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Piz Uccello: Steile Rampe über den San Bernardino

Hatten wir gestern am Zapporthorn einen Traumtag mit Sonne, Pulver und keiner Menschenseele um uns herum, so sind wir mehr als gespannt auf das, was uns auf dem Piz Uccello erwartet. Der Wind hat ein wenig abgenommen, aber lange bis in die Nacht an unserem Fenster gepfiffen. Hatte sich die Lawinensituation verändert?

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Farbenspiel am Morgen über San Bernardino

Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir vom Dorfzentrum in San Bernardino (1.608 m) gegen NNO. Wir finden die winzige Brücke über den Bach aus dem Val Vignun, folgen ihm über Buckel und Senken. Im Süden ist der Himmel feuerrot gefärbt, später dunkel, und von Nordwest rauschen dunkelgraue Wolken heran. Unser Gipfel ist stets gut zu sehen, doch das diffuse Licht macht die unmittelbare Orientierung schwierig. Und dennoch: ohne einen groben Schnitzer gelangen wir mühelos zur Cassina de Vignun (2.115 m). Wir blicken zurück ins Tal und auf die gegenüberliegenden Hänge. Auch auf dem Motton herrscht Ruhe.

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der Weg ist recht kurz, den Gipfel hat man stets im Blick

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endlich unterhalb des steilen Gipfelanstiegs

Der Weg wird nun steiler, das Licht aber kaum besser. So gut es geht definieren wir das Gelände mit Hilfe hervorstehender Felsen und gelangen etwas Südlich des Piz Uccello auf eine Hochebene unterhalb des Gipfelanstiegs. Hier bekommen wir den starken Westwind nun zu spüren und lassen uns weiter nach NO treiben, stets Höhenmeter gewinnend. Das Gelände erfordert nun Spitzkehren, und wir prüfen stets die Stabilität der Schneedecke. Oft finden wir Pulver, und darunter eine etwas harte Gleitschicht. Oder bereits etwas Windharsch. Am Gipfel (2.724 m) bläst es uns fast um, wir fahren mit den Fellen etwas tiefer, machen uns für die Abfahrt bereit.

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Piz Uccello (li knapp vor den Wolken) am Vortag, gesehen vom Zapporthorn aus

Auch hier wieder: Pulver, dann aber schon etwas Harsch. Das Schwierige an dieser Abfahrt ist nicht das Gefälle, sondern die diffusen Lichtverhältnisse. Richtig Laufenlassen können wir es heute nicht. Aber schon zum Zwölf-Uhr-Schlag der Kirche in San Bernardino tragen wir unsere Ski durch das Dorf zum Parkplatz. Mit guter Sicht ist das eine Traumtour!

Pulver-Alarm am Guggernüll

Endlich wieder mal eine feine Skitour: Spur anlegen, klare Sichtverhältnisse und Pulverschnee! Wiedermal von Splügen (1.457 m) aus ging es pünktlich um 08.00 los. Zunächst recht bescheiden entlang der Piste hinauf zur Bergstation der Splügen Bahn. Im Tal noch dicht bewölkt, löste sich der Nebel-artige Vorhang kurz unterhalb der Bergstation Tanatzhöhi (2.144 m) auf. Wetterglück, dass dringend notwendig war.

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Spurarbeit

Zunächst fahren wir gute 1o0 Höhenmeter mit den Fellen ab, zum Talgrund des Tambo-Bachs (2.032 m). Hier beginnt auch die Spurarbeit bis zum Gipfel. Wir navigieren uns durch die Landschaft, die Route verläuft eher sanft zwischen Hügeln, stetig hinauf, vermeidet Steilhänge. So können wir auch trotz Lawinenwarnstufe 3 hier hinauf. Wie immer wechseln wir vorne ab, schauen auf der Karte nach dem richtigen Weg, genießen das fantastische Wetter, steigen hoch zum Guggernüll (2.886 m)

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hinter dieser Anhöhe versteckt sich der Gipfel

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Blick nach Osten: das Surettahorn

Das Beste kommt diesmal bei der Abfahrt. Der Pulver liegt so locker auf einer harten Schicht, vielleicht 20 und mehr cm. Ideal bei diesem Gefälle, wir rauschen hinab wie Götter. Für den zweiten Teil der Abfahrt nützen wir die Piste. Das ist auch gut so, denn unten dürfte der Schnee aufgrund der steigenden Temperaturen nicht mehr der Beste sein. Und auch das Licht wird fahl: Wolken ziehen auf. Aber da sind wir schon auf dem Heimweg.

