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Unterer Schafberg: Pulver und Wetter hält

Wir sind von der Tour am Pöngartlekopf immer noch beschwingt. Also packen wir die Ski früh ins Auto und erreichen Zug (1.510 m) gegen 08.00. Es geht zum Unteren Schafberg (2.407 m) hinauf, der letzte verbliebene Gipfel der Gegend. Die Route führt bekanntermaßen über den Aufstieg zum Mehlsack – zuerst sehr flach entlang der Loipe, dann steiler werdend durch den Latschenwald und bald recht steil über den breiten Nordhang bis unter die Felsstufen. Die Querung geht ohne Probleme, auch wenn der Schnee unter leichtem Pulver sehr glatt ist. Einmal in der großen Wanne, steuern wir in Richtung Spuller Schafberg, und dann rechtzeitig gegen Osten, um einen steileren Hang zu überwinden. Von hier fahren wir etwas ab und sind bald unter dem Unteren Schafberg mit Skidepot. Zu Fuß sind wir in wenigen Minuten oben und bleiben nicht lange. Die Wolken aus dem Westen nahen schnell heran.

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im steilen N-Hang unter dem Mehlsack

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kurz vor dem Skidepot, dann li hinauf zum Unteren Schafberg

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Blick vom Gipfel nach NW: das Wetter kommt

Die Abfahrt ist genial. Nach einem Gegenanstieg einen NW-Hang, der noch relativ wenig Pulver trägt. Nach der Querung unterhalb der Felsstufe dann der große Hang: mehrere hundert Meter Pulver ohne Pause. Im Bereich der Latschen ist der Schnee schon ziemlich verfahren, oben aber top. Der Rückweg nach Zug ist immer etwas lästig, aber wir bringen ihn ohne Regen oder Schneefall hinter uns. Ein hübsche Vormittagstour ohne Stress. Schön langsam gehen uns nun aber die Skiberge aus.

Pöngartlekopf: Genussabfahrten

Es gibt leichte und schwierige Aufstiegswege. Wir wählten den Schwierigen, unfreiwillig. Die Beschreibung im Skitourenguide war zweideutig, und prompt kämpfen wir uns nach einem ersten steilen Aufstieg (nach einem flachen Zustieg aus Zug, 1.510 m) durch dichtes Latschengelände. Dieses wird so steil, dass wir die Ski auf den Rucksack packen und hochsteigen. Wir tun das für eine gute Stunde, denn der Schnee steht uns bald bis zur Brust. Es ist wie eine Wand, die ständig unter uns nachgibt. In Kriechmanier und mit Hilfe von Latschen gelingt uns der Ausstieg, und über kuppiertes Gelände können wir wieder auf die Normalroute aufschließen.

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endlich aus den Latschen raus

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Pöngartlekopf vor uns, wir drehen nach N steil ab

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Skidepot im Steilhang, Blick auf Spuller See

Die Traverse bis zum Sattel ist gemütlich. Der Sattel ist allerdings nicht begehbar. Nach oben vielleicht, mit viel Kraxeln und einer potentiell riskanten Traverse. Aber nach unten? Hmm. Wir entscheiden uns nach Norden abzudrehen, gehen einen steilen Südhang zum Vorgipfel (ca. 2.450 m) hoch. Skidepot und die letzten Meter zu Fuß und betrachten ein paar alte Bekannte, unter anderem der Spuller Schafberg. Der Grat zum Pongartlekopf ist eine Kletterroute. Also machen wir uns fit für eine hübsche Abfahrt. Und die wird richtig fett. Besonders im Mittelteil, als wir in den Latschenwald eintauchen. Einfach Hölle. Steil, viel Pulver, rassiges Gelände. Top 3 Abfahrt in diesem Winter. Also es geht was, mit dem Pulver. Was für ein Unterschied zur Tour vom Montag.

