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Mit dem Rad durch den Oman

Unsere Reise im Oman ist zu Ende, und damit sind wir wieder einige Erfahrungen reicher. Was das Reisen mit einem Rad betrifft, so möchten wir hier neueste Informationen zu den Straßen in Oman an alle Gleichgesinnte weitergeben.

Seeb nach Muscat: wenn es geht, würde ich vom Flughafen irgendwie anders in die Stadt fahren wollen. Der Verkehr ist stark, die Orientierung eher schlecht, und das Manövrieren mit vollbepackten Rädern gegen hohe Bordsteinkanten nicht sehr angenehm.

Muscat nach Qurayat: durchwegs asphaltiert und landschaftlich eine schöne Strecke. Die ersten 10km sind allerdings wegen zahlreicher Baustellen nicht lustig und manchmal wegen der vielen Laster gar gefährlich. Danach ist es aber ok zum Fahren (Seitenstreifen am Rand).

Qurayat nach Sur: es gibt nun die neue Straße (aka Autobahn), für die auch bald Wegezoll verlangt werden wird. Verkürzt die alte Straße um gute 20km, und ist durchwegs asphaltiert, was der alte Weg nicht war. Entlang der Küste kann man weiterhin die alte Straße nutzen, mit Staubgarantie. Auf der Autobahn hat man einen Seitenstreifen, und da wir wenig Verkehr hatten, war dies auch ok. Abfahrten gab es aber nicht viele, nach Qattar, Fins, Tiwi und Qalhat. Es sind dort noch keine Tankstellen vorhanden, also muss man immer wieder an die entlang gelegenen Dörfer “andocken”, um an Wasser, Essen und Infos zu kommen. Eine schöne Übernachtungsmöglichkeit bietet sich im Wadi Tiwi an: nach dem Ortszentrum rechts in den Wadi einbiegen, rund 1km folgen. Dort kommen dann feine Lagerplätze mit Wasser zum diskreten Baden.

Ibra nach Nizwa: sehr wenig Verkehr bis vor Izka, gut zum Radeln da eigener Seitenstreifen vorhanden war (zuerst auf der Rt 33 rund 8km von Ibra entlang, dann nach Al Mudayrib einbiegen und ca. 55km bis zur Rt 27 folgen. Rund 1,5km auf der Rt 27 fahren, dann wieder nach links kurz vor Lisq in die Rt 28 einbiegen; dort kommt man auf die Rt 33, die stärker befahren ist; vor Izka kann man dann in Richtung Nizwa abbiegen, Rt 15). Keine Tankstelle auf den ersten 115km, aber kleine Siedlungen (z.B. Lisq), die auch einen Coffee Shop haben. Von Izka kann man über die neue Schnellstraße nach Nizwa gelangen. Keine großartige Strecke, aber dennoch recht sicher. Auf der alten Straße nach Nizwa gibt es Tankstellen und Shops, auf der Schnellstraße (Rt 10) gar nichts. Allerdings ist die alte Straße ohne einen Seitenstreifen, so dass das Fahren nicht sehr angenehm ist.

Nizwa nach Hatt, Richtung Wadi Bani Awf: der erste Streckenabschnitt bis Bahla ist eher zu meiden – kein Seitenstreifen, sehr viel Verkehr, viele Raser, sehr ungemütlich. Die Bergstrecke (die ungefähr 2km vor Al Hamra beginnt) ist dagegen fast völlig frei von jedem Verkehr, aber mit teils steilen Rampen. Bis zum Pass ist alles asphaltiert. Knapp unterhalb des Passes gibts auch eine Campingmöglichkeit mit Trinkwasser, allerdings für freche 6 Omani Real bzw. für 12, wenn man in einer kargen Hütte (ist im Prinzip eine Garage) schlafen will.

Dubai: ich weiss nicht, ob man das Fahrradfahren nennen kann. Gefährlich, umständlich, voller Baustellen und Umleitungen. Teils kann man das Rad nicht mal schieben, da Straßen über Betonwälle “abgeschottet” sind.