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endlich den Guggernüll im Visier

Klettertage im Val d’Albigna

Wir hatten so etwas wie ein längeres Wochenende. Das schreit förmlich nach einem Ausflug, bei dem Übernachtungen irgendwo weit weg inkludiert sind. Schon lange vorgehabt, und nun aufgrund der sich verschlechternden Wetterlage am Nordrand der Alpen eine interessante Alternative: das Val d’Albigna, ein Seitental im Schweizer Bergell. In dieser Gegend haben wir uns noch nie bewegt, es einmal im Rahmen einer Graubünden-Tour mit dem Mountainbike gestreift (vom Septimerpass kommend über den Malojapass Richtung Pontresina). Auch unsere Skitouren sind stets nördlich des Val Bregaglia geblieben (z.B. Piz Turba, Motta da Set, Roccabella).

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Aufstieg zum Albigna-See

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am Albigna-See, Blick nach Süd-Ost Richtung Cab d’Albigna

Am Freitag geht es sehr früh mit dem Auto über den Julierpass bis nach Pranzaira zum Talstation der Seilbahn unterhalb des Stausees Lägh da L’Albigna. Noch ziemlich verschlafen wuchten wir die großen Rucksäcke auf unsere Rücken, steigen in gut 2,5 Stunden zur Staumauer auf. Prächtiges Wetter, wenig Leute, und schon finden wir ein nettes Plätzchen, um unsere sieben Sachen zu verstauen. Mittagspause, bevor es in die Südwand des Spazzacaldeira einsteigen. Die Wand ist zerfurcht und hat an ihrem Ende zahllose Zähne und Türme. Unsere Route ist sehr plattig, aber gut abgesichert. Wir finden keine Topo dafür, schätze aber dass sie sich im 5. Grad bewegen muss, vielleicht 5+ oder 6-. Die Kletterei ist schön, mit den vielen Flechten aber auch nicht immer rutschfrei.

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Südost-Ansicht des Spazzacaldeira

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We love our Zeltplatz

Am späten Nachmittag, sobald die Sonne hinter der Westkante von Al Gal und Piz Frachiccio verschwindet, bauen wir unterhalb der großen Blöcke, also recht weit von möglichem Steinschlag, unser Nachtlager auf. Wir köcheln Tee, genießen die Ruhe und haben im Zelt wohliges Licht mit unserer kleinen Zelt-Leuchte. Am morgen strahlend blauer Himmel, Rauhreif in der Wiese, und frische Heidelbeeren, am Vorabend gesammelt, in unserem Frühstück von Adventure Food. Schlafsäcke werden ausgelüftet, das Zelt in der Morgensonne getrocknet, bevor wir in unsere heutige Route (NO-Kante) am Spazzacaldeira einsteigen. Das Topo ist schwierig zu interpretieren, irgendwann sind wir, wieder einmal, irgendwo abseits der Route in schwierigerem Gelände, manövrieren uns wieder zurück zur Kante, steigen zum Gipfel auf, seilen zum Abstieg ab, klettern, gehen, abseilen, bis auf die Südseite. Der Tag ist wunderbar warm, wenn man auf der richtigen Seite des Berges klettert.

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Beate in der Nordost-Kante

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Sonntag-Morgen – wild und schön

Auch an diesem Nachmittag wird in der Sonne gedöst, die Gegend ist einfach perfekt dafür. Eine kurze Katzenwäsche im Stausee, dessen Wasser durch unseren Filter zu Trinkwasser wandeln, und dann wieder köcheln. Am späten Abend sieht man Wolken von Norden heranziehen, aber es bleibt schön und ruhig am Albigna-See. Auch Beate gewöhnt sich an die Zeltnächte, trotz mitgebrachten Schnupfen. Wir würden gerne mehr Zeit hier oben verbringen, aber am Sonntag morgen sind alle Gipfel im dichten Nebel, der flechten-bewachsene Fels feucht. Plattenkletterei bei solchen Bedingungen ist nicht das Beste, wir packen zusammen und steigen ins Tal ab. Eine gradiose Gegend für ein großartiges Wochenende.

Valbellahorn: mit Vollgas vom Gipfel

Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an, das letzte Mal im Büssle gesessen zu sein, im Dunkel des Frühmorgens, auf dem Weg zu einem Gipfel. Aber es ist alles wie beim letzten Mal, alles blinkt gleich und die gleiche Straße fährt an einem vorbei. Die Autobahnkilometer, die Baustellen, die Ausfahrten, die Tunnels und die Dörfer und Städte, die wir passieren. Pünktlich vor dem Ziel öffnet Beate ihre Augen, gähnt, murmelt etwas von Müdigkeit, bevor ich zur Seite fahre und wir die Karte studieren. Ein paar hundert Meter weiter, und wir steigen in die Morgenkälte hinaus.

