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Klettertage im Val d’Albigna

Wir hatten so etwas wie ein längeres Wochenende. Das schreit förmlich nach einem Ausflug, bei dem Übernachtungen irgendwo weit weg inkludiert sind. Schon lange vorgehabt, und nun aufgrund der sich verschlechternden Wetterlage am Nordrand der Alpen eine interessante Alternative: das Val d’Albigna, ein Seitental im Schweizer Bergell. In dieser Gegend haben wir uns noch nie bewegt, es einmal im Rahmen einer Graubünden-Tour mit dem Mountainbike gestreift (vom Septimerpass kommend über den Malojapass Richtung Pontresina). Auch unsere Skitouren sind stets nördlich des Val Bregaglia geblieben (z.B. Piz Turba, Motta da Set, Roccabella).

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Aufstieg zum Albigna-See

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am Albigna-See, Blick nach Süd-Ost Richtung Cab d’Albigna

Am Freitag geht es sehr früh mit dem Auto über den Julierpass bis nach Pranzaira zum Talstation der Seilbahn unterhalb des Stausees Lägh da L’Albigna. Noch ziemlich verschlafen wuchten wir die großen Rucksäcke auf unsere Rücken, steigen in gut 2,5 Stunden zur Staumauer auf. Prächtiges Wetter, wenig Leute, und schon finden wir ein nettes Plätzchen, um unsere sieben Sachen zu verstauen. Mittagspause, bevor es in die Südwand des Spazzacaldeira einsteigen. Die Wand ist zerfurcht und hat an ihrem Ende zahllose Zähne und Türme. Unsere Route ist sehr plattig, aber gut abgesichert. Wir finden keine Topo dafür, schätze aber dass sie sich im 5. Grad bewegen muss, vielleicht 5+ oder 6-. Die Kletterei ist schön, mit den vielen Flechten aber auch nicht immer rutschfrei.

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Südost-Ansicht des Spazzacaldeira

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We love our Zeltplatz

Am späten Nachmittag, sobald die Sonne hinter der Westkante von Al Gal und Piz Frachiccio verschwindet, bauen wir unterhalb der großen Blöcke, also recht weit von möglichem Steinschlag, unser Nachtlager auf. Wir köcheln Tee, genießen die Ruhe und haben im Zelt wohliges Licht mit unserer kleinen Zelt-Leuchte. Am morgen strahlend blauer Himmel, Rauhreif in der Wiese, und frische Heidelbeeren, am Vorabend gesammelt, in unserem Frühstück von Adventure Food. Schlafsäcke werden ausgelüftet, das Zelt in der Morgensonne getrocknet, bevor wir in unsere heutige Route (NO-Kante) am Spazzacaldeira einsteigen. Das Topo ist schwierig zu interpretieren, irgendwann sind wir, wieder einmal, irgendwo abseits der Route in schwierigerem Gelände, manövrieren uns wieder zurück zur Kante, steigen zum Gipfel auf, seilen zum Abstieg ab, klettern, gehen, abseilen, bis auf die Südseite. Der Tag ist wunderbar warm, wenn man auf der richtigen Seite des Berges klettert.

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Beate in der Nordost-Kante

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Sonntag-Morgen – wild und schön

Auch an diesem Nachmittag wird in der Sonne gedöst, die Gegend ist einfach perfekt dafür. Eine kurze Katzenwäsche im Stausee, dessen Wasser durch unseren Filter zu Trinkwasser wandeln, und dann wieder köcheln. Am späten Abend sieht man Wolken von Norden heranziehen, aber es bleibt schön und ruhig am Albigna-See. Auch Beate gewöhnt sich an die Zeltnächte, trotz mitgebrachten Schnupfen. Wir würden gerne mehr Zeit hier oben verbringen, aber am Sonntag morgen sind alle Gipfel im dichten Nebel, der flechten-bewachsene Fels feucht. Plattenkletterei bei solchen Bedingungen ist nicht das Beste, wir packen zusammen und steigen ins Tal ab. Eine gradiose Gegend für ein großartiges Wochenende.

Letztes Kapitel Hexenstein

Der letzte Tag auf unserer Tour durch Südtirol bricht an. Eine feine, frische Nacht liegt hinter uns, Sternenhimmel, ruhiger Stellplatz, und als Ausblick Morgenröte, die von einer sich verändernden Wettersituation warnt. Die Rucksäcke sind schon gepackt, großen Hunger haben wir nicht, aber ein Kaffee geht immer. Wir lassen das Büssle zurück und marschieren vom Passo Valparola nach Osten hinab zum Klettergarten, und dann noch einmal 90° um den Hexenstein, bevor wir die Südkante einsehen.

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noch schnell Zähne putzen, dann geht’s los

Was für zehn Tage sind das gewesen! Im Schnee und Regen mit den Mountainbikes über die Alpen, dann im Nebel zum Monte Cevedale, und schließlich herrliche Kletter- und Wanderrouten auf die Sellatürme, die Drei Zinnen und den Monte Antelao. Und nun als Draufgabe der Hexenstein (2.477 m), den wir heute nur mit einer anderen Seilschaft teilen müssen. Der Einstieg in die Kante ist mit ein wenig Suchen zu finden, aber es sind keine Markierungen oder Stände zu Beginn vorgegeben. Also wacker drauf losklettern (am richtigen Turm…), und dann mehr oder weniger immer den Haken und Rostgurken nach.

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Hexenstein, Südkante (Mitte nach rechts verlaufend, IV+, 7SL, 200 m)

Ab der zweiten Länge sind die Stände gebohrt oder betoniert, und die Route läuft die ersten 6 Seillängen recht klar immer an der Kante, meist etwas rechts davon, entlang. Das Topo unseres Kletterführers “Dolomiten vertikal” ist allerdings in der 7. SL derart unpräzise, dass wir uns zunächst versteigen, dann die nachfolgende tschechische Seillschaft vorlassen. Deren Topo (aha: auch aus dem Web!) zeigt die Route äußerst detailliert. Nun ist die Routenführung hinter dem Turm und unter dem Klemmblock klar.

