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Reise durch Ecuador – Übersicht

Hier habe ich nochmals alle Teile der Ecuador-Geschichte übersichtlich zusammengefasst:

Quito:
Stromausfälle Teil 1 und Teil 2, das Grand Hotel und die Guerilla-Basis, Zeit ohne Sicherheit, am Äquator,

Auf nach Baños:
Out of Quito, Ankunft in Baños, schwimmende Steine

Im Amazonas-Urwald:
der Amazonas wartet, viel Matsch, der erste Weg, die ersten Opfer im Wald, Nächte am Amazonas, Wasserfall, am Boden liegend, eine Nacht wie ein Sturm, Palmenmark und Chicha

Zurück in der Zivilisation:
Fried rice in Puyo, Rückkehr nach Quito, Holzschlangen, Check-in, Übernächtig in Frankfurt

Palmenmark und Chicha – Ecuador XVIII

In dieser Nacht hatten wir Besuch gehabt. Am Bachufer fanden sich frische Tapir-Spuren, und auch in meinem Rucksack hatten sich ein paar Termiten eingefunden. Über die Frösche konnte ich und mein Begleiter nur noch lachen, denn jedesmal wenn wir diese Kreaturen quaken hörten, signalisierte der Indio, wie er zwei ordentliche Portionen für eine Mahlzeit daraus kreieren würde: mit einer Hack-Bewegung nach unten. Ein Running-Gag im Dschungel.
Das Frühstück artete zu einer Ess-Orgie aus, denn wir sollten an diesem Tag zum Haus des Jungen zurückkehren und dort auf den Jeep aus Puyo warten. Daher wollten wir so wenig wie möglich mit uns herumschleppen. Es gab wie immer Fladen, Marmelade, Kaffee. Diesmal kochte ich. Nach dem Abbräumen des Lagers wateten wir das Wasser hinauf und zurück, nochmals lange Stunden durch den Wald. Ich erkannte viele Pflanzen wieder, und erinnerte mich mit Wehmut an das gestrige Abendmahl, als wir das Mark einer Palme, welche wir für den Bau des primitiven Kopfschutzes gebraucht hatten, aufaßen.
Ich hatte an diesem Tag noch weitere kulinarische Köstlichkeiten auszuprobieren, so als wir an einem kleinen Zuckerrohrfeld am Ende des Tracks vorbeikamen, da bissen wir uns im wahrsten Sinne des Wortes durch.
Die ganze Familie des jungen Führers freute sich, als wir an ihrem Hof ankamen. Bald gab es Huhn, und ich durfte ein Bier-ähnliches Gebräu testen, das einfach nur grauslich war: Chicha.
Chicha ist aus Kartoffel-ähnlichen Knollen und gärt in großen Plastikbehältern in der Sonne. Nach mehreren Tagen sei es reif, sagen die Leute hier, es schmeckt irgendwie sauer und verzog mein Gesicht in alle Richtungen. Ich trank es um den Leuten hier einen Gefallen zu tun. Beate, I felt disgusted by this, aber ich hoffte, am Abend nach einer heißen Dusche ein richtiges Bier in der Hand zu halten.

Lesen Sie weiter: Fried rice in Puyo – Ecuador XIX

Eine Nacht wie ein Sturm – Ecuador XVII

In dieser Nacht ging mir vieles durch den Kopf. Es kam aus der Dunkelheit und über meine Ohren und verdichtete sich zu phantasievollen Gebilden, die in meiner Vorstellung an Bedeutung gewannen. Ich sah Teller-große Kröten neben mir sitzen, Schlangen vorbei schleichen und Tapire ins Gebüsch huschen. Affen tobten in den Kronen, und so manches Insekt erkundete meinen Schlafsack.
Es war sehr anstrengend alle fünf Sinne in Alarmzustand bereit zu halten, und auch wenn ich todmüde war, an ein Einschlafen war nicht zu denken. Ich hatte das Gefühl in einem Körper eingesperrt zu sein, der von außen belagert wurde. Ich konnte nichts sehen, also hatte ich mich in diesen Körper zurückgezogen, reagierte mit meinen Ohren, meiner Nase und meinem Tastsinn, wußte nicht, was 20 cm vor meinem Gesicht passierte.
Irgendwann durfte ich eingeschlafen sein, und der Morgen war sehr friedlich. Ich bin ohne Stiche und Bisse aufgewacht, hatte keine Skorpione in meinen Schuhen und mir schien auch kein Glied zu fehlen. Es war einer der schönsten Morgen überhaupt gewesen – sehr, sehr ruhig, wie nach einem Sturm. I felt freed, Beate, freed from this jungle, der mich mit einer Hand während der Nacht in Schach gehalten hatte.