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der Abschluss des Bärentals mit Steilstufe

Der April ist kein guter Bergmonat gewesen. Mit dem Abschluss der Haute Route hat sich auch die Großwetterlage umgestellt. Zwei mal sind wir in der Zwischenzeit in Chamonix gewesen, das Wetter blieb launisch. In Vorarlberg auch. Dann konnte der eine nicht, dann der andere. Im April beißt’s sich, aber so kann keine Saison enden. Wir stehen in Glaris (1.443 m) bei Davos, sehen in das Bärental. Von Schnee keine Spur. Wir packen die Ski auf die Rucksäcke und marschieren los.

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Das Valbellahorn hinten links

Das Bärental zieht sich, im Wald erster Schnee, dann immer wieder längere Trassen, auf denen wir die Ski anlegen können. Wir halten die Ski einige Male in den Händen, bis wir zur Bärentaler Alpe (1.851 m) kommen. Ohne Spur, mehr auf Sicht und Gefühl setzen wir nun den Weg auf Ski fort dem Talschluss entgegen. Ab hier wird es nun steil, wir müssen eine Felswand umgehen, schaffen es in einem großen “S”. Die steilen Querungen gehen gut, wenn auch die letzte Neuschneeschicht gerne auf der alten, harten Schicht abrutscht. Durch Wannen, Rinnen und über Schultern und kleine Anhöhen setzt sich der Weg nach Südwesten fort, vorbei an der Valbellahütte (2.496 m).

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wenig Platz am Gipfel, dafür massig Wind und Schnee

Das Valbellahorn (2.763 m) baut sich nun mächtig vor uns auf, wir sind nicht sicher, ob man da mit den Ski hinauf kommt. Wir nehmen den nördlichen Kamm als Leitlinie, queren immer wieder in die großen Wannen, und sind bald direkt unter dem Gipfel. Es stürmt und bläst hier oben, die Kapuze ist längst über den Helm gezogen. Schnee ist in unseren Gesichtern, als wir die letzten Meter zum Gipfelkreuz nehmen. Platz ist nicht viel da oben, und wir fahren recht flott noch mit den Fellen wieder ein Stückchen hinab, der Wind hier oben ist zu stark.

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heute konnte man es laufen lassen…

Die Abfahrt wird überraschend ein Genuß. Oben Pulver mit feinen, steilen Einlagen, ab dem Talschluss schön firnig für lange, schnelle Bögen. Da stört uns die Abfahrt und das ständige Ausziehen der Ski im Bärental wenig. Wolken kommen auf, wir sitzen am Büssle, trinken, denken. War das der Saisonabschluss?

Prachttag am Gletscher Ducan

Um fünf läutet der Wecker, wir schälen uns aus den Schlafsäcken. Die Innenscheiben sind mit eisigem Rau beschlagen, aber mit einer Portion warmen Porridge wird uns schnell warm. Wir fahren von Davos nur wenige Kilometer nach Monstein, suchen nach einer passenden Parkgelegenheit für unser Büssle, welche wir dann schließlich am Ortseingang identifizieren. Im Morgengrau tragen wir die Ski durch’s Dorf (1.636 m) zum Toureinstieg auf den Gletscher Ducan, einem schönen Aussichtsgipfel im Umland von Bergün.

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die ersten Sonnenstrahlen kurz vor der Fanezfurgga

Der Schnee ist beinhart gefroren, ein Ergebnis des gestrigen heißen Wetters auf dieser Höhe. Etwas unangenehm gestaltet sich also der Aufstieg zunächst zur Oberalp (1.913 m). Der Richtung folgend geht’s über den Fanezmeder zur Fanezfurgga (2.580 m), wo wir nicht nur auf die ersten Sonnenstrahlen treffen. Hier treffen sich die verschiedenen Tourengemeinschaften auf ihren Weg zu den zahlreichen Ski-Zielen.

