Posts

Roadies auf dem Weg nach Hause

Die letzten Tage brachen an, Roatan lag hinter uns, San Pedro Sula ebenso, im schicken, halbvollen Bus von Hernan Allas querten wir den Norden des Landes bis hin zum Hochland. Honduras hat soviele Gesichter.

copan

Hola, hola!

Im Dunkeln schleichen wir uns nach Copán. Hier ist die Backpacker-Welt noch in Ordnung. Hostels so weit das Auge reicht, Backpacker an jeder dritten Ecke, die von ihren “Abenteuern” (aka Checklisten) erzählen. Unbekümmert schlendert man durch die mit Pflastersteinen befestigten Strassen. Die Strassenküchen verführen uns, das Geld für ein Bier sitzt locker. Wir merken, der Abschied hat begonnen. Ich bin nachdenklich, denke an El Salvador, denke an die Tage, die danach kommen. Es ist schön, “auf Achse” zu sein. Aber dann kommt der Tag, und man packt seine Tasche ein letztes Mal zusammen, steigt ins Taxi zum Flugfeld, und sieht die lieb gewonnene Heimat nur mehr von oben.

copan

Das wird einmal eine heiße Tasse Kaffee

In Copán ist dieses Gefühl allgegenwärtig. Eine seltsame Mischung aus Aufbruch und Untergang, die sich vor uns ausbreitet. Einst eine Blüte der Maya-Kultur, hatte Copán schon bessere Zeiten erlebt. Und doch verschwand diese Stadt mit ihren rund 25.000 Einwohnern irgendwann im tropischen Wald. Die Ausgrabungen erzählen die Geschichte von Wachstum, und Fall. Und führen den Mythos vom allwissenden, mit der Natur verbundenen Indianer ins Absurde. Die stärkste These, die Archäologen für das Zurücklassen von Copán und vieler anderer Maya-Stätten entwickelt haben, basiert auf der Annahme der Vernichtung von natürlichen Ressourcen durch Bevölkerungsdruck. Die Einwohner von Copán wichen nach Norden in die noch unberührten Wälder von Nord-Guatemala aus, dort gab es Ressourcen genug für einige Jahrhunderte.

copan

Maya-Style

Unsere Ressourcen genügen für einen heißen Kaffee, und zwei Nächte im Iguana Azul. Es ist ein einfaches, sauberes Hostel mit netten Gästen und Personal, und auch wenn man nachts wegen der nahen Straße kaum schlafen kann, würden wir gerne weiter hier bleiben. Wir haben uns an das Rucksack-Leben gewöhnt, sind fast schon Roadies geworden. Nur unsere Wäsche könnte jetzt mal einen heissen Waschgang vertragen. Stattdessen waten wir durch Matsch, kratzen an diversen Insektenstichen und halten uns die Ohren zu, wenn irgendwo wieder ein Radio ein “Jingle Bells” trällert.

copan

Der Rest vom Fest, im 8. Jhdt gaben die Mayas Copan auf

Da fällt es uns leicht, in Libertad (El Salvador) einzufallen. Keine Backpacker. Keine Touristen. Im El Roble sind wir unter uns. Unter uns, mit einem Dutzend älterer und junger Damen, von denen eine ihren Geburtstag feiert. Der letzte Abend bricht an, wir lachen und trinken, sehnen uns nach mehr, weigern uns ins Bett zu gehen, zögern das Unvermeidliche hinaus. Erfinden immer neue Gründe aufzubleiben, bevor wir dann doch mit Schlagseite unter’s Moskitonetz kriechen. Mit dem Aufwachen ist der Traum vorbei, es geht zurück, und trotzdem erinnern uns Glitzer im Gesicht und Perlenketten aus Plastik an eine Welt, die bald ganz weit weg sein wird. Fast schon aus Protest gegen diese Rückführung schlendere ich mit meiner Halskette durch die Flughäfen. Spätestens in Frankfurt am Montag Morgen ist mir schlecht. Hätten wir nicht schon den nächsten Roadie-Traum in unseren Köpfen, wäre das nun echt ungünstig. Wir holen uns einen Kaffee, und das Leben geht weiter.

