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Tour der Düfte: im Nationalpark di Gargano

Endlich gibt es was zu tun. Von Vorarlberg bis nach Manfredonia sind es gute 1.100 Kilometer, das zieht sich, trotz Stop in Ravenna und Übernachtung bei Civitanove Marche, und wir sind immer noch nicht am Start unserer ersten Radrunde. Wir wollen einen feinen, abwechslungsreichen Anfang mit dem Rennrad machen – entlang der Küste und dann schön im Schatten der Bäume und der Kühle der Höhe durch den Nationalpark di Gargano. Es verspricht viel, und hält einiges. Ist wohl das Motto unseres Soultrips nach Sizilien.

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Blick auf den Strand von Mattimata

Nicht nur dass wir in Mattinata zum ersten Mal das Auto zurücklassen, sondern auch unseren Fuß in den Sommer 2013 setzen. Die Route ist nicht gar schwierig zu finden, folgt man letztlich immer der Küstenstraße (SP 53) und später landeinwärts auf der gleichen Straße bis nach Vieste. Der Weg hat für uns fantastische Ausblicke parat, und der Verkehr hält sich moderat zurück. Auch im Landesinneren fühlen wir uns wohl, und die vielen Auf und Ab’s machen es nur abwechslungsreicher. Die Serpentinen und langsamen Anstiege werden zu einer Reise der Gerüche, jeden Meter ändert sich die Duftmischung aus Feigen, Oliven, Thymian, Rosmarin, Lavendel, Kiefern und Zypressen. Düfte lassen sich mit meinem begrenzten Wortschatz schwer beschreiben, aber wenn man da durchfährt, dann kommen die allergrößten und tiefsten Erinnerungen an Orte hoch, die man schon längst vergessen hatte.

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Fischreusen

Die erste Enttäuschung ist wohl Vieste, im Sommer wohl die Touristen-Hölle, mit Massen-Camping Zaun an Zaun. Schade drum, und schon sind wir nach zwei verwirrenden Kreisverkehr-Regelungen aus der Stadt heraus und auf dem Weg in das Herz des Nationalparks di Gargano.

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85 km, 1.600 Hm

Der ständig leicht ansteigende Weg könnte auch im Hochsommer gut befahrbar sein, denn die Bäume bieten ausreichend Schatten. Unsere Trinkflaschen sind aber dennoch bald leer, und wir sputen uns hinauf auf einen nicht deklarierten Pass, vorbei an herrenlosen Viehherden und im Wald herumstreunenden Schweinen. Unsere Augen beginnen bald nach einem geeigneten Nachtplatz zu suchen, und immer wieder werden wir fündig. Schließlich, nachdem wir wieder in einer flotten Fahrt und einer Vollbremsung wegen “irrer” Schafe wieder in Mattimato ankommen, entscheiden wir uns für das nächstgelegene Plätzchen mit wunderbarer Aussicht.

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wenig los an der Küste

Nach einer recht frischen Schnellwäsche in der Adria fahren wir über die Stadt hinaus und richten uns über Olivenhainen ein. Das Essen kocht, frischer Thymian und Rosmarin wird von der Wiese geerntet. Matteo, der Olivenhainbesitzer, stattet uns einen Willkommensbesuch ab, und wünscht uns eine feine Zeit. Am liebsten hätte er uns sein Haus über den Hängen der Stadt gezeigt, da ist die Aussicht noch besser. Die Sonne senkt sich, wir schauen noch aus dem offenen Wagen hinaus, zunächst auf das Meer, dann auf den sternenklaren Himmel. Es geht weiter in den Süden, nach Puglia.

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Radler-Essen oder typische Büssle-Mahlzeit?