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Klettertage im Val d’Albigna

Wir hatten so etwas wie ein längeres Wochenende. Das schreit förmlich nach einem Ausflug, bei dem Übernachtungen irgendwo weit weg inkludiert sind. Schon lange vorgehabt, und nun aufgrund der sich verschlechternden Wetterlage am Nordrand der Alpen eine interessante Alternative: das Val d’Albigna, ein Seitental im Schweizer Bergell. In dieser Gegend haben wir uns noch nie bewegt, es einmal im Rahmen einer Graubünden-Tour mit dem Mountainbike gestreift (vom Septimerpass kommend über den Malojapass Richtung Pontresina). Auch unsere Skitouren sind stets nördlich des Val Bregaglia geblieben (z.B. Piz Turba, Motta da Set, Roccabella).

spazzacaldeira

Aufstieg zum Albigna-See

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am Albigna-See, Blick nach Süd-Ost Richtung Cab d’Albigna

Am Freitag geht es sehr früh mit dem Auto über den Julierpass bis nach Pranzaira zum Talstation der Seilbahn unterhalb des Stausees Lägh da L’Albigna. Noch ziemlich verschlafen wuchten wir die großen Rucksäcke auf unsere Rücken, steigen in gut 2,5 Stunden zur Staumauer auf. Prächtiges Wetter, wenig Leute, und schon finden wir ein nettes Plätzchen, um unsere sieben Sachen zu verstauen. Mittagspause, bevor es in die Südwand des Spazzacaldeira einsteigen. Die Wand ist zerfurcht und hat an ihrem Ende zahllose Zähne und Türme. Unsere Route ist sehr plattig, aber gut abgesichert. Wir finden keine Topo dafür, schätze aber dass sie sich im 5. Grad bewegen muss, vielleicht 5+ oder 6-. Die Kletterei ist schön, mit den vielen Flechten aber auch nicht immer rutschfrei.

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Südost-Ansicht des Spazzacaldeira

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We love our Zeltplatz

Am späten Nachmittag, sobald die Sonne hinter der Westkante von Al Gal und Piz Frachiccio verschwindet, bauen wir unterhalb der großen Blöcke, also recht weit von möglichem Steinschlag, unser Nachtlager auf. Wir köcheln Tee, genießen die Ruhe und haben im Zelt wohliges Licht mit unserer kleinen Zelt-Leuchte. Am morgen strahlend blauer Himmel, Rauhreif in der Wiese, und frische Heidelbeeren, am Vorabend gesammelt, in unserem Frühstück von Adventure Food. Schlafsäcke werden ausgelüftet, das Zelt in der Morgensonne getrocknet, bevor wir in unsere heutige Route (NO-Kante) am Spazzacaldeira einsteigen. Das Topo ist schwierig zu interpretieren, irgendwann sind wir, wieder einmal, irgendwo abseits der Route in schwierigerem Gelände, manövrieren uns wieder zurück zur Kante, steigen zum Gipfel auf, seilen zum Abstieg ab, klettern, gehen, abseilen, bis auf die Südseite. Der Tag ist wunderbar warm, wenn man auf der richtigen Seite des Berges klettert.

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Beate in der Nordost-Kante

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Sonntag-Morgen – wild und schön

Auch an diesem Nachmittag wird in der Sonne gedöst, die Gegend ist einfach perfekt dafür. Eine kurze Katzenwäsche im Stausee, dessen Wasser durch unseren Filter zu Trinkwasser wandeln, und dann wieder köcheln. Am späten Abend sieht man Wolken von Norden heranziehen, aber es bleibt schön und ruhig am Albigna-See. Auch Beate gewöhnt sich an die Zeltnächte, trotz mitgebrachten Schnupfen. Wir würden gerne mehr Zeit hier oben verbringen, aber am Sonntag morgen sind alle Gipfel im dichten Nebel, der flechten-bewachsene Fels feucht. Plattenkletterei bei solchen Bedingungen ist nicht das Beste, wir packen zusammen und steigen ins Tal ab. Eine gradiose Gegend für ein großartiges Wochenende.