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Dieser Schneehund hatte Gletscherbrille und Pieps

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Von der Fanezfurgga geht’s rechts entlang zur Ducanfurgga und dann nach links über den schattigen Gipfelhang zum Gletscher Ducan (linke Bildhälfte)

Wir setzen unseren Weg nach Süden fort und queren zur Ducanfurgga (2.667 m). Von hier aus könnte man recht schön auch nach Bergün abfahren. Unter dem Gipfelhang, der noch vollkommen im Schatten liegt, wird’s steiler. Die Spur ist nicht besonders angelegt, sie ist zu steil und wir rutschen. Irgendwann bringen wir die gut zwanzig Spitzkehren hinter uns. Wir sind nicht allein am Skidepot, es ist ein Kommen und Gehen. Nicht in Massen, so dass es sich nicht unangenehm anfühlt. Die letzten Meter zum Gipfel des Gletscher Ducan (3.019 m) geht es zu Fuß. Die Wechten bemerkt man erst beim Abstieg.

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letzten Schritte zum Gipfel – Vorsicht auf Wechten!

Die Fernsicht am Gipfel ist überwältigend. Weit im Norden entdecken wir die eindeutige Silhoutte der Sulzfluh und der drei Türme. Und dann fällt der Blick auf den Piz Kesch, vielleicht die massivste Erscheinung im Süden an diesem Tag, auch wenn der Blick bis zum Ortler reicht. Die Keschhütte bleibt aber hinter den massiven Felswänden verborgen.

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Blick vom Gletscher Ducan zum Piz Kesch

Die Abfahrt bis nach Monstein ist eine Mischung aus “steil, wunderbar und häßlich”. Der oberste Teil des Gipfelhangs ist schon recht zerfahren und leicht windharschig, links außen dann pulvrig und leicht. Wir fahren bis zum Ducanbach (auf ca. 2.500 m) ab, so lässig sind die Verhältnisse. Der Gegenaufstieg von 100 Höhenmetern zur Fanezfurgga ist lästig, aber auch rasch vorüber. Die nächsten Hänge sind im oberen Teil noch gut fahrbar, aber schon oberhalb der Oberalpe entweder noch sehr hart, harschig oder schlicht übel. Der Fahrspaß ist aber ab der Oberalpe gewiss nicht mehr gegeben.

Gute zwei Stunden dösen wir in unseren Stühlen in der Sonne, bauen eine Schneebar auf und haben nicht mehr viel vor außer noch eine Runde auf der Davoser Dorfloipe mit den Lauflangski zu drehen, bevor es wir wieder in die Heimat geht.

Flotte Tour auf das Davoser Büelenhorn

An Tagen wie diesen hat man nicht viel Zeit. Vom Nachtdienst kommend und mit einer 1h 40 min Anfahrt belastet muss man schnell sein, oder eine sehr sichere Route wählen. In Davos hat es gute 15° C als wir mittags unsere Ski aus dem Büssle ziehen.

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die Alpe Ischlag

Von Duchlisagi (1.563 m), direkt an der Dorfloipe, starten wir unsere Tour, mit einer Trage-Einlage ins Dischmatal bis zum Sägewerk. Da legen wir schon beinahe alles ab, was uns bedeckt. Zum ersten Mal in diesem Winter steigen wir ohne Handschuhe auf, ich mit einer Baseballkappe auf dem Kopf. Die ersten Kilometer sind sehr einfach, sie folgen einem breiten Forstweg zur Alpe Ischlag (1.837 m). Wir lassen uns von einer der zahlreichen Spuren leiten, die anschließend im Wald aufzufinden sind, und landen prompt etwas westlich des breiten Rückens unter einem Steilhang. Wir queren also noch im Wald diese Rutsch-gefährdete Stelle, umgehen im weiten Bogen eine steile Lichtung und nähern uns “von hinten” günstig dem Rücken, dem wir dann sehr einfach folgen. Hier ist der Schnee deutlich fester und windverblasener als das Sulz im Wald.

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Steilstufe zum Gipfel des Büelenhorns

Die “Schlüsselstelle” kommt unterhalb des Gipfelaufbaus, als eine kurze Steilstufe zu überwinden ist. Sie macht keine Schwierigkeiten, bietet aber reichlich Felskontakt. Von dort ist es nicht mehr allzu weit zum breiten Gipfel des Davoser Büelenhorn (2.512 m), den ein Steinmann ziert. Die Flasche ist schnell ausgetrunken, ein Pilot winkt uns mit den Tragflächen seines Propellerfliegers. Wir sehen nach Osten zum Flüelapass, und dann nach Südwesten auf die Gipfelkette des nächsten Tages – die Ducans, bevor wir gemächlich über den Rücken abfahren. Irgendwann im Wald ist es wieder etwas umständlich zu fahren, aber letztlich gewinnen wir wieder die Forststraße, auf der wir abwärts fast anschieben müssen.