Eine alpine Herausforderung: Spuller Schafberg

Unseren zweiten Tag am Spullersee verbrachten wir in der Nordwestwand des Spuller Schafbergs (2.679 m). Was am Vortag an der Plattnitzerjochspitze gegolten hatte (Sicherheit der Route, Kürze, etc.) hatte wenige Kilometer keine Gültigkeit mehr. Laut Kletterführer Vorarlberg “bieten die nach Norden und Westen abbrechenden Wände anspruchsvolle Klettereien für Gebirgskletterer klassischer Prägung. Ohne sicheren Umgang mit mobilen Sicherungsmittel kommt hier kein Spaß auf.” Will heißen: Pitons in der Wand haben Seltenheitswert, der Fels ist brüchig, die Orientierung ist ein Teil der Gesamtaufgabe.

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Zustieg vom Osten zum Spuller Schafberg

Nach einer feinen Nacht am Spullersee (1.840 m) starteten wir zeitig in den Tag und folgten zunächst der Straße zur Dalaaser Staffel (ca. 1.700 m). Hier wendet man sich dem Spuller Schafberg gegen Osten zu und sucht seinen Weg selbst hinauf, vorerst über Almwiesen, später durch steile Geröllfelder, die allesamt aber gut zu beschreiten sind. Erst im obersten Teil sind sie recht lose.

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in einer leichteren Sektion des NW-Pfeilers

Der Einstieg zum Nordwestpfeiler (3 bis 5-) ist recht gut zu finden, ist aber nicht markiert. Ab nun heißt es, sich auf sein Gespür für die Routenwahl zu verlassen und die Topokarte möglichst gut zu interpretieren. In der Wand selbst deuten nur sehr wenige Spuren (vereinzelte rostig-braune Pitons) auf den Wegverlauf, die Stände müssen komplett selbst eingerichtet werden. Das kostet Zeit, inkludiert aber auch vor allem eine gewisse Unsicherheit, ob man sich auch auf der richtigen Route befindet. Bei allen anderen alpinen Touren bis auf den Biberkopf hatten wir zumindest die gebohrten Stände als Orientierungspunkte nutzen können. Dadurch erhöhte sich für uns die Gesamtschwierigkeit der Route beträchtlich.

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am Gipfel des Spuller Schafbergs, links die Hänge des “Mehlsack

Der Fels des Nordwestpfeilers ist sehr griffig und angenehm zum klettern, an manchen Stellen der Route am NW-Pfeiler allerdings auch brüchig. Wir hatten zwei größere Ausbrüche, einmal beim Nachklettern und einmal im Vorstieg, trotz stetem Prüfen der Felsqualität. 100%ige Sicherheit im alpinen Klettern gibt es nicht, aber wir haben daraus unsere Lehren gezogen – die wichtigste: den Stand so wählen und aufbauen, dass er durch den Vorsteiger nicht gefährdet werden kann. Das erfordert, dass der Einrichtende den weiteren Routenverlauf berücksichtigen muss.

Laut Topo hätten wir eine einzige Stelle 5- haben müssen, aber meiner (geringen) Einschätzung nach sind wir mindestens drei Seillängen im oberen 5er Bereich geklettert. Entweder lag das an einer abweichenden Routenwahl, oder die Bewertung der Route ist zu tief angesetzt. Jedenfalls hatten wir klettertechnisch einiges zu lösen, überwanden auch die heiklen Stellen und standen nach beinahe sechs Stunden am Gipfelkreuz (ca. 420 m Kletterlänge). Das langsame Vorwärtskommen erklärt sich aus der Routensuche und dem aufwändigen Sichern der Stände und dem Legen fast aller Zwischensicherungen.

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Der Abstieg zur Ravensburger Hütte, rechts der Ostgrat der Plattnitzerjochspitze

Der Abstieg erfolgt sehr unproblematisch auf gutem Weg zur Ravensburger Hütte und weiter zum Spuller See. Bei Nudeln und Badespaß erholten wir uns vom kräftezehrenden Unterfangen und mentaler Ermüdung, bevor es am Abend mit dem Büssle zum Vermuntstausee ging.