libertad

Mit einem Knall von der Bühne abtreten, und dann ab nach Hause

Impressionen aus Roatan

roatan

Coxen Hole

roatan

West End

roatan

Busch? Nein, unser Garten

Senor Lehman und die Welt der Insekten

Wir sitzen im Bus, irgendwo in Nicaragua. Die Landschaft fährt an einem vorbei, die Welt draußen ist nah und doch von uns abgeschirmt. Die Armut in den Straßen ist sichtbar, Kinder spielen in den erdigen Straßen, die Älteren sitzen vor ihren Hauseingängen. Es wird spät, es wird dunkel, Regen setzt ein, die Welt verwandelt sich in einen ungemütlichen Grenzposten, den wir passieren müssen. Zurück liegen Strände, Sonne und die Illusion von Happyness. Das Fest im Baseball-Stadion. Bewaffnete Polizei patrouilliert, Fragen werden gestellt, und wir suchen rasch Schutz im Inneren des Busses. Keiner will im Nichts draußen stehen.

In La Ceiba scheint die Sonne wieder. Für einen Moment könnte man in dieser Stadt an der karibischen Küste Honduras’ die Tristesse vergessen. Die Straßen sind voll, das Geschäft läuft, die Menschen haben ein Lächeln für uns übrig. Oder für unser Spanisch. Wir haben etwas Zeit, wollen nicht “shoppen” oder gar ein amerikanisches Schnellrestaurant besuchen. Wir beschließen, dem Museum für Schmetterlinge und Insekten einen Besuch abzustatten.

schmetterlinge

eine sehenswerte Sammlung

Etwas, was Mittelamerika wirklich in Hülle und Fülle hat, ist wohl der Artenreichtum an Käfern, Spinnen und Schmetterlingen. Das sehen wir mit einem Blick auf die Sammlung von Señor Lehman, der dieses Museum in Eigenregie aufgebaut hat. Ein Sammler, ein Insekten-Fan(atiker). Und ein Wissender. Seine Geschichten weiss er zu erzählen (angefangen vom internationalen Insektentauschhandel, über das Schmetterlings-ABC bis zur Verbreitung von Dengue-Fieber), und ist sichtlich stolz, auch ein paar Schmetterlinge aus Osttirol herzeigen zu dürfen. Die flattern zwar nicht mehr, sind aber fein säuberlich aufgespießt und getrocknet in Schaukästen ausgestellt. Aber die interessieren uns eher wenig. Stattdessen die riesigen Schmetterlinge, die der Kontinent zu bieten hat.

So schön diese Flügeltiere auch sind, noch mehr faszinieren mich die Käfer. Manche können mit ihren Kiefern ordentliche Äste knacken, wird uns erzählt. Gut vorstellbar. Irgendwo findet sich auch ein Trio von Nashornkäfern, die sich durch ein paar Melonenstücke fressen. Eine Tarantel, ein paar fette Larven und ein Tausendfüssler sind die wenigen lebenden Tiere hier, die Señor Lehman mit seinen Händen hervor bringt. Der Rest bleibt, wie gesagt, reglos hinter dem Schaukasten. Bei einigen Spinnen- und Skorpionarten ist es uns wohl lieber so. Die Hundertfüßler schauen sehr unfreundlich aus, und ich hab den Verdacht, dass sie ein den Boden berührendes Moskitonetz wohl “unterwandern” könnten. So eine Nacht könnte übel ungemütlich werden.

Gerne tragen wir uns in das Gästebuch ein, wünschen Señor Lehman viel Erfolg bei seinen nächtlichen Expeditionen im honduranischen Busch und machen uns auf den Weg durch ein sicheres, ergo wohlhabendes Viertel. Nach Roatan.

