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Roca Pelada: Unterwegs auf Privatbergen

Gauchos jagen Wildschweine in der Pampa, Poxo quert mit uns in seinem Geländewagen Flüsse und wir versuchen Gipfel und Couloirs zu erklimmen. Klingt fast nach Alltag, hier in Los Molles / Las Lenas. Aber so einfach ist es nicht immer. Es stürmt, es schneit, und dann sind die Pisten gesperrt und wir dürfen nicht darüber hinaus. Wir wollen auf die andere Talseite, aber wie wir später feststellen, das ist alles Privatland und gehört irgendeinem Superreichen aus Malaysien, der auch das Skiresort betreibt. Es ist alles privat hier, auch die Berge, und das in einem Umkreis von 15 Kilometern. Wir holen uns die Genehmigung, aber für das Wegerecht verlangt man von uns 30 Euro, pro Tag, pro Nase. Wir lassen das bleiben, umgehen die Sicherheitsleute in das nächste Tälchen, welches wir vor Tagen schon mal befahren haben (Roca Colgando).  Auch das ist privat, uns aber letztlich vollkommen wurscht, weil das ein Witz ist.

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eine Tour ohne Security

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und trotzdem fein, steil und schneereich

Gestern steigen wir neben Pisten hoch und fahren diese ab. Reiner Zeitvertreib, denn im unteren Teil des Tales ist abseits der Pisten der Schnee mager, und weiter oberhalb sind diese gesperrt. Am nächsten Tag fährt Maren mit, neu in unserem Hostal (übrigens sehr empfehlenswert!). Unsere Tour führt uns unterhalb des Roca Colgando zum Parallelcouloir, hinüber zum Roca Pelada (ca. 3.300 m). Es bläst uns fast aus dem Couloir, Beate verliert ihre Ski am Skidepot für einige hundert Meter, der Bruchharsch macht uns zu schaffen, aber letztlich löst sich alles fein im Pulver auf und Maren kann ihre Telemark-Künste vorführen.

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im Hintergrund Cerro Las Lenas

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Maren zeigt ihre Telemark-Schwünge

Las Lenas ist Privatland, und mit diesen Regeln und Kosten eigentlich kein wirkliches Skitourengebiet mehr. Schade, es gäbe hier viel zu tun, denn die Couloirs sind zahlreich und steil. Für Skitourengeher ist die Welt ein bißchen kleiner geworden. Habe ich es schon mal erwähnt: ich mag keine Ski-Ressorts.

Cerro Ponce: Schwerarbeit

Der Schnee ist gefallen. Ein bißchen zuviel – in zwei Tagen rund 1,5 Meter. Nach unserem ersten Couloir am Roca Colgando sehen wir die Notwendigkeit, einen Skitouren-Start etwas höher anzusetzen und denken an die Skipisten um Las Lenas (ca. 2.200 m). Der Plan geht zunächst nicht auf: die meisten Pisten sind wegen Lawinengefahr bzw. Sprengung von Lawinenhängen gesperrt. Wir weichen also aus und marschieren kilometerlang weiter ins Tal in Richtung Cerro Soldado. Aber wir kommen nicht vorwärts, bleiben im tiefen und schweren Schnee regelrecht stecken. Etwas frustriert kehren wir nach einem langen und harten Arbeitstag zurück nach Los Molles in unser feines Hostal.

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ein stürmischer Aufstieg

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im tiefen Schnee

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die Bergwelt um Las Lenas

Am Tag darauf prächtiges Frühlingswetter – Sonne, Wärme und in der Höhe böige Winde. Wieder probieren wir es mit der Piste, und kommen zunächst ein paar hundert Höhenmeter sehr einfach hinauf. Als wir dann in den Tiefschnee abbiegen, beginnt die Arbeit. Alle fünfzehn Minuten wechseln wir uns beim Spuren ab, es geht sehr langsam voran. Wir erklimmen ein Plateau auf ca. 3.100 m und spuren Richtung Süden. Der tiefe Schnee nimmt kein Ende, und die Zeit vergeht wie im Flug. Zu unserer Rechten entdecken wir einen schönen, unberührten Steilhang, unterhalb des Cerro Ponce (3.600 m). Den müssen wir einfach nehmen, und zeichnen mit unserer Spuranlage unsere Unterschrift in die Berge um Las Lenas.

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bereits kurz unter dem Grat am Cerro Ponce

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schöne Steilhänge

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etwas Pulver, aber schwer

Die Abfahrt wird leider noch mühsamer als der Anstieg. Im tiefen Schnee bekommen wir auch bei einem Gefälle von mehr als 40° kaum Fahrt. Weiter unten und kurz vor der Piste kommt dann auch noch ein Deckel dazu. Die Skipiste kommt also wie gerufen, die wir in wenigen Minuten bis zur Talstation abfahren. Wir kehren nach Los Molles zurück, und ich checke die Wetterprognose für den nächsten Tag. Es ist noch mehr Schneefall angesagt.

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Anmarsch in der Pampa

Roca Colgando: eine Nacht im Bus, dann Spurarbeit im Tiefschnee

Wir verlagern unser Basecamp von Bariloche nach Los Molles (15km von Las Lenas und 200km von San Rafael) in einer Tag und Nachtaktion: das ganze Equipment zum Busbahnhof in Bariloche, dann mit dem Übernachtbus nach San Rafael und weiter mit einem Bus nach Los Molles, wo wir im Nichts aussteigen und erstmal nach unserem Hostal schauen müssen. Ich mache mich auf die Suche, während Beate unser Material bewacht. Kaum bin ich mit einem Auto auf dem Weg zurück zu ihr, kommt sie mir schon mit einem Pickup entgegen.

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ab in den Couloir – die Punkte in der Mitte des Schneefelds sind keine Felsen sondern Hasen

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Blick zurück ins Tal

Nach einem schnellen Frühstück fahren wir zu unserer ersten Tour im Gebiet um Las Lenas (ca. 2.200 m). Unser Ziel ist ein Grat, den wir über einen breiten, aber steilen Couloir erreichen. Es liegt viel Schnee. Unser Gastgeber meint, wir hätten Glück. Den Winter lang hat es kaum geschneit. Ein Sturmtief hat in den letzten Tagen fast einen halben Meter Neuschnee gebracht. Mehr ist angesagt. Mein Herz schlägt schneller. Im Couloir selbst ist die Sicht beschränkt, die Wolken hängen tief, und der Schnee ist schwer. Die Spurarbeit ist Schwerarbeit heute, aber nach einem Tag des Nichtstuns ist eine Wohltat, im Wind und Schneefall diesen Hang hinaufzusteigen. Die vielen Hasen hier haben ihre Gaudi im Schnee, und als wir oben am Grat (3.420 m, Roca Colgando) ankommen, genießen wir das wilde Wetter mit einer Jause. Die Abfahrt selbst ist fast genauso anstrengend wie der Aufstieg – der schwere Schnee erlaubt trotz des steilen Gefälles keine schnelle Abfahrt, und das fahle Licht tut sein übriges. Hey, wir haben viel Schnee, und das zählt. Bienvenidos a Los Molles!