Unser Fazit: definitiv Nichts für Plaisirkletterer! Material für den Standbau und das Legen von Zwischensicherungen ist zwingend mitzubringen. Wer die Nutzung dieser Tools nicht beherrscht, bekommt an dieser Wand seine Schwierigkeiten. Für uns war diese Tour ein Meilenstein, wir hatten vor allem in Punkto “selbständige Routenwahl und Orientierung im Fels” sehr viel dazugelernt, aber auch Vertrauen in unsere Fähigkeiten bekommen, selbständig sichere Stände einzurichten, die Stürze halten. Für Kletterer, die diese Route öfters gegangen sind, ist der Schwierigkeitsgrad 5- evt. adäquat. Für Erstbegeher dürfte dieser deutlich darüber liegen (5+ bis 6-).

Plattnitzerjochspitze: feine Kletterei am Spullersee

Die vierte Bergtour der Woche (Kirchlispitzen, Roggalspitze, Biberkopf) führte uns ins Lechquellengebiet an den Spullersee. Dort wollten wir an zwei aneinander folgenden Tagen diese Schönwetterperiode mit weiteren alpinen Kletterunternehmungen ausnutzen. Zunächst sollte es an die Plattnitzerjochspitze (2.318 m) gehen.

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Beate im Vorstieg in der Alten Südwand

Vom Spullersee (1.840 m) erfolgt der Zustieg zunächst über das Südufer (Ditteshütte) und dann einem Pfad folgend zum Ostgrat der Plattnitzerjochspitze. Der Ostgrat selbst bietet Kletterei im 3. Schwierigkeitsgrat. Wir aber folgten dem Geröllfeld (recht unlustig) an der Südwand bis zum Einstieg (markiert) der Route “Alte Südwand”. Mit 7 Seillängen und einem Schwierigkeitsgrad von 5 war sie die ideale Fortsetzung unserer Bergtourenwoche.

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der interessante Ausstieg zur Plattnitzerjochspitze

Im Vorstieg wechselten wir uns fortwährend ab, stiegen die gut gesicherte Route (Friends und Klemmkeile trotzdem brauchbar) recht rasch durch. Platten- wie Risskletterei wird geboten, der Fels ist sehr griffig und fest. Am besten gefiel mir der allerletzte Teil, der neue Ausstieg unter dem Gipfelkreuz – ein Stück Rissklettern in einer Verschneidung. Die Aussicht vom Gipfel ist prächtig, im Norden der Blick zum Spuller Schafberg und weiter in Richtung Braunarlspitze.

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einpacken, …

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denn über den Westgrat geht es zum…

Der Abstieg ist etwas länger, führt er doch über einen grünen Grat in einem weiten Bogen zurück zum Spullersee. Aufgrund der Kürze der Route hatten wir am Spullersee einen Badenachmittag – das Wasser war sehr angenehm temperiert!

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Baden am Spullersee!

Das Topo für diese Route ist im Kletterführer Vorarlberg recht brauchbar.

Roggalspitze: immer der Kante nach

Nach unseren gestrigen Alpinklettereien an der dritten Kirchlispitze konnte es bei diesem Wetter nur noch so weiter gehen. Unser Tagesziel war die Roggalspitze (2.673 m) unweit der Ravensburger Hütte (1.950 m) im Lechquellengebiet.

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Die Roggalspitze: links die Nordkante, schön zu sehen die Platten und die scharfe Kante im oberen Bereich der Kletterroute

Zunächst schuffteten wir uns mit unseren Bikes von Zug (ca. 1.510 m) den Güterweg zum Stierlochjoch (2.011 m) hinauf, wo wir dann diese hinter einer Steinmauer geschützt vor Vieh zurückließen. Die Sonne brannte schon heftig, und wir stampften quer durch das Gelände gegen Südosten zur Nordkante der Roggalspitze. Der Einstieg unserer Kletterroute befindet sich am Scheitel eines Geröllhäufchens, der gegen die Nordseite des Berges aufgetürmt ist. Von der Optik ist der Einstieg nicht zu verfehlen, allerdings brauchten wir eine Weile, bis wir den ersten Bohrhaken in der Wand entdecken konnten. Nun konnte es nur mehr aufwärts gehen.

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Und auf geht’s!

