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Col del Carro: Klettersteig, MTB inklusive

Nach dem frustrierenden Vortag im Valsavarenche machten wir uns wieder sehr früh auf diese Schlüsselstrecke der gesamten Radtour. Der erste Abschnitt war eine Schiebepassage von ca. 90 Minuten von Pont (1.960 m) über den Wanderweg 3d auf das Hochtal von Nivolé. Leider führte uns auch hier die Karte in die Irre, wir bogen zu früh ins Tal ab, mussten weitere 30 Minuten schieben, um auf den eigentlich anvisierten Karrenweg zu kommen.

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Das Motto des Tages: Tragen und Schieben

Trotz allem, wir mußten zufrieden sein: die Sonne schien, nur wenige Wolken zeigten sich über dem Nationpark Gran Paradiso. Ein paar kurven auf einer Asphaltstraße hoch und wir standen gegen 09.00 am Col del Nivolé (2.612 m). Der Wind blies stark, Pause wollten wir kaum eine machen, so fror es uns.

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Das Hochtal von Nivolé

Durch die Abfahrt vom Col zum Lago Serrù und weiter hinab zum Fuß der Staumauer (ca. 2.100 m) waren unsere Finger so klamm und unsere Körper so durchgefroren, dass wir für Minuten in einer öffentlichen Toilette Schutz suchten. Alles wurde angezogen, was wir in unseren Rucksäcken hatten. Beate hatte kurz Zweifel, ob dies überhaupt zu schaffen ist. Immerhin hatten wir ja noch 1.000 Höhenmeter zu bewältigen, und damit stärkeren Wind und kältere Temperaturen zu erwarten. Aber wir hatten keine Option. Es musste da hinauf gehen, wir mussten an diesem Tag nach Frankreich.

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Vom Col de Nivelé flott zum Lago Agnel (Vordergrund) und Lago Serrù (Hintergrund)

Das Wetter hielt, der Wind blies, aber zu unserem Erstaunen war der Weg zum Col del Carro gut markiert (weiß-rot). Die Angaben in unserem Guide waren für die Katz’. An irgendwelchen Alpen sich zu orientieren war sinnlos, weil a) keine Alpen hier beschriftet sind, und b) keine Alpen am gesamten Weg zu entdecken waren. Auch das italienische Kartenmaterial konnte ruhig im Rucksack bleiben. Der Weg, der bei der Staumauer mit 4 Stunden Länge angegeben wird, führt zu Beginn über Blockgestein, das mühsam zu überwinden ist. Später kann man das Bike zumindest schieben. Es geht links am Grat entlang stets die Höhe hoch. Es sind immer wieder Steilstufen, die viel Kraft kosten, zu überwinden. Blaue Flecken, Kratzspuren an den Waden werden uns noch Tage nach dieser Tour an diese Passage erinnern.

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Lockeres Gestein, Schneefelder, kalter Wind, steile Wände: der Aufstieg zum Col del Carro

Es liegt nicht allzu viel Schnee auf dem Weg, aber hin und wieder sind lästige Schneehänge zu queren. Und dann wird es steil und steiler, wir müssen den Normalweg gar zwei mal verlassen, weil es mit den Rädern zu gefährlich oder umständlich erscheint. Irgendwann müssen wir die Bikes nun zuzweit hochhieven, über meterhohe Felsen stemmen. Für Wanderer mit Ausdauer ist das sicherlich ein wunderschöner alpiner Steig, für Mountainbiker eine Tortur. Beate wird es langsam zu bunt, überlegt sich, wieder abzusteigen, denn der Sattel kommt nicht näher, und es ist auch keine Lücke zu entdecken, die mit einem Bike am Rücken zu machen wäre. Da erblicken wir den kurzen Klettersteig, der bis zum Col de Carro (3.109 m) führen soll. Ein letztes Aufbäumen, im Team schaffen wir die Bikes die schmalen Tritte und steilen Felsen hoch. Später würden wir diese Passage am ehesten mit einem Aufstieg auf den Zitterklapfen vergleichen. Wer da mal hinauf ist, kann sich vorstellen, wie das mit einem Mountainbike zu schaffen ist.

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Endlich! Auf dem Col de Carro, den Klettersteig überwunden…

In diesen Passagen wünschte ich mir ein leichteres Bike. Eine Hand am im Fels fixierten Kabel, eine Hand am geschulterten Bike. Irgendwie ging das schon. Aber bei Schneefall, bei Starkregen oder Nebel? Nicht auszudenken. Ich war froh, den Biwaksack mitgenommen zu haben. Aber wir brauchten ihn nicht, kamen nach knapp fünf Stunden auf dem Col an, froh und glücklich, und überrascht, über die Dutzenden Steinmänner. Viel Zeit wollten wir hier nicht verschwenden, klatschten uns einmal ab, und schoben das Rad (schon wieder!) rund 30 Minuten durch wegloses, steiles, teils rutschiges Gelände hinab zur Refuge du Carro (2.760 m) auf der französischen Seite.

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Ein Feld von Steinmännern auf dem Col de Carro

Der Tag war aber noch lange nicht vorbei. Auf dem Refuge gab es von der netten Wirtin zwei große Tassen Milchkaffee und ein Stück Zitronenkuchen (sehr lecker), einen Hinweis zur weiteren Streckenführung und den Rat, auf hier lebende Wölfe aufzupassen. Naja, an unseren durchgefrorenen Gestalten konnte niemand Interesse haben, wir schoben und fuhren am Sentier Balcon gute zwei Stunden auf und ab. Die Strecke zog sich, Lämmer gafften uns an, aber die Landschaft im Nationalpark Vanoise ist gewaltig schön.

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Die Sonne sinkt, und wir sind immer noch am Sentier Balcon unterwegs

Erst mit dem Erreichen der Straße (D902) hatten wir wieder etwas Zivilisation unter den Rädern. Vier Kilometer und 300 Höhenmeter später standen wir am Col de l’Iseran (2.764 m). Schon recht müde, zogen wir nochmals alles Winddichte über uns, schossen fast 1.000 Höhenmeter und 15 Kilometer hinunter nach Val d’Isère (1.844 m). Wir sahen auf die Uhr: 19.45. Wir waren knappe 13 Stunden netto Fahrzeit unterwegs gewesen. Es war genug. Wir blieben, kauften ein, suchten uns eine günstige Unterkunft, waren unter der heißen Dusche noch nicht ganz klar, was wir da hinter uns gebracht hatten. Es konnte uns nichts mehr erschüttern, das stand fest. Es sollte anders kommen, denkste.