Impressionen aus Granada

granada

einladend…

granada

historisch…

granada

renoviert…

granada

und viel Grün in den Innenhöfen!

Honduras – ein “failed state”?

Auf unserer Reise sprachen wir mit Menschen in Honduras, lasen die nationalen Tageszeitungen, sahen die laufende Berichterstattung im Fernsehen. In den Lokalnachrichten dominieren Berichte über Morde, Überfälle und Beschuldigungen in einem Ausmaß, wie bei uns Nachrichten über Politik, Sport, Kultur und das Wetter zusammen. Es ist ein Klima der Gewalt, das hier herrscht. Korrekterweise muss man sagen, dass die Mordproblematik im Wesentlichen die Siedlungsgebiete um Tegucigalpa und San Pedro Sula betrifft. Dennoch, über die Medien wird das Land wie elektrisiert, ständig bombardiert von abscheulichen Verbrechen. Die Menschen rufen nach dem Staat, aber dieser ist oft selbst in diverse Machenschaften involviert.

“Failed states” wurden in den 90er Jahren nach dem Zusammenbruch der UdSSR Teil des politischen Diskurses. Die US-Amerikanische Politikerklasse beschäftigte sich zunehmend mit dem Bedrohungspotential von Staaten, die per Definition eigentlich keine mehr waren. Mit den Anschlägen von September 2001 beherrschte die Hypothese von der ausgehenden Bedrohung der westlichen Welt durch failed states die Außen- und Sicherheitspolitik der USA, legitimierte die Kriege im Irak und in Afghanistan und alle Einsätze, die in anderen Ländern dieses Jahrzehnts geführt wurden.

Ein “failed state” wird als ein Raum bezeichnet, über den der Staat keine Kontrolle hat. Es kann Gesetze nicht durchsetzen, Sicherheit nicht gewährleisten, grundlegende Menschenrechte (Arbeit, Gesundheit, Wohnraum, etc) nicht sichern. Ein Failed State Index (FSI) versucht anhand von Indikatoren, eine Liste von “verlorenen” Staaten und die Möglichkeit, ein solcher zu werden, abzubilden.

screen-capture-1

Failed State Index

Der Ursprung dieses Diskurses entstammt der Frage nach der realen Bedrohungslage für die USA. Dadurch haben es gewissen Länder leichter, im FSI ganz vorne zu stehen. Wenig überraschend sind es Somalia, der Tschad und der Sudan, die das Ranking anführen. Aber was ist mit Mittelamerika? Im FSI sind Kolumbien, Bolivien, Guatemala und Nicaragua als Staaten Lateinamerikas aufgeführt, die ein besonderes Risiko bergen, zu kollabieren. Wenn auch viele von uns nicht einsehbare Indikatoren in die Errechnung des Index einfließen (wie z.B. Flüchtlinge, demographischer Druck), hatten wir einen anderen Eindruck von der Region.

Honduras ist ein verunsichertes Land. Seine politische Geschichte wurde seit je her von amerikanischen Großunternehmen beherrscht, die sich Parteien bedienten, um Einfluss auf Arbeits-, Steuer- und Handelsgesetzgebung zu erhalten. Honduras war auch stets ein loyaler Verbündeter der USA, um seinen Einfluss auf die Region auszuüben. Besonders sichtbar wurde dies in der Ausbildung und Ausstattung der Contras-Verbände, die gegen das ehemalige sandinistische Nicaragua in einem Untergrundkrieg im Auftrag der CIA operierten. Auch im Krieg gegen die Drogen spielt Honduras für die USA eine Rolle, aber keine so große wie Mexiko, Panama oder Costa Rica. Im Grunde ist die große finanzielle Abhängigkeit von den USA das Hauptproblem in Honduras, eine eigene sichere Nation aufzubauen. Denn nur solange man im Sinne der USA agiert, kann man auf entsprechende finanzielle Unterstützung hoffen.