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Am Boden liegend – Ecuador XVI

Nach zwei Tagen gemeinsamen Marschierens trennten wir (ich und mein Führer) uns vom Rest der Gruppe, die wieder die Heimreise antrat. Ich hatte noch zwei Tage länger vor, den Urwald des Amazonas zu erkunden und so verließen das Nachtlager mit viel Wasser und Essen über kaum wahrnehmbare Pfade.
Das Grüne um uns schloss sich noch dichter, ich sah oft nicht einen Meter weit, wir mussten unsere Macheten benützen, um weiterzukommen. Der 14-jährige Bursche, der mich durch diesen Wald führte, brachte mir auf dem Weg eine ganze Menge über die Flora des Amazonas bei, was man essen, was trinken konnten, welche Pflanze gegen was half und welche man lieber nicht anrühren sollte. Es war ein unterhaltsamer, kurzweiliger Tagesmarsch entlang von Urwaldbächen, denen wir auch im Wasser watend folgten.
Von der Fauna gab es wie in den Tagen davor relativ wenig zu sehen, für mich jedenfalls nichts, bis auf ein paar Fische oder Flusskrebse. Mein Führer bemühte sich mir Tiere zu zeigen, und er zeigte in bestimmte Richtungen, doch ich konnte nie etwas erkennen. Einzig die Laute waren deutlich zu hören, oder auch die Abdrücke der Tiere im weichen Lehmboden.
An diesem Tag mussten wir unser Lager selbst errichten, am Ufer eines kleinen Flusses, und wir hatten keine bessere Idee als ein Dach aus Palmen zu bauen und den Boden mit weichen Ästen und Blattwerk auszukleiden. Die Vogelspinne, die mir dabei unterkam, war das erste größere Tier, das ich ich heute sehen sollte. Die Nacht am Boden zu verbringen war sehr ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, nicht wegen der Härte, sondern der Nähe zu allem, was am Boden kroch, und, Beate, I felt this was not the place you wanted to spend a night with me.

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Wasserfall – Ecuador XV

Überraschend gut erholt kam ich aus dem Schlafsack, aber meine deutschen Begleiterinnen schienen ziemlich geschlaucht. Auch nach dem ausgiebigen Frühstück wollten sie nicht so recht in Schwung kommen, weshalb wir auch ein-zwei Stunden länger für den Tagesmarsch brauchen sollten als geplant.
Unterwegs hatte uns einer der Führer Pflanzenblätter zum Einreiben gegeben, sie sollten gegen Mosquitos helfen. Wir nahmen dies dankbar an, doch es sollte nichts nutzen, als wir am Ende des Tages zum Wasserfall gelangen sollten, der uns eine langersehnte Dusche bescheren sollte.
Die drei Damen zogen sich im Gebüsch ihre Bikinis an, während wir Jungs uns an der freien Luft die Badeshorts anlegten. Kaum waren wir unter dem Wasserfall, schon hörten wir das Fluchen aus dem Gebüsch, ein lautes Fluchen, klatschen und schreien. Kleinste Sandfliegen hatten sich über die bleichen Körper hergemacht und sie blutig gestochen. Das kalte Wasser war dann höchstens ein kleiner Trost für die drei, und wir machten uns recht schnell auf, dieses verseuchte Eck zu verlassen, ehe uns ein blauer Riesenfalter eine Besuch abstattete: ein gigantischer Schmetterling, dessen Flügelschlag man hören und förmlich spüren konnte. I felt out of my earth, Beate, hier war einfach alles unbekannt.