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Chillen mit einem Mohren-Radler und dem Büelenhorn im Hintergrund

Beim Büssle heißt es die Sonne zu genießen und ein bißchen zu entspannen. Beate schläft auf dem Busboden sofort ein, ich hänge im Faltstuhl und studiere die Route auf den Gletscher-Ducan. Irgendwann später kochen wir Wasser auf, und schon haben wir zwei sättigende Mahlzeiten ohne schmutziges Geschirr. “Cashew Rice” schmeckt uns besonders, und als Nachtisch Schoko-Mousse. Uns gefällt die einfache Zubereitung der Adventure Food Mahlzeiten. Wir freuen uns schon auf das Frühstück. Aber zuerst geht’s noch ins Davoser Hallenbad mit Außenbecken, und später noch auf ein Bier in einer Dorfkneipe.

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ein Abendessen, dass man sich auch in Davos leisten kann – Expeditionsnahrung von Adventure Food

Stelli oder wie gut die Lawinenschaufel dabei zu haben

Perfekt! Sonne, Temperatur und Schnee am Vorabend. Die Lawinenwarnstufe “3” in unseren Breiten ist zur Kenntnis genommen. Und das kostet uns ein paar Schlafminuten, weil wir extra früh raus müssen: nach Langwies (1.377 m, Nähe Arosa), in eine Gegend, die unsere Skispitzen noch nicht kennen und wir sie explorativ in unsere Ski-Landkarte aufnehmen wollen. Und weil es dort einen Hang gibt, der recht sicher ist – am Stelli (2.622 m).

Die frische Morgenluft weckt meine Geister, wir laufen die Forststrasse von Langwies zum Alpengasthof “Heimeli” (1.831 m) hinauf. Eher flach, breit, sogar für Rodler präpariert. Wir schweigen und staunen im “Bergdorf” Sapün. Die Siedlung stammt aus dem 13. Jahrhundert, hatte eine Post, ein Wirtshaus und eine Schule. Um 09.00 liegt immer noch Schatten am Alpengasthof. Noch eine Weile genießen wir die Spur, ab der Inner Haupt Alp (2.047 m) müssen wir sie selbst legen. Es ist heute eine mühsame Arbeit, denn der Schnee ist tief und schwer.

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im schattigen Tal

Wir machen uns also auf den Weg in die Höhe, wo die Sonne die Hänge bestrahlt. Wir navigieren zwischen Kuppeln, Bachbetten, Hangrücken und Mulden. Ich kann nicht sagen, dass dies keinen Spass machen würde, trotz der Schinderei in der prallen Sonne. Wir wechseln uns vorne ab, die Beine werden etwas schwerer. Sie werden noch schwerer, als Beate zwei andere Skitourengänger entdeckt, die teils auf unserer Spur zum Stelli unterwegs sind. Beate legt einen Gang zu.

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Blick vom Gipfel in Richtung Weissfluh

Der Blick vom Gipfel ist grandios – ins Prättigau, aber auch ins Tal nach Davos. Irgendwo im Nordwesten vermuten wir den Glattwang. Schnee ist genug hier oben, lediglich an den Rücken abgeblasen. Keine großen Wechten zu entdecken. Nach drei Minuten sind wir für die Abfahrt fertig. Beate fährt vor, holt sich gleich eine Riesenschramme am Ski. Der Bergrücken ist weiss, aber das täuscht. Sie fährt ab, ich warte bis sie aus dem Hang ist. Ich setze die ersten Schwünge, merke wie wenig Schnee unter den Ski ist. Drehe nach rechts in den steileren Hang, der Ski fängt an zu tragen, doch dann hakt er ein, der Rucksack kommt vom harten Bremsmanöver nach vorne, und der Rest ist wieder mal die Geschichte des Tages.

Der rechte Ski taucht in die Tiefe, die Bindung löst sich, ich mach’ ‘nen Salto, und weiss sofort, der Ski will nun gefunden werden. Ich denke nicht lange nach, schnalle ab und hole meine Lawinenschaufel heraus. Es wird gegraben. Nach guten zwanzig Minuten ist auch Beate wieder oben. Der Ski will nicht gefunden werden. Ich male mir eine “einbeinige” Abfahrt aus. Ohne Ski kommt man da nicht hinunter. Und muss auch nicht, denn nachdem ich einen Schlafplatz ausgegraben habe, bekomme ich die Spitze zu fassen. So wird die Abfahrt trotz etwas schwerem Schnee im oberen Teil freudig, und im schattigen Teilstück bis zum Heimeli sogar noch riesig pulvrig.

