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Impressionen aus Tasiilaq, Grönland

Tasiilaq

Winter im Hafen von Tasiilaq

Tasiilaq

Lego-Häuschen

tasiilaq

ein prächtiges Nordlicht, (c) Martin Vogel

Imertivap Qaqqartivaa: Entdeckungen auf Ski

Schon mal vorweg: wer nach Ost-Grönland kommt, um auf Skitouren zu gehen, sollte weniger den Abfahrtsgenuss im Auge haben, sondern das Naturerlebnis. Letzteres ist grandios, ersteres ist schwierig zu bekommen. Das ist eigentlich leicht nachvollziehbar: die Wetterfenster für Flüge sind kurz, und die vielen Faktoren, die für das Skitouren passen müssen, fast nicht unter einen Hut zu bekommen: Schnee, Hangstabilität, Niederschlag, Licht und Sicht, Wind. Derzeit haben wir es entweder mit starkem Wind, schlechter Sicht und fahlem Licht zu tun. Die Schneedecke bei der Abfahrt zu lesen ist extrem schwierig und Abstürze über kleine Klippen oder in große Löcher ständige Begleiter, wie die Möglichkeit, auf Polarbären zu treffen. Skitouren mit einer Langwaffe am Rucksack steht nicht für Fahrgenuss.

Kiittertivaq

super gsi!

Wer aber letztlich die Skiabfahrt als I-Tüpfelchen sieht, der kann in Grönland durchaus satt werden. Lange, flache Zustiege durch hügeliges Gelände oder über vereiste Fjorde, dunkelblaues Wasser mit grauem Horizont, weissen Weiten und bunten Lego-Häuschen, schwarzen Felsen und hellblauen Eisbergen. Wie heute auf dem Weg in die Imertivap Qaqqartivaa, einer Gipfelgruppe nördlich von Tasiilaq. Die Augen werden von dieser fremden Welt magisch angezogen, sind dauernd beschäftigt. Das Labyrinth aus Wasserwegen, Hügeln und Tälern ist mühsam, wir stehen vor Canyons, dann wieder finden wir einen Weg hinaus. Für mich ist es wie ein Entdecken und Erforschen eine völlig neuen Landes. Wir haben keine Karten, keine Führer, keine Anweisungen. Nur uns und unsere Nase, um neue Wege zu finden und umbefahrene Hänge zu testen. Wenn das Wetter einmal passt, dann gibt es auch genug Hänge für eine Abfahrt. Kritische Lawinenbeurteilung ist ein Muss, denn oft ist die Geländeform ungünstig (Rinnen, Trichter, Klippen). An diesem Tag ist das Licht dermaßen fahl, dass wir nicht in den Hang einsteigen können. Grönland eben.

Qaqqartivakajik: mein härtester 600er

Es stürmt wieder über Tasiilaq. Die Türen klappern im Haus, wecken mich. Die Sicht ist noch gut, aber Schneefontänen umgeben das Haus. Wir warten auf Robert, unseren Gastgeber in Tasiilaq, und auf unsere Shotgun. Heute soll das Ding mit auf die Tour, denn gestern streiften wir zum Entsetzen der Hausmannschaft unbewaffnet durch die Insel-Berge auf dem Vegas Field. Kurze Einweisung in die Handhabung, und schon schnalle ich die Eisbär-Büchse an meinen Rucksack. Eine Premiere, bewaffnet auf Skitour zu gehen, außer ich bin wieder beim Edelweiss-Raid (20112013, ?) und der Bären-Pfefferspray zählt als Waffe. Was aber vielleicht bei einem Schwarzbär noch funktionieren könnte, ist bei einem Polarbär zum Wegschmeißen. Ein Eisbär macht kurzen Prozess – angreifen, töten, fressen. Da hilft kein Totstellen, nur Widerstand leisten. Eispickel und Steigeisen für die Verzweifelten, eine Shotgun für diejenigen, die eine Chance haben wollen. Erster Schuss in die Höhe, den Bär abschrecken. Bückt sich dieser, fletscht die Zähne, dann flott nachladen. Auf acht Meter heran lassen, zielen, abdrücken… ein Schuss, eine Chance. Fair genug.

