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Waikiki und eine unendlich oft sich wiederholende Geschichte

Die Sonne knallt wie gewohnt mit aller Härte auf den Strand, die Wellen bleiben klein. Das Leben in Honolulu’s Waikiki dümpelt so dahin. Die Luft heiss und trocken, der Verkehr mäßig. Ich sitze mit den Senioren im Palmenschatten, der Rest grillt im weichen Ockergelb. Einzig die Tauben sind hier umtriebig, fliegen von einem vermeintlichen Futterplatz zum nächsten, oder werben um Liebespartner. Unter den Menschen gibt es hier und um diese Zeit kein Werben, und bei den festen Pärchen sind die Rollen klar verteilt. Sie trägt ihr Handtäschchen, er den Rest. Sie spricht, er springt. Er sagt etwas, sie schweigt. Altes Spiel, alte Falle: Besitzansprüche sind auch Ketten. Und in solchen Gefügen herrscht keine Freiheit. Wir schauen dem Treiben etwas zu, und wenden uns schließlich der Literatur zu.

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der Himmel blau, …

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… die Surfboards bereit …

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in den Straßen von Waikiki

Apropos Freiheit: Alaska rückt näher, und damit unser größtmöglicher Bewegungsradius, den wir aufbieten können – unser Lieferwagen. Ken leistet in Anchorage derweil volle Arbeit: Montage neuer Winterreifen, Batterie am Strom, Beschaffung passender Schneeketten. Das sind auf Oahu natürlich ganz entfernte, unbekannte Gedanken. Aber eine Reise wie diese bedeutet in vieler Hinsicht Organisation. Gute zwei Stunden des Tages. Internet-Recherchen, eMails, Telefonate, Treffen. Bald beginnt das Nordamerika-Abenteuer, und der Winter kann nach dieser sommerlich heißen Woche endlich wieder weiter gehen!

Es ist nicht alles cool an der Surf-Front

Kinder buddeln Löcher in den Sand, die Teens reiten die Wellen mit ihren Bodyboards, und die Älteren lesen oder schießen ständig Selfies. Am Strand von Pupukea ist das Leben nicht viel anders als an der italienischen Adria, ausser dass hier keine Massen in Reih und Glied unter Sonnenschirmen ihren Tag verbringen. Das bedingt alleine schon die Landschaft. Die meisten Strände an der North Shore sind klein und buchtenartig, mit wenigen Parklücken und viel Grün rundherum. Das Publikum ist bunt gemischt, hauptsächlich Paare, alt und jung, hetero und homo, alle Ethnien.

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ein Morgen auf Oahu

Ich grüble über so einen Tag. Die Strandgänger kommen mit einer Regelmäßigkeit wie Ebbe und Flut. Mal mehr, mal weniger. Das Smartphone ist auch hier (wie in den Städten Ostasiens) ein digitaler Spiegel, um Makeup und Frisur unauffällig zu prüfen. Das Rettungsschwimmer-Image, dass man vom TV kennt, lässt sich zumindest nicht von Kalifornien hierher verschieben. Denn keiner schaut hier fit aus, von den Badegästen meine ich. Auf dem Bodyboard ist das vielleicht ein Vorteil, das bisschen Extra-Fleisch. Bei vielen ist zudem nicht eindeutig, ob sie tatsächlich ohne Dach über dem Kopf leben müssen oder sich einen derartigen Look verpassen, um cool zu sein. Wochend-Rocker, Facebook-Veganer, und nun Surf-Sandler?

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am North Shore

Tatsächlich ist nicht alles cool an der Surf-Front auf Oahu. Hawaii ist eine beliebte Destination für Hauslose geworden. Kein Geld für ein Ticket zurück auf den Kontinent, keine Perspektiven dort und hier, und auch kein Winter. Alles spricht für ein Anwachsen der im Zelt lebenden Bevölkerung. Eine Spirale nach unten, die leicht gelingt. Die Kriminalität hat ihren festen Platz an den Parkplätzen der Strände. Daneben hält ein Bus voller Taiwaner an und stattet dem Strandabschnitt einen Besuch ab. Man sieht kaum Köpfe, dafür in die Höhe gehaltene Tablets. Die neue Art zu fotografieren. Die Landschaft, aber meist sich selbst. Der Selfie als Beweis, im Paradies gewesen zu sein. Einsteigen, die Fahrt geht weiter.

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Ananas, Ananas, Ananas – so weit das Auge reicht

Auch wir kreuzen entlang und durch die Insel, kehren am Abend nach Honolulu zurück. Die Insel hat ihre Faszination. Würde ich hier leben und im Wasser meinen Tag verbringen, so hätte ich bald einen blonden Bart. Aber ich weiss: ich mag ihn lieber mit Eiszapfen. Die gute Nachricht: der Winter ist nicht vorbei. Für die nächsten dreizehn Monate.