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wir kämpfen uns hoch

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der tiefe, schwere Schnee erlaubt trotz der Steilheit keine schnelle Abfahrt

Impressionen aus Bariloche

Ende der 90er Jahre war ich das letzte Mal in Bariloche, Argentinien. Es war interessant, wieder durch die Straßen der Stadt zu schlendern, das eine oder andere Gebäude wiederzukennen. Club Andino de Bariloche, die Patisserien, die Seilbahnen und Refugios in den Bergen um die Stadt herum. Ein schönes Wiedereinkehren im Refugio Frey. Hier fühle ich mich wohl.

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viele Einwanderer hier…

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viele Gebäude hier im Hüttenstyle

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Frühling beginnt nun auch hier

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super gsi!

Refugio Frey: das Couloir-Trainingscamp

El Chaltén ist Vergangenheit, sehr zu unserem Bedauern, und nun finden wir uns weiter im Norden auf dem Refugio Frey (1.743 m), oberhalb von Bariloche. Es ist Wochenende, und auf der Hütte einiges los. Tagestouristen am Sonntag, eine Filmcrew von Black Diamond am Freitag. Wir geraten unfreiwillig in das Shooting für den Winterkatalog 2015/16 und haben also einen kurzen Einblick in die Modelle der Zukunft. Ich bin wohl der einzige Händler, der jetzt schon weiss, was kommt.

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Refugio Frey, im Vordergrund die Laguna Toncek

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auf dem Weg zu einem der vielen Couloirs

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die Qual der Wahl

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hin und wieder zu steil für Ski

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aber jetzt geht’s endlich nach unten

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und wieder nach oben

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herrlich…

Die Schneelage ist hier am Cerro Catedral etwas enttäuschend. Es ist zwar genug für Skitouren da, aber hart und eisig mit einigen Lawinenkegeln am Ausgang der zahlreichen Couloirs, die das kleine Tälchen am Refugio Frey wie ein Amphitheater abschliessen. Aber es ist, wie es ist, und man muss nehmen, was man bekommt. Verwöhnt vom Cerro Madsen und Loma de Diablo, müssen wir schnell umsatteln: auf wenig Sicht, Harscheisen und Skibrille. An drei Tagen fahren wir die Hälfte aller möglichen Couloirs, bei unterschiedlichen Bedingungen. Mal eisig, hart, im Sturm, dann wieder in der Sonne, im Pulver. Fantastisch. Man muss nehmen, was die Berge bieten. Couloirs ohne Ende, und Möglichkeiten für mehrere Tage. Am Abend sitzen wir zufrieden in der Stube der Hütte, unterhalten uns mit unseren Tischnachbarn simultan in Englisch, Französisch und Spanisch. Der Hüttenwirt wünscht uns viel Glück, als wir wieder ins Tal absteigen (3,5 Stunden hinauf, 2,5 Stunden hinab – wieder mit den Ski am Rucksack).

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ich beim Black Diamond Shooting

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Welchen Couloir fahren wir als nächstes?

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wir steigen überall hoch

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mit tollen Skidepots

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und rassigen Abfahrten

Cañadón Negro: vor dem Flug, schnell noch eine Tour

Der letzte Tag in Ushuaia ist angebrochen. Und wieder ein Tag mit einem klaren Morgenhimmel. Wir stehen etwas früher auf, sind im Morgengrauen über der Stadt, wieder bei der Skischule am Glaciado Martial. Statt wie bei unserer Nachttour zur Virgen gehen wir diesmal etwas gegen Osten, zum Cañadón Negro, einem Joch mit schöner Aussicht ins steil abfallende Nachbartal. Der Aufstieg dauert nur zwei Stunden, ein Vormittagsspaziergang, bevor wir am Nachmittag zum Flughafen müssen – El Chaltén mit Fitz Roy wartet!. Die Abfahrt geht flott von der Hand, auch wenn der große Pulverhang vermisst wird. Ushuaia, ich möchte länger bleiben!

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der Canadon Negro in Sichtweite

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Blick vom Joch ins Nachbartal

Cerro Bonete: einmal rundherum

Wir stehen auf, schauen aus dem Fenster, und die Sterne leuchten uns entgegen. Den vierten Tag in Folge hier in Ushuaia. Den Schlaf hatten wir nötig – nach zwei Touren gestern am Cerro Alvear und Cerro Martial. Der etwas längere Hock bei Nati hat unsere Nacht nochmals etwas verkürzt. Dennoch sind wir um acht Uhr morgens in Skischuhen aus dem Haus und starten in eine letzte größere Tagestour: um den Cerro Bonete, so etwas wie der Klassiker hier.

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unser Spielplatz heute, li hinten der Cerro Bonete

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Bush-Whacking

Die Tour lässt sich folgendermaßen beschreiben: Das Talbett des Rio Esmeralda muss erstmal gequert werden, und später auf schmalen Waldweg zickzack ins Tälchen zur Laguna Esmeralda hinauf. Es braucht eine Weile dorthin zu gelangen, aber dann wird es erst recht etwas anstrengend, als ein dichter Bergwald zu queren ist. Ski ab. Ein steiler Couloir folgt, mit sehr hartem Schnee am Morgen. Die Ski bleiben am Rucksack, bis sich das Couloir öffnet und zurücklehnt, zu einer breiten Rinne, die von Norden um den Cerro Bonete (1.064 m) führt, letztlich zu einem Joch, der den Berg von den Tres Mujeres trennt. Dieses Joch bietet uns eine kurze Gelegenheit zur Brotzeit, und wir entschließen uns zu einer Traverse, d.h. wir fahren nach Südwesten ab und umrunden quasi den Cerro Bonete.

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steile Gegenseite

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das letzte Drittel zum Joch

Die Abfahrt bietet wenig Pulver auf harter Unterlage, also ein schnelles Vorwärtskommen wie auf einer Piste. Im Flachen müssen wir nochmals die Felle anlegen, und der Weg zurück zum Val de los Lobos, unserem Ausgangspunkt, zieht sich entsprechend. Mit dem Autostopp haben wir Glück – wir werden bis vor die Haustüre gefahren!

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der Gipfel von gestern – Cerro Alvear

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Blick vom Joch ins Valle Carbajal

Cerro Martial: Nachttour über Ushuaia

Um 16.45 kommen wir vom Cerro Alvear zurück. Eine Viertelstunde später steht Nati mit dem Taxi vor der Gartentüre. Aufgeht’s zur Nachttour zum Cerro Martial! Wir verschlingen noch schnell ein Jausebrot, und dann sind wir schon auf dem Weg zum Refugio im ehemaligen Skigebiet oberhalb von Ushuaia.

