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Rohes Fleisch, Khat und Kaffeekultur: Essgewohnheiten am Horn

Im Dezember 2012 entdecken wir Ostafrika. Zuerst seine Straßen, dann seine Märkte. Und fortwährend die Essgewohnheiten seiner Menschen. Und wir haben Mut, essen von der Straße, von kleinen Ständen, probieren Fruchtsäfte, Gemüse, selbst-fabrizierte Fritten. Aber auch für uns gibt es Grenzen. Eine davon ist Fleisch aller Art. Weniger, dass wir uns vor der Herkunft fürchten. Doch die Bedingungen, unter denen die Verarbeitung stattfindet, lassen uns einen großen Bogen um diverse Fleischrestaurants machen. Auf dem Weg von Nazret nach Harar macht unser Bus einen Pausenstopp in einer belebten Straße in Asbe Teferi. Wir steigen aus, suchen nach einem schattigen Platz in einer Imbißstube. Besitzer winken uns zu, laden uns ein. Eine Rindshälfte hängt am Haken unter einem Wellblechdach, das Schneidbrett davor ist rot gefärbt. Ist das ein Restaurant?

fruchtsaft

frisch gepresste Säfte, hier in Djibouti

Zunächst meiden wir die Lokalität, kaufen unweit davon ein paar Kekse und Wasser ein. Doch der Bus fährt nicht ab, die Hitze ist groß, und die Bettlerei an diesem Ort unerträglich. Also gehen wir doch hinein, bestellen ein Wasser und sehen auf die Nebentische. Essen wird geliefert. Injera, die äthiopische, leicht sauer schmeckende Version des Fladenbrotes, mit Fleisch. Doch das Fleisch irritiert uns. Erst beim zweiten Hinsehen entdecken wir, dass es roh ist. Mit Genuss wird es mit Händen aus dem Teller gepickt, mit einem scharfen Messer in kleine Happen geschnitten und in den Mund geworfen. Wir verlassen das Lokal, als der Bus seine Türen wieder öffnet.

injera

Injera in seiner vegetarischen Version

Dabei haben wir Injera zu lieben gelernt. Die vielen verschiedenen Füllungen und Saucen machen das Essen mit der bloßen Hand zu einem Vergnügen. Es gibt scharfe und weniger scharfe Variationen, aber wir bleiben bei den fleischlosen Injera-Gerichten. Injera gibt es in Äthiopien überall. Tadesse aus Äthiopien hat uns am ersten Tag in Addis Abeba in diese kulinarische Institution eingeführt. Und dabei haben wir auch die zahlreichen Biersorten Äthiopiens kennengelernt. Wir waren positiv überrascht, auch vom Preis: rund 60 Cent kostet eine 0,3 l Flasche.

Fleisch spielt eine übergeordnete Rolle in der äthiopischen und somalischen Küche. Aber noch mehr ist Abessinien mit dem Genussmittel Kaffee verbunden. Das Kaffeegetränk stammt aus dem Hochland, und es wurde Jahrhunderte lang dort kultiviert, bevor es seinen Siegeszug an den französischen Hof, später in den europäischen Adel und letztlich in die westlichen Haushalte antrat. In Europa und in Arabien hat sich eine selbständige Kaffeekultur entwickelt, die in den Jahren der Kolonialisierung Ostafrikas auch wieder auf die Heimat des Kaffee zurückgestrahlt hat. So finden sich Macchiato, Latte und Espresso an unseren Tischen, ganz egal ob wir in Berbera an der somalischen Küste sitzen oder in Asela im äthiopischen Hochland. Am Land gibt es gar die gesalzene Kaffee-Version. Gewöhnungsbedürftig, zugegeben.

kaffee

ah, ein Macchiato!

Spätestens in Harar wird dann ein weiteres Genussmittel im Straßenbild dominant: Khat, eine Pflanze, deren Blätter und Stengel eine Substanz enthalten, die leicht berauschend wirkt. Schon am Mittag sieht man Heerscharen von meist männlichen Individuen an den Khat-Büscheln zu zupfen und fortwährend daran zu kauen. Die Zähne werden grün, der grünliche Speichel sammelt sich im Mundwinkel, das Ausspucken wird zum Ritual, und irgendwann sind die Khat-Konsument zugedröhnt. Khat ist legal, und wird von Christen wie Muslimen gleichermaßen geliebt. Khat-Büschel sind auch als Mitbringsel beliebt, oder um Geschäfte mit Polizisten zu beschleunigen. Ja, Khat ist eine Art Ersatzwährung. In Somaliland scheint der Konsum am Intensivsten.

Am Golf von Aden genießen wir dann fast ausschließlich Produkte des Meeres. Frittiert, gegrillt, filetiert. Jemenitischer Reis, orientalische Gewürzmischungen, italienische Pasta. Das ergibt manchmal ungewohnte Kombinationen am Essenstisch, aber bestimmt in großen Portionen. Dazu eine Limette, etwas scharfe Sauce und kleingehackten Koreander. Ich denke, ich werde es vermissen.