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vor dem Heimeli

Wir trinken eine Milchkaffee in der gemütlichen Stube. Unserer Gesichter sind leicht rot von der Sonne, und von der kalten Luft. Wir grinsen, zahlen und fahren ab nach Langwies. Wieder ein Tag in den Bergen.

Steile Runde zum Margrethenberg

Nach dem Schneefall vom Wochenende bis auf 1.700 m legten wir sämtliche Pläne für Alpin-Klettertouren beiseite und dachten wieder einmal daran, das Mountainbike aus dem Radraum zu holen. Es sollte nach Untervaz (Nähe Chur) gehen.

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der längere, steile Anstieg von Haldenstein hinauf

Die Runde, die wir uns im Mountainbike-Erlebnis Graubünden abgeguckt haben, führt über Haldenstein (572 m) vorbei an der Ruine Lichtenstein hinauf auf’s Herrentobel (ca. 1100 m), bevor es nach Untervaz (564 m) ins Tal zurückkehrt. Von hier geht’s wieder gleichmäßig steil und auf Schotter unterhalb des Chimmispitz zum Fürrlichopf (1.391 m). Ab hier führt eine asphaltierte Straße durch das recht nette St. Margrethenberg. Eine lange Abfahrt bringt uns schließlich, etwas verfroren, bis nach Landquart. Dort blieb Beate aufgrund eines Reifendefekts zurück, ich holte sie mit dem Auto von Untervaz wieder ab.

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Abfahrt Richtung Untervaz

Insgesamt eine nicht unanstrengende Runde: die kurzen 45 km und etwas mehr als 1.500 Höhenmeter waren durch längere, steile Rampen beschwerlicher als gedacht.

Flüelapass-Albulapass: ein Graubündner Klassiker

Es kommt hin und wieder vor, da haben wir am Freitag frei. Das wird sofort in diverse Unternehmungen umgemünzt. Am Donnerstag Abend mit dem Büssle zum Klettergarten XX in Liechtenstein, dann am selben Abend weiter nach Davos. Am nächsten Morgen: dunkle Wolken, Wind. Sollten wir auf die 120 km Runde gehen? Mal schauen was kommt, war der richtige Gedanke.

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Schon recht nahe am Flüelapass

Flott ging es von Davos (1.560 m) hinauf auf den Flüelapass (2.383 m), nicht die einzige, aber eine sehr direkte Verbindung ins Engadin. Wie wir sehen konnten, bietet die Gegend feine Skihänge – das müssen wir uns für den nächsten Winter vormerken. Vom Flüelapass geht’s zackig bis nach Susch (1.426 m) ins Engadin hinunter. Es war zwar eine kalte Abfahrt, aber sie blieb trocken.

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schöne Engadiner Dörfer, hier Zuoz

Nun folgten wir dem Inn flussaufwärts auf einer Auf- und Abstrecke über Zernez bis nach La Punt, wo wir steil zum Albulapass abbogen. Zu Beginn reihen sich die Spitzkehren aneinander, aber hat man einmal diese lange Steilstufe überwunden, folgen noch ein paar flachere Rampen gegen den Talschluss. Irgendwann steht man am Albulahospiz am Albulapass (2.312 m). Auch hier, sehr schöne alpine Landschaften.

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Albula, wir sind gleich da!

Die Abfahrt war von leichtem Schauer begleitet, ging aber gut und wir passierten Bergün. Die Abfahrt erfolgte bis nach Alvaneubad (rund 1.000 m Seehöhe). Wir waren recht froh um die folgenden Aufstiegsmeter, unsere Hände waren steifgefroren. Über Schmitten hoch nach Wiesen, und dann weiter bis nach Davos mussten wir. Alles in allem tolle Kilometer, die wir auch mit etwas Wetterglück letztlich trocken überstanden. Ein Picknick am Davoser See war die Belohnung dafür.

Rheinquellhorn: From Dawn ’till Dusk

Diese Tour läßt sich schwer in Worte fassen. Es war alles dabei. Sonne, Schweiß, Eislawinen, Blasen an den Füßen, Harscheisen, Spuren, Dunkelheit, Tiefschnee, Gletscher, Ausblicke, und endloses Marschieren. Wir starteten um 08.00 vom Tunnelportal-Parkplatz San Bernardino-Hinterrhein und kehrten um 18.30 in Dunkelheit zurück. Wir waren müde, hatten wechselweise bei der Spurarbeit pausiert und meinten, es sei nun genug. Wir waren glücklich über so einen Tag, ganz alleine und verlassen in den Bergen an der Quelle des Rhein.

