Posts

Am Atlantik: Fisch essen in Essaouira

Nach unseren Skitouren-Ausflügen auf Djebel Toubkal, Ras und Akioud war es Zeit für etwas Atlantisches. Als Abschluss unserer Rundfahrt durch Marokko sollte es entlang des Atlantiks zurück nach Fez gehen. Erste Station: Essouira.

Essaouira

Minarett am westlichen Rand der Stadt

Essaouira liegt rund drei Autobus-Stunden von Marrakech entfernt. Ski-Gepäck ließen wir am Busbahnhof zurück, steuerten durch die Menge ziemlich zielgerichtet auf unser Hotel in der Altstadt zu. Das Gewirr in den Gassen überraschte uns nicht, doch diesmal waren die Touristen auffallend zahlreich. Das schlug sich in manchen Abschnitten der Stadt im Warenangebot nieder: Kunsthandwerk, Teppiche, Hotelzimmer-Keiler. Wir hatten ein nettes Zimmer mit Dachterrasse, Blick zum Strand. Und nichts wie hin.

Essaouira

Metzger in der Hauptstraße der Altstadt

Essaouira

Fischer und Möwen – ein typisches Bild in Essaouira

Auch wenn wir nicht baden gingen (es waren nur sehr wenige Leute im Wasser), genossen wir den Strandspaziergang. Aber nicht der Sand interessierte uns, sondern der geschäftige Hafen mit Dutzenden Fischerbooten, die gerade einliefen bzw. eingelaufen waren und ihren Fang löschten. Fischer, Käufer und Möwen waren nun in aller Hektik. Wir hingegen konnten das Schauspiel aus einer Distance aus Bewunderung und Neugierde verfolgten, und hatten sehr bald Lust, die Früchte des Atlantiks selbst auszuprobieren. Die kleinen Buden am Hafen boten sich hier an.

Essaouira

Blick durch die Festungsmauern auf die Altstadt

Essaouira

Fischerboote ohne Ende

Essaouira bietet einen historischen Tummelplatz voller Festungsmauern, enger Gassen, schöner Plätze und einem kulturellen Mix aus kolonialer Vergangenheit und marokkanischer Kultur. Die zahlreichen Touristen fördern dieses authentische Gesamtbild zwar nicht, bringen der Stadt wohl aber einen ökonomischen Push, den sie notwendig hat. Viele Häuser werden restauriert und wieder lebenswert gemacht. Die Cafés haben französischen Flair, und die Bedienung ist trotz der vielen Arbeit sehr nett. Ein Abendessen über den Dächern Essaouiras macht einen kurzweiligen Nachmittag komplett. Es ist Zeit weiterzuziehen.

Essaouira

Ein Möwen-Porträt

Surf-Versuche (2) – Südatlantik mag uns nicht

Nach den ersten Beobachtungen auf Ilha do Mel haben wir Hoffnung geschöpft. Es gibt tatsächlich Wellen, und manchmal hatte auch ich das Gefühl, jetzt würde ich am liebsten mit diesem Brett unter’m Arm ins Wasser rennen. Ich ertappte uns, wie sich unsere Gedanken bald nur noch um das Eine drehten, und die tägliche Frage lautete, ob wir an diesem Tag brauchbare Wellen vorfinden würden.

Von diesen Tagen an gab es kein Halten mehr, es gab nur noch die eine Richtung, die Richtung hin zum Atlantik. Und meistens war dies eine herbe Enttäuschung – nichts als flaches, ruhiges Planschwasser. Wir wunderten uns, wie dies am Atlantik möglich sein konnte.

Der Frust stieg als unsere Reise unaufhörlich fortschritt. So würden wir es nie in die Wellen schaffen. War das Schicksal? Tauchten wir stets am falschen Ort zur falschen Zeit auf? Hatten wir einfach nur Pech oder sollten wir unsere Blicke ins Landesinnere wenden? Nein, das was uns der Atlantik hier lehrte, war Geduld.

Als wir bei Chuy die Grenze zu Uruguay erreichten, da war die See die reinste Hölle. Riesige Welle barsten über den Strand, fauchend, krachend in einer wilden Szenerie. Innerhalb von Sekundenbruchteilen wuchsen sie auf über zwei Meter Höhe, brachen mit voller Wucht herunter auf den weichen Sand.