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Abend über den Beagle Kanal

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Beate und Nati im Aufwärtsdrang, re oben unser angestrebter Sattel

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Ushuaia und die Nacht

Die Tour selbst ist einfach: zunächst folgen wir der ehemaligen Skipiste, dann weiter flach bis zum Talschluss nördlich von Ushuaia. Von hier geht es steil zum Martial-Gletscher. Auf Steilstufen folgen Flachpassagen, und so gelangen wir bald bis kurz vor einem Sattel, den wir rechts verpassen und stattdessen auf einen Felsen zu steuern, der unter dem Namen “Virgen” firmiert. Es ist bereits stockdunkel, als wir die Felle abziehen und nun im Scheinwerferlicht der Stirnlampe den Steilhang abfahren. Dieser lange Hang ist geladen mit Pulver, und so ist dieses Teilstück ein Leichtes und ein Vergnügen. Im Dunkeln im Pulverschnee zu schweben ist immer etwas ganz Feines. Weiter unten finden wir unterschiedliche Schneeverhältnisse vor, aber in Summe auch im letzten Abschnitt immer wieder Pulver! Das macht eine Nachttour besonders angenehm, ebenso das spätere Abendessen bei Nati – Gracias!

Cerro Alvear: windstilles Patagonien

Die täglichen Ausfahrten aus Ushuaia werden am dritten Tag (Monte Olivia, Cinco Hermanos ) zur Routine. Diesmal ist aber Beate dabei, ihr Verdauungsapparat hat wieder Normalbetrieb aufgenommen, und sie kann nun erstmals seit 3 Monaten wieder in die Ski steigen (ihre letzte Tour in diesem Jahr war am Mt. Shasta). Am heutigen Tag steigen wir wieder an der Hauptstraße 3 (‘Tierra Mayor’) aus, queren das Tal des Rio Esmeralda nach Norden entlang einer Langlaufloipe und zischen zwischen den Bäumen ins Tälchen, an dessen Ende der Cerro Domo Blanco ragt.

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Einstieg ins Zielgebiet

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Cerro Blanco Domo im Hintergrund, unsere Route führt rechts hinauf

Der lästige Teil der Route folgt nach einem etwas längerem Flachstück zum Talende hin, quer durch einen relativ steilen Bergwald entlang einer tiefen Rinne, die wir im oberen Teil als Weg (und die Ski am Rücken) nützen. Wir steigen oberhalb der Baumgrenze aus dieser Rinne und finden von hier weg wunderschöne Wege zu unserem Tagesziel vor: dem Cerro Alvear (1.374 m). Der weitere Aufstieg ist von einem Wechsel aus Flachpassagen, Rinnen, Mulden, Graten, Steilaufschwüngen und am Schluss auch einer Tragepassage gekennzeichnet. Wir bekommen wieder alles, was eine Tour haben kann, inklusive völlige Einsamkeit und unverspurte Hänge.

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Cerro Alvear im Blickfeld

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wieder ein Traumtag um Ushuaia

Vom Gipfel haben wir wieder eine feine, steile Abfahrt. Dem Wald können wir bei unserer Abwärtsbewegung gut ausweichen und werden bis zum Talboden feine Schwünge ansetzen. Das gemütliche Hinausgeleiten aus dem Tal bis zum Ausgangspunkt, nun in der Nachmittagssonne, geht flott. Die Schlittenhunde an Tierra Mayor wittern schon ein Laufvergnügen, als sie uns dahergleiten sehen, ein Heulkonzert bricht los, aber wir sind nicht interessiert. Stattdessen haben wir wieder schnellen Erfolg beim Autostopp, welches uns rechtzeitig nach Ushuaia bringt. Denn eine Viertelstunde später steht schon unser Abendtermin vor der Tür: eine Nachttour mit Nati zum Cerro Martial!

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die letzten Meter zum Gipfel mit Ski am Rücken

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Gipfelblick über das Berge-Meer

Cinco Hermanos: Mehr kann man nicht verlangen

Zweiter Skitouren-Tag in Tierra del Fuego, und weiterhin Traumwetter am Ende der Welt. Kein Wind, fast wolkenloser Himmel, und Schnee noch reichlich vorhanden. Aber Beate bleibt liegen, der Verdauungsapparat stottert. Also steige ich wieder solo am Valle de los Lobos aus dem Bus, und delle den Waldweg von gestern bis zum vegetationslosen Plateau hinauf. Heute treffe ich keine Seele an, heute gehören diese Berge mir allein.

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die ersten Steilstufen zum Sattel, mein Weg führt etwa mittig nach links

Recht flott komme ich an meine geplante Abzweigung. Ich sehe zwei steile Stufen, lege mir den Weg fest und platziere die Harscheisen unter meinen Ski. Der Schnee ist im Osthang noch pickelhart, und die Neigung schon so steil, dass dies eine gute Entscheidung ist. Meine Linie ist direkt und locker über 35° steil, hat aber genug “Schultern” für sichere Zwischenpunkte. Relativ schnell bin ich am Sattel, der mich mehrere Dinge sehen lässt: Monte Olivia und den gestrigen Vorgipfel von der hinteren Seite; Ushuaia und seinen Hafen; und letztlich mein Tagesziel: die Cinco Hermanos (1.209 m), ein prächtiger Kamm mit fünf Gipfeln.

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gut 20m Höhe hat dieser Windkolk

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Monte Olivia (re), li die Bucht von Ushuaia

Mich interessiert vor allem ein Couloir am linken Rand des Kamms: lang, sehr steil und gut gefüllt mit Schnee. Ich komme mit den Ski gut ein Drittel des Couloirs hoch, dann muss ich abschnallen und die Ski am Rucksack befestigen. Gleichzeitig geht mein Helm auf meinen Kopf, denn von oben prasselt es nur so von Eis und Schnee. Ein Schutzschild wäre hier das passende Werkzeug. Schnurstracks stampfe ich in gutem Trittschnee das Couloir hoch, welches bestimmt 40°, in manchen Segmenten vielleicht noch mehr, Neigung aufweist. Schnell überwinde ich die gesamte Länge von vielleicht zweihundert Metern und stehe am Kamm zwischen zwei der fünf Brüder. Was für ein Blick! Der Beagle-Kanal scheint so nah und tiefblau. Den kleinen Bruder mache ich locker in wenigen Schritten, sein größerer Nachbar allerdings benötigt ein Seil zur Sicherung – die Aussicht auf einen Schneerutsch gefällt mir nicht: ich wäre mehrere hundert Meter mitgegangen, recht bodenfrei.

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die Cinco Hermanos von Norden

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von den Cinco Hermanos aus gesehen: der Beagle-Kanal

Die Abfahrt lässt mich etwas überlegen. Hält der Schnee in dieser Neigung? Ich mache zwei vorsichtige Schwünge. Bombenfest. Und so geht es schneller und fließender durch den breiter werdenden Couloir bis zum Fuß des Gipfelhangs. Perfekt! Ohne Pause traversiere ich zum Sattel, bevor es nach einer kurzen Routenwahl in die zweite Steilabfahrt des Tages geht. Oh, alles bestens und nach wenigen Minuten bin ich schon im altbekannten Flachteil, der mich dann doch noch zu einer Essenspause überredet. Die Ruhe ist überwältigend, und mein Hunger auch. Eine Tour, die alles hat – Steilheit, Einsamkeit, Freiheit der Routenwahl. Mehr kann man nicht verlangen. Die Waldabfahrt verlangt nochmals etwas Aufmerksamkeit, und schon stehe ich an der Straße Nr.3 und halte den Daumen hoch. Ein erster Wagen kommt, und hält.