qaqqartivakajik

Tasiilaq

qaqqartivakajik

Qaqqartivakajik

Qaqqartivakajik

Biathlon? Nein, Eisbären-Büchse am Gipfel prüfen

Für den Nachmittag ist Sturmwarnung ausgegeben, also wird’s eine Kurztour zum Qaqqartivakajik (687 m). Eine Kurztour, die es aber in sich hat. Vier Stunden im starken Wind, Schneefall und fahlem Licht, welches jede Bewegung und jeden Schritt zum Ratespiel werden lässt. Es ist eine Herausforderung, den Weg durch das Gelände zum Einstieg der Gipfelflanke zu finden. Im Hang selbst ist der Weg klar, der Schnee aber tückisch und der Wind noch stärker. Wir weichen nicht zurück und ringen dem Berg jeden Meter Höhe ab. Irgendwann stehen wir am Gipfel. Die Aussicht ist unfassbar, aber der nahe Sturm treibt uns zur Eile. Waffencheck, Felle ab, Abfahrtsmodus. Es wird eine vorsichtige Schneckenfahrt zurück, jeder kleine Buckel ein Test für mein Gleichgewicht, denn ich nehme nichts als die Schwerkraft wahr. Ich fühle mich wie in einer Waschmaschine, ich kann keine Orientierungslinie, wo oben und wo unten ist, definieren. Ich fahre wie besoffen. Für einen 600er ist der Qaqqartivakajik unter diesen Bedingungen wohl mein härtester 600er Gipfel. Für immer.

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auf dem Weg zurück, nach Tasiilaq

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der kleine Husky hat seine Freude am Sturm

Impressionen aus Kulusuk, Grönland

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Airfield Kulusuk

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die wenigen Häuser von Kulusuk

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Eisschollen-Feld

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Hubschrauber-Anflug auf Tassilaq

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Packeis

Vegas Fjeld: Grönland authentisch

In Kulusuk kneife ich die Augen zu, die Sonne strahlt und blendet im unendlichen Weiss der Umgebung. Das ist das letzte Mal, dass wir die Sonne für eine Woche sehen. Martin und ich warten drei Tage in Reykjavik auf den Flug an die Ostküste Grönlands. Sturm, Flughafen-Sperre, dann reichlich Chaos und mit viel Verspätung bekommen wir den Hubschrauber von Kulusuk nach Tassilaq. Endlich wieder in der Arktis. Habe ich erwähnt, wie schön Kamchatka ist? Alaska? Der Yukon? Lange habe ich von Grönland geträumt, nun bekomme ich es für wenige Tage.

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Grönland Wetter

Kurz vor sechs schleichen wir aus der Unterkunft. Die anderen Gäste schlafen, wir starten durch Tassilaq nach Nordwesten, entlang des Fjords. Zunächst laufen wir über und hinter den Küstenhügeln, dann hinaus auf das Eis des Fjords. Es ist flach und die Sicht ist um Welten besser als an Land. Denn hier gibt es keine Löcher, Wände, Klippen, die wir in diesem diffusen Licht einfach nicht erkennen. Ich laufe als Vordermann immer in Gefahr, irgendwo hineinzuplumpsen. Auf dem Eis ist es dagegen einfach und ich kann entspannen.

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die wollten alle mit uns mit

Fast am Ende des Fjords drehen wir gegen Westen auf das Land. Wir passieren einen zugefrorenen See, steigen gegen Norden hoch in ein weites Tal und versuchen das eine oder andere kurze Wetterfenster für eine lokale Orientierung zu nutzen. Couloirs warten da, unberührt, und wir entscheiden uns für einen der höchsten Berge, eigentlich eine Kette von vielen Spitzen und Graten: Vegas Fjeld. Der Aufstieg geht rasch, aber nur mit Harscheisen. An manchen Stellen ist das Eis fast unüberwindbar. Trotz starkem Wind und Schneefall, miserabler Sicht und keiner Aussicht auf Besserung erreichen wir ein kleines Joch, welches über einen Steilhang thront. Wir gehen noch einige hundert Meter entlang hoch, immer steiler, bis wir abbrechen müssen: der Schnee ist nur noch tiefer Styropor: locker, ohne Halt. Graupel in feinster Form. In diesem Steilgelände können wir uns eine Abfahrt nicht vorstellen und machen kehrt. Schwierig genug, denn die Sicht ist dermaßen schlecht, dass ich fast im Schritttempo Schwünge fahre.

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Eingang zu Vegas Fjeld

Der Tag ist noch nicht vorbei. Wir haben noch den gesamten Fjord zurückzulaufen. Diesmal entscheiden wir uns, nur noch auf dem Eis zu bleiben. So haben wir eine einzige Gerade zu laufen, und ein weites Sichtfeld. Nicht wegen den vielen Hindernissen, sondern Polarbären. Tassilaq hat eine Bären-Population, die sich gerne und immer öfter auch in den Straßen der Stadt vergnügt. Wir achten auf unsere Umgebung und kommen gut zurück. Unser Hausherr entdeckt uns an der Türe und schüttelt den Kopf, als er hört, wie weit wir unterwegs waren. Unbewaffnet.

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Ski Depot am Vegas Fjeld

No comment: Keflavik, Iceland

keflavik

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