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Nächte am Amazonas – Ecuador XIV

Wir kamen noch rechtzeitig vor der Dunkelheit vom diesem dunklen, geheimnisvollen See zurück zum Camp, wo mittlerweile der Jüngste der Familie eingetroffen war und mit seinem Bruder einen Gemüseeintopf zubereitet hatte. Es roch und schmeckte sehr gut, auch wenn es einfach war.
Pünktlich kurz vor 6 Uhr abends schwirrten die Insekten für zehn Sekunden ihr lautstarkes Abendlied. Ich staunte. Es war so pünktlich, dass man die Uhr nach diesen Grillen stellen konnte. Keine zwei Minuten später war es stock dunkel. Ich meine wirklich stock dunkel. Keine Sterne, kein Mond, nicht die Hand vor dem Gesicht. Gar nichts. Wir hatten nur ein kleines Licht und ein winziges Lagerfeuer, wir befanden uns in einem Naturreservat. Die Deutschen und ich plauderten noch eine Weile, die Familie ebenso, bevor alles in die Schlafsäcke kroch. Ich bezweifle allerdings, dass irgendjemand von uns Fremden schlafen konnte. Die Geräusche des Dschungels waren manchmal ohrenbetäubend, und unheimlich nah.
Die Fantasie spielte mir Streiche, als ich Fackeln in der Ferne erblickte. Sie schienen recht schnell zu laufen, oder zu fahren, doch hier führte keine Straße vorbei, und ich sah sie immer näher kommen, so dass ich aufstand und versuchte irgendetwas in dieser Dunkelheit zu erkennen. Soviel Aufregung ich erlebte, so egal war das den Glühwürmchen, die in Paaren an mir vorbeiflogen. I felt aspleep immediately, Beate, just to dream about the morning light.

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Die ersten Opfer – Ecuador XIII

Die Nacht hatten wir in einem vergleichsweise konfortablem Holzhaus verbracht. Wir schliefen in unseren Schlafsäcken, gut geschützt mit Moskitonetzen. Das Nachtmahl hatten unsere Führer vorbereitet, und wie sich herausstellte war das eine Familie, die hier in der Nähe ihr Haus und ein paar kleine Felder im Wald hatte. Der Vater arbeitete sowohl als Bauer als auch als Führer, seine beiden Söhne im Teenager-Alter gingen noch in die Schule aber begleiteten Gruppen schon seit Jahren durch das ihnen bekannte Dickicht.
Am nächsten Morgen und nach einem ausgiebigen Frühstück aus im Fett ausgebackenen Pfannkuchen ging es auf die erste Station in den Urwald. Einige Stunden Fussmarsch weiter weg hatten unsere Führer einen Unterschlupf errichtet, mit Schilfdach und Feuerstelle. Auf dem Weg dorthin gab es nicht allzu viel außer Grün und Braun zu sehen, Farben der Pflanzen, die links und rechts und über unserem Weg wuchsen.
Der Weg gestalltete sich nun schwieriger, er war voller tiefer Lehmlöcher, mit viel Wasser und umgestürtzten Bäumen. Die älteste der drei Deutschen stolperte bei dem Versuch, einem dieser Löcher gekonnt auszuweichen aus und landete mit dem Gesicht nach unten in einer gigantischen Lehmpfütze. Nachdem sie sich aufgerappelt hatte und jeder sein leises Schmunzeln wieder verloren hatte, versuchte sie ihre Kamera, die sie um den Hals getragen hatte, grob vom Lehm zu befreien. Bis heute weiß ich nicht, ob die Kamera je wieder funktionierte.
Verschwitzt, geschunden und leicht (oder mehr) dreckig kamen wir an unser Tagesziel. Ausziehen, umziehen, irgendwo waschen, was essen! Bald ging es jedoch weiter, denn vor der Dunkelheit erkundeten wir noch mit Einbäumen einen versteckten Urwaldsee mit dunklem Wasser und vielen Wasserrosen. Ein Paradies, ein Paradies der Mücken. Es war schön am Wasser, Beate, and I felt how slow the time went on at this place.