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der zweite Teil der Abfahrt

Monte Olivia: Skitouren auf Feuerland

Bolivien liegt hinter uns, und damit die Höhenbergsteigerei. In Ushuaia, dem größten Ort im argentinischen Tierra del Fuego, liegen wir auf Meeresniveau. Die Luft ist klar und frisch, der Schnee fast auf Seehöhe, und ich nur noch zappelig auf die erste Skitour hier. Beate muss mit einer Darmgeschichte das Bett hüten, ich springe derweil zwanzig Kilometer im Valle de los Lobos auf die Ski und ziehe meine Spur zunächst durch dichten Wald, dann über sanfte Hügel und Senken, und später steil auf zwei Erhebungen, die als Vorgipfel zum Monte Olivia (1.326 m) durchgehen können.

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prächtige Winterlandschaft über Ushuaia

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Cinco Hermanos

Auf meinem vermeintlichen Solo-Gang treffe ich auf zwei Spanier und eine Norwegerin. Das Dreier-Gespann hat den gleichen Sattel im Visier, also gehen wir flott gemeinsam hinauf. Als sie mich dann im Steilhang zum Monte Olivia sehen, bekommen auch sie Lust auf mehr. Derweil kraxle ich auf den Schnee-bedeckten Felsen des Vorgipfels herum, als ich herunterkomme, ist auch schon das Trio am Skidepot.

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Blick ins Valle Carbajal

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mein zweiter Gipfel heute – Skidepot

Die Abfahrt ist eine Mischung aus windgepresstem Schnee, etwas Harsch, und in einigen Couloirs auch Pulver. Ich jauchze, das Skitouren ist einfach eine andere Welt.

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etwas Kraxlerei zum gegenüberliegenden Grat

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teilweise pulvrige Verhältnisse bei der Abfahrt

Illimani: Schneegewitter im 5400m-Biwak

Wir sitzen auf der Bordsteinkante, Calle Illampu im Zentrum’ La Paz, zwei 75-Liter Rucksäcke hinter uns an die noch geschlossene Geschäftsfront gelehnt, behängt mit Zelt, Helm, Seil. Passanten gehen vorbei, andere bauen ihre mobilen Geschäftsstände auf, ein Hund streunt herum. Die pralle Sonne dringt noch nicht bis zur Straße hinunter, aber es ist jetzt schon warm, und unser Fahrer verspätet sich. Unsere letzte Tour. Unsere letzte Ausfahrt aus der bolivianischen Metropole. Fast schon eine Routine. Verpflegung für vier Tage zusammenstellen, Fahrer und Unterkünfte organisieren, packen, umpacken, Depot zurücklassen.

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Anfahrt durch einen Canyon

Wir sitzen auf der Bordsteinkante, Calle Illampu im Zentrum’ La Paz, ich denke an die Wetterprognose und ob es sich lohnt, die vier Tage in etwas wenig zu Realisierendes zu investieren. Aber vier Tage in La Paz? Lärm, urin-getränkte Straßenluft, beengte Hotel-Zimmer? Ich schließe kurz die Augen, und es ist sonnenklar, dass wir hier weg wollen. Der Fahrer kommt und wir sind für drei Stunden Gäste in einem stickig-heißen Wagen, dessen Seitenfenster sich nicht öffnen lassen, auch weil die staubigen Straßen, auf denen wir über Pässe und durch Canyons rollen, dies nicht zulassen. Etwas benommen steigen wir in Pinaya (ca. 3.900 m) aus, satteln die schweren Rucksäcke auf Maulesel und starten ohne großes Herumgetue zum zwei Stunden entfernten Basecamp (ca. 4.400 m) auf. Eigentlich nichts anderes als eine große Pferdeweide, auf der bereits andere Zelte stehen – zwei andere Teams, die auf den Illimani steigen wollen.

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Base Camp Leben

Am nächsten Morgen sehen wir, wie dies funktioniert: Bergführer, Koch und Träger. Wir brechen früh auf, um den Tross zu entgehen. Auf dem Sattel (ca. 4.900 m) zum Hochlager holt uns der erste Träger ein. Dann kommen die anderen. Es sind Frauen. Ein Teil davon bestimmt älter als sechszig. Die haben gleich viel Gepäck auf dem Buckel wie wir. Mit Sandalen laufen die da hoch, dahinter die Bergtouristen mit ihren Jauserucksäcken. Woa! Scham? Wut? Ungläubigkeit! Und daheim vom großen Bergabenteuer erzählen! Ich schüttle den Kopf. Nie, nein, niemals! Entweder ich habe das Zeug, meinen Kram da selbst hinaufzuschleppen, oder ich bin des Gipfel’ nicht würdig. Da sind wir uns einig, stemmen den Rucksack auf den Rücken und steigen weiter hoch, über dieses unangenehme Geröll aus Platten und losen Steinen. Nach fünf Stunden erreichen wir schneefrei das Hochlager (Nido de Condores, 5.450 m). Kaum ist das Zelt aufgebaut, beginnt ein erster, heftiger Schneefall.

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die Trägerinnen auf dem Weg zum Hochlager

Im Zelt leben wir inzwischen recht gemütlich. Es ist keine fremde Wohnung mehr. Kochen aus dem Schlafsack heraus, Zähne putzen, essen, packen. Die Sonne kommt wieder heraus, wir schöpfen aus einer mit Wasser gefüllten Gletscherspalte Wasser, und schauen, wie die Guides und Köche das Essen für die Bergtouristen zubereiten. Wir sind wie fast immer die Ausnahme – tragen selbst, kochen selbst, führen selbst. Das macht uns interessant für die Guides hier, und es entspinnen sich oft neugierige Gespräche, die meist mit einer Mischung aus Bewunderung, Respekt und Verständnis auf Seiten der Führer enden. Sie sehen, was wir machen und was wir machen können, ohne sie (Huayna Potosi, Pequeno Alpamayo).

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am Gipfelgrat: Blick zum wenige Meter entfernten Gipfel

Die Wolken rasen über unsere Köpfe in dieser Höhe, und bald geht die Sonne unter und wir sind frohen Mutes, dass das angesagte schlechte Wetter ein paar Kilometer von uns entfernt vorbeistreift. Das tut es leider nicht, der Gringo-Wetterdienst hat es besser im Griff als der selbstvertraute Bergführer aus Bolivien. Um zehn Uhr nachts bricht wie aus dem Nichts ein heftiges Unwetter über dem Illimani aus, Blitze fegen in die Grate und Spitzen in diesem Bergmassiv, Schnee fällt in großer Menge und der Donner brechender Seracs erschüttert unsere ausgesetzte Position am Westgrat. Alles ist so schnell gekommen, dass wir nicht einmal unsere Blitzableiter (Pickel, Schnee-Anker, und anderes “lange” Metall) in sichere Entfernung bringen können. So hocken wir auf unseren Matten im Zelt, zählen die Sekunden vom Blitz bis zum Einschlag, greifen im Dunkeln in die Haare, um zu sehen, ob sie schon geladen wegstehen, zucken bei manchen knappen Krachern so richtig zusammen, und irgendwann fangen wir einfach an zu essen und uns lustige Geschichten aus Ring of Fire zu erzählen.