Im unteren Teil folgt die Route der Nordkante, alles im Schwierigkeitsgrad 5- und leichter. Der Fels ist super-griffig und macht viel Spaß. Ungefähr in der Mitte der 300m hohen Wand vereinen sich zwei Routen zu einer einzigen, die auf der Nordseite zum Gipfel führt. Hier wird es sehr luftig und man klettert immer den Grat entlang gegen den Gipfel hoch. Friends und Klemmkeile sind kein Schaden, auch wenn man immer wieder auf Bohrhaken stößt. Einige Standplätze sind sehr lässig in die Wand verbaut.

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Immer der Kante nach…

Die Schwierigkeiten lassen sich alle meistern, auch wenn an manchen Schlüsselstellen die Griffe schon sehr “poliert” sind. Hübsch ist auch eine Passage, wo man sich an allen vieren in einem Quergang fortbewegen muss. Alles in allem die beste Alpinkletterei dieses Sommers (neben Roggspitze und Kirchlispitzen), wenn auch der Abstieg etwas mühsam ist (Kabel-gesichert, Steinschlag-gefährdet, rutschig). Die Abfahrt mit den Mountainbikes war die Belohnung, ein kurzer Sprung in den Stierlochbach die Draufgabe.

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… bis zum Gipfelkreuz

Schöner Grat zur Spitze der Roten Wand

Am Samstag tat sich eine Wetterlücke auf, und wir beide hatten frei. Also nichts wie hinaus, und ein schon lange angepeilter Berg kam uns als Bike&Hike Kombi sehr gelegen: die schöne Rote Wand an der Grenze zwischen dem Großen Walsertal und dem Lechquellengebiet.

Start war diesmal der kleine Ort Marul (976 m, Ausgangspunkt unserer Skitour auf die Lusgrind), und die Strecke zur Alpe Laguz war uns schon aus einer früheren MTB-Tour zum Formarinsee sehr bekannt. Der Aufstieg war flott, die Straße frei und der Himmel nur leicht bewölkt. Von der Alpe Laguz (1.584 m) fuhren / schoben wir noch ein bißchen die Räder weiter hinauf, zur Oberen Laguzalpe (1.854 m). Hier war Schluß mit dem Radfahren, wir machten uns für den Aufstieg bereit.

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Kurz vor der Alpe Laguz

Der markierte Steig führte zunächst ins Geröllfeld zwischen Rothorn, Rote Wand und Madratsch. Am Fuße der Roten Wand wendet sich der Weg nach Norden (nach Süden führt er zur Freiburger Hütte) und geht recht steil zu einem Joch, das wie eine Schiebetür aussieht. Hier sind auch sehr alte Drahtseile angebracht. Von diesem kleinen Tor traversiert man auf der Nordseite der Roten Wand über Geröll, Eis und Schnee die Länge der Wand im leichten Abstieg, ehe man auf der anderen Seite dem grünen Rücken wieder aufsteigend nach Süden folgt.

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Am Grat zur Spitze der Roten Wand

Erst am Ende des flachen Teils des Rückens formt sich der Grat der Roten Wand zu einem felsigen, spitzen und schmalen Pfad, der leichte Kletterei an wenigen Stellen erforderlich macht. Schwindelfrei sollte man schon sein, sonst wird dieser vergnügliche Grat zu einer ernsten Prüfung. Folgt man dem Grat, so sieht man auf der Ostseite bald ein Gletscherfeld. Dieses kann man bewundern, aber nicht betreten. Wir folgten einfach dem Grat hinauf zum Gipfelkreuz der Roten Wand (2.704 m) und hatten eine paradiesische Aussicht – zu den Drei Türmen, zur Zimba, zur Braunarlspitze, Zitterklapfen, Zafernhorn, …

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Abstieg im flacheren Teil des Grats, Blick rechts im Tal die Klesenza Alpe

Der Abstieg erfolgte auf derselben Route, ein wenig flotter, aber nicht unvorsichtig. Der Vorteil der Bikes spielten wir dann auf dem Rückweg voll aus, und waren schon um 13.30 wieder in Marul. Schön: die gesamte Wanderung hatten wir die Ruhe der Gegend für uns allein. Nur auf einen Steinbock und ein Rebhuhn trafen wir, aber die wollten auch lieber ihre Ruhe. So ging jeder seine Wege…

