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April-Tour auf die Tschima da Flix

Nach langem Warten und Schlechtwetterperioden, die uns weitere Skitouren nach unserem Marokko-Skitour-Abenteuer versagten, hatten wir heute endlich wieder Glück. Unterhalb des Julierpasses auf ca. 2.200 m gingen es nach Norden in die wunderschöne Schneelandschaft des Val d’Agnel.

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Gratwanderung zum Piz d’Agnel

Der erste Teil der doch recht langen Runde (19 km, 1.700 Höhenmeter) bildete der Aufstieg zur Fuorcla d’Agnel (2.983 m). Technisch ohne Schwierigkeiten, aber das Tal zog sich ein wenig. Der Schnee war in der Früh noch recht hart. Zahlreiche andere Skitourengänger waren schon im Hang.

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Das Tagesziel: Tschima da Flix (linker Gipfel des Bergstocks)

Von der Fuorcla d’Agnel stiegen wir etwa 150 Höhenmeter ab und querten gegen Westen zum Talschluss – der Fuorcla da Flix (3.065 m). Der Sattel bildete auch das erste und einzige Skidepot des Tages: zu Fuß ging es den Grat entlang zum Piz d’Agnel (3.204 m). Grandiose Ausblicke (z.B. zum Roccobella, Piz Lagrev, Piz Surgonda und Piz Güglia) und Feigen aus Marokko machten die kurzen Gipfelminuten zum Genuss.

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Piz d’Agnel mit imposantem Grat, vom Tschima da Flix betrachtet

Nach dem mühelosen Abstieg (Steigeisen waren keine notwendig) folgten wir dem Grat auf Skiern nach Norden – hin zum Gipfel der Tschima da Flix (3.316 m). Der Aufstieg war hier ein bißchen schwieriger, aber immer noch ohne Harscheisen zu bewältigen. Oben am Gipfel tobte der Wind, und so packten wir kurzentschlossen unserer Skier und gingen zu Fuß wenige Meter den Grat weiter nach Osten, wo wir eine gute Einstiegstelle zur Nordabfahrt auf den Calderas-Gletscher vorfanden.

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Feine Abfahrt am Calderas-Gletscher

Die Abfahrt war klasse – oben pulver, unten etwas weniger, aber immer noch ok. Wir fuhrem auf dem Gletscher bis zu seinem Ende und dann um den Bergstock der Tschima da Flix / Piz Picuogl. Anstatt auf die Chna Jenatsch Hütte (2.620 m) einzukehren, ging es in einem anstregenden Marsch retour wieder hinauf zum Fuorcla d’ Agnel. Endlich 😀

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Die letzten Meter …

Die Abfahrt war mühsamer als gedacht, die Beine schon Pudding, und da ist es auch bei Firn nicht mehr so einfach. Trotz allem, wir kamen gut herunter, vorbei an einer frischen, wenn auch kleinen Nassschneelawine, die sich irgendwann um Mittag gelöst haben musste.

Die Tourenbeschreibung findet sich auch im Schitourenatlas Schweiz Ost.

Wandertag zum Piz Güglia

Unerwartete, freie Tage werden bei uns nicht verschwendet, sie sind zu kostbar. Dafür steht man schon um 04.00 früh auf, fährt zwei Stunden nach Graubünden und schleicht sich im Morgengrauen zwischen Heidelbeerbüschen langsam vorwärts.

Kurz unterhalb des Julierpasses starteten wir heute einen Wettlauf gegen das angekündigte Schlechtwetter. Der Weg – zunächst durch grüne Wiesen und besagte Büsche, später durch staubige Steilhänge – verlief recht angenehm weil nicht heiss. In den Geröllfeldern fanden wir guten Tritt, die Felsbrocken waren groß und ineinander verhakt, und auch die Alpenflora bot reichlich Abwechslung.

Wer kennt diese schöne Kreation?

Der Einstieg in den alpinen Steig erfolgt bei der Alpe Güglia (2.161 m), geht schnurstracks in die Höhe und dreht rechts gegen einen Geröllhang zur Fuorcola Albana (auf 2.870 m).