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Das Tal verengt sich in Sichtweite – der gemütliche Teil ist nun vorbei

Unsere Route vom nördlichen Tunnelportal (ca. 1.600 m Seehöhe) zum Rheinquellhorn (3.200 m) wird üblicherweise in zwei Tagen begangen. Der erste Teil überwindet das lange erste Stück entlang des Hinterrhein und dem Schießplatz der schweizer Armee. Es ist technisch unschwierig, beinhaltet aber hin und wieder Ski-Tragepassagen, je nach Zustand des Schnees. Nach ca. 6 Kilometer dringt man langsam in die enger werdende Rheinschlucht, aus der es ski-technisch keinen Ausweg nach Norden oder Süden gibt. Immer größere Felsbrocken, Lawinenkegel, Schneebrücken müssen überwunden werden. Der Sommerweg ist völlig ungeeignet und absolut gefährlich. Wir haben mehrere Schneerutsche aber auch kleinere Lawinen vom Südhang in dieses Tobel beobachtet (ab Mittag). Man muss sich eher südlich des Rheins halten, was aber auch ski-technisch einiges verlangt. Rund drei Kilometer sind durch dieses Gelände zu gehen, was Kraft und Zeit kostet. Den Schwenk hinaus aus dem Tobel auf Höhe des Punkts 2.079 ist nicht leicht zu finden, und wir haben mehrere Anläufe und Sondierungswege gemacht, um einen sicheren Ausstieg zu gewinnen.

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Im engen Klamm einen Weg zu finden ist nicht leicht

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Steile Auswege aus dem Klamm des jungen Hinterrhein

Einmal im “Paradies”, erblickten wir auf der gegenüberliegenden Höhe die Zapporthütte (im Winter nicht bewirtet, aber mit Winterraum). Der Aufstieg zu dieser Hütte blieb uns aber unklar, zumindest hätte man wieder ins Tobel absteigen müssen. Stattdessen zogen wir unsere Spur gegen den Zapportgletscher hoch. Das Spuren selbst war wegen des Neuschnees der letzten Tage mühsam, und auch bei der Orientierung waren wir völlig auf uns alleine gestellt. Das Rheinquellhorn bleibt aber recht gut in Sicht, so dass man sich nicht völlig verlaufen kann. Eine gute Spurenanlage ist aber allemal eine feine Sache, denn das Gelände kann auch in diesem Abschnitt etwas steiler werden.

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Im Paradies

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Der Ostgrat (rechts im Sonnenschein) zeichnet sich ab

Im Neuschnee kamen wir recht langsam voran, erst knapp vor 16.00 kamen wir beim Ostgrat (ca. 3.100 m) zum Rheinquellhorn an. Wir entschieden uns für die Abfahrt und ließen die letzten Meter zum Gipfel aus – die Sonne senkte sich und tauchte alles in ein fahles Licht, die Abfahrt auf diesem Nordhang wurde zu einem Beinahe-Blindflug. Will man über den Ostgrat zum Gipfel, muss man kurz die erste Stufe ohne Ski überwinden, und dann flach zum Gipfelhügel aufsteigen. Die Aussicht in den Süden war dennoch sehr schön.

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Am Rheinquellhorn-Ostgrat

Die Abfahrt im Gletscher war ein Genuss, die Durchquerung des gefährlichen Tobels weniger. Oft mussten wir ohne Ski große Schneehaufen überwinden, später gar eine frische Eislawine vom Nordhang queren. Wie gigantische Rohdiamanten leuchteten die Kubik-meter großen Eisbrocken aus dem Lawinenkegel. Noch in der Schlucht legten wir unsere Felle wieder an, und liefen die ewigen Kilometer zurück. Am Südhang sahen wir auch einen ordentlichen Felssturz, den wohl die wechselnden Temperaturen auslösten. Ein Donnern, Erde, Felsen kamen herunter. Dieser Hang ist gewiss in Bewegung. Das letzte Licht verschwand, wir trugen mittlerweile die Ski, als wir wieder am Parkplatz ankamen. Es wurde definitiv Zeit, nach Nufenen ins Bett zu kommen.

Surettahorn: der westlichste 3.000er der Ostalpen

Der erste Tag in Splügen war schon schön genug gewesen, mit der Tour auf das Mittaghorn. Der nächste Tag begrüßte uns mit einem Frühstücksbuffet, und kurz vor 08.00 mit den ersten Sonnenstrahlen auf umliegende Berggipfel. Das gute Wetter brauchten wir, denn heute wollten wir eine etwas längere Tour gehen, auf das Surettahorn: der westlichste 3.000er Gipfel der Ostalpen.