Oahu: die kleinen Freuden

Der Kaffee schmeckt gut. Einfache Dinge, einfache Freuden. Wir fahren hinaus, drehen eine Runde entlang der Westküste von Oahu. Das Wetter ist stürmisch, das Grün der Berge leuchtet in allen Farben und Schattierungen. Es sind satte Farben, und der Wind beugt die Äste und Wipfel in alle Richtungen. Der Kontrast zum türkis-farbenen Wasser könnte nicht größer sein, und so herrlich ergänzt es sich, bis es im Dunkelblau des Horizonts verschwindet. Wäre Oahu keine Insel, so hätte ich jetzt Lust auf einen Roadtrip, einen Roadtrip-Roman?

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unser “Haus-Strand”

Reisen ist wie ein Roman. Ein Anfang, eine Steigerung, ein Klimax, das Ende. Fremde tauchen auf, die Protagonisten verändern sich, die Landschaft und die Leute prägen die Stimmung, schneiden sich in die Gedanken und Phantasien. Ihre Wirkung ist dauerhaft. Am Ende einer Reise kommt ein veränderter Mensch zurück. Er ist in einem anderen Tempo gewachsen, in eine andere Richtung, als seine gewohnte Umgebung, die er zurückgelassen hat. Das liebe ich am Reisen. Man weiss nie, als was man zurückkommt. Offensichtlich kann das ein zwei-Wochen-Badeurlaub nicht in der Weise wie eine monatelange Reise. Und deshalb ist diese Tour um den Pazifik so wertvoll, für mich. Ein Experiment. Ein Abschälen von Einflüssen, die zuhause den eigenen Geist ummanteln, zukleben, dicht machen. Woche für Woche fallen diese Schuppen von mir. Mal mehr, mal weniger. Je länger der Trip andauert, desto mehr beschleunigt sich dieser Prozess. Was wird übrig bleiben?

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grün ist Oahu

Auf der Bühne in der Shopping Mall von Kaneohe stehen zwei Dutzend Volksschulkinder, trällern mit kleinen Gitarren Hawaii-Songs ins Mikro. Alles happy hier, Aloha im Paradies. Die Leute sind entspannt wie man es vielleicht nur in Hawaii sein kann. Wer weiss, welche Sorgen sie haben, aber hier im Publikum vergisst man für Minuten seinen Alltag, schlürft an seiner Soda und bejubelt die kleinen Künstler. Kinder sind hier, wie überall auf der Welt, eine Quelle der Freude. Die Songs gehen weiter, die Leute gehen weiter, die Reise geht weiter. Das Leben ist ein Fluss. Ein Fluss, der beginnt in den Bergen und endet im Ozean. Was für eine hübsche Analogie zu unserem “Ring of Fire“-Projekt!

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der Pazifik als dominierendes Element der Insel-Gruppe

Kailua: Pause für den Winter

Überall T-Shirts und Shorts. Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich mich damit anfreunden kann. Beate schaut zumindest recht bleich in ihrem Kleid aus. Ich sitze am Strand von Kailua auf Oahu. Der Wind ist mäßig, Wolken über uns, gerade angenehm für mich. Die Bäume geben mir noch mehr Schatten. Es sind nicht viele Menschen im Wasser, die rote Flagge ist oben. Die Kids buddeln im Sand, die Eltern sitzen in ihren Klappstühlen unter ihren großen, überdachten Plätzen und grillen oder saugen aus ihren übergroßen Bechern irgendwelche Softdrinks.

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an der Ostküste von Oahu

Gestern aus Seoul & Vladivostok angekommen, war die Luft in Honolulu mal eine neuartige Sensation. Schwüle. Wir treffen Mike, fahren eine Runde durch die Stadt. Dann übernehme ich das Steuer dieses klappernden VW Kombi. Das Wochenende ist unser, wir verabreden uns für Dienstag Abend. Mike hüpft am Campus der Hawaii University aus dem Auto, ich lege den Hebel auf „D“ Richtung Northshore. Überraschend viel Verkehr auf so einer kleinen Insel, denke ich, und nicht überraschend wenig Fettleibigkeit in den Malls. Was für ein Unterschied zu Asien!

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angenehm windig und wolkig am ersten Beach-Tag

Die Nacht im Bowells Field Beach Park ist stürmisch, es regnet etwas, die Luft ist angenehm kühl. Unser Schlafsack-Inlet ist diesmal unsere einzige Hülle, die vollkommen ausreicht. Wir schlafen schnell ein, sind einfach nur müde vom Jetlag, und schlafen lang. Frühstück am Strand. Faulenzen, lesen, Beate wird unruhig. Ab ins Auto, ein Sprung nach Kailua. Hawaii ist ein interessanter Mix. Polynesien, Ost-Asien und Mainland-USA trifft hier aufeinander. Übersetzt heißt das: Tattoos, japanische Autos und übergroße Kühlboxen. Man könnte etwas spöttisch meinen, die amerikanische Tendenz zur körperlichen Übergröße verschmilzt hier fast natürlich und unerkannt mit dem polynesischen Schönheitsideal der Masse. Dem werden wir hier nicht folgen. Aber der Küste, weiter nach Norden, und dann um die Insel, zurück nach Honolulu, und letztlich zurück zum Schnee. Eine Wiederkehr in den polynesischen Raum ist aber wahrscheinlich. Denn unser Ring of Fire kreuzt den Pazifik ein weiteres Mal – im September von Ost nach West.