Wäre es nicht so beeindruckend gewesen, wir wären nicht den halben Nachmittag einfach nur zwischen den Dünen gesessen. Surfen kam uns überhaupt nicht mehr in den Sinn, und alles andere wäre reinster Unfug gewesen.

Die anderen Tage waren nicht viel anders, und als wir weiterzogen nach Uruguay, da waren wir uns ganz sicher, dass bald unser Tag kommen würde. Wir fuhren nach Uruguay mit großen Hoffnungen auf den ersten Surf.

Eine Weltreise macht Halt

Nachts lagen wir wach, der Wald tobte um uns herum, und tags genossen wir die Weite der Strände, die kaum Menschen sahen. Die Insel, auf der wir nach längerer Überfahrt gelandet waren, war frei von Straßen, von Autos, von Hektik und dem üblichen Lärm der Zivilisation. Die Insel, auf der wir für mehrere Tage einen Stop eingelegt hatten, um uns von den Straßenschluchten Sao Paolos zu erholen, um Kraft zu tanken für die nächsten Wochen der Reise quer durch Südamerika und Ozeanien, diese Insel war ein Paradies.

Von einem Paradies zu sprechen ist nicht leicht, denn wir leben in einer Welt der Superlative. Nur das Beste. Ich weiss nicht, ob gerade durch die Reduktion auf das Notwendige die Insel den Status des Wunderschönen erhält. Ich muss mehr darüber erzählen, weil das Schlichte das Schöne formt. Da sind die Bäume, die weder gepflegt noch gefällt werden. Da sind die Menschen, die eigentlich nur Gäste auf dieser Insel sind. Und da ist das Meer, von dem wir in unserer Heimat nur träumen.

Auf dieser Insel gelingt es fortwährend, die Einsamkeit aufzusuchen. Es gibt hier Bäche, die sind so schwarz, dass der Stillstand der Zeit offenbar wird. Die Bäume sind überwuchert, alles lebt hier vom anderen, die Zeit spielt in dieser Welt keine Rolle. Die Wirbel eines Wales liegen in einem Garten, er war vor Jahren an diesem Strand verendet. Es sind Momentaufnahmen, all das ließe sich beinahe endlos fortsetzen – über das Wasser, über das Wetter.

Wir waren für wenige Tage Gäste auf dieser Insel, eine Insel des Einfachen und gleichzeitig des Üppigen. Vielleicht heißt sie auch deshalb die Honiginsel, Ilha do Mel. Brasilien hatte viel zu bieten, und diese Insel noch weit mehr – Ursprünglichkeit.

Die Stadt der Gegensätze: Rio de Janeiro, Teil 4

Im 3. Teil über Rio schrieb ich das eine oder andere Wort über ‚Lebensfreude’ (Hier geht’s zum 1. Teil der Serie). Das gilt auch für die Gaumenfreuden, denn Hedonismus fängt im Magen an.
Am Strand steht der gewöhnliche Brasilianer einem Nordamerikaner, was die Größe der Kühlbox betrifft, um nichts nach. Doch bereits eine Straße landeinwärts erlebt man Straßenstände, die Fleischspießchen am Grill zubereiten. Die Luft ist durchtränkt mit dem Geruch nach würziger Marinade. Es wird unmöglich nicht hinzusehen. Von Duftwolke zu Duftwolke durchschreitet man langsamer werdend die Straßen, in Gefahr über das schlechte Straßenwerk zu stolpern, weil die Augen mit ganz anderem beschäftigt sind als mit der Oberfläche des Gehsteigs.
Rio de Janeiros kulinarische Freuden sind vielfältig wie es ein tropisches Land nur sein kann. Das fängt klarerweise beim Obst an, welches in allen möglichen Formen der Präsentation und Zubereitung angeboten wird – meist in Saftform, oder in einer Art Schnitzeln, die in Tüten mitgegeben, eine sehr praktische Form eines Straßensnacks abgeben.