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die 6. SL: in den Spalt hinein, UNTER dem Klemmblock durchklettern

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Jiří in der Schlüssellänge

Ab jetzt klettern wir fast in einer Vierer-Seilschaft mit vier Halbseilen. Eine Mischung aus Deutsch, Tschechisch und Englisch entspinnt sich in der Wand, Jiří und Zombie (?) aus Pilsen, zwei Herren wohl älter als ich, klettern geradlinig “tak, tak, super, tak!” durch die Schlüssellänge (IV+), bevor ich mich im Vorstieg an ihre Fersen hefte. Dann nochmal ein Stand, bevor Beate zum Gipfelkreuz krabbelt und wir das obligate Foto geschossen kriegen. Die Pause fällt eher kurz aus, das Klettersortiment sauber ordnen, und schon geht es durch die Lauf- und Schützengräben aus dem 1. Weltkrieg, die den gesamten Hexenstein wie einen Termitenbau durchziehen, zurück zum Stellplatz.

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am Hexenstein, links hinten der Monte Antelao

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durch die Laufgräben der Geschichte zurück zum Büssle

Wir schauen uns an und wissen, jetzt wären wir soweit. Für eine Fortsetzung, für eine etwas längere Fortsetzung des Ganzen.

Im Steinhagel der Kleinen Zinne

Die UNESCO hat sie zum Weltnaturerbe erklärt, und das ist dank ihrer markanten Silhouette, ihrer Rolle im Alpinismus und ihres Status in den Dolomiten auch nicht anders zu argumentieren. Die Drei Zinnen finden sich fast auf jedem Naturkalender der Alpen wieder, in vielen Magazinen und Foto-Beiträgen. Die meisten Besucher, die zu den Drei Zinnen strömen, sind Naturliebhaber, die mal zehn Meter vom Auto treten und sich zu einem Hock in einem der leicht erreichbaren Hütten einfinden; viele andere wandern auch einmal um den Gebirgsstock, ein Unterfangen welches in mehreren Stunden dank des gut angelegten, leicht gewellten, breiten Weges für alle machbar ist; und dann gibt’s noch die, die unbedingt hinauf müssen, auf einen der vielen Gipfel, Vorgipfel und Türme der Drei Zinnen. Und das sind auch nicht so wenige. In Summe ergibt das mehrere große Autoparkplätze, Wanderwege gefüllt mit Menschen wie auf einem Jahrmarkt, und Wände voll mit Seilschaften, dass man die Kommunikation mit dem richtigen Seilpartner schwer aufrecht erhalten kann.

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Die Sonne ist schon weg, wir blicken vom Schlafplatz nach Süden Richtung Cortina

Nach dem gestrigen Sellaturm und einer feinen Nacht fühlen wir uns fit. Im Morgengrauen sind wir schon auf dem Rad und fahren zum Rifugio Lavaredo. Auch diesmal läßt uns der Kletterführer “Dolomiten vertikal” mit seiner Zustiegsbeschreibung erbärmlich im Stich. Mindestens den halben Weg laufen wir zur Einstiegsstelle letztlich zurück, krabbeln von Süden den Geröllhang hoch zwischen die Große und die Kleine Zinne, bis wir in einer Scharte den vermeintlichen Einstieg lokalisieren. In der engen Scharte sind wir nicht die Einzigen. Und oberhalb am Normalweg der Große Zinne ist schon reger Betrieb. Rufe, Metallklimpern, Steinchen.

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im Morgenlicht: rechts der Preußturm, links außen der Vorgipfel zur Kleinen Zinne, dann unmittelbar rechts davon die “Nadel” – die kleine Zinne!

Wir machen uns in die erste Länge, schauen, orientieren, suchen, irgendwie finden wir die Stände, trotz ungenauem Topo, queren durch Schroffen, der nur so von losen Steinen strotzt. Mehr und mehr Steine prasseln auf die Sichernden herunter. Irgendwann schließen wir auf eine Seilschaft auf. Vor uns sind noch zwei andere. Beate führt eine Länge, als von oben, fast schon im Minutentakt “Stein!” nach unten hallt. Diesmal ist es ein angemessener Ruf, der Brocken, der durch die Luft nach unten saust, ist Rucksack-groß. So klein und winzig habe ich mich selten gemacht. Ein lautes Rauschen, dann eine Explosion, der Felsen zersplittert in dutzende Teile. Stille. Dann höre ich Beate, dann schaue ich hoch aus meiner Schutzhaltung, alles klar, alles bestens, es geht weiter. Keine zwei Minuten später prasselt es auf mich herunter wie in einem Hagel.

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der Vorgipfel …

Die Orientierung wird durch eine seilfreie Stelle nicht leichter. Jetzt kommen die eher engen, aber weniger Geröll-haltigen Passagen, wir klettern Länge für Länge, stehen bald auf dem Plateau zum Vorgipfel, der sehr luftig aussieht. Überhaupt ist diese Route nichts für Leute, die Höhe nicht vertragen. Aber wer sollte das schon beim Klettern? Die Innerkofler-Zsigmondy Route, die wir gehen (IV, 13 SL, 400 m), ist etwas ausgesetzt. Das verschärft den eigentlich sehr moderaten Schwierigkeitsgrad, und auch die schon deutlich polierten Griffe und Tritte in der Schlüsselpassage in der vorletzten Länge im etwas engen Kamin leisten ihren Beitrag für ein tieferes Durchschnaufen. Alles passt, wir kraxeln hoch zum Gipfelkreuz der Kleinen Zinne (2.857 m), das mit dem Rosenkranz, trinken aus unseren Sigg-Flaschen, staunen, scherzen mit den anderen Gipfelbezwingern, sind schon in Gedanken beim Abstieg, aber eigentlich eher im Grübeln, wie man von hier wieder herunterkommt.

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und der richtige Gipfel. Dahinter: die Große Zinne

Unser Topo gibt wieder mal nichts her als rudimentäre Anhalte. Ich frage mich, wozu ich es gekauft (das Buch), und dann hier hoch geschleppt habe. Alle anderen haben ihre Topos aus dem Web. Die Abseilstellen sind in den anderen Topos nicht nur markiert, sondern auch in der Länge und Weg beschrieben, sowie alte Abseilringe erwähnt, die man nicht nutzen sollte. Unsere Strategie in diesem etwas unübersichtlichen Gelände ist einfach schnell an den anderen dran zu bleiben. Das gelingt zunächst nur recht dürftig, weil von unten andere Seilschaften hinaufkommen, und das just in jenem Kamin, den auch die Absteiger nehmen müssen.