Das ist aber seit den politischen Wirren um die Absetzung von Präsident Zelaya, die in den westlichen Medien auch als “Putsch” bezeichnet wurde, vorbei. Die Regierung Obama hat dem Land den Rücken zugekehrt. Gerade im Kampf gegen den Drogenhandel, der Unterwanderung der honduranischen Gesellschaft mit Drogengeld, Korruption und Verfall der Staatsautorität wäre Hilfe notwendig. Im Dezember 2011 hat die Gewaltwelle einen neuen Höhepunkt erreicht, als ein Gerichtssachverständiger auf dem Weg zum Gericht von Kugeln durchsiebt wurde. Sein Bericht an das Gericht bestätigte, dass in mehreren vorangegangen Mordfällen Polizeiwaffen involviert waren. Journalisten, Rechtsanwälte, Menschenrechtsaktivisten stehen auf der Todesliste der organisierten Kriminalität wie Todesschwadronen gleichermaßen.

Das Töten reduziert sich aber nicht auf diesen Kreis. Menschen, die ihren täglichen, winzigen Lebensunterhalt in San Pedro Sula und Tegucigalpa, und eventuell auf vielen anderen, mir unbekannten Orten, verdienen, müssen an die lokalen Gangs eine Kriegssteuer bezahlen: impuestos de guerra. Taxilenker, Omnibusfahrer oder Geschäftsleute zahlen Schutzgelder, oder werden hingerichtet. Täglich kommen zwischen zehn und zwanzig Menschen in diesem Zusammenhang ums Leben, die Mordrate ist eine der höchsten der Welt. Die Tageszeitungen wie die Prensa berichten in jeder Ausgabe darüber.

Wenn Menschen vor der eigenen Haustüre erstochen oder erschossen zusammenbrechen, was würden wir tun? Die meisten würden wegziehen, und das ist auch die Option, die diejenigen favorisieren, die irgendwo anders Verwandte haben, um erstmal unterzukommen und sich wieder eine neue Existenz aufzubauen. Die anderen, die zurückbleiben, gehen bei Dunkelheit nicht mehr auf die Straße, sperren sich in ihren Häusern ein und hoffen, dass sich alles wieder zum Guten wendet. Man ist froh, wenn man in San Pedro Sula nur auf Durchreise ist. Und man fühlt sich schuldig, wenn man auf Roatan in den Urlaub fliegen kann.

Impressionen aus Nicaragua

nicaragua

Abend auf der Holzterrasse in San Juan

nicaragua

super gsi!

nicaragua

Weiden und Vulkane

nicaragua

Windenergie wird entdeckt

nicaragua

Vulkan Concepción

nicaragua

am Nicaragua See

Beisbol en Centroamerica

Samba-Trommeln, scharfes Essen und harte Getränke – das ist Baseball in Mittelamerika. Schon 1999 durfte ich einige Spiele der Mexikanischen Liga in Veracruz und Merida verfolgen, und es war ein Spaß sondergleichen gewesen. Auf unserer diesjährigen Reise durch Mittelamerika hatten wir in Managua die Gelegenheit, ein Play off Spiel der Boers mitzuerleben.

Beisbol ist ein populäres Thema, speziell in Panama, Nicaragua und auch Mexiko. In den anderen Ländern der Region ist Fußball einen Tick bedeutsamer, in der Karibik (Puerto Rico, Cuba, Dominikanische Republik, Antillen) aber der Stolz der jeweiligen Nationen. Viele US-Profispieler verbringen die Winterzeit in eine der Ligen, um sich fit zu halten oder für sich Werbung zu machen.

