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Unser erstes Adventure Race der Saison – Raid Asand

Start des Rennens war die Seepromenade in Berck-sur-Mer. Rund 100 Teams in diversen Kategorien (Jugendliche/Erwachsene, 2er/3er/4er Teams, Männer/Frauen/Mixed-Teams, 2 Schwierigkeitskategorien) gingen ins Rennen, mit der ersten Disziplin: Segelbuggies schieben. Diese normalerweise mit Segeln ausgestatteten Fahrzeuge mit drei Rädern wurden von einem Teammitglied gesteuert, vom anderen angeschoben. Das Segel blieb leider verstaut. Für ein Zweier-Team wie uns eine ganz harte Sache, denn 2km im Sand so einen Wagen zu schieben ist – einfach gesagt – hart.

Für 2er Team eine ganz harte Disziplin (Bild (c) Stéphane Morvan)

Nach einem weiteren 2km Lauf entlang von Sanddünen und dem Ausbuddeln unserer Orientierungskarte ging es auf die erste Radstrecke, die wir ohne Probleme abhaken konnten. Im darauf folgenden Orientierungslauf sammelten wir die entsprechenden Bojen (wobei uns die korrekte Reihenfolge nicht ganz klar war) und gingen auf eine erste, längere Radetappe aus Berck hinaus. Die Strapazen vom Buggy-Schieben hatten wir nun endgültig abgelegt und überholten hier Team für Team. Auch einige Spezialaufgaben mit dem Rad gingen glatt über die Bühne.
Nun wurden die Inline-Skates angeschnallt. Fünf Runden (jeweils ca. 1,5km) waren auf Zeit zu absolvieren. Beate fuhr drei, ich zwei auf dem selektiven Rundkurs. Hier waren einige wilde Szenen zu beobachten, Fahrer stürzten, fuhren andere um. Auch ein Streckenposten kam unter die Räder – ich hatte sie kurzerhand ‘mitgenommen’.

Auf der hügeligen Strecke beim Inline-Skaten (Bild (c) Stéphane Morvan)

Kurze Zeit später folgte ein interessanter Rad-Parcours um die Zitadelle von Montreuil. Eine Runde auf schmalsten Wegen, bei der es um eine Rundenzeit ging. Gleich im Anschluss hatten wir eine Stunde Zeit für 10 Bojen, die in der Zitadelle selbst versteckt waren. War gar nicht einfach, alle in diesem Orientierungslauf einzusammeln, da zwei im unterirdischen Bereich – also in absoluter Dunkelheit – hinterlegt waren. Beate gefiel das gar nicht.

Nicht mehr ganz so frisch, aber immer noch guter Stimmung ging es wieder mit dem Rad durch die Landschaft mit Hilfe eines Roadbooks. Diese langen Kilometer wurden durch den starken Gegenwind noch länger. Als Belohnung gab es dafür dann nicht nur einen recht kurzen Kajakparcours auf einem See, sondern auch Trockenfrüchte, Haribo und Cola an einer Verpflegungsstation.

Beate auf den letzten Metern des finalen Bike-Parcours (Bild (c) Stéphane Morvan)

Die letzten Aufgaben hatten es dann aber in sich. Zunächst eine Radstrecke, die mit Hilfe von Luftaufnahmen bewältigt werden musste. Das Radeln im Marschland war für unsere Rücken Schwerarbeit. Das anschließende 5km Bike and Run, bei dem einer des Teams läuft, der andere fährt, war konditionell sicherlich eines der Kriterien des Rennens. Das Rad durch die Dünen zu schieben ist Strafarbeit, aber die Landschaft hat es auch ein wenig wett gemacht. Nun, ziemlich geschafft stiegen wir auf die Räder für die letzte Etappe zurück nach Berck-sur-Mer und erreichten die letzte Spezialaufgabe: ein Bike-Parcours, wobei 5 Runden zu absolvieren waren. Danach war Schluss, und wir glücklich, dass wir das Rennen in rund 6 Stunden absolviert hatten. Wir hatten eine gute Laufzeit hingelegt, landeten aber irgendwo zwischen dem ersten Drittel und der ersten Hälfte der Teams. Als zweier-Team gar nicht mal so schlecht, fanden wir.

