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Trailrun auf die Wangspitze

Der Samstag war überaus verregnet, und Beate im 24-Stunden-Dienst. Das Blatt wendet sich in der Nacht. Es bleibt dicht bewölkt und kühl, aber trocken, und Beate hat einen ruhigen Dienst. Für eine alpine Klettertour wie am Donnerstag doch zu unsicher, ziehen wir die Laufschuhe an. Von Buchboden (890 m) geht es im Laufschritt nach Bad Rothenbrunnen und dann weiter hoch zur Gadenalpe (1.317 m).

Wangspitze

Die Wangspitze

Wir fühlen uns sehr locker und laufen weiter. Wanderer springen bestürzt zur Seite. Bald ist die Matona-Alpe (1.673 m) erreicht, die wir im Winter bei Skitouren wie auf den Misthaufen links liegen lassen. Hier ist der Weg gewöhnlich etwas feuchter, und die Kühe sind neugierig. Laufstöcke sind da immer gut. Am Wangsattel oben ist das Panorama schon sehr lässig, und ein paar Minuten später auf der Wangspitze (1.877 m) noch schöner. Wir sehen die Südwestkante des Schönegg vom Donnerstag-Trip. Das Mutterwang-Joch vom letzten Jahr. Das Zafernhorn unmittelbar gegenüber von uns. Die Klesanza-Alpe im nächsten Paralleltal, dahinter die Kellaspitze, die Gamsfreiheit allerdings nur in dichten Wolken.

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die letzten Meter zum Gipfel

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und schon am Trail abwärts – dahinter der westliche Gadener Bogen

Herunter dauert die Strecke nur die Hälfte, auch wenn wir im oberen Teil vorsichtig zu Werke gehen. Die Temperatur ist ideal für’s Laufen, wir hüpfen wie Gazellen. Sehr, sehr lässig, das Berglaufen im Gadental!

Bettler Spitze: aus den Augen verloren

Die Ski lassen einen nicht los. Schneeschauer, tiefe Wolken, feuchte Luft. Nach drei Wochen im Hochalpin-Lehrgang schien mir das keinen Gedanken wert zu sein. Wir fahren nach Buchboden (884 m), warten vor einer kleinen Brücke, bis ein altes Männlein diese im Schneckentempo passiert. Dann sind wir schon auf den Ski und bald in Bad Rotenbrunnen (1.010 m), wieder einmal.

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der eigentliche Start im Bad Rotenbrunnen

Das Gelände ist einfach, wenn auch ein halbes Dutzend Lawinenkegel den Weg zur Gadenalpe (1.317 m) bedecken. Alles Gleitschneelawinen. Es ist immer noch zu warm, zu feucht. Der frische Schnee fällt flockig, aber bei der Retourfahrt wird er schon pappig sein. Unter der Alpe nochmals ein mächtiger Lawinenkegel vom Osthang. Wir entschließen uns, nicht zum Mutterwangjoch hoch zu steigen, sondern auf der sichereren Seite in Richtung Matonaalpe zu gehen. Der Bergnebel hüllt uns nun ein, als wir aus dem Wald auf die freie Fläche treffen.

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eine kurze Aufhellung als meteorologischer Höhepunkt

Das Orientieren wird nun schwierig. Wir halten grob die Richtung, aber eine Spur im Nichts anzulegen ist schwierig, wenn das sichtbare Gelände einen Radius von fünf Metern hat. Kurz haben wir Glück – es reißt auf, wir können uns für einen Weg entscheiden und machen einen guten Sprung vorwärts über einen steilen Hang hinauf auf das Plateau des Gadentals. Wir wollen zu den Spitzen am westlichen Rand des Gadental-Kamms. Es wird wieder neblig, wir gehen fast blind. Dann entscheiden wir uns aus Gefühl für einen scheinbar etwas breiteren Hang. Später stellt sich heraus, es ist der Aufstieg zum Grat südlich der Bettlerspitze (2.272 m). Den Grat erreichen wir um 50 Höhenmeter nicht. Wir sind im völligen White-Out, ich muss mich bei der Spuranlage auf meine Skispitzen konzentrieren, ob sie noch im Schnee stecken oder schon irgendwo über einen Abhang schauen. Wir packen zusammen, und suchen mühsam unseren Weg zurück, entlang der Aufstiegsspur. Der Schnee wäre so prächtig gewesen.

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Bereitmachen für die Abfahrt

Weiter unten ist die Sicht deutlich besser. Die Abfahrt ist nun ein freies Vergnügen. Am Schluss heißt es aber oft anschieben, der Weg nach Rotenbrunnen ist sehr flach. Wir wissen, es war ein Arbeitstag. Spuren und suchen.