Und nun noch ein paar Erfahrungswerte, die wir in eine neue Tourplanung einbringen würden:

  1. Transport: diesmal würde ich auf das Extrawheel verzichten und lieber vorne und hinten auf das Rad Satteltaschen packen. Das müsste ich zwar auch ausprobieren, aber gegen das Extrawheel (mit seinen Vorteilen: Volumen) sprachen dann doch einige Faktoren: das Andocken an das Rad im bereits bepackten Zustand war eine Arbeit für zwei (alleine wäre das sehr mühsam gewesen!); Beweglichkeit im Stadtverkehr äußerst schlecht (die zwei Säcke rechts und links sind tief und auch breit – Kollisionsgefahr mit allerlei Objekten…); das Rad kann selbst nicht stehen (trotz Ständer), d.h. man braucht immer etwas zum Anlehnen, ansonsten sind wieder 2 Leute notwendig, um das Rad zu legen und zu heben; bei erhöhter Geschwindigkeit Gefahr, dass das Extrawheel zu Schwingen anfängt und unkontrollierbar wird (Sturzgefahr, wie mir passiert, mit Folgen für das Fahrrad).
    Im Oman wird man gerne mitgenommen, und da es recht viele Pickups gibt, ist das auch mit dem Rad kein großes Problem. Die meisten erwarten jedoch ein Transportgeld, welches man zu Beginn der Fahrt ausmacht. Sonst gibts nachher Diskussionen… Mit ONTC, der nationalen Buslinie, kann man die Räder mitnehmen, so wie wir von Muscat nach Dubai. In Dubai allerdings ist der Radtransport ein Problem, Taxis lehnen das ab. Da braucht es gutes Zureden und Geld.
  2. Wasser: bekommt man fast überall, man sollte aber immer Reserven haben. Ein 5l Wassersack wie von Ortlieb hat uns aber gute Dienste erwiesen.
  3. Orientierung: die meisten Karten, auch die von Google und Maps24 sind veraltet. Neue Straßen sind nicht eingezeichnet. Ich habe Karten von Explorer gesehen, die waren etwas besser, allerdings ohne jegliche Höhenangaben (nur mit Satellitenbildern). Ist aber für uns Radler nicht schlecht zu wissen, wie weit es nach oben geht… Dieses Manko lässt sich mit Google Maps relativ leicht wettmachen. Ein GPS ist in der Regel überhaupt nicht notwendig, wenn man sich vorher Markierungspunkte festgelegt hat (Moschee, Ort etc.).

Dubai: Fassade und Scheinwelt

Nun ist Dubai bald Geschichte, in ein paar Stunden gehts mit dem Bus nach Abu Dhabi. Dieses Kapitel unserer Reise faellt sehr zwiespaeltig aus: das alte Dubai, mit seinen indischen Gassen und Schnellkuechen ist angenehm und lebendig, und auch die Leute sind hier sehr zuvorkommend (ich durfte sogar in der Klo-Schlange nach vorne!). Auch muss wiedermal der Service von Etihad (unsere Fluglinie) sehr lobend erwaehnt werden: beim Dubai City-Checkin hat uns die dortige Mannschaft wie Koenige behandelt, mit uns die Raeder verpackt und alles unternommen, damit diese Dinger durch das Roentgengeraet kommen.

Dann gibt es die andere Seite von Dubai: die sehr westliche Metropole voller Hochhaeuser, Glasfassaden und Arroganz. Die Taxifahrer hier sind zwar korrekt, aber unfreundlich. Fast wie Wiener Kellner. Das Geld hier spielt eine wichtige Rolle, es gibt schlicht zuviel davon. Und das staerkt nicht unbedingt den Charakter der Leute. Da kann es schon passieren, dass Taxifahrer wieder wegfahren, wenn ihnen die Strecke zu kurz erscheint.

Zwischen Starbucks, PizzaHut und Subway, Shopping Malls ohne Ende und Konsum der wildesten Art bleibt nichts uebrig als Fassade. Und das durchschaut man rasch. Dubai ist zwar eine Erfahrung, aber eine, die wir nicht nochmals machen wollen. Die Stadt ist – allgemein und pauschal gesprochen – keinen Besuch wert. Sehr wenig sehenswuerdiges (ausser dem Dubai Museum) und einem Ritt ueber den Creek mit einem wackligen Boot bleibt uns wohl nicht viel in Erinnerung. Die Hotelpreise sind hier gesalzen, was aber nicht unbedingt Service verspricht. Die Jugendherberge (das mit Abstand billigste hier – 50 Euro pro Nacht) ist zwar Zimmermaessig ok, aber die Reception eine Frechheit. Gerade dass man einem in die Augen schaut, wenn man etwas fraegt. Nun, wurscht das alles, wir essen nun zum x-ten mal Indisch, und das ist Trost hoch Zehn.

Aber auch die “westlichen” Touristen bekleckern sich hier nicht gerade mit Ruhm. Ein Bodybuilder laeuft ohne Shirt an der Hafenpromenade herum (sah aus wie ein Neandertaler), Russen kaufen wie gestoert im Goldsouq Schmuck und Uhren (falsche, natuerlich), und manche Frauen meinen, ein Minirock ist klimatechnisch wohl das richtige Kleidungsstueck hier. Ok, soll sein.