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Beate in der letzten Abseillänge

Spätestens in der Abseilpiste haben wir aber wieder Anschluss gefunden. Ein zusammengebundenes Doppelseil (50m) ist hier gold wert, in der Abseilpiste haben wir letztlich nur vier mal eine Abseilstelle einrichten müssen. Ein Doppelseil ist in den Drei Zinnen gänzlich empfehlenswert – einer Seilschaft vor uns hat der Steinschlag einen Seilstrang fast zur Gänze abgetrennt. Gut, dass sie auch mit einem Doppelseil unterwegs waren. Kaum in der Mitte der Abseilpiste, dröhnt es laut und lauter über uns, ein Rettungshubschrauber senkt sich langsam in die Scharte zwischen Großer und Kleiner Zinne. Die Rotoren kreisen verdammt nah an der Wand, ein Retter wird am Stahlseil abgelassen und pickt einen ersten in Not geratenen Kletterer aus der Ostwand der Großen Zinne. Was genau passiert ist, wissen wir nicht, der Hubschrauber kehrte noch zwei mal zurück und holte den Rest der Seilschaft. Teufelskerle, diese Piloten und Flugretter!

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Wohlverdientes Abendmahl unterhalb der Drei Zinnen. Man beachte das Wetter, was für ein Unterschied zum Cevedale!

Der Abstieg gelingt, wir klatschen ab, packen schnell zusammen, um aus dieser Steinschlagzone zu verschwinden. Die Scharte durch das Geröll nach unten zu begehen ist genauso mies wie hinauf, und wir brauchen eine ganze Weile, bis wir wieder am Rifugio Lavaredo stehen, die Räder aufnehmen und durch die wandernden Massen zum Büssle zurückradeln. Müde und ausgelaugt, eher mental als körperlich, lassen wir uns in den Campingstühlen nieder, irgendein Alkohol muss her, und dann ein gutes Essen. Der Blick ins Tal ist gewaltig, und bald ist auch die imposante Südwand der Kleinen Zinne in den Hintergrund gerückt. Wir beschließen, den Tag hier oben ausklingen zu lassen, erst morgen nach San Vito zu fahren. Ein Wandertag steht an, zur Regeneration.

Sella: viele Türme zur Auswahl

Langsam nähern wir uns der Vertikalen. Nach den vier Tagen im MTB-Sattel über die Pässe der Alpen von Schwaz nach Naturns (Geiseljoch, Tuxerjoch, Sattelalm, Schneebergscharte und Eisjöchl) und den kleinen Abenteuern am Monte Cevedale wird’s am Sellajoch (2.240 m) nun wirklich steil. Die Sonne geht auf, noch ist wenig bis kein Betrieb am sonnigen Joch oberhalb des Grödnertals. Dreißig Minuten später sind wir schon unterwegs, versuchen den Einstieg in die Südwand des ersten Sellaturms zu finden. Da wir ein paar Kletterschuhe zu wenig dabei haben, und ich nun mit Alpinstiefeln klettern gehe, probieren wir eine etwas einfachere Route für den heutigen Vormittag. Die Wahl fällt auf die Kostner-Route in der Südostwand (IV, 9SL, 260m Kletterlänge).

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Der 1. Sellaturm vom Westen

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Blick zum Passo di Pordoi

Den Zustieg finden wir, aber erst nach etwas Sucharbeit. Unser Führer, “Dolomiten vertikal”, ist zwar ein prima Ideengeber, aber gerade was die Zustiege betrifft sehr unpräzise. Wie auch immer, ausgerüstet mit einem Rack an Friends, Keilen und Schlingen geht es an die Arbeit. Die erste Vierer-Stelle ist ein recht breiter Kamin, der sich vor allem durch polierte Griffe und Tritte auszeichnet. Haben wir den einmal überwunden, folgen etwas leichtere, teils aber ganz schön enge Passagen durch weitere Kamine und Verschneidungen. Auch die Wegführung ist nicht immer so einfach. Spätestens beim markanten Spreizschritt zwei Seillängen unter dem Gipfel wissen wir, dass wir richtig liegen.

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der besagte Spreizschritt über einen gut 100 m tiefen, offenen Kamin

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auf dem 1. Sellaturm

Die letzten Meter zur Spitze des ersten Sellaturms (2.533 m) sind fast ein Gehweg. Oben gibt’s ‘ne Pause mit Brot und Tee, obligate Fotos, und wir schauen hinüber zur Südwand des zweiten Sellaturms. Auch nicht besonders dramatisch, denke ich. Der Abstieg ist letztlich leichter zu finden als es zunächst den Anschein macht. Eine kleine Stelle wird abgeklettert, und schließlich auch noch gute 15 m abgeseilt.

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beim Abstieg Passagen zum Abklettern…

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… und zum Abseilen

Wir kehren zum Sellajoch zurück, zufrieden über den Vormittag. Hier am Joch ist aber schon Volksfeststimmung. Viele Rennradler sind hier oben, und dann auch noch zahlreiche Reisebusse, die hier Stop machen. Die Passagiere ergießen sich über die näheren Hügel und schauen über die faszinierende Landschaft. Wenige Minuten später merken wir auf der Wiese hinter unserem Büssle nichts mehr vom Trubel. Beate sonnt, ich ordne unsere Kletterausrüstung. Später geht es nach Bruneck, Kletterschuhe besorgen, und nach einem kurzen Stadtspaziergang folgen wir der Straße durch das Pustatal bis Toblach und weiter nach Süden zum Toblacher See. Wieder so eine erfrischende Waschgelegenheit… Bevor es dunkel wird, passieren wir die Mautstelle zum Rifugio Aurenzo. Saftige 22 Euro sind zu löhnen. Hoch oben unterhalb der Südwand der Drei Zinnen parken wir endlich für die Nacht – und genießen den Sonnenuntergang mit Blick auf den Süden, bevor wir am nächsten Morgen in die Wand einsteigen.

Vallüla: Doch kein Regen, dafür Gratkletterei

Nach einem Arbeitswochenende kam die Belohnung am Mittwoch. Das Wetter hielt, trotz versprochenen Regens ab Nachmittag, und wir schon um 07.00 auf der Bieler Höhe (2.037 m). Es geht gemütlich hinauf zum Vallüla-Scharte (auf etwa 2.500 m), mit schönem Blick ins Paznauntal und hinauf zum Rauhen Kopf (3.101 m). Die Sonne ist heraussen, der Weg aber immer noch nass-feucht. Wir passieren die Scharte nach Norden, steigen wieder etwas ab, fast bis zum Unteren Vallülasee. Dort suchen wir uns einen geeigneten Einstieg auf den Nord-West-Grat zur Vallüla (2.813 m).

