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Kampf-Abfahrt vom Piz Pian Gran

Während der Norden Vorarlbergs im Schnee untergeht und prima Pulverhänge bietet, schiele ich in den Süden. Dort gibt es keine Lawinenwarnstufe 4, keine Touristen und keine Wolken. Beate hat wieder einmal Wochenend-Dienst, leider! Zu Hause zu sitzen ist aber keine Option, und schon geht’s um 06:00 mit Martin (siehe unsere erste Tour am Chilchalphorn) Richtung San Bernardino (Marscholhorn, Piz Uccello, Zapporthorn, Motton, Rheinquellhorn). Von Spina (1.190 m) auf der Tessiner Seite des Passes starten wir bei frischen -14°C in den Tag. Während zahlreiche Gipfel noch in den Wolken stecken, bleibt unsere Aufstiegslinie stets ohne Nebel.

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Blick zurück ins Tal (Schnellstraße vom San Bernardino im Gegenhang, dahinter Cima de Barna

Gemütlich geht’s zunächst über einen wenig verschneiten Karrenweg nach Sura Pignela (1.472 m), später durch einen dichten Steilwald auf die Alp d’Arbeole (ca. 2.100 m). Den Weg müssen wir selbst spuren, brauchen unsere Harscheisen aber erst im Anstieg zum Bocoa de Regna (2.400 m), einem Sattel zwischen dem Piz d’Arbeola und dem Nordgrat des Piz Pian Gran. Der Anstieg zu diesem Sattel kann bei heiklen Schneeverhältnissen gefährlich sein, heute aber ist die Kombination aus Schmelzharsch, Windharsch, etwas Pulver und allgemein wenig Schnee keine Gefahr.

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erst am Ende des Aufstiegs wird der Gipfelhang sichtbar – der Piz Pian Gran

Vom Sattel geht es leicht ausgesetzt “um die Ecke” in einen Nordhang und es folgt ohne Höhenverlust eine Passage entlang des Nordgrates. Wir nutzen das Gelände für einen komfortablen und sicheren Aufstieg und erreichen gegen 12.45 den Gipfel des Piz Pian Gran (2.689 m). Das Gipfelkreuz ist eine Wetterstation. Die Aussicht ist beeindruckend, die Tiefblicke noch mehr. Lange halten wir es dort oben aber nicht aus – es ist ziemlich kalt, und der Nordwind bläst hier oben unangenehm. Wir sind schnell ausgekühlt und fahren rasch ab. Der Windharsch macht uns zu schaffen, die Oberschenkel brennen bald, und auch die Traverse zum Sattel ist mühsam. Erst nachdem wir den Steilhang vom Sattel nach Osten passiert haben, gibt es so etwas wie eine kurze Mittagspause.

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Martin auf den letzten Metern – im Hintergrund der Piz d’Arbeola

Der Rest der Abfahrt ist vielfältig. Teils sanfter Schnee, meist aber Bruchharsch in den Osthängen. Es ist ein Kampf um jeden Schwung. Der Höhepunkt ist sicherlich die Passage durch den Steilwald – viel Schnee und große Neigung. Im unteren Teil (ab 1.700 m Seehöhe) wird der Schnee rar und auf dem engen Waldweg ist es eine Kunst, die richtigen Fährten zu finden. Bis zum Schluss ist es eher ein Kampf um den verbliebenen Schnee und die schonende Behandlung des Skis. In Summe für uns ein super Tag mit viel Sonne. Eine empfehlenswerte, einsame Tour, die in den nächsten Wochen etwas Neuschnee vertragen könnte!