Weil auch die Zahnärzte ihr Geld verdienen müssen, existiert eine florierende Gesellschaft an Konditoreien, die zwar ihr Süßes selbst herstellen, aber in so einer Formenvielfalt, dass man automatisch schon wieder an die Mutter Natur mit ihrer Kraft der Variation denken muss. Ob es sich hierbei um eine besondere Form der Evolution handelt, kann ich als Kurzzeit-Besucher nicht erraten. Interessant ist es philosophisch allemal, denn mit dem Akt der Selbstauflösung (=Verzehr) gelingt die erfolgreiche Fortpflanzung der Gattung. Und da bin ich schon an der letzten meiner Bemerkungen über den Charakter der Stadt angekommen: die unübertreffliche Vielfalt an Formen und Sinneseindrücken, die jeden Besucher Rio de Janeiros einfangen.

Mehr Infos zu Brasilien findet sich in dieser Reiseführer-Übersicht.

Retrospektiv: Rio de Janeiro- Stadt der Gegensätze Teil 1, Rio de Janeiro- Stadt der Gegensätze Teil 2 und Rio de Janeiro- Stadt der Gegensätze Teil 3

Die Stadt der Gegensätze: Rio de Janeiro, Teil 3

Über das Widerwärtige und das Einzigartige komme ich zum Schönen an Rio de Janeiro, und das ist die Lebensart der Menschen und sie selbst. Auch darüber ist schon in diversen Posts geschrieben worden, ich erinnere mich da an die Erzählungen von Francisco, und an das Rennfahrer-Idol Marcelo.
Wie für den Süden üblich ist die Lebensfreude unübersehbar, fast Gott-gegeben. Im Falle Rios mag das mit seiner Zusammensetzung an kultureller Vielfalt und Background reale Gründe haben, warum das lockere, gemächliche Treiben eine vibrierende Gegenseite unter dem Mondschein entwickeln kann.

Mein erstes Stichwort ist „spontane Hingabe“.
In Unterschied zu vielen Städten ist die Musik am Gehsteig echt, sie ist spontan. Sie wartet nicht darauf, von Vorbeigehenden mit Münzen gefüttert zu werden. Eher wartet sie darauf selbst nach vor zu treten, sich zum Rhythmus zu bewegen, einen Takt zu schlagen, einzutreten in Momente, die abseits europäischer Normalität liegen. Da passiert es gelegentlich, dass Fernreisende mit offenen Mund da stehen, ihre Kameras zücken, und dann wären wir fast schon wieder beim widerwärtigen Rio de Janeiro, sie sich ihrer Kameras auf unfreiwillige Art entledigen müssen.
Aber es passiert öfters folgendes: irgendjemand kommt zu den Musikern dazu. Er oder sie grinst, ruft eine Begrüßung aus und gesellt sich in die Runde. Es wird gemeinsam gesprochen, im Takt der Musik und der Instrumente, und es ist für Minuten etwas Neues entstanden, ein neuer Stoff, der nun in den Straßenmetern erklingt.

Mein zweites Stichwort ist Milan Kundera. Was hat um Gottes Willen Kundera mit Rio de Janeiro zu tun, doch viel eher mit Paris, oder Prag, na auf jeden Fall mit dem alten Europa. Und dann auch noch sein melancholischer Stil, das ist doch gar nicht Zuckerhut, das ist doch nicht Exotik und Schwüle. Nein, das ist nicht Rio, und doch habe ich einen passenden Konnex gefunden – Schwester Rosas Gedanken über die Inflation weiblicher Brüste in ihrer unmittelbaren Arbeitsumgebung im Roman ‚Abschiedswalzer’. Diese gedankliche Verbindung ist natürlich weiter, und ich behaupte an der Copacabana liegend, inflationär beschreibt die Situation ganz gut in zweierlei Hinsicht.
Zum einen wäre da die unüberschaubare Masse an menschlichen Körpern allgemein. Körper, die Meter für Meter aneinander gedrängt der Sonne entgegen sehen, zur Schau gestellt und durch allerlei trickreicher Schnitte und Farben des wenigen Stoffs die Leiber noch effektvoller präsentieren.
Zum anderen wäre die große Menge an weiblichen Proportionen, an inflationären Brüsten. Für Schwester Rosa ist das besorgniserregend, im Sinne der Konkurrenz. Für unser eins, dass nach einem langen Flug aus dem Winter in den Armen dieser braunhäutigen Inflation landet, ganz und gar nicht. Es ist viel mehr erstaunlich, denn es ist eine Rückschau auf die Mode des Barock, das Ideal eines Rubens, was sich an der Copacabana in den Vordergrund drängt.
Diese Lebensfreude des Genießens, in jeder Hinsicht, macht Rio so sonderbar, im positiven Sinne. Es macht Rio menschlich und schön, und eine Reise wert.