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zur Vallüla in der Morgensonne

Den Einstieg, wie im Kletterführer Vorarlberg beschrieben, verfehlen wir und steigen etwas höher und westlicher über Grasbänder, nasse Platten und Schotterrinnen zum Grat hinauf. Wir steigen vorsichtig auf, die Grasbüschel sind hintertückisch, die nassen Flechten am Stein verführerisch rutschig. Am Grat selbst fühlen wir uns wohler.

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jetzt geht’s auf den Grat

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kurze Abseilstelle im Überhang

Dennoch: die meist mit 2er und 3er Stellen versehenen Grat-Abschnitte schrecken uns zunächst nicht. Auf dem Papier ist das ein Spaziergang. Doch das ändert sich: auch hier ist der Fels – nicht immer – rutschig, so dass wir oft nur mit den Händen steigen oder auf allen Vieren am Grat herumkrabbeln. Die einfache Route wird nun lang, und wir suchen in diesem Gelände, welches bis auf eine Abseilstelle ohne vorbereitete Stände und Haken auskommt, unseren besten Weg. Es gelingt ohne Zwischenfälle, wir gehen die letzten Seillängen im Sicherungspunktverfahren. Das geht flott, wir sichern meist mit Expressen, Karabinern und jede Menge Bandschlingen.

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Vallüla von Westen

Von der Spitze der Vallüla lacht uns der Piz Buin und seine Nachbargipfel entgegen. Wie klein die Gletscher hier geworden sind! Der Abstieg nach einer kurzen Pause folgt dem Normalweg, den Wanderer hier hinaufnehmen. Aber auch er hat kleine Kletterstellen, rutschige Wege und Schotterrinnen parat. Also sicher kein Weg für Familien mit Kleinkindern. Ein Helm ist empfehlenswert.

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Abstieg von der Bielerspitze zur Bieler Höhe

Auf halben Weg retour entschließen wir uns, noch zum Bielerkopf (2.350 m) und darüber die Bielerspitze (2.545 m) mitzunehmen. Auch hier tolle Ausblicke auf den südlichsten Teil Vorarlbergs. Und immer noch kein Regen.

Zum Finale: Gratkletterei an der Kleinen Leier

Das Ende unserer Kärnten-Osttirol Tour naht. Den alpinen Abschluss nach Großvenediger, Großglockner und Triglav bildet eine Klettertour an der Kleinen Leier. Wir übernachten am Parkplatz des Schrägaufzugs zum Reisseck in Kolbnitz, sind in der Früh die ersten, die hochfahren. Satte 19 Euro hinauf und retour, pro Person. Nicht schlecht. Aber der Wanderweg nach oben ist derzeit wegen Arbeiten für ein neues Kraftwerk gesperrt…. das hören wir dann den ganzen Tag am Sprenglärm.

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die Reisseckhütte, dahinter die Kleine Leier (höchster Gipfel auf Bild) mit Seescharte rechts davon

Nach einer guten halben Stunde Fahrt in einer Konserve aus Blech und Menschen, dreimaligem Umsteigen und einer Tunnelfahrt mit einer Schmalspurbahn erreichen wir die Bergstation (ca. 2.250 m) an der Staumauer. Gut, dass wir die einzigen sind, die zur Seescharte (2.480 m) ziehen. Das Gelände ist lässig, mit großen Blocksteinen belegt. So hüpfen wir den Weg hinauf, und legen unsere Klettergurte bei der “Elefantenfamilie” an.

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die erste Länge

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schöner Fels, gut abgesichert

Die 9 Seillängen gehen nicht über IV+, so gesehen ist das eine sehr einfache alpine Tour. Das Topo ist zwar nicht exakt, aber finden am Grat halbwegs den Weg und erreichen nach einem kurzen Abseil-Manöver zu Fuß und ohne Seil den Gipfel der Kleinen Leier (2.662 m) kurz nach Mittag. Der Blick ist weit, und der Großglockner ist am Horizont zu erkennen.

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am Schluss noch eine kurze Abseilpassage vor dem Gipfel

Es ist heiß, unsere Sigg-Flaschen bald leer, als wir den Abstieg über den Normalweg beginnen, der uns dann zur Staumauer und zur Reisseckhütte führt. Fast schon obligatorisch gibt’s Apfelstrudel, Most und Radler. Ab hier geht’s nur noch heimwärts, und mehr als nur irgendwie wären wir in Stimmung, das Leben im Bus ins Unendliche zu verlängern.

5 Seillängen Schönegg: ja, warum nicht?

Da hat frau mal frei, und gleich ungewöhnlich, das Bergwetter spielt mit. Ich muss meine Alpinstiefel einlaufen (das werde ich am Abend noch bereuen, also: fette Blasen), und wir entschließen uns am Vorabend für eine Hike & Climb Kombination. Letztes Jahr waren wir schon auf dem Schöneberg. Nur: wir sind der Karte nach, nicht dem Kletterguide nach. Und da die Kletterleute nicht Karten lasen, hatte sich für den Schönegg (2.260 m) die falsche Bezeichnung “Schöneberg”, der ein paar hundert Meter Luftlinie weiter nordwestlich steht, eingeschlichen. Der Unterschied ist einfach und klar: der Schönegg hat eins, der Schöneberg nicht – ein Gipfelkreuz.

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Blick zum Hochtannberg

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vorne die Biberacher Hütte, links davon Feuerstein, dann das Mutterwangjoch, dahinter das Gadental

Der Zugang zum Klettergipfel Schönegg ist zunächst einfach – von allen Richtungen zur Biberacher Hütte. Sollte man über die Hochkünzelspitze kommen, dann kann man schon etwas früher, also am Sattel, nach Westen abbiegen und sich über teils steile Grashänge zum Felsfuss aufmachen. Im Kletterguide “Kletterführer Vorarlberg” ist das recht schwammig beschrieben. Wir sind aus dem Bregenzer Wald von der Bushaltestelle nach der Gallerie aufgestiegen und direkt an der Biberacher Hütte vorbeimarschiert, fast schon auf dem Weg ins Große Walsertal. Man verliert zwar etwas Höhe (etwa 60 Höhenmeter), kann aber dem markierten Weg bis zu einer Alpe auf 1820 m Seehöhe folgen, ja sogar noch weiter bis zum nächsten Wegweiser bei einem kleinen Übergang. Von dort sieht man die Schönbergkante, also den Südwestgrat des Schönegg bereits prächtig. Hier verlassen wir den Weg und steigen durch das Gemüse hoch zum ersten Stand.