Lange Tour zur Bratschenwand

Nach dem gestrigen Gipfelsieg an den Drei Türmen wollten wir das aktuelle Wetterhoch nicht ungenützt an uns vorbei ziehen lassen. Die Lawinensituation ist immer noch im grünen Bereich, also suchten wir etwas, was man sonst eher meidet. Und da fiel uns ein: die Bratschenwand zwischen Gadental und der Lech.

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Harter Aufstieg im Metzgertobel zum Mutterwangjoch

Zeitig ging es los und wir erreichten den Parkplatz (1 km vom eigentlichen Bad Rothenbrunnen Parkplatz) unweit von Buchboden (884 m) im Großen Walsertal kurz vor 7.00 Uhr. Noch im Dunkeln marschierten wir gegen die Metzgertobelalpe (1.205 m), ein leichter und weitläufiger Anstieg auf der Alpstraße. Einmal erreicht, steigt der Weg nun merklich an, hin zur Unteren Alpschellenalpe. Wir konnten diesen Weg locker im Dunkeln gehen, denn wir kannten ihn schon von einem Bike&Hike Ausflug zum Mutterwangjoch.

Mutterwangjoch

am Mutterwangjoch

Wir wußten also, was uns erwartete, als wir in das Talende einbogen: steile Hänge, Latschenwälder, Felsen, und Bäche. Wie so oft auf den letzten Touren, mussten wir Spur-Arbeit leisten. Einige wenige Abfahrtsspuren waren zu sehen, aber schon teilweise zugeweht. Der Schnee war locker, sehr locker, dass er leicht abrutschte. Wir kämpften uns also hoch, Hügel für Hügel, passierten die Obere Alpschellenalpe (1.682 m) auf deren Höhe weiter links, stiegen hoch zum Wegweiser, der Wanderer im Sommer zur Göppinger Hütte führt.

Bratschenwand

Links: die Bratschenwand

Ab dem Wegweiser war es nicht mehr weit zum Mutterwangjoch, dass wir aber nicht bestiegen, sondern vor dem Anstieg südwärts unsere Spur legten. Es ging über völlig unberührte Hänge, meist pulvrig, manchmal ein wenig harschig, aber schön im Anstieg und recht sicher im Schneeaufbau. Es ging vorbei an gewaltigen Felstürmen immer weiter hoch in ein Kar, dessen Höhen und Becken wir mit unserer Spur schön einfingen. Der letzte Hang war allerdings recht steil, und wir brauchten einige Spitzkehren im teilweise loosen Schnee, um zur Bratschenwand (Nördlicher Bratschenkopf, 2.493 m) zu gelangen. Dort erwartete uns prächtige Fernsicht und die erste Sonne des Tages.

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Schon nahe der Bratschenwand, im Hintergrund das Hohe Licht oberhalb der Göppinger Hütte

Die Abfahrt war im erwähnten Steilhang etwas herausfordernd (Harsch brach in Schollen ab, zum Fahren aber ok), und später im Mittelabschnitt konnten wir Vollgas durch Pulver rauschen. Sensationelle Verhältnisse hier bis zum Mutterwangjoch bzw. weiter hinab bis zur Abzweigung des Sommerwegs zur Göppinger Hütte. Die Hänge bis zur Metzgertobelaple waren ebenfalls ok, allerdings ein bißchen schwerer, und wir hatten trotz der Schneetiefe einigen Steinkontakt. Das Schieben zum Parkplatz war zwar mühsam, aber ging auch vorbei.

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Der steile Blick hinab, in der Mitte der Feuerstein

Insgesamt eine längere Tour (Aufstieg 5 1/2 Stunden, 1.600 Höhenmeter, ca. 10 Kilometer Aufsteigsweg), die aber einsam und sehr lohnend war. Bei solchen Verhältnissen wie heute eine dringende Empfehlung! Ansonsten Vorsicht vor den Steilhängen – sehr lawinengefährdet!

