Posts

Kaufen und verkaufen am Golf von Aden

Riesige Stahlkräne, noch größere Frachträume und gewaltige Container-Lager. Das ist das erste, was wir vom Port de Djibouti sehen. In der Straße von Aden kreuzen und liegen derweil Frachter, Öltanker, Trawler, nebst einer Flotte an kleinen Fischerbooten. Die Küste von Eritrea bis nach Somalia war schon 2.000 Jahre A.D. ein beliebter Anlegeplatz – von Schiffen aus Ägypten, später aus Griechenland, Rom und dem Rest des Mittelmeers. Der Grund: der Handel mit Essenzen wie Weihrauch.

djibouti-hafen

Der moderne Hafen von Djibouti

Die Geschichte dieser Region zeigt, dass gerade der Handel mit dem Norden, aber auch mit Arabien, Indien und China, stets ein großer Impulsgeber für die Entwicklung dieser Region war. Mal mehr, mal weniger. Der Profit drückt sich nicht nur in einem höheren Einkommen einiger weniger aus, sondern läßt sich auch heute noch erahnen. Beispielsweise in der arabischen und europäischen Architektur zahlreicher Handelszentren. Djibouti ist dabei nur ein einzelnes, wenn auch sehr prominentes Beispiel.

Nach gut zwanzig Tagen im äthiopischen Kernland und im immer noch chaotisch wirkenden Somaliland tun uns die Schritte im europäischen Viertel der Cité de Djibouti sichtlich gut. Befestigte Straßen. Arcaden. Verkehrsregeln. Dabei ist das Viertel heruntergekommen, die Fassaden der Häuser sind meist in einem erbärmlichen Zustand, genauso wie die Gehsteige und die vielen Fahrzeuge selbst. Es gibt in Djibouti nicht viel an Besonderheiten zu sehen, aber die Luft dieser Stadt zu atmen ist gewiss ein Kontrastprogramm zu Harar oder Addis Abeba.

hargeisa

Das Kontrastprogramm in Hargeisa: Handel in den Straßen

Zurück zum Hafen. Mit Hilfe von Benoit, einem französischen Lehrer an einem internationalen Gymnasium, versuchen wir ein Fischer-Boot für einen Ausflug zu chartern. Wir scheitern am Preis. Zu teuer für uns. Das heißt es noch öfters hier in dieser Stadt, wo die französische Präsenz die Preise über Jahrzehnte auf ein in Afrika unerhörtes Niveau steigen ließen. Letztlich, so Benoit, produziert Djibouti nichts selbst, sondern importiert alles. Womit dies bezahlt wird? Der Hafen wirft so viel an Profit ab, dass ein Großteil der Importe damit finanziert wird. Zum Groll Äthiopiens, welches nach der Sezession Eritreas über keinen direkten Zugang zum Meer verfügt und daher zur Partnerschaft mit dem kleinen Land am Golf von Aden verdonnert ist. Manche sehen darin bereits das Konfliktpotential der Zukunft – Äthiopien könnte gezwungen sein, sich diesen Zugang militärisch zu sichern. Solange Djibouti allerdings seine Trumpfkarte der strategischen Partnerschaft mit Frankreich und dem Westen auspielen kann, wird es nichts zu befürchten haben. Auch finanziell nicht, denn es läßt sich die Basen auf seinem Territorium teuer bezahlen.

Land ist ein weiteres Stichwort des globalen Handels geworden. China investiert in die Infrastruktur beider Länder, sichert sich aber gleichzeitig mit Landkäufen auch den Zugriff auf Agrarprodukte. Dass Äthiopien fast alles, was an Frischware in Djibouti konsumiert wird, liefert, ist kein Geheimnis. Die äthiopische Hungersnot der 80er Jahre passt überhaupt nicht in dieses Bild. Die Märkte sind voll, Nahrungsmittel, Textilien und Hausrat gibt es in Hülle und Fülle. Nach einem Tag der vergeblichen Suche nach Camping-Gaskartuschen in ca. einem Dutzend Geschäften in Addis Abeba haben wir einen guten Überblick über das Warenangebot der Stadt. Vor allem Konsumgüter werden aus China importiert, zu einem kleineren Teil aus dem Westen.

kleinladen

Kleinstladen in Addis Abeba

Alles das findet sich in Kleinstläden wieder. Meist 2-3 Quadratmeter groß sind diese Mini-Shops, mit denen sich Millionen irgendwie über Wasser halten. Ob in der Großstadt Addis Abeba oder am Land in einer Kleinsiedlung. In diesen Läden besorgen wir uns einen Kamm, ein Vorhängeschloss, Toilettenpapier und Wasser. Sucht man nach etwas ganz Bestimmten, so frägt man einfach den nächsten Ladenbesitzer. Dieser vermittelt dann weiter. Das Selbstbedienungskonzept mit Schaufenster existiert am Horn in Afrika bis auf wenige Ausnahmen nicht.

markttag

Marktfrauen in Harar

In Harar, Jijiga und Hargeisa verhandeln wir mit Bauern, die ihre Waren in den Gassen anbieten. Oft ist gerade mal eine kleine Decke am Boden, die das wenige, was sie haben, beinhaltet – Kartoffeln, Zwiebeln, gar einen Kürbis entdecken wir. Zucker in Säcken, Bohnen in offenen Schalen, und Koreander in Bündeln. Und natürlich Khad, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Die Preise sind niedrig, auch wenn wir den Faranji-Aufschlag bezahlen. Ausländer werden in Äthiopien und Somaliland gerne extra zur Kasse gebeten.