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noch auf dem Weg, aber am Sattel gehts dann rechts hoch

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die Südwestkante des Schönegg aka “Schönebergkante”

Die fünf Seillängen zum Gipfel sind recht gemütlich. Die Schwierigkeiten belaufen sich zwischen 3 und 5 (UIAA), und an den etwas heikleren Stellen sind auch Bohrhaken angebracht. Die Stände sind eingerichtet. Trotz (oder wegen?) Topos mussten wir das eine oder andere mal etwas suchen, ob wir auf der richtigen (sprich leichten) Route sind oder schon wieder irgendwo im schwereren Gelände unser Glück versuchen. Das Schöne an dieser Tour ist, dass man selbst einiges absichern muss, und das ist bei den vielen Platten und Wasserläufen gar nicht so einfach. Also: ein paar Bandschlingen, Klemmkeile und Friends mitnehmen, dann ist diese Route eine Freude. Der Fels ist sehr griffig, und wir hatten heute die ganze Wand für uns allein.

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Das Seil aufschießen, dann ab nach Hause

Am Gipfel zieht es rasch Wolken auf, Nebelbänke drücken hinein, und wir treten über ein sichtbares Grasband unterhalb des Ostgrats den Rückmarsch an. Es zieht sich, und der Weg ist nicht immer sehr gehfreundlich. Auf dem breiten Forstweg ab der Biberacher Hütte erwischt uns dann doch ein Wolkenbruch, Blitze zucken. Hände haltend kommen wir auch diese letzten Kilometer gut hinunter. Ein Bergtag.

Stoss: Piazen am Nachmittag

Vor wenigen Tagen sind wir mit den Bikes daran vorbei gefahren. Und da kam der Gedanke, dort mal etwas zu verweilen. Oder noch besser: die Kalkwände auszutesten. Von der Alp Laui (1.072 m) geht’s erstmal gemächlich ins Talende Richtung Schafberg / Säntis. Die Sonne brennt schon herunter, wir sind spät dran, weil Beate von der Nachtschicht zurück kommt. Wie sie das macht, ist mir sowieso ein Rätsel. Aber wenn wir mal unterwegs sind, dann zählt das nicht. Ich will nach oben.

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Blick auf die Alpe Laui

Nun schlängelt sich die Straße in die Höhe. Die Alpe Troosen (1.327 m) erreichen wir schon recht verschwitzt. Hier tummeln sich Wanderer und Älpler. Wir steigen weiter, gehen über Schotter zum Wandfuss des Stoss (2.111 m). Der Einstieg zu unserer Route (“Familienroute” nennt sich das, wenn man im schwachen 6. UIAA Grad hinauf möchte) finden wir leicht (1.590 m).

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in der zweiten Länge

Wie im Schlaf legen wir Klettergurt, Helm, Kletterschuhe an. Beate wird die erste Länge machen, dann wechseln wir im Vorstieg ab. Sie bindet die Halbseilenden ein, ich sichere, und schon können wir griffigen Kalk genießen. In der Wand ist auch ab und zu ein Lüftchen zu spüren, so dass die Hitze erträglich bleibt. Am Ende des Tages trage ich dennoch einen roten Nacken heim, trotz schon wieder langer Haare.

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fast schon gegen Ende

Die Kletterei ist Genuß und Herausforderung. Das Klettern in Wasserrillen ist nicht jedermanns, und die Zehen müssen auch etwas unempfindlich sein – sie werden schon oft arg irgendwo hineingepresst. Wir versuchen es mit direkten Varianten, dann ab und zu mit Piazen. Platten sind nicht so meins, aber auch da muss man durch. Schon besser geht es mit den vielen Untergriffen, aber auch das Stemmen und Anpressen taugt. Ganz oben holen wir nun die vor uns kletternde Seilschaft ein, genießen nur kurz die Aussicht, denn es liegen noch gute 4 lange Seillängen zum Abseilen vor uns. Die Friends und Keile haben wir wieder einmal umsonst mitgebracht, die Route ist sehr gut abgesichert.

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rechts der Schafberg

Als wir dann unten sind, nach einmaligen wieder zurück klettern, weil ein Seilende sich beim Abziehen in einen Spalt gefressen hat, wir der Himmel über uns schon dunkel. Quellwolken schießen in den Himmel, und wir sind schon am Parkplatz, als auch schon der Säntis in einer dunkelgrauen Masse verschwindet.

Bockmattli: Neun Seillängen Kalk zum Geburtstag

Noch am späten Nachmittag wechseln wir nach unserer Bike-Tour am Lachengrat von Näfels ins Wägital, und weiter hinauf an den Stausee in Innerthal (923 m). Hier stellen wir das Büssle einmal ab, packen unsere sieben Sachen für eine alpine Klettertour am Bockmattli. Der Aufstieg beginnt, es ist recht warm, die Sonne scheint nun immer mehr, wir schwitzen etwas. Von Innerthal sind es gute 1,5 Stunden zur Alpe Schwarzenegg. Etwas weiter oberhalb, fast schon an der Südwand errichten wir unser Biwak für die sternenklare Nacht.

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Abendstimmung oberhalb der Alpe Schwarzenegg

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schon lange wach

Schon früh wird es hell, aber in den Biwaksäcken ist es bequem. Wir bleiben etwas liegen, dann kochen wir Kaffee und warmes Müsli. Esbit und Adventure Food sei Dank, wir schleppen kein Gramm zuviel mit. Dafür ist das Kletter-Equipment schwer genug, wir haben eine ganze Batterie an Friends & Keilen mit. Wir räumen das Lager zusammen, deponieren unseren Großrucksack, und steigen an der Kletterhüttli (1.500 m) vorbei zum Einstieg zum Namenlosen Turm am Bockmattli. Eine Geburtstags-Klettertour für Beate. So soll es sein.

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Frühstück im Bett

Der Einstieg zur Namenlosen Kante ist recht gut markiert (blauer Punkt) und folgt in den meisten Passagen einer logischen Linie entlang von Kanten und Rissen den Grat bis zum höchsten Punkt des Turmes. Wir sind früh unterwegs, und entsprechend auch die ersten. Später und weiter oben sehen wir schon viele Seilschaften beim Zustieg. Die Route klettert sich recht flüssig. Manche Seillängen sind kaum mit Sicherungshaken befestigt, die Stände sind aber alle gebohrt. In Summe braucht es aber keine Friends oder Keile, finde ich. Die Route ist nicht senkrecht oder überhängend, und an den etwas schwereren Stellen finden sich genug Sicherungen. Zusätzliche Bandschlingen sind aber nicht schlecht, um die Stände abzusichern und Zwischensicherungen eventuell etwas zu verlängern, um die Seilreibung zu minimieren.

