstieg zum Col des Ayes war nicht mehr fahrbar, das Rad wurde gestoßen (wie schön die Schweizer das nennen), und die Passhöhe überwunden. Nach einer weitere kurzen Schiebestrecke fuhren wir in ordentlichem Tempo bis ins Tal hinab (ca. 1.660 m).

Schöne Trailstrecke vom Col des Ayes

Sie Abfahrt wurde dann gefährlich, wenn man nurmehr Augen für die fantastische Landschaft hatte

Der abschließende Anstieg dieser 2.200 Höhenmeter-Runde bildete der 8km lange Serpentinen-Weg auf den Col d’Izoard (2.360 m). Diese asphaltierte Strecke war schon öfters Teil der Tour de France und war kaum vom Verkehr befahren. Schön für uns, denn die Hitze war schon ordentlich, und wir wollten um zwei Uhr nachmittags wieder beim Racing-Büssle sein. Also nichts wie hinauf, vorbei an fantastischen Felsformationen zum Pass.

Solche Anblicke erleichtern die schwersten Anstiege

Die letzten Kurven vor dem Col d’Izoard

Die Abfahrt vom Pass war dann eine rund 15km asphaltierte, fast-bremsfreie Fahrt bis direkt in das Herz von Briancon. Eine Super-Runde, die zwar ein wenig Kondition verlangt, aber mit wunderschönen Ausblicken entlohnt. Empfehlenswert!

Den Nachmittag verbrachten wir in den Thermalbädern von Monetier-les-Bains, bevor wir zum Schlafplatz am Col de Lautaret hinauffuhren.

Das sind schon prima Stellplätze!

Ein tolle Kullisse für schöne Nächte in den französischen Alpen

Am letzten Tag hatten wir noch eine wunderschön gelegenen Klettersteig auf dem Plan, der auch im Klettersteig-Atlas gelobt und empfohlen wurde: Via ferrata de L’Aiguillette du Lauzet.

Radmarathon durch das Val de la Clarée zum Col du Galibier

Am dritten Tag unserer Briançon-Woche fuhren wir noch im Morgendunkel von unserem schönen Stellplatz bei Pied du Col nach Monetier-les-Bains (ca. 1.500 m) weiter – zum Start einer 90km Runde durch zwei Täler und über mehrere Pässe.

Das erste Teilstück (ca. 20 km) folgte der Nationalstraße nach Briancon (ca. 1.300 m). Eigentlich keine große Erwähnung wert, da es eine fast reine Abfahrt war. Doch bis wir in Briancon ankamen, hatten wir Eisfinger und Eisfüsse, so kalt war es. In einer lokalen Boulangerie hieß es sich mit einem Kaffee und einer warmen Baguette aufzutauen.

Voll eingekleidet bei der Einfahrt ins Val de la Clarée

Durch die Stadt Briancon ging es nun fortwährend aufwärts bis ins Tal der Clarée, welches sehr flach über dutzende Kilometer anstieg. Im Winter ist hier sicherlich die Hölle los, aber auch im Hochsommer stehen zahlreiche Campingplätze zur Verfügung. Die Landschaft ist prächtig, aber Ende September ist es hier beinahe leer. Gut für uns.

Blick zurück ins Tal der Clarée und nach Nevache

Die Straße endet beim Refuge de Laval

Über Nevache fahren wir weiter, die Straßen werden enger, steiler, kurviger, bis sie schließlich vollends in eine holprige Schotterstraße übergehen. Alpen auf Alpen folgen, der Weg bleibt trotz groben Untergrunds noch fahrbar. Damit hört es sich dann aber bei der Refuge des Drayères (ca. 2.300 m) auf, die erste Schiebepassage beginnt.

Das obere Tal der Clarée mit den Pointes des Cerces

Der nun steile Wanderweg erklimmt Meter für Meter die Pass-Höhe Seuil des Rochilles. Unterwegs treffen wir nur Schafherden und einige französische Gebirgsjäger. Die Landschaft ist nun karg geworden, nackter Fels, wenig Wasser, hin und wieder Gräser. Auf der Passhöhe dann zwei kleine Seen, wovon der eine fast ausgetrocknet ist. Nochmals ein paar Höhenmeter, und dann sehen wir über eine Kante (Col des Rochilles, 2.496m) in das Tal der Torrent.