Die Essenz der Eindruecke von Dubai ist ein noch unvollstaendiges Bild; ein Bild aber, welches die dekadente Seite des Geldes, des ploetzlichen Wohlstands zeigt. Wie schon erwaehnt, das ist fuer uns kein Platz, den wir nochmals wiedersehen moechten.

Raus aus Muscat, hinein nach Dubai

Unsere letzten Tage in Muscat waren ein Traum – kulinarisch und erholungsmaessig. Indisches Essen war wieder angesagt: verschiedene Fladen, Masala, Biriyani, Saefte und Suesses. Wie herrlich! Es ist nun fix: eines der naechsten Trips muss uns nach Indien – Pakistan – Nepal fuehren, die Leute und das Essen sind fantastisch.

In Muscat gab es ausser der alten Stadt, dem Meer, dem (obligatorischen) Fischmarkt und den kleinen Schaetzen der Geschichte nicht viel zu tun. Auch der Souq in Mutrah war gelungen, teilweise aber schon Touri-orientiert.

Dafuer haben wir am Nachmittag ein richtiges Original kennengelernt: Charlotte aus Falmouth, eine aeltere Dame, die gerne in der Welt herum reist. Sie selbst betreibt seit ein paar Jahren ein eigenes Backpackers in Cornwall (www.falmouthbackpackers.co.uk) und ist gerade im Nahen Osten unterwegs: alleine, als Frau, um die geschaetzte 50 Jahre alt. Nun, das erstaunliche waren natuerlich ihre Reisegeschichten, die uns wie Greenhorns aussehen liessen. Auf jeden Fall waren das zwei unterhaltsame Stunden bei Caj with milk.

Am Abend ging es dann ins Kino – schon allein wegen der omanischen Jugendkultur wegen. Irgendwie witzig: in traditionellen Gewaendern (weiss die Buben, schwarz die Maedels) und dazu Nachos, Popcorn und Pepsi.

Heute ging letztlich alles nach Plan: Fahrraeder in den Bus gekriegt, ohne grosse Probleme nach Dubai gekommen, und dann in einem heftigen Regen und ueberschwemmten Strassen, die gar nicht nach den vorhandenen Karten verliefen, unendlichen Baustellen und Kolonnenverkehr (4spurig) mit den Raedern durch halb Dubai endlich zum Hostel gekommen… doch mehr ueber die Stadt und das Leben hier morgen…

Quer durch die Hajars

Endlich gibts wieder einen ordentlichen Internet-Anschluss, den wir fuer einen Kommentar der letzten Tage nutzen koennen. Das Positive: das Rad hat gehalten, das Wetter auch, und auch die Route, von der wir uns so viel versprochen hatten.

Nun, von Nizwa ging es zunaechst ueber die Nationalstrasse (war nicht lustig, viel Verkehr und kein Seitenstreifen) 30 km zum Ausgangspunkt unserer Bergtour auf den Pass, von dem es Richtung Hatt, Wadi Bani Awf und Nakhal geht. Die Strasse war letztlich gut zu finden, asphaltiert, aber schon am Vormittag ein Glutofen. Rund 1.400 Hoehenmeter hatten wir zu bewaeltigen, das mit dem ganzen Gepaeck keine schlechte Vorgabe. Beate verdiente sich an diesem Tag das Bergtrikot, biss sich durch und fluchte, was das Zeug hielt. Die Rampen waren zum Teil sehr steil, kein Windhauch (zunaechst), einzig die grandiose Aussicht war ein Trost.

Gegen 13.30 kamen wir nach hartem Kampf am Pass an, wo uns schon dichte Wolken, Nebel und starker Wind empfingen. Das Wetter schlug um, und wir campierten einige hundert Meter weiter unten. Auch wenn der naechsten Morgen wieder wolkenlos war, hatten wir uns entschieden ueber Nizwa wieder nach Muscat zurueckzukehren, da wir uns ueber den Zustand meines Rades nicht ganz sicher waren, ob es die 40km Schotterpiste ueberstehen wuerde. Wir handelten uns ein Pickup-Taxi bis nach Yiti aus, das ist rund 20km nach Muscat an der Kueste. Ein perfektes Oertchen fuer uns.

Fuer Beate natuerlich gab es das Meer, fuer mich was zu futtern. Omanische Gerichte, tuerkische Gerichte, und am naechsten Tag auch noch Fleischspiesse. Irgendwann hatte ich das schon erwaehnt, das halbe Leben hier besteht aus Essen. Ich liebe es, und Beate auch.

Gestern gab es dann noch einen sportlichen Ausflug entlang der Kueste. Die Bergstrasse hier entpuppte sich als eine Herausforderung der besonderen Art: super-steile Rampen, von denen manche nur schiebend bewaeltigt werden konnten. Dafuer hatten wir die Kueste, saemtliche Ziegenherden der Gegend und alle Coffee-Shops hier ordentlich studiert.