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Blick zurück zum Südgipfel des Illimani

Die Nacht ist letztlich wieder sehr kurz. Das erste Team macht sich schon um halb Zwei auf, das andere um halb Drei. Wir ziehen um Drei los, wollen nicht ewig in der dunklen Kälte marschieren. An das Frühstücksbrot mit Marmelade denke ich noch später in der Wand. Die einfachen Dinge zählen doppelt. Die Kälte der Nacht beißt an den Fingern und Zehen, aber wir haben die zwei Teams vor uns, die eine Spur durch den tiefen Neuschnee ziehen. Wir profitieren von diesem Dienst, denn der Weg vom Hochlager zum Südgipfel des Illimani ist durchwegs stetig steil. Die Spalten sind recht gut zu sehen, die Route einfach zu sehen. Einige Schneebrücken wirken dünn und fragil, und der Sprung darüber kostet in dieser Höhe Atemluft, so dass wir oft auf der steilen Bergseite für Sekunden pausieren müssen. Im Zick-Zack geht es immer weiter hinauf, die Nacht scheint ewig lang, aber irgendwann bricht die Morgendämmerung durch, und wir haben noch gute zwei Stunden zu gehen. Es schneit noch immer, und mittlerweile sind über zwanzig Zentimeter Neuschnee dazugekommen. Die letzte große Hürde, ein mächtiger Bergschrund knapp unter dem Gipfelgrat, ist offen wie ein Scheunentor, mit einer zwanzig Zentimeter breiten Schneebrücke. Wir springen lieber. Der Weg zum Südgipfel (6.438 m) ist nicht mehr allzuweit und steil, aber wir haben unser Pulver verschossen und müssen uns recht langsam hinaufquälen. Wir pushen uns gegenseitig. Mal brauche ich mal eine Pause, mal Beate. Am Seil kann man kein eigenes Tempo gehen, am Seil ist man angebunden.

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im Hochlager mit Blick auf die Route

Der Gipfel selbst ist unscheinbar, und wir haben wieder einmal Schwierigkeiten, den Scheitel richtig zu lokalisieren. So laufen wir einmal darüber und wieder zurück. Der Wind ist hier besonders stark, aber er bläst die Wolken weg und wir sind heute wohl die Einzigen, die einen passablen Rundumblick bekommen. Die anderen zwei Teams sind mittlerweile auf dem Weg retour, völlig leer, aber wir müssen auch noch herunter, und das ist jede Menge Anstrengung. An einer steilen Traverse geht mir ein Steigeisen ab, und schon bin ich im Flug nach unten, in einem Augenblick habe ich zehn Meter Höhe verloren. Reflexartig drehe ich mich auf meine Bauchseite, Liegestütz-Ausgangsposition und bremse den Fall vollständig ab, bevor das Seil greift, welches als Sicherungsmittel in den Händen von Beate liegt. Ich krabble wieder hoch, lege die Steigeisen an, und wir steigen weiter ab. Alles Kraft raubend, in über 6.000 m Höhe. Durstig und müde erreichen wir das Hochlager, müssen hier nach einer kurzen Rast alles abbauen, verstauen. Zwischen jedem Handgriff zwei tiefe Atemzüge, und wieder weitermachen. Während die anderen Teams die Last auf die Träger verladen und über den mittlerweile verschneiten Steig absteigen, klettern wir mühsam mit über zwanzig Kilo am Rücken diesen rutschigen Weg ab.

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Bedingungen beim Abstieg zum Base Camp

Der Weg ist lang und beschwerlich, und lange nicht vorbei. Der Durst quält uns mittlerweile, und ich treibe mich vorwärts mit der Aussicht auf unser kleines Depot, dass wir zwischen den großen Felsen unweit des Base Camp versteckt angelegt haben. Es ist tatsächlich da, als wir gegen 15.00 dort ankommen. Ich bin glücklich. Das Zelt steht, und ich öffne eine große Dose Pfirsich-Hälften. Und dazu für jeden eine große Cola! Das Leben meint es gut mit uns. Das Leben kriecht in uns zurück. Eine Dose Pfirsich-Hälften, das ist alles, was es manchmal braucht.

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im Tal…

Pequeno Alpamayo: We are from Austria. We don’t need a guide.

Jetzt hat es mich doch erwischt, im 7. Monat von Ring of Fire. Eine frische Nacht in La Paz, ein längeres Herumspazieren in den lebendigen Straßen des Abends, und schon hänge ich mit Fieber, lahmen Gliedern und dickem Hals zwei Tage in den Seilen. Die steilen Gassen im Zentrum der Stadt werden zur Herausforderung, und Beate besorgt mir ein Aspirin und Lutschtabletten. Aber auch sie bleibt nicht verschont: weniger von Bazillen, sondern wird ein Opfer einer Floh-Attacke im Hostel-Bett.

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Unsere Transport-Companie zum Basecamp

Deutlich angeschlagen nehme ich die Reise nach Tuni (ca. 2,5 Autostunden) in Angriff. Wir sind uns angesichts meiner konditionellen Verfassung und der Größe unseres Gepäcks (wir haben zusätzlich ein 2. Seil, Steileisgeräte und sonstiges Extra-Material für eine technische Route mit) schnell einig, dass wir die Dienste von Packeseln in Anspruch nehmen wollen. Zu unserer Überraschung ist es eine junge Señora, die die zwei Esel drei Stunden zur Laguna Chiar Khota (4.600 m) treibt. Ich taumle wie ein angeschlagener Boxer mit weichen Beinen hinterher.

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das Wetter für bolivianische August-Verhältnisse recht unbeständig

Am See stehen bereits ein halbes Dutzend Zelte, meist Wanderer, und wir finden einen windgeschützten Platz, der uns für zwei Nächte etwas mehr als fünf Euro kostet. Das Wetter ist wechselhaft, manchmal gar dunkel, und spät am Abend fällt etwas Schnee. Ich schlafe schnell ein, müde von diesem Spaziergang, unsicher, ob ich am nächsten Tag meine Beine zu mehr Leistung motivieren kann. Der nächste Morgen ist entsprechend mühsam, aber wir schaffen es kurz vor fünf aus dem Zelt und stolpern im Dunkeln durch eine Moorlandschaft, später über leicht ansteigende Moränenrücken zur Gletscherzunge. In der Morgendämmerung setzen wir auf den steiler werdenden Gletscher über – manche Spalten sind vom frischen, verwehten Schnee verdeckt. Wir orientieren uns im Zick-Zack hinauf, begegnen einer Seilschaft, die wegen des tiefen Schnees umdreht. Ein Gruß, und wir stoßen weiter vor zum Sattel unterhalb des Nevado Tarija (ca. 5.300 m), den wir in wenigen Minuten etwas steiler nehmen. Die Cordillera Real präsentiert sich mystisch dunkel in schwarz-weiss. Endlich sehen wir auch unser Tagesziel: der Pequeno Alpamayo (nicht zu verwechseln mit dem Alpamayo in der Cordillera Blanca, Peru).