Am Lac du Grand Ban

Holprige Abfahrt nach Plan Lachat

Es folgte wieder einer harte, schüttelreiche Abfahrt von mehreren hundert Höhenmetern (auf ca. 1.900 Hm herunter). Im Grastrail mache ich einen unfreiwilligen Abstieg vom Rad, und schon geht es weiter.

Ein flotter Grastrail zum Fuß der Passstraße zum Col du Galibier

Die letzte Prüfung ist der rund 10km lange Anstieg auf den Col du Galibier (2.642 m). In der Nachmittagssonne wird das zu einer Hitzeschlacht, und wir fahren in unterschiedlichem Tempo die Serpentinen hoch. Durchschnittliche 8-9% Steigung sind für uns ok, und die Beschilderung der Strecke für Radfahrer ist super: Verbleibende Kilometer, zu erwartende Steigung. Auch entgegenkommende Autofahrer feuern uns an. Radfahren ist in Frankreich nicht nur ein Sport, sondern ein Teil der nationalen Identität. Das freut natürlich auch uns, les Autrichiens.

Blick zurück auf die letzten Serpentinen vor dem Col du Galibier

Irgendwann haben wir auch diesen geschichtsträchtigen Pass erklommen – zusammen mit all den anderen, die schon vor uns in großen oder kleinen Pulks von Radprofis und Radamateuren hier herauf gefahren sind. Die Namen der Tour de France Fahrer sind immer noch und immer wieder im Asphalt der Fahrbahn verewigt, meine Name findet sich nicht, Beate’s tatsächlich in der letzten Kurve vor der Passhöhe.

Nach einer kurzen Pause auf dem Col du Galibier rüsten wir um für die Abfahrt und schießen zum Col du Lautaret herunter, und dann weiter bis nach Monetier-les-Bains, wo schon unser Racing-Bus auf uns wartet. Was für eine fantastische Runde von mehr als 90 km und 2.000 Höhenmetern, für die wir ca. 7,5 Stunden gebraucht haben.

Bild: das einzige Hindernis bei der Abfahrt vom Col du Galibier – Schafherden

Nach Stärkung und Einkauf in Briancon fuhren wir für die Nacht zum Refuge de Cezanne (ca. 1.800 m) am Ende der Reserve Naturelle du Torrent de Saint-Pierre, unser Ausgangspunkt für eine dreitägige Hochtour im Nationalpark Ecrins.

Entlang und quer zur Pegnitz

Als Abschluss unseres Jena-Wochenendes (Adventure Race, Bamberg, Gößweinstein) wollten wir zur Abrundung des Ganzen noch eine Bike-Tour in der Fränkischen Schweiz machen. Unsere Wahl fiel auf das Pegnitz-Tal, das laut Roadbook eines Mountainbike-Magazins abwechslungsreiche 30 km versprach.

Waldtrails gab es en masse, oft enger und steiler als hier

Start war in Osternohe, ein kleines Dort im Umkreis von Velden a.d. Pegnitz. Oberhalb von Osternohe liegt der Schloßberg, der gar einen Skilift sein Eigen nennen kann. Über Forstwege ging es bald in die ersten leichten Singletrails, und im ständigen Auf und Ab gelangten wir im dichten Wald unter die Burg Hohenstein.

Die Burg Hohenstein

Einige Abfahrten, teils auf Asphalt, teils auf Pfaden, folgten, bis wir letztlich Velden erreichten, ein schöner Ort mit vielen Fachwerkhäusern. Am Flußtrail folgten wir für einige Kilometer der Pegnitz, die sich für diverse Kanu-Aktivitäten sehr eignen würde. Über weite Forstwege erfolgte dann wieder der Anstieg nach Hohenstein, und später über Waldtrails wieder nach Schlossberg / Osternohe.