Dieser Artikel über Rio fiel mir letztens in die Hände … – noch mehr Info also

Mehr Reise-Information zu Brasilien findet sich auch in dieser Reiseführer-Übersicht.

Und hier geht’s zu Teil 4 der Serie ‘Die Stadt der Gegensätze: Rio de Janeiro’ …

Die Stadt der Gegensätze: Rio de Janeiro, Teil 2

Wenden wir uns also ab vom Maroden und Gewalttätigen (Teil 1), das Rio de Janeiro im Griff zu haben scheint, betrachten wir jene Aspekte dieser Stadt, die es wert sind, auf einer Weltreise einen Abstecher an diesen Ort zu machen.

Das Auffälligste auf dem Weg in die Stadt ist ihre stark gegliederte Topographie, ein Nest aus spitzen Hügeln, kleinen Buchten und vollständig betonierten Zwischenflächen, die zumeist über schwindlige Strassen oder unbeleuchtete Tunnels erreichbar sind. Es ist in der Tat ein Gewirr aus Verkehr, aus Abgasen und Straßenschildern, das gleichzeitig Ehrfurcht lehrt und Grazie ausstrahlt. Es erinnert mich an frühe Kindheitstage an einem feinen Sandstrand. Ich hatte dort die perfekte Sandstadt-Architektur verwirklicht, mit Toren und Brücken, mit Wällen und Parks, mit Häusern und Matchbox-Autos. Ja, so sieht Rio de Janeiro eigentlich aus. Mitten aus dem Nichts ein Felsen da, ein Felsen dort, hundert Meter hoch, ohne Hilfsmittel für den Normalsterblichen nicht zu erklimmen, auch dann nicht, wenn man wollte, denn die Aussicht von da oben müsste grandios sein.

Hier fängt es an, ein Kribbeln, eine sich entwickelnde Sympathie für diese Stadt. Die Hügelspitzen ragen aus diesem Häusermeer heraus, sie sind so ruhig, strahlen eine Sicherheit aus, die es in den Tiefen der Straßenschluchten einfach nicht gibt. Es ist für mich nicht zu sagen, ob Menschen in Rio von diesen Plätzen träumen oder sie verabscheuen oder einfach nur wahrnehmen oder schlicht ignorieren.

Es kommt nicht von ungefähr, dass gerade einer dieser Hügel, ein eigentlich kleiner, ein markantes Wahrzeichen geworden ist, der Zuckerhut. Die Form des Felsens ist typisch für diese Gegend, und was mich noch mehr fasziniert hat, das waren die Buchten, die in dieser Stadt seine Hügel umgaben. Überall Buchten, überall Wasser, und das in dieser Schwüle, das schien mir ein großartiges Geschenk der Natur an diese Menschen. Aber davon lebt ja die Werbung – billig reisen nach Rio, Karneval und Copacabana, Atlantik und Exotik – und sie hat uns hierher gebracht, ob wir es wollen oder nicht.

Wir stehen also da, einmal südlich, einmal nördlich des Zuckerhuts, und eigentlich sitzen wir, mit den Füßen im Sand, mit dem Kopf in der Hitze, mit dem Geist vielleicht noch in Europa, weil wir noch nicht verstanden haben, ob das nun wahr ist oder doch nur Einbildung, ein letzter Rest von Werbung, den man uns eingetrichtert hat. Wir sitzen da und staunen, staunen über uns selbst, dass wir hier sind. Es ist dermaßen schön, dass es unwirklich wirkt, als wären wir auf einer Postkartenszenerie gelandet. Das hat was für sich, denn das hatte ich mich schon öfters gefragt: Wie kommt man eigentlich auf eine Postkarte? In Rio de Janeiro ist das sehr einfach, man verweilt eine Weile unterhalb des Zuckerhuts.

