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Vermeidbare Risken durch bessere Informationsarbeit

Wir hatten also noch einen Tag übrig. Wir wollten noch einmal mit den Ski hinauf. Wir dachten, die Schesaplana müsste jetzt reif sein – gut gesetzter Altschnee, etwas Neuschnee, kaum Vereisungen im ‘Bösen Tritt’, nachts und am Vormittag gute Sichtverhältnisse. Es wäre der richtige Abschluss einer langen Skitourenwoche in den Walliser Alpen und im Mont Blanc Gebiet gewesen.

Wie immer, prüfen wir am Vorabend die aktuellen Wetterinfos. Schweizer und Vorarlberger Wetterbericht melden unbeständiges Wetter mit sonnigen Abschnitten am Vormittag, auf den Bergspitzen aber auch Wind von bis zu 40 km/h im Bereich des Rätikon. Wind hatte ja auch in den letzten Tagen im Wallis und im Mont Blanc Massif mit Spitzen bis zu 100 km/h für widrige Verhältnisse gesorgt. Der Lawinenbericht für Vorarlberg sagt die Stufe “2” für den nächsten Tag an, für den Gipfelhang der Schesaplana also im Bereich des Verantwortbaren. Weitere Infos stehen uns nicht zur Verfügung – auf Gipfelbuch.ch finden sich keine aktuellen Einträge zu dieser Tour, und auf den Webseiten von Lünerseebahnen bzw. Brandnertal existiert kein Hinweis zum Zugang zur Talstation der Lünerseebahn. Ich versuche das Tourismusbüro in Brand zu erreichen, aber es ist Sonntag und niemand geht ran. Wir beschließen also sehr zeitig aufzubrechen um eventuellen Nassschneerutschen im Osthang der Schesaplana zuvorzukommen.

luenersee

Der Morgenspaziergang ging über 12 km mit Ski am Rucksack…

Wir parken unser Büssle am großen Parkplatz in Brand, schnallen die Ski auf den Rucksack und gehen im Dunkeln die Straße Richtung Lünerseebahn hoch. Wir erwarten, dass wir den ganzen Weg hinauf laufen werden, denn der Schneefall der letzten Tage war sehr spärlich. Wir passieren eine Brücke mit einem Warnschild vor der Lawinengefahr, ein Schild, dass wir aus vielen Wintersportgebieten her schon kennen. Wir interpretieren dies als allgemeine Warnung, sich der Gefahr bewußt zu sein, und marschieren weiter. Die Sonne kommt langsam auf, und gegen 7.30 kommen wir am Parkplatz bei der Talstation an. Der ‘Böse Tritt’ schaut gut aus, wir schnallen die Felle auf. Beate’s Mobiltelefon piepst, das SMS der Lawinenwarnzentrale kommt pünktlich. Ein Routinecheck auf dem Display, und dann die Überraschung: ab 2.400 m Seehöhe nun LWS 3. Windverfrachtungen im Steilgelände. Wir wissen was das heißt, der Gipfelhang der Schesaplana ist heiß. Wir ärgern uns, recht heftig. Zum einen ist es Enttäuschung. Zum anderen: seit wann hat man diese Info im Lawinenwarndienst?

Wir sind froh um die Möglichkeiten, die der Lawinenwarndienst bietet. Aber so ist er selten brauchbar, zumindest für die Planung einer Tour. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige andere Skitourengeher in der gleichen Situation trotzdem hinaufgegangen wären. Ähnlich wie beim Schweizer SLF-Dienst sollte eine detaillierte Vorschau für den nächsten Tag ausgegeben werden – das ist sinnvoll!

Nach einer mäßigen und schneearmen Abfahrt / Abstieg erwartet uns im Tal die nächste Überraschung. Der diensthabende Polizist der Brandner Ortsstelle fährt seitlich an unser Büssle heran und erkundigt sich, ob wir im Büssle gut geschlafen hätten. Ich bin verwirrt. Im Ort ist ein Campierverbot, und ich erkläre, dass wir heute morgen auf die Schesaplana wollten. Nun erfahren wir, dass die Straße für sämtlichen Verkehr, also auch für Fußgänger, wegen Lawinengefahr gesperrt sei. Ich bin noch mehr verwirrt. Weder auf den entsprechenden Webseiten noch anderswo fand sich diese Info. Die Warntafel an der Brücke war wohl die “Sperre” gewesen… Und wenn der Lawinenwarndienst für Montag eine “2” prognostiziert, die Straße aber offensichtlich schon am Vortag (ebenfalls bei LWS 2) gesperrt war, dann habe ich die Einstufung der Lawinengefahr nicht verstanden. Bei Lawinenwarnstufe 2 sind keine großen spontanen Rutsche zu erwarten, daher sind auch Straßen, Gebäude etc. kaum bis gar nicht gefährdet. Wie auch diese Entscheidung zur Sperrung zustande gekommen ist, ich kenne die näheren Details nicht und möchte diese Entscheidung auch nicht weiter in Frage stellen (wobei dann aber auch zu klären wäre: in Vorarlberg galt allgemein Stufe 2, und es gibt eine große Anzahl ähnlich exponierter Straßen, die nicht gesperrt waren…). Das Ärgerliche ist, dass diese Straßensperre-Info nicht online abrufbar war. Wenn schon das Tourismus-Büro geschlossen ist, dann bitte eine Meldung auf die Brandertal.at Seite. Oder noch besser: eine Liste gesperrter Wege auf der Seite des Vorarlberger Lawinenwarndienstes. So kommt man schon am Vorabend drauf, dass eine geplante Tour so nicht machbar ist. Schade um diesen Tag, und ich hoffe, dass die Informationsbereitstellung auf den entsprechenden Webseiten des Landes in naher Zukunft aktueller und den Bedürfnissen der Bergsportler angepasster sein wird. Die Schesaplana muss bis zum nächsten Jahr warten.