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Impressionen aus Denver

Es stürmt, den ganzen Tag. Schnee fällt, als ich mich aus dem Schlafsack am Trailhead zum French Gulch zwänge. Der Himmel ist dunkel, und wir steigen dennoch durch das lange Tal zum Fuß des Bald Mountain. Zu mehr genügt die Vormittagstour nicht. Optimal für Schneeschuhwanderer, drehen wir angesichts des abgeblasenen Rückens und des Nordhangs wieder zum Büssle zurück. Im Schneegestöber geht es zurück nach Breckenridge, wo wir in der Gym zwei Stunden lang unsere Körper auf Vordermann bringen. Erwartungsvoll fahren wir auf die I-70 nach Denver, aber der Schneesturm lässt nicht nach und der Verkehr ist qualvoll.

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die Luft ist feucht-kalt, wie in diesem Buch-Laden

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Park in Denver

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Haschisch für jeden, in Colorado

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es stürmt und schneit in Denver

In Denver angekommen, schneit und bläst es aus allen Richtungen. Recht ungemütlich für eine Stadtbesichtigung, die deswegen recht kurz gerät. Letztlich umso besser, denn die Fahrt aus der Stadt in der Rushhour entpuppt sich als Tortur. Die Straßenverhältnisse (Schneematsch und tonnenweise Löcher) sind anmaßend, der Verkehr (Schritttempo) noch ärger. Wir brauchen über eine Stunde, um halbwegs aus der Stadt zu kommen. Die I-70 nach Osten ist eine Herausforderung, zumindest an diesem Frühabend: Böen, Schneeeverwehungen, Eis- und Schneefahrbahn. Wir sehen viele Fahrzeuge im Graben, manchmal einfach hinausgerutscht, manchmal richtig komplett zerstört. Es wird ein langer, dunkler Abend, und letztlich schaffen wir es nach Colby, Kansas, für das Nachtlager. Das Fahren bei solchen Verhältnissen ist anstregender als eine Tour im French Gulch und zwei Stunden im Fitness Center. Nächstes Ziel auf unserem Roadtrip zur Ostküste: Kansas City & St. Louis am Mississippi.

Quandary Peak: Aprés-Sturm Pulverschnee

Zwei Tage sind wir in Breckenridge „festgesessen“ – der Wintersturm, der uns schon am Mt. Elbert begrüßt, bringt viel Schnee und damit eine hohe Lawinengefahr und wenig Sicht. Über den instabilen Schnee in Colorado haben wir schon viel gehört und zeigen Respekt: wir verbringen die Zeit in Breckenridge trotz allem recht produktiv, auch wenn Beate hin und wieder jammert. Das lokale Freizeit-Zentrum bietet ein Fitnesscenter, eine Boulderwand, Laufstrecke und ein Schwimmbad. Sonst finden wir an Breckenridge nicht viel Interessantes – Shops, Lokale, Ferienhäuser. Und nirgends darf man über Nacht parken. Das stößt uns natürlich sauer auf. Wir nehmen die Gym in Beschlag, alles wird genutzt und wir sind nach zwei Tagen bereit für eine weitere Skitour in den Rocky Mountains.

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wir ziehen wieder einmal die erste Spur

Nach einer sehr kalten Nacht (-20°C) starten wir vom Trailhead (3.307 m) über den langen Ostrücken zum Quandary Peak. Im Wald liegt viel Pulver, später in den vollkommen der Sonne und Wind ausgesetzten Flächen kommen Steine hervor. Der Weg ist klar und zieht beständig in die Höhe, und noch am Vormittag observieren wir vom Gipfel des Quandary Peak (4.348 m) die Gegend nach passenden Touren für die nächsten Tage.

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der Ostrücken zum Quandary Peak

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hin und wieder: schöne Tiefblicke

Die Abfahrt im Osthang ist lang, sicher und mit einer zwanzig Zentimeter hohen Pulverdecke bestens präpariert. Weiter unten queren wir mit den Fellen hinüber zum Ostrücken zurück, passieren die leicht aperen Passagen langsam und vor dem Wald wechseln wir wieder in den Abfahrtsmodus. Der Nachmittag, warme und sonnige Stunden, verfliegt: kochen, putzen, trocknen, ein Nickerchen einlegen.