Heute morgen ging es nach einer weiteren Nacht am Strand per Anhalter in die Hauptstadt, und sogleich zum naechsten Inder – Essen, was sonst?

Wueste, Nizwa und andere Abenteuer

Nach rund 2 Tagen radeln durch die Wueste sind wir in Nizwa angekommen. Zwischen Ibra und Nizwa liegen rund 160 km, aber viel mehr dutzende Geschichten, die das Leben schreibt…

Zunaechst die Landschaft. Fuer das ungeuebte Auge, ein trostloser Anblick. Doch die Wueste veraendert sich fortwaehrend, beinahe mit jedem Fahrkilometer. Die Art des Gesteins, die Straeucher, der Wind und die Wolken (ja, die gibt es auch!). Oft sind unsere Blicke waehrend endloser Gerade in diese Landschaft gerichtet, oder auf den Belag, um sich keinen Platten zu holen.

Abwechslung bieten auch die Autofahrer. Das sind je nach Abschnitt nicht gerade viele, dafuer wird aufmerksam gehupt, gewunken und gejohlt. Wir haben schon eine laessige Handbewegung als Gruss entwickelt.

Tja, und dann gibt es noch die zahlreichen kleinen Siedlungen, durch die wir durchfahren, was natuerlich noch mehr Staunen ausloest, nicht nur bei den Kids, sondern mehr bei den Maennern. Frauen auf der Strasse sind eine Seltenheit, manchmal in Autos, aber auf dem Rad?

Was wir hier tagtaeglich erleben ist sehr viel Gastfreundschaft, wie schon berichtet. Das trifft sich mit einem anderen, tagtaeglichen Phaenomen: Reparaturen am Fahrrad. Diesmal hatte es mich vollends erwischt: Nach dem Sturz zu Beginn der Reise war die Aufhaengung der Schaltung verbogen, sodass das unterste Raedchen knapp vor die Speichen reichte. Einmal in einen zu kleinen Gang geschalten, und schon hatte ich die gesamte Schaltung in den Speichen – komplett abgerissen! Mir war zum Weinen, das Ende schien nah. Doch dann…

… kam Salih, checkte das Rad, unsere missliche Lage, nahm uns zu einem Freund mit, einem pakistanischen Schlosser. Ich sage: “Wunderkind”. Schweissen war nicht moeglich, also baute er einfach das defekte teil aus Stahl nach! Montage, nachjustieren, flexen ohne Ende, das Rad funkt. Gewiss hat unser Schlosser noch nie eine Gangschaltung gesehen, doch es genuegte der Blick auf Beates Rad. Es laeuft wie neu!!! Die Reise ging weiter, doch vorher gab es noch eine kurze Tea-Party mit allen Anwesenden (das waren dann bald ein Dutzend, die sich in die Reparaturen einmischten). Nun, er wollte kein Geld fuer die Reparatur haben, trotz unseren Draengens. Beate konnte sich nicht mehr zurueckhalten, bettelte er solle doch wenigstens 10 Euro nehmen. Nein, keine Chance. Pay next time. Der Ladenbesitzer nebenan lud auch noch alle auf einen Kaffee ein. Dafuer gabs dann von uns ein paar Fotos von Damuels mit Geschichten aus der Heimat. Schwarzenegger und Lauda kennt hier aber niemand.

Nach einem Wuestencamp ging es heute flott nach Nizwa, einer alten Stadt mit vielen Forts und Bergen rundherum. Heute goennen wir uns ein Hotel, das zweite in einer Woche – Luxus pur!

Nun, morgen gehts in die Berge. Wir schauen einmal, wie das geht. Ziel waere ein Pass auf 2.000 m, aber wir muessen das Wetter beobachten. Dann entscheiden wir, wie es weitergeht.

In Ibra gelandet

Nach einer windigen Nacht im Nirgendwo haben wir heute morgen die alte Stadt Ibra erreicht. Wir sind ja gestern in Sur angekommen, einer Stadt am Arabischen Meer, die uns aber weniger gefallen hat. Kein Platz zum Campen, sehr heiss und sonst ohne besonderen Charme. Einzig der wenige Verkehr ist uns positiv in Erinnerung geblieben…

Mit einem Pickup ging es dann flott nach Al Kamil (60km), dort verhandelten wir gemuetlich vor einer Tankstelle und in einem Coffee Shop zwecks Weiterfahrt. Schliesslich einigten wir uns im arabischen Stil irgendwo in der Mitte. Wir fuhren solange, bis wir einen netten Platz im Nichts zwischen Felsen, Straeuchern und Duenen entdeckten und uns aus dem Pickup verabschiedeten.