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ein Morgen in der Condoriri-Gruppe

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steil zum Gletscher-Sattel hinauf

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der erste Blick auf den Pequeno Alpamayo

Von hier müssen wir gute 100 m Fels abklettern, nicht immer angenehm in Steigeisen, um final über zwei schwindlig aussehende, aber stabile Schneebrücken den Gipfelgrat (WSW) zu erreichen. Hier wird’s etwas steiler (bis zu 55°), ist aber immer noch einfach mit einem gewöhnlichen Gletscher-Pickel zu bewältigen. Wir gehen am kurzen Seil. Nach etwas Schnaufen, meist im soliden Neve mit darunter liegendem Eis, stehen wir am Schnee- und Fels-Gipfel des Pequeno Alpamayo (5.370 m), genießen die Sicht, hinüber zum Huayna Potosi und den Rest der Cordillera Real, und steigen dann ohne großes Herumsichern über den selben Weg ab.

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der schöne Grat zum Gipfel des Pequeno Alpamayo

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die chilenische Seilschaft – Enzo, Eduardo & Javier – im Mittelteil des Grates

Vor dem Wiederaufstieg zum Tarija begegnen wir eine chilenischen Dreierseilschaft, eine willkommene Pause für alle. Der restliche Abstieg bleibt ohne Vorkommnisse, auch wenn wir einige Spalten etwas großräumiger umgehen als vielleicht am Morgen, und auch meine Beine fühlen sich gut an. Habe ich ständig nur meine Kondition, die Routenfindung und die Kommunikation mit meinem Seilpartner im Kopf, vergesse ich vollkommen, trotz des bewölkten Tages, meine Sonnenbrille im Rucksack. Das hat Folgen, und die nächste Nacht wird eine Qual. Brennende, tränende Augen, und dazu keine Luft, da die Nase vollkommen dicht ist. Ich schlafe im Sitzen, wenn überhaupt. An eine Tour am nächsten Tag ist nicht mehr zu denken, ich ärgere mich tausendfach, denn das Wetter ist grandios und mein eigentlicher Berg, Cabeza de Condoriri, wartet da ohne dass wir den scharfen Grat jemals betreten.

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diesen Berg mussten wir auslassen – Cabeza de Condoriri

Eine Niederlage, ohne den Kampf überhaupt aufgenommen zu haben. Das ist bitter, und der Weg zurück nach Tuni ist entsprechend niedergeschlagen und müde. Aber wie mit allen Niederlagen, so ist es auch mit dieser: kurz nachdenken, etwas daraus lernen, und dann wieder aufstehen und weitergehen. Wir werden weitergehen, wenn auch dieser Tag nach langen Stunden in La Paz sein völlig erschöpftes Ende nimmt. Der Portier unseres neues Hostels (Floh-Wechsel) fragt, welche Berge wir gemacht haben. Und mit welchem Guide. Unsere Antwort: „Somos de Austria. No necessitamos un guia. We are from Austria. We don’t need a Mountain Guide. Wir sind aus Österreich. Wir brauchen keinen Bergführer.“

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Cordillera Real

Huayna Potosi: Seilschaft Buzinkay macht’s am Nachmittag

Der erste Wecker geht um 04.00 morgens. Die Nacht war schnell vorbei. Wir wollen heute gemütlich auf 5.400 m aufsteigen und dann wieder nach unten gehen. Akklimatisation nennt sich das. Und doch schielen wir mit einem Auge auf den Gipfel. Das Wetter soll sich verschlechtern, und sollten wir locker auf die geplante Höhe kommen, warum nicht weiter gehen? Wir möchten uns diese Option offen lassen, und beenden die Nacht um vier Uhr morgens.

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Huayna Potosi vom Charquini aus gesehen

Doch der Plan geht nicht auf. Beate fühlt sich nicht gut, und wir beschließen im Zelt zu bleiben. Alles andere macht keinen Sinn. Drei Stunden später sieht die Welt anders aus. Beate ist bereit, und um kurz nach acht verlassen wir das Zelt. Es ist sonnig, und alle anderen Seilschaften am Berg stehen kurz vor dem Gipfel des Huayna Potosi. Wir aber wandern gemütlich vom Zongo Pass (4.750 m) über Moränen zum Moränencamp. Alles ist fein und locker und wir legen Steigeisen an. Wir sind am Gletscher angekommen.

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Aufstieg zum Campo Moreno

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schon unter dem Gipfelgrat

Einige Minuten später erreichen wir das etwas höher gelegene Lager. Wir fragen bei den anwesenden Guides nach etwas Wasser, in der Sonne des Vormittags geht es uns rasch aus. Wir bekommen es, aber die anwesende Gruppe von mehr als zwanzig italienischen Touristen grüßt nicht einmal. Wir verlassen diesen Ort rasch, und marschieren schnurstracks zum Gipfel. Stufe für Stufe, Kehre für Kehre, und bald haben wir den Gipfelhang erreicht. Das Wetter und die Bedingungen sind perfekt – sehr gute Sicht, kaum Wind, harter Trittschnee. Wir queren hinüber zum Gipfelgrat, passieren längs einen schönen Bergschrund, und dann nach einer sehr kurzen Steilstelle geht es in wenigen Minuten über den Grat zum Gipfel des Huayna Potosi (6.088 m), den wir kurz nach drei Uhr nachmittags erreichen. Hier drängen sich normalerweise die Seilschaften, aber um diese Uhrzeit sind wir völlig ungestört. Nach wenigen Minuten verlassen wir die Höhe über den etwas steilen Osthang, und später auf dem Normalweg bis hinunter zum Pass. Die Runde dauert etwa neun Stunden. Wir bedauern die anderen, die mitten in der Nacht aufbrechen, am Seil eines Bergführers, und erst am Rückweg etwas von ihrer Umgebung mitbekommen. Diese Tour ist locker während des Tages und vom Zongo Pass aus machbar, und ich sehe keine Notwendigkeit für ein Nachtlager auf 5.300 m. Meine Gedanken, die wohl keiner der bolivianischen Mountain Guides teilen würde.

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dunkle Wolken am Nachmittag

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Beate am Gipfelgrat

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gemütlicher Abstieg in der Nachmittagssonne

Am nächsten Morgen kann ich lange ausschlafen, und in aller Ruhe das Lager abbauen. Ein Tag der Pause, auch später in La Paz. Pause, Regeneration, Vorbereitungen für die nächste Mehrtagestour in die Cordillera Real. Wir sind in Bolivien.