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Die Route in blau

Tastend um das Stierlochjoch

Wie schon in den letzten beiden Jahren (2008 auf die Sienspitze, 2009 zur Glattjöchlspitze) wollten wir das neue Jahr mit einer zünftigen Tour beginnen. Zu Mittag erst in Zug (1.510m), ging es über den Sommerweg zunächst durch Wald, später Latschen Richtung Stierlochalpe. Hier sind wir schon 2007 mit den Mountainbikes auf dem Weg nach Oberlech vorbeigefahren, allerdings talabwärts.

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Auf dem Sommerweg zum Stierlochjoch

Das Wetter schien hier noch prächtig, und einige Freerider, die mit der Seilbahn von Zürs aus hinauf befördert wurden, kamen vom Mattlochjoch herunter. Wir stiegen allerdings ein wenig höher (auf der Westseite des Tales, querten einige Lawinenhänge unterhalb der Unteren Schafberge (nicht der Mehlsack – das ist der obere Schafberg!) und stiegen langsam zum Stierlochjoch hoch. Ein Wort zu diesen Lawinenhängen: die Ost-seitig gelegenen Hänge sind recht steil, felsdurchsetzt und lang. Einige Lawinen müssten bis vor ein paar Tagen hier abgegangen sein, wir stiegen des öfteren über kleinere Lawinenkegel.

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Nun muss man sich rechts halten, um zum Stierlochjoch zu kommen

Das Stierlochjoch ist bei guter Sicht kein großes Problem und man hält sich an so mancher Abfahrtsspur. Stets westseitig am Hang entlang bis zum Joch (ein Wegweiser markiert schon den erfolgreichen Übergang), bevor wir uns leicht nach Osten gegen die Roggalspitze (2.673 m) wandten. Leider verschlechterte sich das Wetter, die hohe Wolkendecke und die späte Tageszeit machten uns den Aufstieg (wir mussten eigentlich fast vom Latschenfeld unterhalb des Stierlochjochs spuren) mühsam: Geländekonturen waren äußerst schwer zu erkennen, Wechten oft bis gerade mal einen Meter vor der Skispitze.

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So, das Wetter passt noch, am Joch

Auf gut 2.100 m Seehöhe wendet man sich gegen Osten in ein Tälchen, das von der Roggalspitze im Süden und von der Oberen Wildgrubenspitze im Norden begrenzt wird. Der Aufstieg ist hier deutlich steiler als der Rest der Tour. In vielen Spitzkehren folgten wir einem Rücken, weil er einfach am besten zu sehen war. Auf ca. 2.350 m erreicht man ein erstes, kurzes Plateau, ein weiteres tiefer im Tälchen. Nun steht man praktisch vor einer Felswand, die außer nach Westen nach allen Himmelsrichtungen einschließt.

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Die Obere Grätlisgratspitze (links) im schon fahlen Licht

Die Dunkelheit setzt uns nun zu, wir entschlossen uns, auf 2.450 m Seehöhe umzudrehen, um die Ravensburger Hütte noch vor Einbruch des Abends zu erreichen. Das eigentliche Ziel, die Obere Grätlisgratspitze (2.642 m) mussten wir daher liegen lassen. Es fehlte noch ein steiler Gipfelhang im Zick-zack. Die Abfahrt zur Ravensburger Hütte (1.918 m) hatte wenigstens massig Pulver, die Sicht war allerdings noch miserabler. Man fuhr mit dem Tastsinn der Fußsohlen, nicht auf Sicht.

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Die Ravensburger Hütte

Die Hütte selbst war verlassen, kein Mensch da. Der Winterraum war offen, fließend Wasser gab es auch. Nach dem wir den Ofen eingeheizt hatten und Wasser aufstellten, machten wir es  uns gemütlich. Die Stube war schön, Licht gab es auch, nur Beate schlotterte den ganzen Abend vor Kälte. Auch nach dem Abendessen und unzähligen Tassen Tee. Erst im Matratzenlager wurde ihr wärmer, mit fünf Decken über dem Kopf.