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Der erste Weg im Dschungel – Ecuador XIII

Nach rasanter Fahrt, einem beinahem Frontalcrash mit zwei Fahrzeugen, die sich ein Rennen lieferten, hielten wir an einer unscheinbaren Stelle Mitten im Wald. In der Ferne zog sich der Nebel über dem Amazonas in die Anhöhen zurueck, es war vollkommen ruhig, keine Tiere zu hören, keine Menschen.
Wir hielten also an, und eine Gruppe von Backpackers kam aus dem Gebüsch, und ich erinnere mich noch an einen von den drei, ein junger Bursche, das Gesicht total verstochen, vollkommen rot und aufgedunsen. Mosquitos.
Wir sagten Hallo und schon Auf Wiedersehen!, das Auto verschwand mit getauschter Mannschaft, und wir trotteten gemeinsam den ersten Pfad durch dickes Dickicht in den Wald. Wir hatten drei Führer dabei, und wie ich auf den ersten Metern erfuhr, sollte ich und einer der drei Indigenes später alleine auf einen entfernteren Track gehen. Mein Herz jubelte.
Der Matsch hielt sich noch in Grenzen, Beate, but I felt so excited to be in the Amazonas jungle.

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Amazonas und viel Matsch – Ecuador XII

Der Bus hatte mich in Puyo ausgeworfen, und ich hatte mich mit drei anderen, die ebenfalls in den Urwald wollten, bei unseren Führern gemeldet. Das erste was wir bekamen, waren Gummistiefel. Ich war überrascht.
Noch ein paar Worte zu meinen Begleitern: ich weiss die Namen nicht mehr, aber alle waren weiblich, Deutsche und schlecht ausgerüstet. Grinsend dachte ich mir, dass sie ihr blaues Wunder auf dieser Reise erleben werden, vor lauter Insekten und scharfen Blattkanten. Dann aber kam mir, dass wir eventuell keinen Abenteuer-Trek unternehmen werden, wenn die drei Ladies dabei waren. Mhmm.
Ich arrangierte mich mit der Situation, zog mir die Gummistiefel an und warf meine Sachen in den Jeep, der uns in den nächsten Stunden am Einstieg zu einem Waldpfad absetzen wollte. Beate, I felt out of the known.

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Der Amazonas wartet – Ecuador XI

Banos lag nun hinter mir, ich setzte die Reise fort über die letzten Bergpässe ins Tiefland des Amazonas.
Es hatte in den letzten Tagen stark geregnet und einige Bergstrassen waren aufgrund von Muren unpassierbar geworden. Es war unsicher, ob der Bus auf die andere Seite der Anden durchkommen würde, und als wir die ersten Serpentinen in die Anden nahmen, wurde jedem Fahrgast klar, warum.
Wir fuhren sehr langsam, und ich dankte es dem Busfahrer, dass er nicht den Macho heraus hängen liess. Meist irgendwo mittendrin zwischen Schluchten, Abhängen und wegschwemmten Fahrbahnen wählte der Bus seinen Weg, nur lose Schotterpisten ohne irgendwelche Anzeichen von Asphalt, ohne Befestigungen oder Galerien, einfach in den Hang gehauen. Die Strassen, die ich aus den Vorarlberger Alpen kenne, waren richtige Autobahnen dagegen.
Dann kam der berühmt-berüchtigte Tunnel, ein Loch ohne Licht, unbefestigt, einspurig, ohne Ampelregelung. Mir war schleierhaft, wie da ein Bus ueberhaupt durchfahren konnte. Es ging sich aus, um Zentimeter. Wir fuhren im Schritttempo, vielleicht 100 Meter. Als wir auf der anderen Seite ankamen, war die allgemeine Entspannung sichtbar und hörbar geworden. Die meisten packten nun ihre Getraenke und Jause aus, begannen fröhlich zu schwätzen.
Und am Horizont breitete sich eine breiter grüner Teppich aus, Beate, I felt out of the tunnel right into a sea of green.

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