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Bisons & Hot Springs: Erinnerungen an einen Road Trip

Es sind einige Wochen her, dass wir in München aus dem Flugzeug gestiegen sind. Zurück in den Alltag, zurück aus dem hohen Norden Alaska’s, den unendlichen Weiten Kanadas und der bezaubernden Mondlandschaft Islands. Es gibt da so Momente, da träumt von diesen Tagen, und wünscht sich nichts mehr als zu zweit wieder unterwegs zu sein. Eine lange Reise, ein Road Trip, ein Weg in das Abenteuer. Das sind unsere Erinnerungen, das ist, was wir sind.

Road Trip from Mark Buzinkay on Vimeo.

Trek Landmannalaugar nach Skogar: Tag 3 & 4

Der Zeltplatz in Botnar wurde am Abend noch sehr voll. Gefiel uns gar nicht. Und da wir noch eine lange Etappe über Pörsmörk bis zur Schutzhütte Fimmvörduskali auf dem Programm haben, fällt uns das Aufstehen um 05.30 gar nicht schwer. Überhaupt ist das hier im Sommer sehr genial: Stirnlampe und Campingleuchte brauchen wir an keinem einzigen Tag. Und noch eine Überraschung steht an: ich öffne die Zeltplane und sehe blauen Himmel.

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Morgenstimmung bei Botnar

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großartige Schlucht

Frühstück ist schnell gekocht, dann alles im Zelt verstaut, bevor von innen heraus alles abgebaut wird. Am Schluss ist das Aussenzelt dran, dass immer noch nass ist. Auf dieser Höhe und zu dieser Morgenstunde eine kalte Angelegenheit für die Hände, besonders Beate beißt die Kälte auf die Finger. Während alle anderen noch in den Schlafsäcken liegen, sind wir bereits aus Botnar verschwunden. In der Ferne geht die Sonne über schneebedeckte Gipfel auf, und wir überqueren eine schöne Schlucht über den Fremri-Emstrua, diesmal ohne sich die Füße nass zu machen.

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im Flussbett der Krossá

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ab hier wird’s etwas steiler

Erst beim Überqueren des Pronga, den wir durchwaten müssen, treffen wir heute zum ersten Mal auf andere Wanderer, die in die Gegenrichtung unterwegs sind. Eine Gruppe Spanier. Überhaupt ist das hier recht international. Viele Franzosen, aber auch Deutsche, Briten und Amerikaner sind hier zu finden. Weniger Italiener, und schon gar keine Österreicher. Erst am letzten Abend vor dem Überflug nach Halifax hören wir ost-österreichischen Slang auf einer Campsite in Hveragerdi – sie bejubeln gerade ein Tor der Wiener Austria in der Champions League Quali. Sie verstehen uns schwer, also reden wir auf Englisch.

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auf Heiderhorn

In Pörsmörk gefällt es uns gut, vielleicht der schönste Zeltplatz bis jetzt. Viel Rasen, und viele kleine, separate Plätzchen. Wir machen Pause, genießen die Sonne und entspannen unsere Schultern. Nun müssen wir das breite Flussbett der Krossá queren. Das geht einige Kilometer, letztlich mit Hilfe einer mobilen Brücke, die direkt zum letzten Stützpunkt vor dem Übergang nach Skogar führt: Básar. Wir füllen unsere Wasservorräte auf, und ziehen sofort weiter. Wir wollen das Wetterfenster ausnützen, denn eines haben wir hier gelernt: in Nichts schlägt es um. Es geht nun entlang eines Grates immer höher hinauf über eine Schlucht, dann zu frischen Lavafelder und letztlich zum Randgletscher, den man aber recht gut umgehen kann. Auch hier ist die Strecke gut markiert und wir kommen ohne Schwierigkeiten zum Sattel. Da hier Schutzhütte Fimmvörduskali etwas abseits liegt und auch nicht über Wasser verfügt, ziehen wir zur zweiten, rund einen Kilometer südlich gelegenen Fimmvorduhals Hütte. Aber auch hier: kein Wasser und große Gruppen. Nichts für uns. Also weiter nach unten, und wild campen.

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der Brattafönn

Die Nacht ist ruhig, Wasser haben wir uns vom nahe gelegenen Gletscher besorgt. Der nächste Morgen ist wiedereinmal eine wettermäßige 180°-Wendung: Starkregen, Böen, Nebel. Der Aufbruch am Morgen ist also eine nass-kalte Angelegenheit. Zudem gehen uns – planmäßig – die Essensvorräte aus, und wir marschieren mit etwas Magenknurren nach Skogar, etwa zweieinhalb Stunden im Regen, bevor wir im Hotel Edda in Skogar eintrudeln. Dieses Hotel fungiert auch als Haltestelle für unseren Bus nach Hveragerdi. Hier können wir im Foyer trocknen, Kaffee trinken und einen gemütlichen Nachmittag auf der Couch verbringen. Erst in Hveragerdi schlagen wir uns den Bauch voll, kaufen nochmals ordentlich Vorräte ein und stellen unser Zelt am Dorfcamping auf. Der Trek von Landmannlagaur nach Skogar ist Geschichte.

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den Fimmvröduhals passiert, sieht man bereits den Atlantik

Island bleibt uns vielerlei Hinsicht in Erinnerung. Alle Nächte im Zelt verbracht. Überall gibt es (freies) WLAN, auch im Bus. Ortsnamen sind und bleiben unaussprechlich. Alles ist organisiert und funktioniert. Und wer Einsamkeit in den Bergen sucht, geht besser nicht im Juli oder August. Und: überall gibt es heiße Bäder. So in Hveragerdi, wo wir mehr als drei Stunden ununterbrochen im Thermalwasser liegen, vier Tage Sand, Schweiss und Regen von uns loslösen. Island ist für uns ein Land, das wir gerne wiedersehen würden. Nun aber liegt unser Hauptaugenmerk auf Halifax.