Mt. Elbert: Mit dem Wintersturm am Ostgrat

Colorado hat Schnee dringend notwendig, und er kommt. Wir verabschieden uns von Vicente, Michelle & Doug und Marcella & Steve und fahren noch am Abend aus Ouray nach Montrose. Ein guter Startpunkt für die nächste Etappe in Colorado, wir müssen nach Leadville, wollen zum Mt. Elbert (4.401 m). Unterwegs zu den Twin Lakes beginnt es zu schneien, und wir brauchen etwas länger als geplant zum Trailhead.

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am Trailhead

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zum Ostgrat hinauf

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der Ostgrat – ein Feld loser Felsen und Steine

Um 11.00 starten wir in das erwartete Schlechtwetter. Es ist ein Versuch, der Weg entlang des breiten Rückens ist relativ klar, wenn auch mit 12 Meilen (hin und retour) nicht kurz. Das Wetter wechselt beständig, mal brennende Sonne, dann wieder stürmischer Schneefall. Je höher wir kommen, desto mehr hüllen uns die Wolken ein. Um 14.00 stehen wir dann auf 13.000 Feet (3.962 m) am Ostgrat. Der Boden ist kaum mit Schnee bedeckt, alles abgeblasen in den Steilhang, den wir wegen der beträchtlichen Lawinensituation nicht befahren können. Wir nehmen die Ski ab, errichten ein kleines Depot und marschieren noch eine gute halbe Stunde gegen den Gipfel. Der Wind wird stärker, der Schneefall ebenso, und das rutschige Gestampfe über losen Fels erfreut uns nicht mehr. Die Zeit drängt und wir müssen gute 300 Höhenmeter vor dem Gipfel umdrehen. Die Abfahrt ist nicht viel angenehmer – schlechte Sicht und viel Respekt vor den lauernden Felsen unter dem Schnee. Wir sind aber gegen 16.00 sicher wieder am Büssle, und fahren rasch über den Fremont Pass zur I-70, wo wegen dem Wetter und dem Rückreiseverkehr aus den Skigebieten nach Denver etwas Chaos herrscht. Wir biegen bald nach Süden ab, wollen Breckenridge zur Homebase für die nächsten Tage machen. Der Winter ist zurück in Colorado.

Ohio Peak: Mit alten Freunden touren

Ouray scheint für uns ein Ort der Begegnung zu sein. Wir klettern mit Vicente Eiswasserfälle in Silverton, treffen Eva und Steve House im Outlaw, werden zum Abendessen von Doug und Michelle aus San Francisco eingeladen, und verbringen den gestrigen Abend mit Marcella und Steve. Die beiden kennen wir noch vom letzten Winter von gemeinsamen Touren am Rogers Pass (Lookout Col, Youngspeak, Castor). Sie sind wie wir mit ihrem Bus unterwegs, das zweite Jahr nun, verbrachten den Jänner im Nordosten beim Eisklettern, jetzt geht es für sie langsam mit dem Frühjahr nach Norden Richtung Yukon und Alaska.

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zum Nordsattel des Ohio Peak

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Gute Zeiten!

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die Wetterfront rückt näher

Der Abend wird – für unsere Verhältnisse – lang, es gibt enorm viel zu erzählen. Als uns die Augen zu fallen, kehren wir in unseren Bus zurück. Gemeinsam geht’s wieder über den Red Mountain Pass nach Silverton, wir touren zum Ohio Peak (ca. 3.780 m). Eigentlich eine Sprinttour (direkt von der 550 auf einer Minenstraße, später geradeaus zum Nordsattel), aber der Schnee hat gestern unter der Sonne enorm gelitten, und so entscheiden wir uns gegen längere Alternativen mit abgeblasenen Rücken und aperen Hängen. Marcella bleibt in Silverton, hat ein Vorstellungsgespräch über Skype, Steve kommt mit uns mit. Wieder ein Prachttag, wenn auch am Horizont die angesagte Winterfront näherrückt.

Stairway to Heaven: eine Dreier-Kletterei

Gestern nach dem ersten Besuch in Silverton zum Eisklettern hatten wir große Pläne für den nächsten Tag: eine Dreier-Seilschaft am “Stairway to Heaven”, eine 7-Seillängen lange Wasserfall-Eiskletterei bei Eureka. Sehr zeitig (05.30) brechen wir mit Vicente nach Silverton auf, bei -15°C marschieren wir zum Wasserfall. Vicente steigt die ersten Seillängen vor, wir beide steigen nach. Beim Eisklettern klettern wir hinten parallel, ist also irgendwie interessant aber auch anstrengend. Ein großartiger Tag, und wieder voller neuer Erkenntnisse. Für Beate besonders, Schrauben setzen, Standbau, Abalakov. Nach der dritten Seillänge müssen wir den Versuch allerdings abbrechen: ein tiefer Riss geht über die gesamte Breite des Wasserfalls – und das Risiko, dass die Wand hier abbricht wollen wir alle drei nicht eingehen. Also abseilen und ins Café nach Silverton.