Entlang der Pegnitz

Schöner Flußtrail

Verpflegung unterwegs – reife Zwetschken

Insgesamt eine sehr feine Runde mit schönen Waldpassagen im Downhill, und mit ca. 900 Höhenmeter keine kraftraubende Angelegenheit. Mit dem Büssle ging es dann über München wieder retour ins Ländle. Wenn dann Herman Dune aus den Lautsprechern “the world is wonderful as it is” singt, die Sonne über der Straße untergeht, wir beide gerne gleich weiterfahren würden, dann wissen wir, dass das alles so stimmt. Das Leben ist gut.

Einmal um den Itonskopf

Nach Dienstschluss und diversen Materialeinkäufen in Bludenz ging es von Bartholomäberg (1.087 m) mit dem Mountainbike einmal um den Itonskopf (2.089 m) herum. Im Winter waren wir dort schon einmal unterwegs, und zwar mit den Skiern zum Wannaköpfle.

Aufstieg zur Alpe Rellseck

Von der Kirche im Dorf ging es zunächst auf Asphalt ein paar Haarnadelkurven hoch, dann folgten wir dem Wanderweg (Schotter) recht steil über Almwiesen bis Rellseck (1.487 m). Nach ein paar Weidezäunen verläuft die Straße mäßig ansteigend durch Wälder immer weiter Richtung Klostertal, bis es bei Alplegi (1.802 m) einen kleinen Sattel passiert.

Knapp vor dem ersten Sattel (Alplegi)

Hier führt eine rasante Abfahrt auf grobem Schotter bis vor die Latonsalpe (mit “Gastgarten”), worauf wieder ein Gegenanstieg ansteht. Dieser ist gut bewältigbar und nicht allzu lange, dafür aber mit prächtigen Ausblicken über das Klostertal hinweg zur Freiburger Hütte und zum Lechquellgebirge (Mehlsack).

Schöner Höhenweg vor der Kulisse der Gamsfreiheit (re) und dem Breithorn (li)

Nach ein paar Schiebepassagen ging es dann aber zur Sache: die Abfahrt über die ausgeschilderte MTB-Strecke nach Bartholomäberg. Ich kann nur sagen: sensationell! Ein Wahnsinns-Trail mit viel Geschick zu bewältigen, mit reichlich Tempo zu fahren, mit Wagemut zu absolvieren. Mich wunderte nur, dass die Räder soviele Stufen, Sprünge, Kanten und Wurzeln ausgehalten haben. Auf dieser Strecke gilt: Wer zu vorsichtig fährt, verliert. Wer aber flott herunterbraust, kommt über alles drüber, was sich ihm in den Weg stellt. Nicht vergessen: Gleichgewicht nach hinten verlagern, sonst gibt’s schnell mal einen Purzelbaum! Wir sind uns einig: der beste Single-Trail, den wir bis jetzt fahren durften!

Mit dem Mountainbike um den Vilan

Am Sonntag hatten wir etwas Größeres vor – eine Radtour um den Vilan, einen weit sichtbaren Gipfel im schweizer-liechtensteiner Grenzgebiet. Von Grüsch fuhren wir zum Einrollen entlang des Radwegs über die Weinbaugemeinde Malans nach Jenins (610 m).

Die Krone in Malans

Hier begann der längere Aufstieg zur alten Ruine Aspermont (gut sichtbar, wenn man von Chur kommend Richtung Vaduz fährt, auf Höhe von Mals/Balzers), der nur durch einen Hinterrad-Platten unterbrochen werden konnte. Wir brauchten eine Weile, bis wir das kleine Loch gefunden und geflickt hatten, aber schon ging es weiter durch den dichten Wald immer weiter hinauf. Zahlreiche Serpentinen, staubige Straßen und steile Rampen machten es uns nicht leicht. Das heiße Wetter übrigens auch nicht. Aber jede Straße ist irgendwann zu Ende, und so erreichten auch wir den Kamm auf 2.040 m, der einen grandiosen Blick auf die Maienfelder Alpen eröffnete.