Bike & Hike zum Mutterwangjoch

Diese leider vom Arbeiten so zerbeulte Woche konnten wir doch noch zu einem schönen Abschluss bringen: von Buchboden (910 m) aus ging es über den Metzgertobel zum Mutterwangjoch.

Schöner Wasserfall an der Straße zur Metzgertobelalpe

Start war also in Buchboden, beim Parkplatz zum Bad Roterbrunnen. Mit dem Rad folgten wir dem Alpweg und dem Lutzbach bis zur Metzgertobelalpe (1.205 m), mit Sicht auf den Zitterklapfen. Noch ein Stückchen weiter führte uns der Weg fast bis zur Unteren Alpschellaalpe (1.440 m). Dort blieb das Rad zurück und es folgte ein Querfeldeinlauf durch Kuhherden bis zum Wanderweg in Richtung Gadental. Schon von unten hatten wir schöne Blicke auf die Braunarlspitze und die Hochkünzelspitze. Die Biberacherhütte kam erst später von weiter oben ins Blickfeld.

Schon sind wir im Anstieg zur Unteren Alpenschellaalpe, im Hintergrund die Braunarlspitze

Blick zurück vom Aufstieg – die Braunarlspitze hinten

Der Weg war auch hier nicht lang und nicht steil, und bald kamen wir am Mutterwangjoch (2.025 m) an. Von hier boten sich herrliche Blicke auf die Spitzen, die das Gadental eingrenzten, u.a. der mittige Misthaufen, den wir schon im Winter mit den Skiern erreicht haben.

Der Aufstieg zum Mutterwangjoch, rechts der Feuerstein (2.271 m)

Blick über das Gadental – unten die Gadenalpe, oben die Gadner Köpfe, die Klesenzahnhörner und die Bettlerspitze

Der Bratschenkopf vom Nordosten aus gesehen, dahinter geht es zur Bratschenwand und den Johannesköpfen

Nach einer kurzen Pause ging es in Trailrunning-Manier hinunter zu den Rädern und in einer flotten Abfahrt zurück zum Ausgangspunkt.

Schöne Abfahrt vorbei an der Metzgertobelaple

Nun hatten wir die 100.000 Höhenmetermarke für das Jahr 2009 überschritten und werden hoffentlich noch einige hinzufügen können!

Unser erster Trip ins Gadental

Das Gadental ist eines des unberührtesten Teile Vorarlbergs. Nicht nur, weil es so abgelegen ist und im Winter stark von Lawinen bedroht ist, sondern und vor allem weil es die Kernzone des Biosphärenparks Großwalsertal bildet. Und das wollten wir mal sehen.

Da die Lawinensituation äußert vorteilhaft schien, ging es in der Früh nach einem reichlichen Frühstück im Johannishof in St. Gerold (wir waren am Vortag nach der Glatthorn-Tour im Walsertal geblieben) nach Buchboden (910m) und ein bißchen weiter zum Ende der Straße mit Parkplatz. Kurz davor gab’s die Abzweigung ins Klesenzatal, später teilte sich die Straße – einer verläuft entlang des Lutzbachs und geht irgendwann in den Wanderweg Richtung Biberacherhütte über, und der andere biegt nach Süden ins Gadental ab.

Das erste Objekt auf dem Weg zu unserem Tagesziel, der Misthaufen (2.436m), war Bad Rotenbrunnen, ein netter Ort mit einigen Gebäuden und Becken zum plantschen. Heute war uns nicht danach – und es ging in einem Waldweg, machmal in Serpentinen, machmal über Lawinenkegel, und manchmal auch bergabwärts immer tiefer in den Tobel des Matonabachs. Am Ende galt es die erste Steilstufe zu überwinden – dank breiter Wegführung und zahlreicher Serpentinen aber kein Problem.

Beate inmitten der ersten Steilstufe zur Gadenalpe

Die Gadenalpe (1.317m) liegt wunderschön auf einer Stufe über dem Matonabach, und dahinter das gewaltige Felsschauspiel des Gadentals. Wir mußten diese Felswand von mehreren hundert Metern westseitig ausweichen, teilweise einem Weg zur Matonaalpe folgend. Hier gab’s auch vierbeinige Begleitung: ein schwarzer Labrador zeigte uns den Weg und wollte Stöcke tauschen. Schließlich behielt ich meine (metall), er seine (hölzern), und alle waren glücklich. An der Baumgrenze hieß es dann Abschied nehmen – der Labrador (und seine drei Begleiter auf Ski) liefen uns davon, und der Weg zur Matonaalpe war auch nicht mehr unser. Es ging über eine zweite Steilstufe zum freien Feld unter dem Matonakopf. Dieser Anstieg hatte es in sich, die Felle rutschten wie blöd, die Skistöcke sanken ein, ich hatte wieder den Affengang: auf allen vieren.