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Stairway to Heaven

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Vicente startet seine Vorstiegsarbeit

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einmal Schraube setzen, bitte

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Beate sammelt Schrauben

Eureka Gullies: Klettern in Eis und Schnee

Wir starten zeitig, aber nicht früh genug: unsere angedachte Route, Stairway to Heaven, ist bereits belegt. Vicente und ich marschieren das Tal um die ehemalige Bergbausiedlung Eureka (8 Meilen östlich von Silverton) weiter hinein und suchen uns eine lange Eisrinne für unsere Kletterei. Ich fühle mich für eine Mehrseillängenroute fit und bereit nach zwei Tagen im Ouray Ice Park.

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eine feine Mehrseillängen-Eiskletterei

Noch im Anmarsch denke ich an den gestrigen Abend im Outlaw Restaurant – wir essen mit Eva und Steve House zu Abend. Das Essen kann nicht lange genug sein, es gibt viel zu erzählen und auszutauschen. Über unsere Reise, über Eva’s neues Zuhause ‚Colorado‘, über Steve’s Bergaktivitäten. Wer weiss, vielleicht sehen wir uns in Vorarlberg wieder…

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ab in den Vorstieg

Die Eiskletterei beginnt im leichten Gelände und ich führe die erste Seillänge. Nach einigen Eisstufen kommt lange nur mehr tiefer Schnee. Das Seil ist zu Ende, und ich muss einen ‘toten Mann’ als Anker einrichten. Die nächste Länge ist ein Spaziergang, dann habe ich frei, weil Vicente führt. Herrliches Wetter, etwas Wind, leicht unter null Grad. Das Seilhandling ist recht eingerostet, ich brauche lange um alles so am Stand zu haben und einzurichten, wie ich es für gut empfinde.

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nach getaner Arbeit gemütlich abseilen

Die letzte Länge habe ich wieder in meinen Händen. Eine kleine Traverse, dann steil in einem weit offenen Kamin hinauf. Ich setze drei Eisschrauben auf den zwölf Metern, dann nur noch über einen Eisbuckel drüber. Kaltes, hartes Eis, kaum ein guter Tritt, und dann geht mir langsam die Kraft in den Unterarmen aus. Ich muss einen Meter zurück in eine bessere Position, das linke Steileisgerät sitzt bombenfest, wenn ich den Druck nach unten beibehalte. Ich muss meine Eigensicherung am Steileisgerät einhängen, dann habe ich etwas Luft, beginne mit dem Setzen einer Eisschraube. Das dauert ewig, meine Unterarme brennen und pumpen, endlich ist die Schraube drin, dann die Expresse, und quasi mit dem letzten Aufgebot im Unterarm auch das Seil. Ich schnaufe tief aus und setze mich ins Seil. Es dauert gute fünf Minuten, bis ich die Steileisgeräte wieder fest in den Händen halten kann. Dann geht alles rasch. Drei, vier Schläge, Beine nach oben, drei, vier Schläge, wieder die Beine nach oben, endlich über der Kante, dann vorsichtig über das mittelsteile Eis hinüber zum Abseilpunkt.

Die Unterarme spüre ich Stunden später im Auto immer noch. Leer und müde. Wir treffen Beate in Silverton in einem Café, sie kommt gerade von einer Skitour in den umliegenden Bergen retour. Der Kaffee tut gut, und wir entwerfen Ideen für eine Dreier-Seilschaft für den nächsten Tag. Wir wollen wieder zurück nach Silverton.

Vollkontakt im Ouray Ice Park

Die Eiskletter-Woche beginnt mit zwei feinen Tagen im Ouray Ice Park. Wir klettern viele Routen und wagen uns top-rope mit den Schwierigkeiten weiter nach oben. Beate überrascht mich mit ein paar guten Seillängen. Das Kompliment kommt von jemand, der nicht so schnell und leichtfertig ein Lob ausspricht. Eisklettern ist aber auch ein Vollkontaktsport – herunterfallende Eisbrocken, blutige Knöchel und Wangen, angeschlagene Knie und Ellbogen. Beate’s Helm hat bereits einen größeren Schaden abgewendet. Also: Augen zu und durch!