Mexikaner, Panamesen oder Nicaraguaner schaffen es regelmäßig in die höchste Profiliga der USA und ernten dort oft Star-Status. Vincente Padilla (Nicaragua), Alfredo Aceves (Mexiko) und Mariono Rivera (Panama) sind die aktuell vielleicht am meisten bekannten Spieler in ihren Heimatländern, die es bis in die MLB geschafft haben. Rivera ist bei den Yankees Kult, ja sogar in der gesamten Liga respektiert. Zuhause in Panama City mag man ihn nicht so gern, scheinbar hat er sich eine unglaublich teure Villa in seine frühere Nachbarschaft setzen lassen, während Nachbarn weiterhin ohne Strom und Wasser auskommen müssen. Rivera gehört zu den Top-Verdienern der Liga (rund 150 Mio US$ an Spielergehältern in seiner gesamten Profikarriere), und nachweislich fördert er Projekte in Panama mit einer halben Million US$ pro Jahr. Sein Landsmann Carlos Lee ist zweifellos in seiner Heimat beliebter.

beisbol-managua

Im Dennis Martinez Stadion in Managua

Das Stadion “Dennis Martinez” ist schon ein bißchen heruntergekommen, und nur zur Hälfte gefüllt, als wir eintreten. Das Ticket kostet gut 4 US$, die Sitzplätze können wir uns aussuchen. Der Lärm der Sambaband ist ohrenbetäubend, wir schaffen es aber, eine Bestellung für Bier und Snacks abzugeben. Irgendwann im 8. Inning kracht dann eine Deckenleuchte aus zehn Meter Höhe zwei Reihen hinter uns herunter, glücklicherweise trifft sie niemand. Das Glas splittert, das Metall verbiegt sich, und die ganze Sektion jubelt und bestellt gleich mal Bier für alle. Von so was lässt man sich nicht unterkriegen, es wird gegessen, was das Zeug hält, da ist das Spiel fast Nebensache. Die Heimmannschaft gewinnt, das Publikum tanzt und wir machen uns langsam wieder auf dem Weg zurück zum Hostel.

Impressionen aus Costa Rica

costa-rica

Playa Cacao

costa-rica

Fregattvogel

costa-rica

Mit Simon, Bruno & Uli vom Zopilote Surfcamp

costa-rica

Iguana

costa-rica

Playa Hermosa bei Santa Teresa

Tourismus-Dollars in Mittelamerika

Die Reise führt uns durch fünf Länder Zentralamerikas, die trotz der Kleinräumigkeit der Region ihre Eigenheiten haben und sich in den letzten einhundert Jahren sehr unterschiedlich entwickelt haben. Der wesentlichste Impuls zur Veränderung der Kultur und Lebensweise kam seit der Kolonisierung durch die Spanier stets von außen, vornehmlich aus den USA und Europa. Bananenplantagen, Militärbasen und der Panama-Kanal sind vielleicht die augenscheinlichsten Beispiele dieses Abhängigkeitsverhältnisses.

Auch wenn diese Einflussnahme heutzutage viel subtiler ausgeübt wird als früher, so ist sie je denn mehr vorhanden. Amerikanische Schnellrestaurantketten finden sich in den Straßen, Santa Claus singt “Jingle Bells” und US$ sind de facto Parallelwährung in diesen Ländern. Was manche als Kulturimperialismus verschreien, ist teils Ausdruck einer Sehnsucht nach besseren Lebensverhältnissen, die ein schier unendlicher Konsum verspricht. Es ist aber auch eine Begleiterscheinung, die ein neuer Einkommenszweig dieser Volkswirtschaften so begehrlich versucht zu erschließen: den Tourismus.

anflug

Landeanflug auf Tambor (CR)