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Beate entlang des Grats

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Der Grat des namenlosen Turms von der Seite

Wir wechseln im Vorstieg ab und sind vor Mittag die 9 Seillängen durch. Ein kurzer Aufstieg zum Gipfelkreuz folgt, wir schauen uns vom Bockmattli (1.835 m) die nahe Gegend an. Zürich ist in der Ferne auszumachen. Wir sind zufrieden, Klettern im Kalk ist fein (siehe auch Brüggler), am Gipfel zu sitzen sowieso. Der Abstieg ist ohne Schwierigkeit, aber dauert auch seine Zeit, bis man wieder am Kletterhüttli ankommt. Nach einem sauren Moscht wandern wir bis nach Innerthal ab, hängen noch eine kurze Badesession an. Der Himmel zieht wieder zu, und wir haben zwei geniale Tage auf den Weg gebracht.

Langer Tag auf der Madrisa

Wer hätte das gedacht. Als mich Beate per SMS am Vortag in Villar d’Arene über die Sonntagstour auf die Madrisa informierte, dachte ich an einen lockeren Nachmittag im Liegestuhl. Dem 6.00 Wecker folgte aber eine Fahrt nach Gargellen (1.424 m), ein mühsames Hinaufstrampeln mit den Mountainbikes und reichlich Gepäck zum Gandasee (1.966 m) und ein noch längerer Zustieg durch buschiges und rutschiges Steilgelände zum Fuß des Nordost-Grates (ca. 2350 m), wo uns auch schon grunzende Steinböcke erwarteten.

Gegen Mittag stiegen wir in die erste Seillänge, wobei das Topo des Kletterführers Vorarlberg wenig hilfreich war. Überhaupt ist diese Tour im angesprochenen Guide sehr miserabel beschrieben – Zustieg und Dauer der Gesamtunternehmung sind sehr vage wenn überhaupt erwähnt. Dies führte zu längeren Pausen bei der Wegfindung. Auch war nicht ersichtlich, ob die Stände vorbereitet sind oder nicht. Wie dem auch sei, die sieben Seillängen waren durchaus länger als gedacht.

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Beate im NO-Grat

Die Gratkletterei ist im unteren Abschnitt angesiedelt und nicht besonders schwierig (3. Grad), liefert aber eine schöne Vorschau auf die Felsqualität in der eigentlichen Wand. Diese fand ich persönlich interessanter, da sich Platten mit Risskletterei abwechselten. Da die Route sehr spärlich mit Nägeln versehen ist, ist ein kreatives Legen von mobilen Zwischensicherung nötig. Keile, Friends und vor allem ein großes Sortiment an Bandschlingen erlauben ein stressfreies, interessantes Klettern. Manche Pitons sind von etwas zweifelhafter Qualität, also zumindest am Stand immer auf Redundanz setzen. Die zwei 4er-Seillängen sind die lohnendsten, wer Rissklettern liebt.

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Beate winkt schon, wir sollten uns flott vom Gipfel ins Tal begeben, die Sonne geht gleich unter

Der Zustieg zum Gipfel der Madrisa (2.770 m) dauert nach der letzten Seillänge sicher noch gute 15 Minuten in leichter Kletterei am Gipfelgrat entlang. Leider ist im Kletterführer die Dauer des Abstiegs nicht beschrieben. Das wäre uns fast zum Verhängnis geworden, sind wir bei Sonnenuntergang noch mitten auf der Normalroute abwärts gewesen, die zunächst über den Grat nach Westen und dann später durch steile Tobel zum Wanderweg unterhalb des Gafierjöchle führt. Ein paar Minuten später und wir hätten in Dunkelheit diesen Weg suchen müssen. Vom Gipfel der Madrisa brauchten wir mehr als eineinhalb Stunden zum Gandasee, auch teils auf Grund des Schnees, der noch in der Nordwand liegt. Mit dem MTB fuhren wir dann schon in der Dunkelheit ins Tal hinab. Die Tour auf die Madrisa ist ein langer Tagesausflug, den man besser früher als später beginnen sollte.

Eine Vormittagsbeschäftigung: die Löwenzähne

Bevor es für mich auf große Reise in die französischen Alpen ging, wollte Beate noch einmal meine Kletterform und Bergtauglichkeit prüfen. Objekt der Übung: die Löwenzähne über Schuttannen. Wir gingen die Überschreitung von West nach Ost. Technisch nicht besonders schwierig (4. Grad), aber dafür recht abwechslungsreich mit der einen oder anderen Abseilstelle.

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Beate an einer Abseilstelle

Die Topo zu allen Routen an den Löwenzähnen findet sich im Kletterführer Vorarlberg. Der Zustieg ist nicht ganz einfach zu finden, mit dem Topo geht’s halbwegs.

Ein langer Tag: Grosslitzner-Seehorn Überschreitung

Nun häufen sich doch unsere Besuche am Vermuntstausee in letzter Zeit – Valgraggersgrad, Hochmaderer und nun die große Überschreitung von Grosslitzner und Seehorn an einem Tag.

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links der Litznersattel, rechts davon der Grat zum Großlitzner

Diese Tour hatten wir schon länger auf unserer Liste, aber erst jetzt und durch Zufall sind wir zu einer Gruppe dazu gestossen, die uns auf diese Tour eingeladen hat. Mit Roland, Johann und Alida vom Alpenverein Dornbirn stiegen wir um 6.30 vom Vermuntstausee (1.749 m) hinauf bis knapp unter die Saarbrückner Hütte (2.538 m). Von dort geht die Tour hinauf zur Litznersattel (2.737 m), und noch ein bisschen weiter nach Westen gegen den Grat des Großlitzner, über eher rutschiges, sandiges Geröll.

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Großlitzner vom Grat zum Seehorn aus gesehen, schöne zwei Seillängen zum abseilen

Den Einstieg in unsere Kletterei am Grat (wir hatten zuvor schon einige einfache Passagen ohne Seil überwunden) bildeten griffige, etwas mit Flechten überzogene große Blöcke, die meist im dritten Grad luftig aber locker zu bewältigen waren. Insgesamt stutzten wir die 6 Seillängen (laut Kletterführer Vorarlberg) auf 3 zusammen und kamen so recht flott auf den Gipfel des Großlitzner (3.109 m). Die Aussicht zum Ortler, Piz Palü und Tödi war heute überwältigend. Damit war aber auch schon die Kletterei im Großen und Ganzen beendet.