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Piz Tambo (links) und Guggernühl (rechts) bieten sich für weitere Touren an

Der Anstieg auf eine erste Höhe von ca. 1.850 m verlief wie am Tag zuvor. Im Unterschied ging es aber heute beständig gegen Süden weiter, in Hanglage über windgepresste Schneefelder, und bereits in der Wärme der Morgensonne.

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Aufstieg auf windgepresstem Schnee

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Das Surettahorn (ganz rechts) in Sichtweite, dazwischen die Schwarzhörner

Nun waren mehrere kurze Steigungen waren zu überwinden, aber technisch nichts Schwieriges. Es ging an den Schwarzhörnern vorbei zum Schwarzhorngletscher (beginnt bei ca. 2.600 m Seehöhe) und dann nicht mehr weit über einen Bogen zum Surettajoch (2.850 m), gleichzeitig unser Skidepot. Von hier ging es zu Fuß weiter. Wir mussten über den Ostgrat (zu beginn etwas südlich davon, später direkt darüber) zum Gipfel aufsteigen. Manche Schneehänge hatten rund 40° Hangneigung, da waren wir auch wegen der Schneeverhältnisse (hin und wieder sehr hart und eisig, dann wieder sehr weich und nachgebend) um Pickel und Steigeisen froh.

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Der Ostgrat des Surettahorns

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Im steilen Hang hinauf

Der Gipfel (3.027 m) bot einen traumhaften Rundumblick über die Landesgrenze nach Italien. Windstille, Sonnenschein, feine Temperaturen. Was will man mehr? Beate wollte doch eher schnell wieder runter, also bewegten wir uns vorsichtig hinab wieder zum Skidepot.

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Blick vom Gipfel gegen die Ostalpen

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Blick nach Süden, der Lago di Monte Spluga in der Bildmitte deutlich zu erkennen

Die Abfahrt war besonders im oberen Teil sehr angenehm und pulvrig, im unteren Teil harschig und mühsam. In allem ein sehr schöner Tagesausflug mit ca. 1.600 Höhenmeter Anstieg. Insgesamt sollte man mit Gratbegehung und Abfahrt gute 6 Stunden einplanen.

Nachmittagstour aufs Mittaghorn

Das verkürzte Wochenende mit einer Tour auf den Alvier musste dringend nachgeholt werden. Beate hatte zwar 28 Stunden Dienst, aber drei Stunden Schlaf + 1 Stunde im Auto mussten für sie reichen. Ihre Laune wurde bestens, als sie in Splügen aufwachte: Sonnenschein mit Wolken im Wechselspiel.

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Das Schollenhorn (Bildmitte) auf der anderen Talseite und oberhalb von Splügen

Von der Talstation der Splügen-Piz Tomba Lifte (ca. 1.450 m) stiegen wir zunächst östlich der Splügen-Pass-Straße durch einen Wald in Serpentinen mäßig steil hindurch. Nun drehte die Route gegen Osten und zur Oberen Razünscherhütte (2.062 m). Von hier geht es ein wenig unübersichtlich zwischen kleinen Anhöhen und Mini-Steilstufen zum Oberen Surettasee (2.193 m). Jetzt noch ein paar leichte Querungen bei recht eisigen Schneeverhältnissen, und schon sieht man den recht unspektakulären Gipfel. Nach insgesamt drei Stunden ist man ohne große Schwierigkeiten am Mittaghorn (2.506 m).

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Der eingeschneite Surettasee mit Häuschen (rechts)

Die Abfahrt war im oberen Teil bis zu den Surettaseen recht anständig. Von dort querten wir allerdings gegen Südwesten, um über freie, aber harschige Hänge die eisige schmale Piste durch den Wald zu vermeiden. Dieses Teilstück war sicherlich der anstrengendste Teil der Tour. In der Talsohle trifft man auf die Splügen-Passstraße und gelangt auf dieser bis zur Talstation der Splügenbahn zurück.

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Am Gipfel des Mittaghorn

Nun gab es nur noch eins: wir quartierten uns in den günstigen Zimmern der Dependence des doch eher luxuriösen Hotel Bodenhaus, hatten Frühstücksbuffet, zuvorkommende Bedienung, Hallenbad, Sauna und Kaminzimmer aber inkludiert! Noch ein Käsefondue zum Abend, und schon war der Tag perfekt. Und die Vorbereitung auf den zweiten Tag in Splügen lief: die Tourplanung für das Surettahorn.