Was sich hinter nüchternen Zahlen versteckt (z.B. für Costa Rica im Jahr 2010: 2,1 Mrd US$ Umsatz, 600.000 Beschäftigte, 8% des BIP), schaut in den Destinationen oft anders aus. Um Tourismus im Stil von Costa Rica aufzubauen, benötigt es viel Investitionskapital. Und das kommt aus dem Ausland. Im Klartext heißt das: Ausländer investieren in Grundstücke und Bauprojekte, betreiben dann diese und stellen, je nach Größe des Vorhabens, inländische Angestellte für diverse Aufgaben ein. Eine Folge dieser Entwicklung ist, dass viel Land in ausländische Hände wandert. Ein schönes Beispiel ist Santa Teresa in Costa Rica. Einst ein verschlafener Ort, hat der Investitionsboom der letzten fünf Jahre diesen Küstenabschnitt gründlich verändert. Und damit auch die Lebensweise der dortigen Bevölkerung.

pizza

Pizza gibt’s wohl überall…

Das Geld der Gringos, das sich aus den Ausgaben der Touristen speist, ist also eine zweischneidige Sache. Zum einen schafft es Arbeitsplätze und Einkommen, zum anderen wird das Land ausverkauft und “touristisiert”. Daran haben auch Backpacker wie wir einen Anteil. Wir sind die Vorboten einer größeren Reisewelle, die in den Folgejahren ein Land(schaftsbild) zu transformieren vermag. Sanfter Tourismus ist oft ein gern übergangenes Ideal, da Investitionen wieder hereingeholt und Gewinn erwirtschaftet werden will.

Unsere Wege führen uns zwangsläufig durch eine Vielzahl an Schlafmöglichkeiten. Da sind welche, die (noch) ihren Idealen eines sanften Tourismus verbunden sind (wie Bard und seine Rancho Ecologico im Bergwald oberhalb der Playa Cacao bei Golfito, Costa Rica). In Santa Teresa (CR), Boquete (Panama) und San Juan del Sur (Nicaragua) kann man fast nicht mehr von sanften Tourismus per se sprechen, wenn auch die Unterkünfte keine großen Hotels sind, wohl eher kleinere Häuser, die je nach Klientel unterschiedlich luxeriös ausgestattet sind. Auf der anderen Seite der Skala steht zum einen Granada als ein kultureller Anziehungspunkt für Busladungen voll von Touristen als auch wohl Roatan als eine Destination, die über einen eigenen Flughafen und Anlegestellen für Kreuzfahrtschiffe verfügt. Entsprechend ist das Gefühl, auf einen reinen Urlaubsinsel zu sein. Für Backpacker gibt’s hier schon sehr wenig zu holen, die Preise sind entsprechend, die Masse treibt interessanterweise die Preise nach oben. Sehr wenig ist in all diesen Beispielen in einheimischer Hand. Eine Ausnahme bildete auf Omotepe (Nicaragua) die sehr einfache, aber ungemein schön gelegene Unterkunft Tresoro del Pirata. Auch das El Roble in Libertad / Playa San Diego ist zumindest eine Kombi aus El Salvador und UK.

Wir hätten gerne mehr bei Einheimischen übernachtet. Aber das ist in Zentralamerika eine Rarität, zumindest über jene Quellen, mit deren Hilfe wir uns informieren (Reiseführer, Internet).

Impressionen vom Volcan Barú

baru

im panamesischen Hochland

baru-2

Rot im Grün

baru

mitten im Nichts

Leben und Sterben am Panama Kanal

Panama ist in aller Welt für eines bekannt: den Panama-Kanal. Kaum ein anderes Infrastruktur-Projekt hat die internationale Schifffahrt so sehr beeinflusst wie die 12 Schleusenkammern im tropischen Zentralamerika. 86 Kilometer Kanal ersparen einen rund 20.000 km langen Umweg um das Kap Horn, so dass sich auch die saftigen Nutzungsgebühren, die nach Tonnage verrechnet werden, lohnen: bis zu 300.000 US$ wurden schon für eine einzige Schiffspassage bezahlt.