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Beate vor dem Gratanstieg zum Seehorn

Vom Gipfel seilten wir zwei lange und überhängende Seillängen ab, kletterten weiter etwas ab und folgten dann dem nicht schwierigen, manchmal etwas ausgesetztem Grat hinüber zum Südgrat des Großen Seehorns. Hier war überhaupt keine Sicherung notwendig, recht einfach und steil ging es Kuppe für Kuppe nach oben. Auch das Große Seehorn (3.121 m) war bald erreicht.

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es ist nicht mehr weit zum Seehorn

Der Abstieg war etwas mühsam, folgten doch ungefähr zehn Abseillängen zum Bergschrund hinunter. Die meisten dieser Abseillängen wurden von zwei parallel genutzt, um Zeit zu sparen. Trotzdem, Abseilen ist immer zeitaufwändig. Vom Bergschund über den Seegletscher (recht rutschig mit Bergschuhen, aber kaum Spalten) kamen wir gut zur Seelücke. Von dort führt dann ein markierter Steig unterhalb des Kleinlitzner zur Saarbrückner Hütte, die nur noch Radler, Kaffee und Kuchen anbieten konnte – alle Vorräte waren aufgebraucht! Das Wetter hielt, wir hatten zwei 3.000er in der Tasche und einen perfekt ausgenützten Bergtag hinter uns. Der Weg hinab zum Vermuntstausee war uns dann auch nicht mehr lästig.

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die Abseilpiste vom Seehorn, hier im  “Parallelverfahren”

Wildhuser Schafberg: Klettertour an der Westkante

Nach drei Jahren Mitgliedschaft habe ich nun die erste Veranstaltung mit dem Alpenverein angetreten. Beate hatte ein Weiterbildungsseminar, und da es mir tendenziell an anderen Kletterpartnern mangelt, nahm ich das Angebot der Sektion Dornbirn gerne an und startete mit drei anderen Seilschaften am Morgen von Wildhus/Egg (1.084 m).

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Der Wildhuser Schafberg, rechts die Westkante

Der Einstieg zur Schafbergwand (westlicher Wandteil) erfolgt auf ca. 1.600 m am südwestlichen Ausläufer des Grates. Am Anfang noch im Stau, verursacht durch fünf andere Seilschaften vor uns, ging es bald recht flott über den Grat. Die Schwierigkeiten lagen meist zwischen 3 und 4+, mit einer Schlüsselstelle bei 5+. Diese war nicht allzu lang und gut abgesichert, aber schon ein wenig unangenehm speckig. Unsere Seilschaften kamen gut über alle Passagen, das letzte Abseilen zum Steig hinunter war allen Teilnehmern eine Routineaufgabe. Der Vorgipfel und Endpunkt der Kletterei liegt auf 1.959 m. Die Aussicht war heute sehr prächtig – die Churfürsten (u.a. Selun, Brisi) und die Alviergruppe (Rosswies, Hurst, Alvier) waren besonders gut zu sehen.

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schöne Kletterei bei festem Fels

Die Tour ist insgesamt recht lohnend bei einem kurzen Einstieg (rund 1,5 Stunden von Wildhus/Egg). Ein Bier geht sich beim Rückweg auf der Alpe Gamplüt locker aus. Wer will, kann für 10 SFR mit dem Trotti zur Talstation fahren. Alles in allem ein sehr schön genützter Tag im frühen September!

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die letzten Seillängen…

Gneis-Genuss am Hochmaderer

Nach der großen Lehrstunde am Spuller Schafberg am Vortag, gingen wir wieder voller Tatendrang am Hochmaderer (2.823 m) in der Silvretta ans Werk. Die Nacht am Vermuntstausee (1.743 m) war etwas böig, unser Büssle wackelte hin und wieder im Wind. Zeitig standen wir in unseren Bergschuhen und stiegen über den Weg zur Saarbrückner Hütte, später zur Tübinger Hütte kurz unterhalb des Hochmadererjochs (2.505 m) auf. In den Serpentinen zweigt eine Trittspur zur Hochmaderer-Südostwand ab.

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Hochmaderer vom Süden

Die Kletterroute am Südostpfeiler ist rund 200 m hoch und liegt im 5. Schwierigkeitsgrad. Erreicht man den Kopf des Pfeilers, sind es nochmals gute 200 m im 3. Schwierigkeitsgrad zu den Gipfelschrofen, dann über den ausgesetzten Grat zum Gipfelkreuz. Die Stände sind alle gebohrt und redundant angelegt, die Route recht gut zu finden, wobei Abweichungen je nach Können die Route erleichtern oder erschweren können. Wir folgen dem Topo recht genau und brauchten ohne Probleme für den Pfeiler gute 3 Stunden. Erst im oberen Teil zu den Gipfelschrofen muss man sich seinen Weg suchen, was ein paar Verhauer inkludieren kann. Dadurch verzögert sich der Aufstieg, so dass wir letztlich doch gute 5 Stunden zum Gipfel benötigten.

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Beate im Vorstieg am Südostpfeiler

Der Abstieg vom Hochmaderer ist im oberen Teil unangenehm rutschig (Geröll und feiner Split), ab dem Hochmadererjoch aber sicher. Die Heidelbeerbüsche sind noch voll, wir konnten uns von der Qualität der Beeren überzeugen.

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Letzte Meter am Grat zum Gipfel

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Kleinlitzner, Großlitzner und Seehorn im Hintergrund links

Fazit der Tour: im sehr griffigen, aber teilweise mit Flechten überdeckten Gneis lässt es sich gut klettern, die Haut der Fingerspitzen wird allerdings etwas stärker beansprucht. Die Route ist objektiv sicher, der Fels fest und die Stände gut eingerichtet. Zwischensicherungen sollten aber selbst angelegt werden, wenn auch immer wieder mal Bohrhaken zu finden sind.