Der Matonakopf vom Süden aus gesehen

Nun, irgendwann ist das auch geschafft, die unendlichen Spitzkehren vorbei, und der lange Querhang vom Matonakopf bis zum Misthaufen war ein teils gemächliches, teils rutschiges Unterfangen. Westlich von uns taten sich einige interessante Steilhänge auf, doch wir wollten zum Misthaufen, den wir auch um 11.30 erreichten. Zumidest den Schlußanstieg (auf rund 2.250m) kurz unterhalb des Felsgipfels, denn da wollten die Felle nicht mehr und gingen vom Ski ab. Wir entschieden uns für die Abfahrt, die eine andere Herausfoderung war – teils Pulver, teils versteckte Felsspitzen, Latschengeäst, Eisfelder und immer wieder tiefe Löcher, die den einen oder anderen Purzelbaum sahen.

Der letzte Hang (rechts hinauf) vor dem Gipfel des Misthaufen

Insgesamt war es eher eine enttäuschende Abfahrt, mit einem anstrengenden Anstieg und einem fantastischen Naturerlebnis.

Lange Tour zum Lusgrind

Dank niedriger Lawinenwarnstufe, halbwegs ordentlichem Wetter und einen Tag frei konnten wir heute eine schöne, wenn auch nicht oft befahrbare Tour angehen: zum Lusgrind (2.286m). Dass man den Gipfel nicht kennt, ist keine Schande. Ich hatte auch keine Ahnung, dass es den bei uns gibt. Nun, am einfachsten ist, sich die Gebirgskette oberhalb von Bludenz beginnend mit dem Muttersberg und dem Hohen Fraßen vorzustellen und dann entlang des Klostertales bis hin nach Zürs und Lech zu denken. Auf dieser Linie kommen dann noch die Gamsfreiheit, der Schafberg, die Rote Wand, Johanneskopf bis hinüber zur Braunarlspitze. Gegenüber des Schafbergs in nördlicher Richtung ist der Lusgrind ein Eckpfeiler des Naturschutzgebietes Faludriga-Nova.

Eine Topographie der Tour: Marul (rechts unten) bis Lusgrind (links oben)

Start war heute von Marul (976m) aus, einem kleinen Dörfchen bei Raggal im Großen Walsertal. Die gesperrte Straße zog sich für Kilometer fast eben bis zum Eingang des Faludrigatals. Hier beginnt auch das Naturschutzgebiet, und auch die Lawinen-gefährdeten Stellen. Da bereits alle Grundlawinen abgegangen waren, hatten wir freien Weg (außer dass die Lawinenkegel mühsam zu überqueren sind). Dem engen Tal folgend geht es zunächst mäßig, dann in der zweiten Hälfte eher steil und in Serpentinen hinauf zur Faludrigaalpe auf 1.715m. Diese ist im Winter natürlich geschlossen, trotzdem ein wichtiger Punkt in dem nun weit offenen Tal. Von hier aus führen Touren auch zur Gamsfreiheit hinauf. Wir folgten dem Taleinschnitt aber nach Osten, wiederum zunächst sanft über Hügel, später eher steiler zur Schwarzen Furka, einem Sattel, der den Weg zur Oberen Laguz Alpe ermöglicht.

Blick zum Hanflender, der östliche Nachbar des Schafbergs

Von diesem Sattel geht es über den Südgrat des Lusgrind sehr steil hinauf, in vielen Spitzkehren und glatten, verblasenen Stellen. Dafür war der Ausblick trotz Bewölkung phänomenal. Die Abfahrt vom Gipfel folgte dem sehr steilen Hang bis zur Schwarzen Furka, dann über die pulvrigen Wellen bis zur Faludrigaalpe. Ab dort, speziell nach dem steilen Abstieg, wurde es mühsam: man folgte dem engen Tal nach unten, auch eine Abfahrt in Pflugstil war sehr anstregend. Die Straße zurück nach Marul war zum Abschluss schon ein wenig lästig, da sie kaum Neigung hatte und wir ständig schieben mussten, mehrere Kilometer weit.

Am Gipfel des Lusgrind, im Hintergrund Nebel im Walgau bis zu den Schweizer Bergen

Diese Tour ist sicherlich etwas für Fortgeschrittene, schon allein wegen ihrer Dauer (wir brauchten für Auf- und Abstieg insgesamt rund 5 Stunden) und der Höhenmeter (1.300m).