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Mt Shasta: Showdown am letzten Vulkan

Wir starten in die Dunkelheit. Etwas kühl ist es um 04.00 im Auto, als wir uns aus dem Schlafsack schälen. Gepackt ist alles schon, jetzt noch einen Bissen essen, anziehen, und schon laufen wir im Stirnlampenlicht den Trampelweg nach Norden. Die Luft ist kalt, der Himmel klar, und wir sprechen nichts.

Kaum gelangen wir nach gut einer Meile Skitragen aus dem Wald, kann man das Ausmaß der Mt. Shasta Attraktivität nochmals mit freiem Auge begutachten. Der Hang ist voller Leute. Erinnerungen an den Großglockner kommen hoch. Leute mit wenig Bergerfahrung, mit schlechter Ausrüstung, aus falschen Motiven, alles krabbelt da hoch. So auch am Mt. Shasta, und da sind ‚Dramen‘ vorprogrammiert. Nach jedem 2. Schritt stehenbleiben, sich den Hang hinaufschleppen, die Steigeisen verlieren, weil die Schuhe nicht steigeisentauglich sind. Das Leben am Mt. Shasta ist fast schon ein Zirkus.

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Mt. Shasta, unsere Route verläuft über die Mitte nach rechts auf die Schulter, dann über den Grat zum Gipfel

Schon der Vorabend hat interessant begonnen. Am dritten Tag des Wartens im Tal sind wir endlich zum Trailhead nach Bunny Flats (ca. 2.100 m) hochgefahren. Wir vermuten einen kleinen Parkplatz mit keinen Autos. Wir bekommen einen 100-Plätze-Asphalt, prallvoll. Es ist Wochenende. Das Gewusel am Parkplatz ist ansteckend. Jeder will einen Permit, jeder ist am Packen vor dem Auto, und jeder ist der Beste. Viele werden wir am nächsten Tag wiedersehen, wenn wir sie unterwegs einholen. Denn kaum jemand geht in einem Stück hinauf, die meisten campen irgendwo dazwischen. Die meisten bei der Sierra Club Lodge, aber einige auf über 3.000 m. Wir haben den Wetterbericht gesehen, und eine weitere Sturmnacht wie am Mt. Adams wollen wir uns ersparen. Wir gehen die 2.200 Höhenmeter in einem Marsch an. Leichtes Gepäck, viel Wasser, steiler Zustieg.

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Durch diese Felsgalerie müssen wir durch

Am Gipfel des Mount Shasta (4.237 m) bleiben wir nur kurz. Einmal sich umschauen, und wir denken schon an die Abfahrt. Gehen einhundert Meter hinunter zum Skidepot, dem einzigen am Gifpel, trotz der vielen Leute. Wir schütteln den Kopf. Das Gleiche nochmals heruntermarschieren? Wir schnallen die Ski an, brausen an den neidischen Bergsteigern vorbei, auch wenn sehr ruppig, da hier oben der Belag extrem schmelzharschig und eisig ist. Unterhalb des „Thumbs“ wird der Hang steiler, aber auch fahrbarer. Nun geben wir Gas, fetzen den Hang hinunter, der Zirkus um uns herum hält kurz inne, und wir fahren wie im Rampenlicht die schon firnigen Schneewände ab, knapp bis zum Parkplatz. Unser letzter Vulkan in den Cascades. Die 299 nach Eureka bringt uns am frühen Abend wieder an den Pazifik. Jetzt sind wenige Tage des Übergangs angesagt – die Küste wartet, dann San Francisco. Und am Wochenende das nächste große Abenteuer: die Sierra Nevada.

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Zirkus Mt. Shasta – wir verkleiden uns auch

Ausharren in Nordkalifornien, während Kanada über uns liest

Drei Tage warten, harren, herumlaufen. Man sieht den Berg, die Sicht ist frei, aber da oben bläst der Sturm und wir können nicht hinauf. Stattdessen verweilen wir uns im Städtchen Mount Shasta, laufen Runden um den Siskiyou-See oder hinauf zum Mount Eddie. Wir futtern uns an, denn der Aufstieg wird dauern: 2.200 Höhenmeter, und der Gipfel auf 4.317 m. Mount Shasta ist der letzte Riese der Vulkan-Kette der Cascades, den wir besteigen wollen.