Ein bißchen fehlt noch zum Kamm, bevor es zur Alpe Surfis abwärts geht

Die Abfahrt verlief ohne Zwischenfälle bis zur Alpe Surfis. Ab dann folgte ein ruppiger Single-Trail mit Schiebepassagen und Schlammlöchern bis Cani (1.285m). Anstatt aber von hier weiter abwärts ins Tal zu fahren, hatten wir noch die Schesaplana Hütte (1.910 m) im Visier.

Anfahrt zur Alpe Fasons, im Hintergrund die Wände des Rätikon

Noch mehr Panorama gab es beim Aufstieg zur Alpe Fasons (rund 1.700 m), inklusive Schesaplana vom Süden her betrachtet. Die Sulzfluh konnten wir nicht ausmachen, aber das lag wohl an den vielen Bergspitzen – sprich an unserem Unvermögen…

Im Hintergrund (links) der Vilan, rechts davon neben dem Spitz jener Kamm, den wir überschritten hatten.

Auf der Schesaplana-Hütte gab es das wohlverdiente Apfelshorley und Meringues-Ringe. Reichlich müde fuhren wir schließlich ab – über Cina nach Seewis und schließlich wieder nach Grüsch. Bei der Hitze half nur noch eines – ab ins Schwimmbad. Am Abend setzten wir noch nach Bonaduz zu unserem fast schon traditionellen Stellplatz über.

Vom Golm ins Gampadelstal

Für heute hatten wir uns was Anstrengendes ausgesucht – viel Zeit blieb ja nicht, denn die Gewitterfronten rückten heran. So fuhren wir zeitig morgens nach Vandans (648 m), Montafon, um bei der Golm Talstation unsere Runde zu beginnen.

Erster Akt des Vormittags war der Aufstieg an der Mansaura Kapelle vorbei über Schandang nach Matschwitz (1.502 m). Die recht breite Straße hatte hin und wieder steile Passagen, aber außer Kühen gab es keine großen Hindernisse. Die dichten Wolken blieben dunkel.

Ein Blick auf’s Wannaköpfle oberhalb von Bartholomäberg

Von Matschwiz ging es dann in Serpentinen hinauf zum Berghof Golm (ca. 1.900 m). Hier war der breite Weg fertig, und es ging über den Latschätzer Höhenweg in Single-Trail-Manier – teils fahrend, teils schiebend – weiter. Rechts oberhalb befand sich von uns das Golmer Joch, der Latschätzkopf und das Kreuzjoch. Ab der Latschschätzalpe folgte die erste größere Abfahrt ins Gauertal. Von hier wäre es nicht mehr weit zur Lindauer Hütte gewesen, wir brausten das Tal aber weiter hinab nach Gauen (1.222 m).

Der Latschätzer Höhenweg, im Hintergrund die Sulzfluh

Dieser Abschnitt des Weges – eine Umfahrung der Tschaggunser Mittagsspitze – war ein ständiges Auf und Ab: zunächst hinauf nach Grabs (1.393 m), dann hinab zur Straße ins Gampadelstal (ca. 1.100 m). Die Sonne brannte mittlerweile herab, das Wetter war prächtig, die Straße staubig und fast Wanderer-frei. Wir hatten die Serpentinen für uns alleine. Alles lief bestens bis zum kleinen Stausee Fischkalter – dort wurde es am Himmel plötzlich dunkel, Böen kamen auf. Deutliches Zeichen für ein bevorstehendes Unwetter.

Auf dem Weg durch das Gampadelstal

Die Abfahrt war fein, rassig und nicht zu kurz. Über Tschagguns folgten wir der Ill und gönnten uns doch noch einen kurzen Sprung ins eher kalte Wasser. Wenige Minuten später begann es schon zu schütten, doch da waren wir schon im Auto auf dem Weg retour.

Massenansturm auf die Brunnihütte

Im Anschluss an den Fürenalp-Klettersteig und einer feinen Jause im Büssle packten wir unsere Räder aus und fuhren über Engelberg wieder in die Höhe. Diesmal zum beliebten Ausgangspunkt für Paragleiter: die Brunnihütte (1.860 m). Die Regenausrüstung (wie das Craft Performance Rain Jacket) konnten wir auf dieser Fahrt getrost zurücklassen.