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Das Wetter verschlechtert sich am Abend immer mehr, hier der Blick zum Spullersee

Der nächste Morgen hatte das gebracht, was die Wolkendecke am Vorabend versprochen hatte: 20cm Neuschnee. Leider auch Gipfel in Wolken, und daher eine miserable Sicht auf Skihöhe. Nach dem Aufräumen des Winterraums ging es zurück zum Stierlochjoch, um die Lage für weitere Touren zu sondieren. Doch dabei blieb es auch – Sicht sehr schlecht, teilweise nur bis zur Skispitze, und stürmischer Wind mit Schneefall. Wir entschieden uns für den bekannten Weg retour, da die Orientierung nicht gewährleistet war.

Die Abfahrt wurde zu einer kleinen Expedition – Schritt für Schritt den Hang entlang, sich am Joch vorbei schmuggeln ohne zu weit nach Osten zu rutschen und die Abkürzung über die Felswand zu nehmen. Man kann auch blind skifahren, soweit es das Gelände zuläßt und man es kennt. Spannend war es schon, im Schneesturm die Lawinenhänge zu queren und vor dem Latschenwald den Hang zur Alpstraße abzufahren (inklusiver Frontalcrash in eine mannhohe Schneewechte).

Schade um das Wetter, das ist eine prima Skitourengegend, die wir dringend wieder aufsuchen müssen. Das mit dem Weg-suchen gefällt uns, selbst eine Spur anzulegen, sich am Gelände zu orientieren und den besten Trail zu finden.

Östlicher Johanneskopf (Nebengipfel)

Eine schöne Tour haben wir uns für einen freien Tag ausgesucht – in der Nacht hatte es rund 15 cm geschneit, und am Morgen hatten wir im Lechtal nur Sonne. Also ging es nach Zug (1.510 m) und von dort mit den Skiern auf der Mautstraße weiter Richtung Westen. Bald konnten wir unsere frühere Tour auf den Mehlsack in Gedanken revue passieren lassen.

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Vom Lechtal Blick zur Roten Wand

Ab dem Unteren Älpele begann nun der Aufstieg, zunächst über einen Forstweg durch dichten Nadelwald. Der Schnee war hier pulvrig tadellos, was bei der späteren Abfahrt wichtig war – im Wald auf schmalen Eiswegen zu fahren ist nie besonders fein. Das Obere Älpele (1.770m) ist bald erreicht, und nun ging es durch freies Gelände steiler gegen Norden. Wir mussten nun spuren und suchten unseren eigenen Weg.

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Beim Aufstieg von der Oberen Älpele

Auf 2.000m Seehöhe erreicht man einen breiten Rücken, der aber schon vom Wind sehr festgefroren und abgeblasen war. In leichter Steigung ging es dann zwischen Felsen, Grasbüscheln und Eisplatten auf und ab unterhalb der Hänge der Hochlichtspitze zur Göppinger Hütte, die leider im Winter verschlossen ist.

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An der Göppinger Hütte

Der Blick auf den östlichen Johanneskopf ließ aber Fragezeichen aufkommen? Da gab es einen Weg mit Skiern hinauf? Wir konnten es eigentlich kaum glauben, und bewegten uns leicht unterhalb des Grats und nicht unweit des Steigs, der die Göppinger Hütte über die Johanneswanne mit der Freiburger Hütte und den Formarinsee verbindet. Unsere Spur bewegte sich nördlich des Grats, und je näher wir dem mächtigen Felsblock näher kamen, schien das ganze Unterfangen zu heikel, da zu steil und felsig. Wir entschlossen uns daher, einen Nebengipfel (mit rund 2.400 m Seehöhe) zu besteigen. Das klappte auch perfekt, aber das heranrückende Schlechtwetter ließ uns dann doch recht schnell absteigen. Der Blick ging auch Richtung Biberacher Hütte, Braunarlspitze, Bratschenwand und Pöngertlekopf.