Charquini: Einlaufen in der Cordillera Real

Meine Zeit in Peru ist um. Arequipa hat mir gefallen, der Chachani (6.075 m) weniger.  Nach einer weiteren Nacht im Bus von Arequipa nach Puno, sitze ich eine weiteren langen Tag im Bus über eine chaotische Grenze bei Copacabana am Titicaca-See nach La Paz in Bolivien. Dann sehen wir uns wieder, es gibt jede Menge zu erzählen, und schon haben wir nur noch die nächsten Touren-Tage in der Cordillera Real im Kopf. Beate hat ihren Tag mehr in La Paz genutzt, um alles für diesen ersten Trip zu organisieren.

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re schlängelt sich der Wanderweg am Fels entlang

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über Block- und Moränengelände zum Gletscher, der Charquini re hinten

Der Transport von La Paz zum Zongo-Pass (4.750 m) dauert länger als versprochen, dennoch können wir kurz nach Mittag unsere Rucksäcke schultern und zu einer ersten Tour aufbrechen. Für Beate eine reine Akklimatisationstour – nach ihrer Zeit an der ecuadorianischen Küste eine Notwendigkeit; für mich eine erste Einführung in diese Berggruppe.

Über einen hübschen, manchmal ausgesetzten Wanderweg spazieren wir zum Fuß des Charquini, der etwas südlich des Zongo-Pass steht. Bald drehen wir gegen den Berg, folgen Steinmännern und Bächen, direkt zum kleinen Gletscher. Hier brauchen wir kein Seil, denn der Schnee ist steinhart und die Spalten sehr klein und gut sichtbar. Die wenigen hundert Höhenmeter vergehen schnell, und bald stehen wir unter dem Granitfelsen, der den Gipfel (5.392 m) markiert. Wir klettern über Platten und kleine Risse zum Grat empor, dann etwas ausgesetzt zum höchsten Punkt. Das brüchige Gestein macht die Sache etwas interessanter. Hier sind wir ganz allein, keine Selbstverständlichkeit in unmittelbarer Nähe des Huyani Potosi.

Kurze Zeit später klettern wir ab, und über den Gletscher sind wir rasch wieder am Wanderweg. Wolken rollen über den Pass, der bald im dichten Nebel eingehüllt ist. Hier spürt Beate die Höhe erstmals, und wir errichten unser Zeltlager rasch am Pass auf 4.800 m. Im Schlafsack ist es dann wohlig angenehm, und die Nacht bleibt ruhig. Wir wollen zum Huyani Potosi, am nächsten oder übernächsten Tag.

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der flache Gletscher zum Charquini

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Granitplatten- und risskletterei gegen den Grat

Chachani: 6075 Meter Schotter

Mühselig. Übrig. Nie wieder. Ich sage mir diese Worte ständig, während des Aufstiegs, und besonders dann im Abstieg. Da war die Idee richtig gut, nachvollziehbar, und umgesetzt: von Huaraz nach La Paz sind es 3 Nächte und 4 Tage im Bus, und auch wenn die Busse jeglichen Komfort bieten, endet man wie Thunfisch in der Dose. Warum also nicht in der Hälfte der Fahrt einen Stopp einlegen und auf einen 6.000er marschieren?

Ein pensionierter Geologe fährt mich gegen gutes Geld zum Ausgangspunkt für die Tour. Es ist 01.00 nachts und ich marschiere in die Dunkelheit. Die Weg-Info habe ich von einem angehenden Bergführer auf einen Zettel gekritzelt bekommen. Selbstverständlich wird das nicht genügen, denn die Versprechen, es gibt nur einen Weg, sind für die Fisch’. Und da wird für mich nach einer guten Stunde die Wegsuche wieder einmal zur zentralen Aufgabe.

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nach Sonnenaufgang erfreut mich das Bild des Chachani-Nachbarns

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übler Weg durch loses Geröll

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meine Abholstelle: Blick in die trockene Cordillera Occidental

Den mit Steinmännern markierten Weg, den ich nehme, verdanke ich dann einen mühsamen Aufstieg in losem Geröll. In der Dunkelheit ist nicht zu erkennen, was über mir herrscht, doch bald wird mir klar, dass ich die sicher nicht die einfachste Variante gewählt habe. Ich suche mittlerweile weglos einen Durchschlupf durch die Felswände, finde ihn, und ohne groß zu klettern übersteige ich die Krone auf die andere Seite und orientiere mich in Richtung Normalweg. Als ich dann nach über vier Stunden etwas Schnee unter meinen Schuhen spüre, weiss ich, ich bin auf der Gipfelhaube angekommen. Müde und lustlos drehe ich sofort um, will eigentlich nurmehr runter von diesem Geröllhaufen. Der Abstieg wird mich fast gleich viel Zeit kosten wie der Aufstieg, weil ich noch im Dunkeln heruntertappsle. Ich bin müde von diesem Geröll, und meine Konzentration lässt nach, so dass es mich ein Dutzend mal hinlegt. Mein Fels-Trainer Edi hätte den passenden Namen für diesen Weg: „Route du Kack“. Ich schmunzle nur kurz, der Weg aus dem Tal zum Ausgangspunkt dauert, und ich reiss mich nochmals zusammen und will eigentlich nur mehr schlafen, als ich auf meinen Fahrer warte. Doch der kommt zwei Stunden zu spät, und irgendwie passt das alles zu diesem Berg, den man einfach nur meiden sollte. Wenn alle Vulkane im Altiplano so beschaffen sind, dann verzichte ich gerne darauf.

Vicos: Abschiedstour aus der Cordillera Blanca

Ich habe mein Camp am Lago Lagiachocha aufgeschlagen. Einen Tag habe ich noch, und das Wetter verspricht großartig zu werden. Die Nacht ist fast windstill, sternenklar. Um 03.30 hüpfe ich aus dem Zelt und marschiere im Scheinwerferlicht über Moränen in Richtung Süden. Mein Ziel ist der Nevada Vicos und sein kleiner Gletscher. Doch im Dunkeln eine Distanz über mehrere Kilometer zu bewältigen, besonders in einem stark zerklüfteten Gelände, ist nicht einfach. Als ich dann eine dunkle, 200 m hohe Gestalt neben mir stehen entdecke, habe ich einen ersten Anhalt. Es dauert noch eine gute halbe Stunde, bis ich danach endlich den Gletscher fassen kann. Was nicht heißt, dass ich ihn endlich betreten kann. Diese Einstiegslücke muss ich suchen, und das dauert.

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ein herrlicher Morgen, Nevada Vicos zum Greifen nahe

Als es langsam dämmert, bin ich schon auf dem knirschendem Weiss. Der Hang ist steil, so dass ich die Ski am Rücken lasse. Ich nehme einen ersten Vorgipfel, und dann sehe ich in einigen hundert Metern Entfernung den Hauptgipfel des Nevada Vicos (5.315 m).  Der Himmel ist klar, die Luft still. Ohne Mühe steige ich durch die steilen Hänge zum Gipfelgrat, entdecke unter mir eine Dreier-Seilschaft über einen anderen Weg zum Gipfel aufsteigen. Am Gipfel habe ich immer noch meine einsame, ruhige Viertelstunde, esse meine Marschjause vollständig auf (am Nevado Copa hatte ich zehn Schoko-Riegel, 400 g Trockenfrüchte, 200 g Dulce de Leche mit – um ein Chimborazo-Desaster zu vermeiden). Der Morgen ist herrlich, mein Blick schweift zum Gipfel des Nevada Copa, aber auch auf die andere Talseite – zum Tocllaraju, Ishinca und Urus.

