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Der Amazonas wartet – Ecuador XI

Banos lag nun hinter mir, ich setzte die Reise fort über die letzten Bergpässe ins Tiefland des Amazonas.
Es hatte in den letzten Tagen stark geregnet und einige Bergstrassen waren aufgrund von Muren unpassierbar geworden. Es war unsicher, ob der Bus auf die andere Seite der Anden durchkommen würde, und als wir die ersten Serpentinen in die Anden nahmen, wurde jedem Fahrgast klar, warum.
Wir fuhren sehr langsam, und ich dankte es dem Busfahrer, dass er nicht den Macho heraus hängen liess. Meist irgendwo mittendrin zwischen Schluchten, Abhängen und wegschwemmten Fahrbahnen wählte der Bus seinen Weg, nur lose Schotterpisten ohne irgendwelche Anzeichen von Asphalt, ohne Befestigungen oder Galerien, einfach in den Hang gehauen. Die Strassen, die ich aus den Vorarlberger Alpen kenne, waren richtige Autobahnen dagegen.
Dann kam der berühmt-berüchtigte Tunnel, ein Loch ohne Licht, unbefestigt, einspurig, ohne Ampelregelung. Mir war schleierhaft, wie da ein Bus ueberhaupt durchfahren konnte. Es ging sich aus, um Zentimeter. Wir fuhren im Schritttempo, vielleicht 100 Meter. Als wir auf der anderen Seite ankamen, war die allgemeine Entspannung sichtbar und hörbar geworden. Die meisten packten nun ihre Getraenke und Jause aus, begannen fröhlich zu schwätzen.
Und am Horizont breitete sich eine breiter grüner Teppich aus, Beate, I felt out of the tunnel right into a sea of green.

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Schwimmende Steine – Ecuador X

Da saßen wir, sieben Personen und unser schweizer Raftingführer, im Jeep auf dem Weg in die Einstiegsstelle für unseren Raft. Es war kalt, windig und regnerisch, die Stimmung hervorragend, denn ich konnte mich seit Wochen zum ersten Mal mit jemanden in Deutsch unterhalten. Dieser Bonus brachte mir auch meinen Platz ganz vorne im Boot ein, einfach der beste Platz für ordentliche Action.
Das Boot hatte sich schnell mit den braunen Fluten angefreundet, und wir waren recht geschickt im Kampf mit den Stromschnellen. Hin und wieder hob es einen von uns aus, aber das war Teil des Abenteuers, doch das sedimentreiche Wasser zu schlucken war nicht empfehlenswert. Es schwamm allerhand da drin, und zu meiner Überraschung auch Steine, die wir mit unseren Paddeln aus den Fluten fischten: Bimsstein war ‘leichter’ als Wasser, und sogar beträchtliche Stücke von Faustgröße trieben vor uns.
Nach mehr als drei Stunden Gletscherwasser landeten wir noch vor Baños, völlig durchgefroren und wohlbehalten. Ich hatte nur noch Hunger und stürtzte mich nach der Ankunft zum Chinesen neben an, es gab fried rice, denn, Beate, I felt out of appetite für einen der am Spieß bratenden Nager, einer Art von Meerschweinchen, das hier so gerne gegessen wurde.

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Ankunft in Baños – Ecuador IX

Nach langer Fahrt, über Andenpässe und durch Schluchten, erreichte ich spät nachmittags Baños. Der Bus hatte mich auf der Bundesstrasse am Eingang zur Stadt abgeladen. Umgeben von Bergen wie in einem Kessel lag die Stadt zu meiner Rechten, und auf der anderen Straßenseite stürtzte sich ein Fluss in einer tiefen Schlucht die Höhen herab. Später sollte ich dieses braune, sandige Wasser kennenlernen, doch nun drehte ich mich entschlossen zu den ersten Häusern dieser Kleinstadt und machte mich auf die Suche nach einem geeigneten Quartier für die nächsten Tage.
Baños war als Stadt der Backpacker bekannt, daher fiel die Zimmersuche recht unkompliziert und günstig aus. Was ich wollte, war einen Führer finden, der mich in den Urwald am Amazonas bringen sollte. Auch hier hatte ich Glück, vereinbarte einen Termin auf der anderen Seite der Berge und schwang mich in die bekannten Thermalbäder der Stadt. Herrlich.
Den Abend verbrachte ich schlendernd in der Stadt, sah den zahlreichen Zuckermelasse-Produzenten zu, wie sie die Knetmasse in langen Fäden durch die Luft zogen. Ich war müde und aufgeregt, denn am nächsten Morgen würde ich auf einen Wildwasser-Raft im 3000m Höhe absolvieren. I felt out of time in this laid-back town, Beate, neugierig auf das Kommende.

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Unterwegs nach Baños – Ecuador VIII

Als ich im Bus nach Süden Platz genommen hatte, war ich erleichtert. Das Gepäck war verstaut, ich konnte mich zurücklehnen, das Geschehen auf den Straßen aus einer gewissen Distanz beobachten. Quito am Morgen ist wie die meisten Städte ein Hort der Unruhe, der Geschäftigkeit. Waren werden auf Karren und auf den Köpfen transportiert, Kinder laufen Richtung Schule, die Menschen beeilen sich, die ersten Erledigungen zu machen.
Ich hatte meine schon getan, habe das Grand Hotel verlassen, bin aufgebrochen nach Baños an der Grenze zum Amazonas. Ich konnte mir nicht vorstellen, warum ich das eigentlich nicht weit entfernte Baños erst in einigen Stunden erreichen sollte.
Der Überlandbus machte eigentlich gar keine Anstalten, Quito hinter sich zu lassen. Erstmal wurden alle Vororte und größere Straßen abgeklappert, um genug Passagiere aufzunehmen. Genug hieß in diesem Falle vollgestopft bis an die Decke. I felt out of air, Beate, but felt happy to be on the road again.

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Out of Quito – Ecuador VII

In aller Frühe hatte ich bereits meine Sachen auf meinem Bett geordnet, bereit sie in meinem Rucksack zu schultern, das Hotel zu verlassen, ja, Quito zu verlassen. Dunkelheit lag noch immer in den Straßen, ich durchlief die Enge, vorbei an wenigen Ständen, die nichts anboten. Erst am Busbahnhof, dem Ort des organisierten Chaos, entdeckte ich Menschen mit müden Gesicht, aber auch hier, keine Europäer, keine Nordamerikaner.
Der Bahnhof glich der Dunkelheit, allgegenwärtig und doch so fremd. Abstoßend künstlich, kalt und ein Behälter, der Menschen auf Fahrzeuge zu verteilen hatte. Ich musste mich zusammenreißen, ein wenig an meinem Frühstück zu kauen, klammerte mich hinter meine Fahrkarte, um von hier wegzukommen. Ich sah in jedem Bus einen Schritt weiter in Richtung Zukunft, in Richtung Hoffnung, in Richtung besseres Leben. Was auch immer das heißen mochte. Dieser Ort war das Letzte, und ich fühlte mich glücklich, als ich einsteigen konnte, in mein nächstes Abenteuer. I felt out of Quito, Beate, to be closer to you, even I didn’t know anything about you.

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