Trek Landmannalaugar nach Skogar: Tag 2

Nach einer ruhigen Nacht am Aftivatn und einem längeren Ausschlafen bis 07.30 packen wir schon recht routiniert unsere Camping-Ausrüstung zusammen. Eine halbe Stunde später beginnt es wieder zu regnen an. Wir lernen: Regenfenster sind auszunützen. Die heutige Etappe beginnt mit einer ersten Flussdurchquerung – Schuhe aus, Hosenbeine hoch, und ab durch das frische Wasser. Gut eineinhalb Stunden später wieder, nur etwas tiefer ist das Bachbett und reißender. Beate ist nicht sehr erfreut. Aber so haben wir wenigstens die Füsse immer sauber.

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Hochland-Landschaft

Die 16 Kilometer gehen beschwingt, die Landschaft wie immer faszinierend und abwechselnd, auch wenn wir oft kilometerlange Ebenen aus Vulkanasche passieren. Die Abwechslung kommt auch mit dem Wetter, denn Regengüsse kommen wie in 10-minütigen Wellen. Da ist der Zeltplatz bei Botnar auch sehr willkommen, denn es ist nicht nur kalt geworden, sondern auch noch stürmisch. Nun muss das Zelt bei Wind und Wetter aufgebaut werden, Beate hat es nun mit der Kälte und ist heilfroh, sich endlich im Schlafsack zu verkriechen. Um 13.30. Der Tag ist also noch lang, ich bastle einen Windschutz aus Steinbrocken, repariere meine Fleecejacke und etwas Pediküre ist auch drin.

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Zwischen Regengüssen gibt’s auch Sonne

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super gsi!

Erst am späten Nachmittag wird es an diesem eigentlich gemütlichen Platz hektisch, größere Gruppen haben endlich ihre Tagesetappe geschafft und wetteifern nun um die Zeltplätze. Da werden einige schon etwas nervös und vorlaut. Uns egal, denn Curry Reis ist gerade am werden, und Gemüsepüree gerade im Magen. Wie immer geht dann der Abend mit einer Portion Peronin zu Ende, dem Gang zum WC und dem schnellen Zähneputzen. Klingt nicht Romantisch, und ist auch nicht. Es ist Wandern mit Zelt und großem Rucksack, bei jedem Wetter. Da bleiben hellblauer Himmel und Lagerfeuer zuhause am Schreibtisch. Island, das ist Trekking-Realität. Wie wir es auch am nächsten Morgen erleben, als wir schon früh nach Pörsmörk aufbrechen.

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beim Kneippen

Trek Landmannalaugar nach Skogar: Tag 1

Nach einer feinen Nacht am Camping-Platz in Reykjavik fahren wir per Bus zum Busterminal BSI, und sogleich weiter Richtung Landmannalaugar, der Beginn unseres 4-Tages-Trek nach Skogar. Ein Wort zum Camping-Platz in Reykjavik: riesig, dementsprechend umtriebig, und wenn man dumme Nachbarn hat, auch entsprechend laut. Am Camping selbst kann man sich Info-Material besorgen, Karten, aber auch Gaskartuschen (mit Ventil oder nicht).

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Geo-Thermal Werke

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erkaltete Lava

Die Fahrt nach Landmannalaugar dauert gute vier Stunden, mit ein paar kleineren Aufenthalten. Der Bus ist voll, alle wollen ins Hochland. Nicht umsonst ist das der populärste Trek in Island – wegen seiner Schönheit, aber auch wegen seiner Nähe zu Reykjavik. Ein Platz auf der rechten Bus-Seite verspricht die etwas besseren Ausblicke. Die Fahrt bietet viel, das Panorama ist schon hier abwechslungsreich, außer man schläft, wie Beate, immer. In Landmannalaugar ist man auf die Busse gut vorbereitet, alles ist vorbereitet. Wir tragen uns kurz in das Besucherbuch ein und marschieren sofort weg. Das ist auch gut so, es laufen hier recht viele Leute in der Gegend herum. Bald sind wir auch die zahlreichen Tagesausflügler los, die man hier hinter jedem Stein findet.

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super gsi!

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in Landmannalaugar

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überall dampft es aus der Erde

Der Weg ist gut beschildert, man folgt ihm durch eine wilde Landschaft. Rauchende Böden, Lavafelder, Schluchten, Schneefelder. Das Marschieren geht gut, nur Beate hat einen etwas müden Tag. Der Regen beginnt nun, und wir steigen zum ersten Mal in unsere Regenklamotten. Wir werden sie nun nicht mehr ausziehen. Die erste Etappe geht ein wenig aufwärts, nach Hrafntinnusker, und ist gute 12 Kilometer lang. Wir wollen uns in dieser Hütte aufwärmen, das geht aber nur gegen Bezahlung. Wir packen also unsere Sachen und marschieren weiter, mit gewaltigen Aussichten bis nach Alfavatn, das sind nochmals 12 Kilometer.

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gebackene Erdschichten

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auf diesem Trail ist man fast nie allein

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Schneefelder auf 1.000 m Seehöhe – im August

Letztlich, am See im Zelt liegend, sind wir recht froh über die trockene Behausung und das warme Essen. In Sekunden sind wir dann auch schon eingeschlafen, und wollen morgen auch nicht so früh raus – es folgt eine Kurzetappe nach Botnar.

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wild

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und wunderschön – hier rechts der See bei Alftavatn