Die Nacht war sehr windig, hart zum liegen und mit Besuch von wilden Eseln verbunden. Ansonsten eher eine fast schon normale Nacht in der Wueste, mit dem fantastischen Nachthimmel natuerlich.

Heute war Erholung angesagt. 20km noch bis Ibra, dann das erste Hotelzimmer seit Tagen (inkl Dusche) und ein Pool (paar Kilometer weiter, fuer 50 Cent). Morgen starten wir nach Nizwa, noch unklar ist, wo wir uebernachten werden – es sind fast 150 km bis dorthin, also ein Wuestencamp waere wieder moeglich…

Und wieder und immer wieder: die Gastfreundschaft in diesem Land. Besonders die Inder / Pakistani sind sehr freundlich und hilfsbereit. Auch wenn sie uns zu zweit nicht in einen Wagen kriegen, samt den Raedern, boten sie an, die Raeder zu einem Punkt zu fahren, oder eine Person mitzunehmen, oder halfen beim Arabisch-uebersetzen. Und sind zu stolz irgendein Trinkgeld anzunehmen, auch wenn sie wirklich sehr wenig verdienen. Unsere Fotos aus der Heimat sind da Gold wert.

Feilschen ist hier Alltagskultur. Selbst im Shop, denken wir uns manchmal. Betrogen oder beklaut wird man hier nicht, selbst schuld, wenn man zu viel bezahlt, lautet hier das Motto.

Ja, und noch ein Wort zum Essen hier: natuerlich muss man essen, aber wir lieben es! So nehmen wir immer extra-Portionen unterwegs mit, die wir abends dann vor dem Zelt verspeisen. Manchmal reicht es sogar noch fuer ein Fruehstueck (Curry Huhn Superscharf, das hilft fuer die ersten 30km).

Campen am Meer und im Wadi

Die Hitze hat uns heute im Griff. In Sur, an unserem oestlichsten Punkt angelangt, muessen wir ueberlegen, wie es weitergeht. Zum Campen gibt es hier nichts Feines, daher die Frage wie weiter.

Bis jetzt lief alles doch recht gut, und die Improvisationskuenste wurden schon mehrfach benoetigt. Reifenwechsel, Schuhreparatur, Gepaeckstraeger-Remontage, und und und. Nach dem Stress in den Strassen von Muscat sind wir durch ein enges Tal in den Osten gefahren. Nach insgesamt 40 km hatte aber Beate (uebernaechtig da wir wenig bis keinen Schlaf auf dem Hinweg hatten) genug. Ich sah ihr gruenes Gesicht, da gab es dann einen Stop bei Shell:

  1. ein arabisches Isostar
  2. eine Kaeseteigtasche
  3. ein Lift nach Qurayat

Der Lift war ein Tauschgeschaeft mit Khalif, einem Omani mit einem Pickup. Er nimmt uns mit, dafuer gibt es ein bisserl Benzin-Geld, ein Foto von der Heimat, und wir bekamen Bananen, Transport und ein bisschen omanischer Karaoke.

Bei Qurayat sind wir dann wieder auf die Drahtesel umgesattelt, haben unterwegs indisches Essen einpacken lassen und 10km weiter zum Strand fuer die erste Nacht. Und immer und ueberall sehr gastfreundliche Menschen, die uns aus ihren Haeusern Wasserflaschen und Eis bringen.

Am naechsten Tag eine 70km Etappe auf einer noch nicht fertigen Schnellstrasse mit wenig Verkehr, gutem Belag, Kamelen und Baeume kletternde Ziegen, sowie einem ersten Crash von mir: bei einer Abfahrt begann mein Extra-Wheel zu schwanken, so sehr dass es mich rausgeschmissen hat. Nichts groeberes passiert, ausser dass ich die niedrigsten drei Gaenge nicht mehr schalten kann. Naja.

Dafuer war die Nacht im Wadi Tiwi sensationell. Leider kann ich von hier aus keine Bilder mitschicken, da der Computer hier ziemlich alt ist. Im Wadi konnten wir sogar baden und uns waschen, inklusive Muezin-Weckruf um 5.00 (klang aber sehr schoen in diesem engen Tal!).

Mehr Geschichten und hoffentlich auch Bilder vom naechsten Internet-Cafe, wahrscheinlich in Ibra.

Praktisch schon auf dem Weg…

Nun, morgen sollte es soweit sein: Check-in am Flughafen München, mit Bikes, Gepäck und einen Haufen Wasserflaschen und Sonnencreme.

