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Halbmarathon Winterthur

Zuerst die sehr gute Botschaft: wir haben es (den Halbmarathon von Winterthur) überstanden und sind endlich wieder aus den Laufschuhen raus. Und nun mein Gedächtnisprotokoll von rund 2 Stunden beißen:

Start – 60 min: wir haben unsere Startnummern ausgefasst, inklusive Fußchip. Ich geh mich umziehen, in einer klassischen schweizer Turnhalle mit angerenzenden Schutzräumen.
Start – 50 min: ich komme zurück zum Auto, Beate macht ein Nickerchen
Start – 30 min: Nummern werden befestigt, im Hintergrund laufen die Marathon-Läufer los. Im Sprint.

Start – 15 min: Beate hat ihren iPod vergessen und muss wieder aufs Klo. Ich hole den iPod vom Parkplatz, muss aber selbst auf’s WC.
Start -5 min: wir tauchen ein ins Starterfeld. Manche haben richtige Sprengstoffgürtel und -vesten an (ich meine die mit den vielen Flaschen). Manche haben sich sogar die Brustwarzen getaped. Hallo? Mein Laufschuhe sind rund 5 Jahre alt, und schauen so aus.
Start: wir gehen, und brauchen ca. 3 min, bis wir über der Startlinie sind.
Start +5 min: wie in einer Massenpanik hirschen auf einmal alle durch die Gassen von Winterthur. Beate läuft mal vor, mal neben mir.
KM 1: so weit, so gut. Wir sind in Zeit!
KM 3: Beate hat einen roten Kopf, und ich fühle mich von den anderen, die uns überholen, magisch angezogen. Beate gibt mir grünes Zeichen, ich kann abzischen (wie eine Rakete – für den, der’s glaubt!)
KM 4: erste Verpflegstation – ich schnapp mir einen Becher Wassser und “trinke” ihn unter’m Laufen. Die Hälfte geht daneben, die Hälfte in die Lunge.
KM 5: der Weg ist recht schön, aber er beginnt mich hier nicht mehr zu interessieren. Stattdessen suche ich schon nach jemand, der mich zieht. Ich entdecke zwei Frauen vor mir, vielleicht ein bißchen älter, die scheinen ambitioniert zu sein. Ich klebe mich an ihre Hintern, oder Fersen.
KM 7: die zwei Frauen werden mich nicht los. Die eine ist komplett in schwarz, die andere hat eine rote Jacke. Der Rest ist mir wurscht, so lange ich dran bleiben kann. Ich versuche eine Konterattacke.
KM 8: ich habe bei dieser Verpflegstation aus den vorigen Fehlern gelernt: ich gehe, während ich trinke: 1x Iso, 1x Wasser. Muss zwar rülpsen, aber sonst geht’s recht gut.
KM 10: die zwei Ladies machen weiterhin Tempo, ich hänge weiterhin dran. Manchmal in Armlänge, machmal 10 m dahinter. Das Feld hat sich merklich ausgedünnt, mit mir nach hinten.
KM 11: ich denke nur mehr von Verpflegstelle zu Verpflegstelle. Die nächste kommt in 1 km. Beate ist noch nicht da, und die zwei Frauen haben sich auch schon ein bißchen abgesetzt.
KM 12: endlich Verpflegstelle: 1xTee, 2xEnergieriegel, 1xWasser. Hoffentlich war das nicht zu viel. Aber ich habe wieder zu meinen Tempomacherinnen aufgeholt.
KM 13: immer wieder kommen von hinten Läufer, die einfach vorbeizischen. Demoralisierend, wenn das grauhaarige Opas und runde Hausfrauen sind. Soll ich das schreiben?
KM 14: was ist jetzt los? Alle beschleunigen auf einmal wie die Blöden. Weil jetzt 2/3 des Rennens vorbei sind, oder was? Ich bin der einzige, der nicht anzieht. Ich verschiebe meine Schlussoffensive auf KM 16.
KM 16: Verpflegung 1xTee, 1xWasser, 2 Flüssiggels stecke ich ein. Man weiß ja nie. Jetzt habe ich die zwei Ladies wieder in Griffweite. Die Töne im Feld werden auch langsam seltsamer – irgendwie animalisch.
KM 17: kleiner Stich von rund 60 Höhenmetern brennt in den Waden. Meine zwei Ladies habe ich abgehängt, und die ersten Läufer beginnen zu gehen.
KM 18: Beate ist aufgeschlossen, es gibt 1 Sekunde Pause: Kuss. Wir laufen gemeinsam ein wenig abschüßiges Gelände, ideal zum Erholen.
KM 19: Beate hat den Turbo gestartet, irgendwo ein Ziel entdeckt, anvisiert und wie ein Torpedo darauf losgeschossen. Von dort an habe ich sie erst wieder im Ziel von vorne gesehen.In der Retrospektive werde ich die Geschichte so darstellen, dass ich sie losgeschickt habe, die zwei Frauen (meine Tempomacherinnen, die sich wieder an mir vorbei geschmuggelt haben, einzuholen, zu überholen und so zu demoralisieren). Meine Beine sind nun schwer, aber es ist nicht mehr weit. Doch bei KM 19 ist jeder Meter weit.
KM 20: letzte Verpflegung, die ich mir nicht nehmen lasse: Tee, Wasser, Riegel, Gel. Geil. Jetzt beschleunigen.
KM 20,8: ich sprinte wie in meinen besten Zeiten, mache Zeit gut, überhole einige noch in der Zielgerade und mache sicher ein richtig angestrengtes Gesicht. Ich habe fertig und bin im Ziel.
KM 21,1: Beate meint, wir haben es unter 2:00 Stunden geschafft. Bin froh, Mission completed, ab in die Dusche. Offiziell heißt es später: Beate 1:56:10, Mark 1:57:21. Da hätte ich also noch länger bei den Verpflegstationen verweilen können!
Dusche: 100 Kerle teilen sich 10 Duschköpfe. Es gibt Lässigeres, definitiv, aber das ist jetzt alles Prio 10.