An der Fuorcola Albana

Dort folgt man einem schmalen Pfad dem Grat entlang mit schönen Aussichten in die Weite (z.B. nach St. Moritz oder zum Piz Lagrev) aber auch in die Tiefe. Die Abgründe lassen uns keinen Blödsinn treiben. Immer weiter hinauf geht der Weg, folgt einem kleinen Gipfel zum nächsten, umrundet aber auch einige kleinere Erhebungen, wobei einige Passagen mit Ketten und Eisengeländer gesichert sind.

Der Steig entlang des Grats von der Fuorcola Albana weg bietet schöne Ausblicke

Der Gipfelanstieg zum Piz Güglia (3.380 m) oder Piz Julier, wie er manchmal in der Literatur genannt wird, ist dann weniger spektakulär, ebenso der Gipfel selbst. Fast schon eine flache Kappe ohne Gipfelkreuz. Dafür hat man eine Aussicht, die keinen Vergleich mit anderen Bergen scheuen muss: nach Norden über die Gipfel Piz Surgonda, Piz d’Err, Piz Mitgel, nach Westen zum Piz Grevasalvas und zum Roccobella, nach Süden über den Piz Lagrev zu den schnee-bedeckten Spitzen um den Piz Bernina.

Gipfelblick nach Norden – Piz Surgonda zur linken Seite (hellgraue Erhebung), Piz d’Err und Piz Mitgel links mittig im Hintergrund

Gipfelblick nach Süden: Piz Albana im Vordergrund, dahinter die Reihe des Engadiner Stolzes: Piz Corvatsch, Piz Roseg, Piz Bernina, und dazwischen der Silvaplana See

Nach einem Gipfelfrühstück ging es rasch abwärts und zu Mittag lagen wir schon am Badesee in Savognin. Wie fängt also ein schönes Wochenende an? In dem wir Samstag mit Freitag tauschen…

Piz Lagrev zum Blog-Post Nummer 400

Nun, das ist unser 400. Blogbeitrag auf Feltout, wie die Zeit vergeht! Gestartet irgendwann im Herbst 2005, fing das Ganze mit unserer Weltreise 2006 an. Und nun standen wir am Piz Lagrev und wußten nicht mal, dass das so ein Jubiläum ist.

Aber an diesem Wochenende gab es ja eine Menge anderer Dinge die berichtenswert waren. Also zunächst die Sache mit dem Piz Lagrev, dem wirklichen Saisonabschluss (nicht wie vor zwei Wochen bei der Piz Surgonda Tour angekündigt). Am Freitag ging es per Auto zum Julierpass, dort blieben wir über Nacht, damit wir möglichst früh in den Nordhang einsteigen konnten.

Der Start im Nebel

Schönes Wetter war am Samstag angekündigt, und so kam es. Nach einer kurzen Nebelwand lichtete sich der Anstieg (Einstieg unterhalb des Julierpasses auf ca. 2.150 m). Der Weg führte recht gerade hinauf, über mehrere schöne Nordhänge mit ein bißchen Pulver drauf.

Schon nach wenigen Höhenmetern schönster Sonnenschein im ersten Anstieg

Rechts geht es über den Lagrev Gletscher zum Gipfel (hinter dem linken Felsblock)

Auf rund 2.800 m beginnt der kleine Lagrevgletscher, auf dessen Rücken wir bis zum Skidepot am Piz Lagrev auf 3.100 m in gutem Tempo hochstiegen. Mit dabei ein Skitourenfreund aus dem ‘deutschen’ Sulzberg, der ebenfalls wie wir in seinem Camper die Nacht am Julier verbracht hatte. Stefan hatte für den Aufstieg zwar schwere Skier, die dann aber bei der Abfahrt ihre Vorzüge unter Beweis stellten – wie auf Schienen donnerte Stefan die Hänge herunter, mit insgesamt höchsten 10 Bögen. Wir fuhren unsere Tiefschneestil herunter, mühsamer, aber mit unseren kurzen und schmaleren Skiern trotzdem ein cooles Feeling. Genauere Tour-Info gibt es auch im Skitourenführer Graubünden.