Bleibt uns auch noch zu danken bei all denen, die uns geholfen haben, diese Reise auf den Weg zu bringen:

Die erste Hürde wartet: Schneeschauer, Windböen etc zwischen Dornbirn und München am Samstag morgen – das heißt früher aufstehen, langsamer fahren…
Die nächste Meldung sollte über Twitter kommen – entweder vom Flughafen München, Abu Dhabi oder Muscat!

Oman-Reiseroute

Und nun vielleicht ein paar Zeile zu unserer Route. Auf der ersten Karte findet sich die Region – links die Vereinigten Arabischen Emirate, im Norden die Straße von Hormuz und der Iran, und im Osten (rechts) der Oman. Die Strecken, die hier eingezeichnet sich, haben wir vor uns:

  • rot: per Mountainbike
  • grün: per Auto, Taxi, Anhalter ?
  • braun: per Bus

Zur Bike-Strecke habe ich hier eine etwas genauere Karte. Die Schleife beginnt in Muscat und zieht sich zunächst über die Berge und entlang der Küste bis nach Sur, der östlichste Punkt. Wir wollen per Fahrzeug-Transport die nächsten 150km bis nach Ibra überwinden, dann geht’s mit dem Rad durch die Wüste bis nach Nizwa. Von hier aus geht es nochmals gute 230 km über die Berge wieder an die Küste und nach Muscat retour. Insgesamt hat die Schleife gute 630 Fahrradkilometer, sowie knapp 3.000 Höhenmeter.

Die Straßen sind recht unterschiedlich – von Asphalt über Schotter ist alles drin. Also: genug Schläuche mitnehmen…

Nachtrag – hier die entsrechenden Blog-Einträge zu unserem Oman-Trip:

Oman-Vorbereitungen: Zu unseren Reise-Tools

Eine Reise auf Rädern, in einem Gebiet mit “anderer” Infrastruktur, über 10 Tage und mit fremder Sprache erfordert ein wenig Vorbereitung. Ein Augenmerk gilt natürlich unserer Ausrüstung, denn ohne diese wird’s auch mit dem Radeln nichts werden.

  1. Transport: unsere Mountainbikes. Das eine (Beate) mit einem mobilen Tubus-Gestänge ausgestattet, damit auf das Hinterrad Satteltaschen passen. Das andere (Mark) mit Lenkertasche und dem Anhänger (Extra-Wheel), welches schon das eine oder andere Bike-Abenteuer erlebt hat. Was jetzt zählt, ist Gewicht zu sparen, wo es nur geht…

  2. Wasser: Da wir meist in Wüsten unterwegs sind oder in gebirgigen Gegenden, die so mancher Karstlandschaft nahe kommen, außerdem mit Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad am Tag rechnen müssen, ist Wasser unsere Hauptpriorität. Wasser werden wir unterwegs kaufen, wenn es möglich ist (ich weiß jetzt schon, dass ich mich über jede Tankstelle freuen werde, die wir entdecken). Wasser schleppen ist natürlich keine feine Sache, da äußerst schwer. Für alle Fälle haben wir unseren Keramikfilter mit, der auch aus Wadi-Wasser noch Trinkwasser macht. Allerdings erst nach ordentlicher Pumparbeit.
  3. Orientierung: die nächste Herausforderung. Wir sind ja nicht in einer Horde von Radlern unterwegs, und haben auch keinen Guide. Kartenmaterial für den Oman ist kaum oder in schlechter Qualität zu bekommen. Viele Strecken sind laut Angaben anderer Oman-Veteranen recht gut, manche sehr schlecht beschildert. Die Orte verfügen über mehrere Schreibweisen, das wird uns das richtige Abbiegen auch nicht erleichtern. Mit unserem Garmin-GPS Gerät wollen wir zumindest markante Punkte ansteuern, die ich bereits Zuhause eingegeben habe. Auch mit Hilfe von Google Maps, einer weiteren Straßennavigationssoftware und einem Zeichenprogramm habe ich die komplette Strecke vorbereitet und als Roadbook zusammen gestellt. Das Ergebnis sind rund 50 Seiten Straßen- und Satellitenfotos, mit Geo-Koordinaten, Höhenprofilen, Wegmarkierungen, Entfernungen, und: eingetragenen Tankstellen!