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Die letzten Meter vor dem Nebengipfel des Östlichen Johanneskopfs

Die Abfahrt war im oberen Drittel harschig und recht hart, später als es zur Oberen Älpele ging, sehr pulvrig und tief. Der Waldweg bot wenig Aufregendes, und die letzten Hänge waren auch nicht allzu lang, obwohl trotz Südhang noch mit Pulver versehen.

Bikers Heaven – Tag 2

Nun, Tag 2 (Tag 1 hier) unserer 3-Tages-Tour quer durch den Mittelpunkt Vorarlbergs, und damit können ja nur die Berge gemeint sein, und vielleicht auch die Kühe samt Weiden, er begann um 5.00 morgens mit einem Blick aus dem Stockbett hinaus in Richtung Spulersee. Der lag einfach da, noch ziemlich im Nebel, und sonst nichts. Eine Stunde später war keine Wolke mehr zu sehen, wir schon am Packen, damit wir um 7.00 als erste beim Frühstück und gleich darauf auf’m Sattel waren.

Ein Nachwort zur Ravensburger Hütte: gemütlich, das Essen vielfältig wenn auch nicht gerade preiswert, und nette Hüttenleute. Für unsere Bikes gab es aber keine Garage. Wie auch immer, beide Räder waren noch am nächsten Morgen da, und wir 20 Minuten später auf dem Stierlochjoch (hier eine Abfahrt mit den Tourenski) vor der Abfahrt nach Zug. Der erste Teil entpuppte sich als Schiebestrecke – zu steil und mit zu groben, zu großen Schotter übersät. Den Helm ließen wir trotzdem auf’m Kopf – von den Wänden des Unteren Schafbergs knallten immer wieder Steine und Felsstücke herunter. Ab der Stierlochalpe ging es dann aber ohne große Probleme Down-Hill-Kamikaze bis zur Lech bei Zug.

Ein empfehlenswerter Weg entlang des Baches führte dann geradewegs nach Lech. Auch im Sommer hier ein wenig Glamour, interessierte uns aber nicht die Bohne, nur die Abzweigung nach Oberlech. Der Weg hinauf, naja, rund 500 Höhenmeter waren nicht allzu fordernd, die Straße war fein, kein Verkehr und auch keine Hitze um 8.00 morgens. Über Oberlech ging es dann in wenigen Windungen auf Tannegg, dann durch das Gebüsch voller Rinder und einem prima Schuß bis zum Auenfeldersattel. Hier kam einfach das Beste: mit Vollgas durch das Auenfeld, unterhalb vom Körbersee mitten ins Dorf Schröcken. Sensationell!

Schröcken hielt uns nicht lange, und auch nicht die B200 bis Au / Schoppernau, die war in wenigen Minuten erledigt. Auch hier: kaum Verkehr ins Tal, trotz Samstag Vormittag. Nun, in Au die Vorräte aufgefrischt, ging es dann doch qualvoll die Damülser Straße hinauf. Qualvoll, weil nun Hitze, und auch Deutsche und Holländer mit Schneckentempo neben einem herfuhren, die Motorräder aber uns mit 2 cm Abstand mit 100 überholen mussten.

Naja, alles hat ein Ende, und hier kam es nach 4 km, denn dann bogen wir ab in einen Güterweg, der sich zwar zog und zog, aber schließlich vor dem Berggasthof Edelweiss ein Ende hatte. Zumindest für uns und für diesen Tag. Oder zumindest für unsere Räder und für diesen Tag. Denn wir hatten nicht genug, wollten noch den Gipfel, die Kanisfluh, also hinauf, und hinunter, und dann gab es doch noch das Schnitzel und die Nudeln. Für 1.300 Höhenmeter, 5 Stunden Fahrzeit und keine Ahnung wieviel Kilometer, auf jeden Fall ein paar, war das auch verdient. Und 500 Höhenmeter zu Fuß hätte ich ja fast noch vergessen.

Abschließend, das Gasthaus: sehr romantisch gelegen, kaum Übernachtgäste und eine nette Wirtin, Spitzen-Koch und ein Radler, für den hätte ich noch mehr zahlen können. Egal, geschlafen hatten wir prima, und Heißwasser gab es auch. Was will man mehr, außer Tag 3?