Anstatt aber die Seilbahn nach Ristis zu nehmen, umfuhren wir den Berg über Schwand und Bergli und kamen recht erholt (weil a) einsame Strecke, b) asphaltiert) auf der Bergstation der Brunnibahn an. Dort herrschte gegen 10.30 schon riesiger Trubel – es wird einiges geboten (mit allerlei Attraktionen für Groß und Klein – z.b. einer Sommerrodelbahn) und auch das Wetter ließ nichts zu wünschen übrig; so mussten wir uns mit den Rädern durch die Massen durchkämpfen.

Auf dem Weg zur Brunnihütte – idyllische Alpen-Landschaft oberhalb von Engelberg

Auch der weitere Weg zur Brunnihütte über die Rigidalstafel war fast schon Karren-artig: Wanderer ohne Ende. Die Schotterpiste war nun ein wenig anstrengender, aber letztlich auch bei der steigenden Hitze kein Problem. Die Abfahrt war demnach auch erst ab Ristis ein Spaß. Aber auch hier kam es zu einer Ver-Karren-ung – viele Wanderer und Mountainbiker wollten gegen Mittag den schattigen Weg nach Ristis nehmen. Insgesamt keine herausragende MTB-Tour, aber als Wochenend-Abschluss ganz ok.

Wir fanden Engelberg eigentlich ganz nett – die Landschaft ist großartig, die Park- und Stellplatzmöglichkeiten eigentlich auch, und die Leute waren trotz der vielen Besucher ebenfalls sehr freundlich. Es ist vielleicht kein großartiges Bikerevier, aber für Klettersteigfans auf jeden Fall einen Besuch wert.

Nun hieß es auch aus dem Engelbergtal Abschied nehmen – und ein kühles Bad im Vierwaldstättersee zu nehmen, bevor es am Nachmittag über Luzern und Zürich nach Hause ging.

Über den Trübsee zum Jochpass

Nach unserem Auftakt in Bodenried wollten wir an diesem wettermäßig besseren Tag etwas mehr Höhenmeter hinbekommen. Ziel war zweierlei: der Jochpass (2.207 m) von Engelberg (1.050 m) aus mit dem Mountainbike, und dann der Graustock-Klettersteig (2.662 m) zu Fuß und Klettersteig.

Auf dem Weg zu Unter Trübsee

Der Start in Engelberg ging recht flott von den Pedalen, ein asphaltierter Weg führte über Serpentinen zur ersten Anhöhe zum Gasthof Unter Trübsee (1.300 m). Dort weiter dem Weg folgend ging es bald in einen Schotterweg über, der zunehmend rauher und steiler wurde. Die eine oder andere Schiebepassage folgte, und auch das eine oder andere Murmeltier interessierte sich für uns.

Blick auf den Trübsee von unterhalb des Jochpass

Ab dem Alpstübli beim Trübsee ging es eigentlich nur noch das Rad schiebend vorwärts – zu steil und vor allem zu lose war der Untergrund. Im Winter eine Schipiste, im Sommer eine Steinwüste. Irgendwann kamen wir dann auf dem Jochpass an (und jetzt folgte der Klettersteig), doch die Abfahrt war – klassisch – eigentlich gleich schlimm wie das Hinaufschieben. Ein Herunterbremsen ohne Ende, das Gesicht immer vor dem Rad – so steil war der Hang. Die Abfahrt vom Trübsee herunter war dagegen ein Spaß, und auch der Milchkaffee bei der Wirtschaft Unter Trübsee war die Fränkli wert.

Am Auto gab’s nicht nur feinen Kuskus zum Essen, sondern auch die dringend notwendige Dusche. Übernachtet haben wir am kostenpflichtigen Parkplatz der Fürenalpbahn, idyllisch gelegen am Waldrand, bereit für das nächste Kletterabenteuer auf die Fürenalp.

Im Gewitter zur Klewenalp

Ins Wochenende starteten wir diesmal am Vierwaldstättersee im kleinen Ort Beckenried. Direkt an der Autobahn nach Luzern gelegen, dennoch sehr idyllisch und ein prima Ausgangsort für die eine oder andere MTB-Tour. In dieser Gegend waren wir noch nie unterwegs – weiter südlich wäre Andermatt, weiter westlich käme Interlaken und irgendwannmal Gstaad.