  4. Essen: das kleinste Übel. Kochgeschirr, Gaskocher, und die kleinen Restaurants unterwegs. Der Rest ist Improvisation.
  5. Schlafen: Hotels gibt’s zwar schon welche im Oman, nur meist nicht dort, wo wir gerade Lust haben, stehen zu bleiben. Wir machen’s den Omanis nach und campen wild mit Zelt am Meer oder in der Wüste. Ab und zu wollen wir aber auch so richtig duschen – dann heißt es in den größeren Städten: ab in ein Hotel aus 1000 und einer Nacht…
  6. Kommunikation: mit den Omanis probieren wir es auf English und mit Händen & Füßen. Wenn’s gar nicht mehr geht, dann holen wir unseren Kauderwelsch-Sprachführer “Arabisch” heraus. Mit der Außenwelt wollen wir üpber Internet-Cafés plaudern und diesen Blog befüllen. Offensichtlich gibt’s die nur in den großen Städten. Dazwischen werde ich twittern – also über mein C702 SonyEricsson SMS an Twitter und damit an diesen Blog (die aktuellsten 5 Beiträge sind immer oben rechts auf diesem Blog zu lesen) und an eine Oman-Karte (klick’ auf das Oman-Bild rechts oben im Blog oder weiter unten in diesem Beitrag) übermitteln. Damit sollten auch unsere letzten Positionen durchgegeben werden. Was ich leider nicht tun werde: Bilder von unterwegs über mein Mobiltelefon per eMail an den Blog schicken, denn 7 Euro per MB ist nicht saftig teuer, sondern schlicht Wucher. Ein Bild mit einer schon kleinen Auflösung hat locker 0,5 MB.

Ach, wie schön doch so Pläne sind. Was ich jetzt schon weiß: die Hälfte wird davon nach den ersten 50km nicht mehr gültig sein. Und dann kommt das wirkliche Abenteuer: improvisieren, reparieren, sich anpassen. Und dazu brauchen wir Werkzeug und jede Menge Klebeband, Schnüre und Material. Oder zwei Kamele, für Beate und mich…. ;D

Was uns erwartet III: Arabien

Wir alle haben gängige Vorstellungen von Arabien in unseren Köpfen: Sindbad und die 40 Räuber, Sir Lawrence von Arabien, Ölscheichs, reges Markttreiben zwischen Ost und West, Hitze und Wüste, Luxus und Sittenstrenge. Und dann noch eine ordentliche Portion Islam hinzu.
Hier also ein paar Fakten, die Oman, das südwestliche Land auf der arabischen Halbinsel, betreffen:

  • Kaum Einnahmen aus dem Ölgeschäft, irgendwie ist Oman links liegen gelassen worden bei der Vergabe von Ölfeldern…
  • Immer schon ein begehrter Zwischenstopp auf dem Weg von Europa nach Asien und umgekehrt. Heute hat es weiterhin eine strategisch wichtige Position an der Meerenge von Hormuz, dem Eingang in den Persischen Golf.
  • Die berühmte arabische Gastfreundschaft hat sich im Oman besonders erhalten. Das werden wir sicher überprüfen können, wenn wir einsam als Exoten mit Rädern unterwegs sind.
  • Gemäßigter Islam: kein Verschleierungsgebot für Frauen, Kopftuch ist aber angesagt. Wir werden uns mit entsprechender Radkleidung anpassen. Touristen werden nicht zwangskonvertiert, zumindest bis heute nicht.
  • Gleichstellung: tja, diese Zeilen sollten Frauen und besonders Gleichstellungsbeauftragte überlesen – wie fast überall im Nahen Osten ist die Rolle der Frau in der Gesellschaft erst langsam am Wandeln. In der Öffentlichkeit hat eine Frau nichts zu melden – ob in der Politik oder auf der Straße. Wie wir, und besonders Beate, damit umgehen werden, tja, das wird ein gewisser Lernprozess….
  • Essen: arabische und indische Küche – etwas, was wir schon auf unseren anderen Touren genossen und heiß geliebt haben. In diesem Punkt ist die Reise ein Heimspiel.

Schöne Erinnerungen an das indische Viertel von Singapur

Es gibt also neben Landschaften vor allem eines zu entdecken: die omanische Lebensweise. Wir werden Ausschau halten!

Was uns erwartet II: Pflanzen & Geologie im Oman

Nach der ersten – tierischen – Einführung in das südwestliche Land der arabischen Halbinsel geht’s nun weiter mit der typischen Flora. In einer Wüste wird es wohl nicht geben, und wenn man an die grünen Wiesen unserer Berge denkt, dann ist der Kontrast frappierend. Und doch: wo nur das kleinste Wasserrinnsal ist, dort ist auch grünes Leben.

In den Oasen der Wüste wie auch in den tiefen Schluchten und Canyons der Bergketten findet sich, was bei uns auch hin und wieder auf dem Tisch landet: Datteln. Datteln sind nicht nur sehr zuckerhaltig, sondern auch vitaminreich. Damit habe ich schon meine Ausrede gefunden, diverse Sorten vor Ort auszutesten. Denn es gibt rund 350 Dattelsorten im Oman, und in Nizwa den berühmtesten Dattelmarkt. Sollten wir nicht übermüde vom Rad fallen, dann sollte sich dort ein Besuch ausgehen…

Der zweite in der Hitliste der omanischen Pflanzen ist wohl die Boswellia Sacra, der arabische Weihrauch. Nicht nur zu sakralen Action gedacht, sondern auch zur medizinischen: Hildegard von Bingen empfiehlt ihn z. B. gegen Schwerhörigkeit.