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Lake Shasta

Wir fahren in das Sacramento Valley ein. Für uns ein ungewohnter Anblick – trockene Ebene, viel Verkehr, kein Winter mehr. Wir kehren zurück nach Shasta, warten. Und wir sind in der kanadischen Lokalpresse: “Fifteen-month ski odyssey visits Rockies“…

Rocky Mountains Outlook

die online Ausgabe des Rocky Mountain Outlook

Mt. Thielsen: Felsklettereien am Blitzableiter

Wir ziehen weiter. Am Mt. Hood und der South Sister haben wir zwei prominente Vulkane in Oregon bestiegen. Ob das Wetter hält? Auf Höhe der Timberlinelodge unterhalb des Mt. Hood rasen die Wolken wieder über den Parkplatz, und am Herrenklo läuft „Riders in der Storm“ von den Doors aus dem Lautsprecher. Als dann einer aus einer Klo-Kabine in den Refrain einstimmt, dauert es nicht mehr lange, und die gesamte, aktuelle Belegschaft der Toilette singt mit.

In Richardson bleiben wir kurz bei einem Starbucks stehen, um die aktuellen Wetterdaten abzurufen. Neben uns sitzt, schwätzt und strikt eine Damenrunde nebst Kaffee. Wir sind bald darauf auf dem Weg zum Diamond Lake, und im Schneeregen des Abends finden wir unseren Standplatz (ca. 1.400 m) für die Nacht. Beate macht wie immer ein perfektes Abendessen, und ich studiere den Straßenatlas. Abendstimmung.

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ein Waldlauf zur Einstimmung

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erst am Grat sieht man ihn: Mt. Thielsen

Klar ist der Morgen, und die Scheiben und Türen sind über Nacht angefroren. Wir brauchen etwas, um sie aufzubekommen. In Laufschuhen gehen wir die Tour an, der erste Kilometer ist brauner Waldboden. Erst als wir den Westgrat zum Mt. Thielsen erreichen, sind wir wieder im Winter – die Bäume noch voller Schnee und Eis, und der Gipfel im kalten Blau. Wo die Skitour im Guide aufhört, dort machen wir weiter – hinauf kurz unter der Felsnadel. Ein schönes Stück steiler Kehren, dann Skidepot. Von dort, fast schon rituell, mit Steigeisen und Pickel zur Nadel hinauf, dann über grobe Blöcke, Schnee und Eis zum Gipfel des Mount Thielsen (2.799 m). Soll ein wahrer Blitzableiter sein, wenn es Wolken aufzieht. Heute aber bleibt es fast wolkenlos, und wir steigen wieder vorsichtig zum Skidepot ab.

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immer weiter hoch

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Blick vom Skidepot nach SW

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Gipfel erklommen

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feine Abfahrt, dahinter Diamond Lake und Mt. Bailey

Die Abfahrt ist überraschend angenehm, im Wald weniger. Muss leider feststellen, dass meine Dynafit ST Bindung nicht robust ist. Das zweite Mal in zwei Saisonen bricht die Halterung für das Harscheisen. Leider habe ich kein Extra-Budget für eine Neuanschaffung, daher Eigenreparatur, aber eine Empfehlung ist diese Bindung für Ring of Fire nicht. Viel Geld für wenig Zuverlässigkeit. Überhaupt ist diese Bindung in für wildes, wenig begangenes Terrain fragwürdig. Bestes Beispiel ist Neuschnee. Man zieht eine Spur, und nach wenigen hundert Metern bildet sich ein kompakter Schneeblock unter dem Schuh und drückt gegen das Verschlusssystem hinten. Die Folge: man läuft wie mit einer Steighilfe und bald darauf im Abfahrtsmodus – also Bremsen ausgelöst. Nach ein paar Mal putzen und wieder richtig einstellen lässt man es sein, es hilft nichts. Mühsam!

Am Nachmittag ist Baden angesagt. An einem hübschen, ruhigen See oberhalb des Rogue River springen wir ins kalte Wasser, dann in der Sonne aufwärmen und essen. Für morgen haben wir einen Ruhetag eingeplant – Schlechtwetter und Vorbereitungen auf den Höhepunkt der Woche, in Nord-Kalifornien.