panama-kanal

Blick von der Isla Taboga auf Panama City und die Einfahrt in den Kanal

Aus dem Viejo Centro von Panama City fahren wir im Taxi hinaus nach Miraflores, einem an der Hauptstadt nahe gelegenen Schleusenkomplex. Hier lassen sich riesige Frachter fast wie in einem Streichelzoo bei ihrer Passage beobachten. Wir warten, bis das Besucherzentrum öffnet, stehen mit Panamesen, Gringos und Schulkindern für die Eintrittskarten in der Schlange. Wir haben Glück, sind eine der ersten, die sich auf der Ausblickterrasse einen Platz verschaffen können. Andere stehen in der zweiten und dritten Reihe, wir aber betrachten ungetrübt Containerfrachter und Tanker, wie sie von Loks gezogen und mit Hilfe der Schleusen an Höhe gewinnen.

panama-kanal

viele Schiffe werden so gebaut, dass sie durch die Schleusen des Panama-Kanals passen

Im August 1914 fuhr das erste Schiff durch diese neue Passage, die wie ein technisches Weltwunder anmutete. Der internationale Welthandel profitiert ungemein von der Passage, besonders aber die USA, China und Japan. Für Panama bedeutet der Kanal eine beträchtliche Einkommensquelle (neben der Registrierung von Schiffen aller Art unter panamesischer Flagge), ist aber auch direkt und indirekt für eine große Anzahl an Arbeitsplätzen verantwortlich (rund 7.000 Personen arbeiten direkt für die Kanalbehörde).

screen-capture-1

Alles in Panama scheint mit dem Kanal verwoben zu sein. Panama City ist eine Handelsmetropole, die Gewässer vor Panama wimmeln nur so von wartenden Frachtern, die Innen- und Außenpolitik ist vom Kanalthema durchdrungen und auch die Geschichte Panamas ist eng mit dem Kanalbau verknüpft. Gäbe es den Kanal nicht, wäre Panama heute wohl noch ein Teil Kolumbiens. Aber das ist Spekulation. Fakt ist, der Kanalbau hat in seinen zwei Phasen insgesamt rund 28.000 Menschenleben gekostet. Die meisten hat Malaria und das Gelbfieber dahingerafft, in einer teilweise so großen Anzahl, dass die Arbeiten eingestellt werden mussten. So dokumentiert es das Museum beim Besucherzentrum in Miraflores, welches auch mit einem kleinen Kinosaal ausgestattet ist.

panama-kanal

der Schiffsverkehr vor Panama City ist dicht

Einen Tag zuvor haben wir noch Frachtern auf dem offenen Meer ausweichen müssen. Die Fahrrinne zum Kanal hat Vorrang, und Fähren auf die Insel Taboga haben stehen zu bleiben. Wir waren beeindruckt von der Masse dieser Schiffsriesen. Und diese wachsen und wachsen, so dass eine neue, dritte Schleusenrinne im Bau begriffen ist, die diese neuen Riesen ebenfalls einen Shortcut durch Mittelamerika machen lässt.

Impressionen aus Panama City

panama-city

Skyline

panama-city

das alte Viertel

panama-city

am Panama Kanal

panama-city

manche hätten es für Manhattan gehalten…

Mittelamerika: scharf und feucht

Drei Wochen können so kurz sein. Wir hätten noch eine Weile länger bleiben können und uns in die Trockenzeit retten können. So gab es an drei Tagen der Woche Regen und Baleadas, an den anderen Sonne und Huevos Rancheros zum Frühstück. Von Panama bis El Salvador sind wir gekommen, hatten die Füße im Sand und Vulkanstaub in den Schuhen. Wir haben offene und nette Einheimische kennen gelernt, Tragödien miterlebt und bunte Vögel an der Hand gehabt.

mittelamerika

super gsi!

In den nächsten Posts gibt es das eine oder andere, was wir mitgenommen haben. Unter anderem:

und jede Menge Impressionen aus Panama City, Granada, Roatan, Costa Rica, Nicaragua, Copan, Volcan Barú