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vom Gipfelgrat Blick zum Nevada Copa

Die Abfahrt ist kurz, der Marsch zum Basecamp ein Vielfaches. Eine Skitour, auf der ich die Ski mehr am Rücken trage als sie mich. Ich genieße den Vormittag dennoch. Um 09.30 bin ich zurück und habe viel Zeit, meine Sachen zu packen und mit Theofelio, meinem fast zahnlosen Eseltreiber (60), die Hänge zum Dorf Vicos abzusteigen. Am späten Nachmittag bin ich wieder in Huaraz, ein letztes Mal, bevor es weiter in den Süden Perus geht. Der Abschied fällt mir schwer, drei Wochen in dieser Bergwelt. Aber im Süden warten neue Berge, neue Herausforderungen.

Nevado Copa: Den Mutigen gehört die Welt

Um vier Uhr morgens schaue ich das erste Mal aus dem Zelt. Schneeschauer, Nebel, Sicht um die zehn Meter. Ich schnaufe tief durch und ziehe die Zeltwand hinter mir zu. Nächster Check: 06.00. Das Wetter bessert sich nicht. Ich packe trotzdem. Ich will bereit sein für den kleinsten Anschein einer Chance. Ich muss sehen können, wo ich in dieses felsige, dann eisige Couloir einsteige. Und die Chance kommt.

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im peruanischen Dorfleben, warten auf die Esel

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Ms. Moviltours, vom Team Black Diamond

Um halb Acht sehe ich in die Wolken und denke, die Decke ist dünn. Eventuell ist auf 5.000 m schon Sonne. Ich bin rasch fertig und starte in die über Nacht verschneite Landschaft am Laguna Lagiachocha (4.700 m). Kein Weg zu sehen, ich muss mir meine Schritte über die lange Moräne selbst wählen. Erinnerungen kommen hoch. An die Sucherei am Red Slate Mountain. An die mühsame Moränenquerung am Concavito. Ich gehe ein paar Schritte, schaue, gehe weiter. Der Weg dauert, und als ich endlich am Couloir ankomme, lichtet sich der Nebel und ich sehe diese Pracht, die ich nun als Teiletappe zum Nevado Copa (6.188 m) nehmen werde, vor mir. 45°, 15 cm Schnee, darunter Eis. Fein! Ski am Rücken, Steigeisen, beide Steileisgeräte in den Händen. Ich nehme jede Stufe, schnaufe kaum, schaue aber viel um nicht irgendwo in eine Sackgasse zu rennen. Als sich das Couloir abflacht, bekomme ich den ganzen Wind, der den Grat bearbeitet, ins Gesicht, für den Rest des Aufstieges.

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Start in einen herausfordernden Tag

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im Couloir reisst der Himmel auf

Etwas später, und ich blicke zum ersten Mal in die Weite des Gletschers. Hier unten flach, und weiter oben sehr zerfurcht, mit enormen Spalten und Seracs. Ich weiss, ich darf hier nicht in der Mitte meinen Weg suchen. Zu groß ist die Gefahr in den Wolken eingehüllt komplett die Orientierung zu verlieren. Ich steuere auf den Grat zu, mehr Wind, aber ich weiss, woran ich mich halten muss. Die Sicht ist schlecht, und da dieses Jahr noch niemand hier oben war, bin ich auf meine eigene Spürnase angewiesen. Endlich, endlich, ein wahrer Solo-Gang! Unberührt wie eine Erstbesteigung, offenbart sich mir der Berg stets einhundert Meter weit, und oft muss ich Minuten abwarten um etwas Sicht zu erhaschen.

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irgendwo in diese Richtung…

Ich fühl mich großartig, allein und ausgesetzt, und wenn der Verstand auch manchmal sagt, dreh’ um, mein Herz ist nun in den Beinen, denn die gehen einfach weiter. Die Ski laufen, ich quere Spalten, navigiere durch dieses Labyrinth mit Glück und Weitsicht, vorbei an Abgründen. Es macht mir nichts aus, aber ich wünsche mir mehr Sicht und weniger Wind. Ich bekomme es nicht. Als ich auf der Schulter des Nevado Copa (knapp unter 6.000 m) ankomme, also dort, wo der Grat scharf nach Nord dreht, verdunkelt sich die Welt um mich. Es ist 14.30, aber fast so schwarz wie in der Nacht. Der Wind wirft mich beinahe von den Ski. Ich mache mich klein, warte ab, entscheide mich für ein Skidepot. Es einzurichten dauert in diesem Sturm. Oder ist es ein Gewitter? Das Anlegen der Steigeisen ist hier mühsam. Ich gehe weiter, vielleicht zweihundert Meter Distanz, ich gehe auf die Knie, der Wind spielt mit mir. Ich sehe nichts mehr. Bin ich noch am Grat, am Aufstieg, beim Abstieg, am Gipfel? Ich weiss es nicht. Der Gipfel kann es nicht sein, dämmert es mir, der Grat ist dort steil und schmal, und hier ist nur Weite. Ich habe plötzlich Angst, mein Skidepot nicht mehr zu finden. Ich blicke zurück, sehe noch meine Spur, und ich weiss sofort, was ich tun muss.

Es fehlen vielleicht 200 Höhenmeter zum Gipfel des Nevado Copa, aber mit Wechten ist nicht zu spaßen, wie ich weiss, bei so wenig Sicht. Ich bin schnell im Abfahrtsmodus, aber vorsichtig, fast schon zaghaft bei der Abfahrt. Ich erkenne die Spalten, die ich beim Aufstieg passiert habe. Je näher ich dem Eiscouloir komme, dem einzigen richtigen Orientierungspunkt an diesem Tag, desto besser wird die Sicht. Als ich in diesen einfahre, scheint die Sonne über mir. Wie auf einer großen Bühne. Die Wandergruppe am Laguna Legiacocha bekommt meine Steilabfahrt in dieser Enge zwischen Felsen und Eis bestens mit.

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Nevado Copa am Vortag, ganz links der Couloir-Einstieg, der Gipfel selbst ist nicht zu sehen

Als ich die Ski abschnalle und den mühsamen Irrgarten der Moränenhänge durchsteige, denke ich mir, die Welt gehört den Mutigen. Das war die gewagteste Solo-Tour, die ich je gemacht habe. Ohne Sicherung, allein, bei miesem Bergwetter, ohne Spur. Auch ohne Gipfel ein Unternehmen der Extra-Klasse. So stelle ich mir Solo-Touren vor. Eine Herausforderung. Es muss etwas auf dem Spiel stehen. Es erfüllt mich mit Leben, jeder Augenblick so wichtig, jeder Moment so präsent. Die Welt gehört den Mutigen, und an diesem Tag gehört der Nevado Copa mir. Dieser Tag ist ein Meilenstein.