Da war das Badewetter noch Badewetter am Vierwaldstättersee

Wir entschieden uns für eine kurze und einfache – die Fahrt hinauf zur Klewenalp, die oberhalb von Beckenried thront. Rund 1.000 Höhenmeter waren zu bewältigen, überwiegend auf Asphalt. Schon vor dem ersten Antritt hatten sich der Himmel schon recht verfinstert, und nach ca. 700 Höhenmeter und die Alpe in Sichtweite begann der Gewittersturm. Zunächst nur heftiger Regen, den wir im Wald aussaßen. Nun wurde es aber erst recht sehr dunkel – der Berg und damit die Alpe hüllten sich in dunkelgraue Schwaden und wir ahnten schon das Unwetter über uns hereinbrechen.

Über Schwyz ziehen schon sehr dichte Wolken auf

Mit einer beherzten Abfahrten nutzten wir eine kurze Regenpause, doch kurz vor Beckenried erwischte es uns noch – mit kleinem Hagelschauer auf unsere Helme… Wie auch immer, naß aber ohne größere Probleme kamen wir zu unserem Racing-Büssle. Da wir sowieso direkt am See parkten, nutzten wir den Regenguss für einen schnellen Sprung in den See – damit war die Dusche für diesen Tag auch gleich erledigt.

Am Abend fuhren wir dann ins Engelberg-Tal hinein und suchten uns eine Stätte für die Nacht. In einem Seitental kamen wir zum Gasthaus am Ende der Welt. Das war wirklich so. Da waren nur mehr Felsen. Und ein Parkplatz, den wir für die Nacht nutzen durften. Ein Danke an die Wirtsleute!

Der Plan für den nächsten Tag: mit dem Rad hinauf zum Jochpass und dann den Klettersteig zum Graustock begehen.

Über den Parpfienzsattel

Im Anschluss an unseren Klettersteig am Saulakopf ging es zunächst zu Fuss von der Douglashütte über den Steig zur Talstation der Lünerseebahn retour. Dort hatten wir ja unsere Räder am Vortag geparkt, nun wurden sie wieder für den letzten Tagesabschnitt vorbereitet.

Der erste Teil war eine feine Erholung vom Abstieg – eine Abfahrt nach Brand (1.037 m). Von dort ging es sofort steil hinauf, in etlichen Serpentinen unterhalb der Kabinenbahn bis zur Niggelkopfbahn und dann noch weiter hinauf bis zur Inneren Parpfienzalpe (1.524 m) – von hier könnte man auch zur Tschengla kreuzen. Da war das Wetter zwar recht schön, aber dafür extrem heiss – keine Luft, wenig Schatten, und viel Staub. Dementsprechend war auch unser Wasserverbrauch, und unsere Flaschen wurden bei jeder Gelegenheit aufgefüllt. Der Rücken tat schon weh vom Rucksack, doch der folgende Anstieg zum Parpfienzsattel (1.693 m) war eingentlich nur mehr Formsache.

Die Innere Parpfienzalpe

Die folgenden 5,5 km waren von einem Auf und Ab geprägt, gingen aber recht flott vorbei bis zur Furka Alpe (1.619 m), dann nochmals ein Anstieg bis zur Klampierasattel (ca. 1.700 m). Fast schon zum Greifen nahe lag die Mondspitze, aber die haben wir uns für den Winter aufgehoben.

Auf dem Weg zur Furka Alpe

Nun folgte eine fantastische 15 km Abfahrt bis nach Nenzing – kurvenreich, fast ohne Verkehr, mit ein paar Serpentinen, aber sonst mit viel freier Fahrt ohne Bremsen. Sehr cool!

Auf dem Klampierasattel

Insgesamt eine sehr unterhaltsame, wenn auch anstrengende Tour. Mit viel Wanderern ist zu rechnen, auch unter der Woche, zumindest bis zum Parpfienzsattel.