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Eis macht Spaß und blaue Flecken

Am zweiten Tag gesellt sich auch Vicente zu uns in Ouray, mein Kletterpartner vom Eisklettern in Lee Vining und meinen Tagen in Huaraz, Peru. Wir testen unser Gerät, durchsteigen einige Passagen auch im Fels. Ja, wir liebäugeln mit der Mix-Kletterei. Denn der Ice Park ist Spaß, Training und Zeitvertreib. Die ‘richtige’ Eiskletterei ist für mich das alpine Eis, also Mehrseillängen-Routen im Hochgebirge. Und dort kommen die Elemente zusammen: Eis, Schnee und Fels. Mixed, eben.

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Beate in einem Labyrinth aus Eiszapfen

Ouray selbst ist ein kleiner Ort mit einer Hauptstraße, einigen Restaurants und übersichtlichen Hotels. Aber der Ice Park ist riesig und die Attraktion hier im Winter, nicht wie in Telluride auf der anderen Seite der Berge, wo Skifahren an erster Stelle steht. Man kann es hier gut aushalten.

San Joaquin Ridge: lang, steil, Colorado

Wir sind einen guten Tag unterwegs, von Jackson Hole, Wyoming über grandiose Landschaften – Canyons, Steppen, Berge – bis nach Telluride, Colorado. Unsere erste Skitour in den San Juan Mountains steht an, und wir sind ein wenig besorgt wegen der warmen Temperaturen im Tal: in Grand Junction hat es über 15° Celsius.

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durch den Bear Creek Canyon

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die San Joaquin Ridge, unser Couloir ist auf der rechten Seiten (N)

Telluride (2.667 m) ist ein hübsches Ski-Örtchen, etwas in der gehobenen Klasse, da fallen wir etwas auf hier, parken unser Büssle in der Main Street und machen uns am Gehsteig für die Tour zur San Joaquin Ridge bereit. Zum Bear Creek Trailhead sind es nur ein paar Meter, und schon sind wir mit den Ski einsam im Bear Creek Canyon unterwegs. Zunächst ist der Weg breit und ausgetreten, dann wird die Schlucht eng und die Spuren weniger. Wir verlieren eine halbe Stunde am Bear Creek Wasserfall, weil wir auf der falschen Seite vorbei wollen. Aber auch auf der anderen Tobel-Seite ist es super steil und eng, und es kostet viel Mühe, den Wasserfall endlich zu passieren. Aber auch darüber ist das Gelände anspruchsvoll – ein enger Steig, eine fragwürdige Brücke, sehr eisige Querungen. Wir werden hier körperlich ordentlich getestet.

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Das San Joaquin Couloir

Das geht auch nach dem Wasserfall so weiter – steile Hänge, üble Querungen, und unangenehmer Schnee. Die Pausen fallen entsprechend oft aus, meine Jause ist bald aufgebraucht. Wir machen weiter, die Sonne verschwindet langsam hinter Wolken, und endlich sind wir am San Joaquin Couloir, ein langer Schlauch (ca. 300 m, 40-45°). Doch aus dem Befahren wird nichts: manche Stellen sind so aper, dass man die Ski abnehmen müsste. Der Rest ist mit einem Bruchharsch gefüllt: oben 10cm Kruste, darunter ein Meter tiefer, lockerer Schnee mit wenig Bindung zum Fels. Wir entscheiden uns, die Ski unten zu deponieren und hinaufzuklettern, den höchsten Punkt der Ridge (4.103 m) zu besteigen und wieder “zu Fuss” zurückzukehren.

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Blick vom Gipfel der San Joaquin Ridge gegen NW

Der Aufstieg ist mühsam, ständig brechen wir durch die oberste Schicht durch und müssen aus hüfttiefem Schnee nach oben graben. Wir brauchen fast eineinhalb Stunden bis zum höchsten Punkt, der eigentlich nur noch Felsen ist. Der Abstieg ist wesentlich schneller, wenn auch kalt und mit viel Eisfall verbunden. Auch die Abfahrt ist nicht grandios, denn der Bruchharsch ist von der üblen Sorte. Entsprechend mühsam fahren wir ab, mit ein paar interessanten Stellen, die die volle Kontrolle der Ski beanspruchen. Es bräuchte einfach Neuschnee hier, egal in welcher Exposition. Gut, dass es hier so viele gefrorene Wasserfälle gibt. Die Steileisgeräte singen schon im Auto…