Sensationelle Vollgas-Abfahrt im seichten Pulver

Ein versöhnlicher Saisonabschluss (?): Piz Surgonda

Je länger die Temperaturen hoch bleiben, deston höher muss man gehen, um halbwegs vernünftige und vor allem sichere Schneeverhältnisse vorzufinden (siehe auch unser Ausflug auf die Rotspitze bei Gargellen). Vor zwei Wochen waren wir schon einmal auf dem Julierpass (2.284 m) gewesen, mit einer prima Skitour auf den Roccobella. Am nächsten Tag mussten wir unser Vorhaben, den Piz Surgonda zu besteigen, aufgrund von Schlechtwetter abbrechen.

Nassschneelawinen drohen vom Corn Alv ab dem Mittag

Die Wettervorschau war für den zweiten Versuch auf den Piz Surgonda (3.193 m) zu gelangen gar nicht mal schlecht, teilweise bewölkt, aber mit hohen Temperaturen auch in über 2.000 m Höhe. Es half nichts, um 04.00 morgens packten wir unsere Ausrüstung und brachen um 6.30 im Morgengrauen in den Hang hinein auf. Die Tour selbst ist schitechnisch recht einfach, erfordert aber nach zwei Drittel des Weges eine gute Karte und Orientierungssinn, da das Gelände unübersichtlich ist.

Den Piz Surgonda bekamen wir nie richtig zu sehen – irgendwo da vorne ist er

Unerwartet hatten wir von Anfang an sehr schlechte Sicht, die Wolken hingen tief, und auch Schneefall kam hinzu. Nach 45 min kam die Sonne heraus, eine halbe Stunde später verschwand sie wieder, und so ging das Spiel bis zum Gipfel, den wir eigentlich nie klar erkennen konnten. Auch als wir oben waren, war die Sicht vielleicht 15 m.

Eine Tour-Beschreibung in der Literatur findet sich auch hier.

Bei der Abfahrt Blick zum Piz Lagrev

Vom Gipfel fuhren wir vielleicht 200 Höhenmeter wieder ab und hatten auf einmal das prächtigste Bergpanorama vor uns – die Plattagruppe mit dem wolkenverhangenen Piz Lagrev. Die Abfahrt selbst war vor allem im oberen Bereich sehr angenehm zu befahren: eine feine, aber dünne Firnschicht auf hartem Untergrund.

Windiger Roccobella

Nach langem Wien-Aufenthalt und vielen Nachtdiensten ging es an unserem Hochzeitstag in die Schweiz, genauer in die Gegend um den Julierpass. Im Sommer hatten wir schon das Vergnügen, mit den Bikes von Savognin über Bivio zum Septimerpass und dann weiters über den Malojapass nach St. Moritz / Pontresina zu fahren. Im Winter schaut das Ganze natürlich ganz anders aus…

Blick nach Bivio und das Tal Richtung Savognin

Kurz nach Bivio (1.800 m) starteten wir unsere erste Skitour, eine recht gemütliche Sache zum Roccabella (2.727 m). Dieser Berg überragt als Felsen den Beginn des Straßenanstiegs zum Julierpass. Die Route führt über einen längeren Weg zunächst recht flach ins Tal Tgavretga hinein (gleich wie die Radroute zum Septimerpass), biegt dann aber nach Osten ab und wendet sich der Fourcola Materdell zu (2.504 m). Kurz davor schwenkt man wieder nach Norden, um den Gipfelhang in einem Halbbogen zu besteigen.

Die Tour führt zunächst recht flach in ein Tal hinein

Trotz ordentlicher Böen hatten wir prächtiges Wetter, und vom Gipfel beste Aussicht zum Julierpass, ins Tal nach Bivio, zum Septimerpass aber auch zum Piz Grevaslava, Piz Materdell und im Norden Piz Neir.

Am Gipfel des Roccobella bietet sich ein Panorama der Sonderklasse

Am Abend ging es auf den Julierpass, wo wir unser Nachtlager im Hospiz aufschlugen. Ein nettes, sehr freundliches Haus in bester Lage für alle Skiunternehmungen. Leider schlug das Wetter am nächsten Tag um, so dass unsere geplanten nächsten Touren der schlechten Sicht und heftigen Schneefall zum Opfer fielen. Keine Frage, wir kommen wieder!

Eine Tour-Beschreibung findet sich auch hier.