Die eher karge Landschaft besteht dann aus diversen Büschen (vor allem Akazien, Maulbeerfeigen und Jasmin) und Gräsern, und in einer gewissen Höhe existieren auch Wacholder, Ölbäume, Zedern und Euphorbien. Im Großen und Ganzen war’s das, bis auf ein paar künstlich angelegte Haine und Golfplätze.

Was den Untergrund betrifft, so kann man von einem Untergrund eigentlich schwerlich sprechen. Denn er ist ja überall sichtbar. Je nach Gegend werden unterschiedlichste geologische Formationen offenbar, manche so alt, dass Oman zu den für Geologen interessantesten Forschungsstätten.

Was hat der Oman also optisch zu bieten? Nun, an den nördlichen Küsten Fjorde, ja Fjorde; die restliche Küste ist ein einziger Sandstrand, unterbrochen von steilen Klippen (man stelle sich die Algarve vor). Im Landesinneren geht die Vielfalt weiter: karge Ebenen, ausgetrocknete Flussläufe, die bei Regen zu reißenden Strömen werden. Steile Bergketten, die 3.000 m erreichen; mehrere Hochplateaus, die nur über Schotterstraßen erreichbar sind; Azur-blaue Wasserpools, eine Landschaft bespickt mit grünen Oases. Gegen Nordosten dann die große Leere, die Sandwüsten hin Richtung Saudi-Arabien. Das flache Land zieht sich in den Süden, bis es auf den Jemen trifft, Sanddüne auf Sanddüne.

Was uns erwartet I: Tierwelt im Oman

Eine kleine Serie von kurzen Porträts zum Sultanat Oman möge einen Einblick geben, wo wir demnächst unseren Fuß hinsetzen wollen. In ein Land, das nur so verschieden sein kann wie es nur möglich ist, von dem, was wir als “Vorarlberg” kennen.

In diesem Post geht es um die Fauna in diesem Land am westlichen Horn der Arabischen Halbinsel. Das Aushängeschild der Tierwelt ist sicher der Arabische Oryx, eine von Aussterben bedrohte Antilopenart, die zahlreiche Wappen und Flaggen der Region ziert. Leider sind diese Tiere nurmehr in Naturschutzreservaten zu finden. Diese Zonen sind in letzter Zeit noch kleiner geworden, und erfahren durchaus intensiver touristischer “Nutzung”. Wir werden uns also fernhalten…

Ein anderes, geschütztes Tier des Sultanats sind Meeresschildkröten, welche u.a. in der Nähe von Sur (ein Etappenort auf unserer Tour) ihre Eier legen. Auch dort soll es zu touristischen Auswüchsen kommen, und wir werden das mal vor Ort prüfen, ob ein Besuch der Strände vertretbar ist.

Mit Arabien verbindet man sicherlich das Bild der durch die Wüste ziehenden Dromedare, aber das ist vielleicht eines der wenigen Tiere, die a) nicht vom Aussterben bedroht sind, b) die auch Autofahrer zu Gesicht bekommen, und c) auch in Städten u.a. für Tierrennen eine Verwendung finden. Viele andere Säugetiere sind dagegen an die Randregionen des Landes gedrängt: der arabische Leopard, die arabische Gazelle, Wölfe, Hyänen, Füchse, Wüstenhasen, …

Das im Oman vorkommende Thar könnte eines der wenigen Wildtiere sein, denen wir auch außerhalb der Städte auf unseren Pfaden durch die Berge begegnen könnten: eine Art Bergziege auf arabisch.

Dann gibt es neben den über 450 Vogelarten auch jene Tiere, die bei manchen Panik auslösen: Schlangen, Krabbeltiere, Skorpione. Manche Schlangen sind zwar giftig, aber sehr scheu. Die bekannteste Art (leider auch sehr giftig) ist die Sandrasselotter, eine Vipern-Art. Dummerweise flieht diese Schlange nicht, sondern versteckt sich bei Gefahr. Da kann es theoretisch passieren, dass man drauf steigt… also: immer mit festen Schuhen aus dem Zelt in der Nacht zum Pinkeln gehen, Stirnlampe nicht vergessen ;D

Die Chancen, das eine oder andere Wildtier zu entdecken sind eher bescheiden, auch wenn wir leise durch die Gegend radeln werden. Daher im nächsten Post: die Flora und die Geologie des Landes.