Ein großes Lob gebührt den Organisatoren, die sich hier war sehr Spezielles haben einfallen lassen. Das anschließende Buffet im Rahmen der Abschlussveranstaltung war wieder klassisch französisch – eine Tonne bester Baquette-Sandwichs, Früchte und Getränke aller Art. Und das alles inklusive im Startgeld. Merci!

Ein Teil des Abschlussbuffets – die Kalorien hatten alle nötig

Lessons learned:

  • anderen zu folgen ist nicht die schlechteste Idee, aber auch nicht die erfolgversprechendste
  • auch mit wenig Powerriegeln ist ein 6-Stunden-Rennen zu packen
  • das Abzwicken der Orientierungspunkte will gelernt sein
  • Franzosen können im Rennen sehr ambitioniert sein
  • mit unserem Racing-Bus kommen wir viel, weit und äußerst günstig herum
  • auch einige wenige freie Tage können sich wie drei Wochen Urlaub anfühlen – es kommt darauf an, wie man sie nützt

Schließlich in Berck-sur-Mer

Berck-sur-Mer ist eines der großen Seebäder der Franzosen im Norden ihres Landes. Es ist eine französische Version von Blackpool, und von der Dimension sicherlich ein paar Nummer größer als Bad Cadzand.
Im Winter ist es recht ausgestorben, die meisten Häuser hier sind Feriengästen vorbehalten. Die Architektur ist deshalb nicht gerade ein Augenschmaus, ist doch die Seepromenade als Gesicht der Stadt mit Hotelreihen, Appartmentblöcken und großen Veranstaltungssälen gespickt. Im halbleeren Zustand wirkt das ein wenig traurig, im Sommer hingegen wird man sich vor lauter Publikum auf der Straße kaum bewegen können.

Abendstimmung am Strand von Berck-sur-Mer

Was also der Ort nicht hat, das hat die Umgebung. Fährt man ein paar Kilometer hinaus, so findet sich alles: einsame Dünenlandschaften, dichte Föhrenwälder, Badeseen, ausgedehntes Marschland und nette Dörfer. Eine etwas größere Siedlung ist Montreuil, die wir im Laufe des Adventure Race näher kennen lernen durften – besonders die recht große Zitadelle.

Honfleur, la plus belle ville du monde

Nun, die Überschrift sagt alles: Honfleur ist eine Perle. Ob sie die Schönste der Welt ist, ist eine andere Frage. Zumindest haben alle vor, während und nach dem RAID pays d’ Auge, denen wir unsere Sonntagspläne zum Besten gaben, dieses bejaht.

In Orbec vor einem typischen Haus

Zunächst aber zu Orbec, dem 3.000 Seelen-Städtchen am östlichen Rand der Normandie im Departement Calvados. Idyllisch in einer Talsenke gelegen, mit sehr vielen, alten und restaurierten Häuschen und Gassen, einer normannischen Kirche und den kleinen Lebensmittelgeschäften. Ein Kleinod des Hinterlands, in das sich kein Fremder so schnell verirrt, dafür aber dann innig lieben wird.

Die erste Flasche war schnell gekauft, aber auch schnell geleert

Über Lisieux mit seiner gewaltigen Kathedrale ging es über die Landstraße nach Deauville, eine Stadt am Ärmelkanal mit einem prächtigen Hafen, einem noch größeren Casino und dem Dank der Allierten immer noch zutiefst verpflichtet, zumindest wenn man die Dichte der US/UK/CND Flaggen hier und in anderen Regionen Frankreichs vergleicht.

So stellt man sich Frankreich vor – Bistros mit Geschmack. Und so ist es in Henfleur.

Honfleur liegt auf der anderen Seite der Seine, fast gegenüber dem industriellen Le Havre. Es hat sich trotz Tourismus eine nette Atmosphäre erhalten, fantastische Gässchen mit zahlreichen Lokalen, Kunstgalerien und Antiquitäten. Der Hafen ist eine Augenweide, und auch das Leben ist hier recht bunt, aber nicht hektisch. Für die Rückfahrt musste also noch viel Französisches für unsere Jausebox bereitgestellt werden – wir haben es nicht bereut.

Ein Teil des Hafens von Honfleur

Die Rückfahrt ist natürlich eine wenig spannende Sache, abgesehen von der Ponte de Normandie und dem Wegechaos um Paris. In allem, die Fahrt hat sich mehr als gelohnt.