Mehr Infos zu Brasilien findet sich in dieser Reiseführer-Übersicht.

Hier geht’s zu Teil 3 von ‘Die Stadt der Gegensätze: Rio de Janeiro’ …

Die Stadt der Gegensätze: Rio de Janeiro, Teil 1

Erinnern wir uns, worum es hier geht: die Beantwortung der Frage, welche denn die schönste aller Städte ist. Auf Reisen in Südamerika, speziell dann aber in Brasilien, kommt man meistens nicht umhin, den Ort mit diesem klingenden Namen – Rio de Janeiro – auszulassen.

Rio ist zunächst einmal für alle Fernreisende ein Verkehrsknotenpunkt, ein Brückenkopf der Abenteuer. Kommt man von Übersee nach Rio de Janeiro angeflogen, so erinnert man sich wohl für immer an den ersten Schwall schwüler Luft, sobald die Gangway betreten ist. Die Schwüle schloss sich dann auch bald um uns, als wir auf den Parkplatz taumelten, nach über 10 Stunden Flug, mit einem Reifenschaden in Sao Paolo, mit Schneesturm in München und einer Stunde in der Warteschlange in Heathrow.

Rio de Janeiros Willkommensgruss, die Schwüle des Sommers, bleibt am T-Shirt und Seele hängen. Genauso wie die Horden von Taxifahrern und Gepäckträgern, von Geldwechslern und Zimmerkeilern. Das ist vielleicht auch die erste Lektion, die in Rio zwangsläufig gelernt wird: hier bist du nicht mehr allein. Wir ahnen, die Stadt ist einfach riesig, sie ist eine riesige Schüssel aus Häusern, Hügeln und Menschen. Wir, die Weltreisenden, stehen vor einem Termitenbau, der erforscht werden möchte. Diese Stadt hat viele Pforten, aber wir sehen nur wenige, und die liegen im Stau des Nachmittags, voll gestopft mit brummenden Lastern und schwitzenden Menschen, die aus ihren Busfenstern auf uns herabstarren. Ich weiß nicht, was sie sich wohl denken, wenn sie unser eins, Backpacker, mit unseren Rucksäcken so sehen, die bleichen Gliedmaßen und Gesichter, alles angestrengt und doch orientierungslos.

Der Weg vom Flughafen in diesen Termitenbau hat es in sich. Er ist schon oft Mittelpunkt von feigen Überfällen und dreisten Coups gewesen. Ganze Busse fallen diesen Verbrechern in die Hände, und das Leben in der Stadt geht weiter. Wir haben gehört, Tarnung sei das Beste, aber die nutzt schließlich doch auch nichts mehr, wenn man gerade im falschen Bus Platz genommen hat, oder in die falsche Strasse einbiegt. Tarnung ist für uns kaum möglich, weil wir so bleich sind, dass wir nie und nimmer als Mitglieder dieser Stadt durchgehen. Menschen auf Weltreisen sehen irgendwie immer gleich aus, eine Mischung aus Bequemlichkeit, Funktionalität und Einfachheit kleidet sie ein. Wir alle wollen glauben, damit können wir niemand verführen, ein (verbrecherisches) Auge auf uns zu werfen. Wir alle wollen sagen, nein-nein, wir haben nichts, wir sind es nicht wert.

Auf Fernreisen zu sein, in Rio de Janeiro, und dann nur über Verbrechen, der Vermeidung von Verbrechen und der Gefahr über Verbrechen zu berichten, das ist schon eigenartig. Übertreibung? Paranoia? Vielleicht. Vorsicht? Ganz sicher. Wir haben zuviel darüber gelesen, gehört, gesehen, als das es nur Einbildung gewesen wäre. Und es ist uns nicht ein Furz passiert. Schon wieder so ein Widerspruch, und das ist vielleicht das Leitmotiv dieser Stadt, die Gegensätze, die Widersprüche in Rio de Janeiro.

Für alle, die noch mehr wissen wollen: Reiseführer zu Brasilien

Hier geht’s zu Teil 2 von ‘Die Stadt der Gegensätze: Rio de Janeiro’ …