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Sechs Tage Alpinkletterei hinterlassen Spuren…

Eine alpine Herausforderung: Spuller Schafberg

Unseren zweiten Tag am Spullersee verbrachten wir in der Nordwestwand des Spuller Schafbergs (2.679 m). Was am Vortag an der Plattnitzerjochspitze gegolten hatte (Sicherheit der Route, Kürze, etc.) hatte wenige Kilometer keine Gültigkeit mehr. Laut Kletterführer Vorarlberg “bieten die nach Norden und Westen abbrechenden Wände anspruchsvolle Klettereien für Gebirgskletterer klassischer Prägung. Ohne sicheren Umgang mit mobilen Sicherungsmittel kommt hier kein Spaß auf.” Will heißen: Pitons in der Wand haben Seltenheitswert, der Fels ist brüchig, die Orientierung ist ein Teil der Gesamtaufgabe.

Spuller Schafberg

Zustieg vom Osten zum Spuller Schafberg

Nach einer feinen Nacht am Spullersee (1.840 m) starteten wir zeitig in den Tag und folgten zunächst der Straße zur Dalaaser Staffel (ca. 1.700 m). Hier wendet man sich dem Spuller Schafberg gegen Osten zu und sucht seinen Weg selbst hinauf, vorerst über Almwiesen, später durch steile Geröllfelder, die allesamt aber gut zu beschreiten sind. Erst im obersten Teil sind sie recht lose.

Spuller Schafberg

in einer leichteren Sektion des NW-Pfeilers

Der Einstieg zum Nordwestpfeiler (3 bis 5-) ist recht gut zu finden, ist aber nicht markiert. Ab nun heißt es, sich auf sein Gespür für die Routenwahl zu verlassen und die Topokarte möglichst gut zu interpretieren. In der Wand selbst deuten nur sehr wenige Spuren (vereinzelte rostig-braune Pitons) auf den Wegverlauf, die Stände müssen komplett selbst eingerichtet werden. Das kostet Zeit, inkludiert aber auch vor allem eine gewisse Unsicherheit, ob man sich auch auf der richtigen Route befindet. Bei allen anderen alpinen Touren bis auf den Biberkopf hatten wir zumindest die gebohrten Stände als Orientierungspunkte nutzen können. Dadurch erhöhte sich für uns die Gesamtschwierigkeit der Route beträchtlich.

Spuller Schafberg

am Gipfel des Spuller Schafbergs, links die Hänge des “Mehlsack

Der Fels des Nordwestpfeilers ist sehr griffig und angenehm zum klettern, an manchen Stellen der Route am NW-Pfeiler allerdings auch brüchig. Wir hatten zwei größere Ausbrüche, einmal beim Nachklettern und einmal im Vorstieg, trotz stetem Prüfen der Felsqualität. 100%ige Sicherheit im alpinen Klettern gibt es nicht, aber wir haben daraus unsere Lehren gezogen – die wichtigste: den Stand so wählen und aufbauen, dass er durch den Vorsteiger nicht gefährdet werden kann. Das erfordert, dass der Einrichtende den weiteren Routenverlauf berücksichtigen muss.

Laut Topo hätten wir eine einzige Stelle 5- haben müssen, aber meiner (geringen) Einschätzung nach sind wir mindestens drei Seillängen im oberen 5er Bereich geklettert. Entweder lag das an einer abweichenden Routenwahl, oder die Bewertung der Route ist zu tief angesetzt. Jedenfalls hatten wir klettertechnisch einiges zu lösen, überwanden auch die heiklen Stellen und standen nach beinahe sechs Stunden am Gipfelkreuz (ca. 420 m Kletterlänge). Das langsame Vorwärtskommen erklärt sich aus der Routensuche und dem aufwändigen Sichern der Stände und dem Legen fast aller Zwischensicherungen.

Spuller Schafberg

Der Abstieg zur Ravensburger Hütte, rechts der Ostgrat der Plattnitzerjochspitze

Der Abstieg erfolgt sehr unproblematisch auf gutem Weg zur Ravensburger Hütte und weiter zum Spuller See. Bei Nudeln und Badespaß erholten wir uns vom kräftezehrenden Unterfangen und mentaler Ermüdung, bevor es am Abend mit dem Büssle zum Vermuntstausee ging.

Unser Fazit: definitiv Nichts für Plaisirkletterer! Material für den Standbau und das Legen von Zwischensicherungen ist zwingend mitzubringen. Wer die Nutzung dieser Tools nicht beherrscht, bekommt an dieser Wand seine Schwierigkeiten. Für uns war diese Tour ein Meilenstein, wir hatten vor allem in Punkto “selbständige Routenwahl und Orientierung im Fels” sehr viel dazugelernt, aber auch Vertrauen in unsere Fähigkeiten bekommen, selbständig sichere Stände einzurichten, die Stürze halten. Für Kletterer, die diese Route öfters gegangen sind, ist der Schwierigkeitsgrad 5- evt. adäquat. Für Erstbegeher dürfte dieser deutlich darüber liegen (5+ bis 6-).

Plattnitzerjochspitze: feine Kletterei am Spullersee

Die vierte Bergtour der Woche (Kirchlispitzen, Roggalspitze, Biberkopf) führte uns ins Lechquellengebiet an den Spullersee. Dort wollten wir an zwei aneinander folgenden Tagen diese Schönwetterperiode mit weiteren alpinen Kletterunternehmungen ausnutzen. Zunächst sollte es an die Plattnitzerjochspitze (2.318 m) gehen.

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Beate im Vorstieg in der Alten Südwand

Vom Spullersee (1.840 m) erfolgt der Zustieg zunächst über das Südufer (Ditteshütte) und dann einem Pfad folgend zum Ostgrat der Plattnitzerjochspitze. Der Ostgrat selbst bietet Kletterei im 3. Schwierigkeitsgrat. Wir aber folgten dem Geröllfeld (recht unlustig) an der Südwand bis zum Einstieg (markiert) der Route “Alte Südwand”. Mit 7 Seillängen und einem Schwierigkeitsgrad von 5 war sie die ideale Fortsetzung unserer Bergtourenwoche.

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der interessante Ausstieg zur Plattnitzerjochspitze

Im Vorstieg wechselten wir uns fortwährend ab, stiegen die gut gesicherte Route (Friends und Klemmkeile trotzdem brauchbar) recht rasch durch. Platten- wie Risskletterei wird geboten, der Fels ist sehr griffig und fest. Am besten gefiel mir der allerletzte Teil, der neue Ausstieg unter dem Gipfelkreuz – ein Stück Rissklettern in einer Verschneidung. Die Aussicht vom Gipfel ist prächtig, im Norden der Blick zum Spuller Schafberg und weiter in Richtung Braunarlspitze.

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einpacken, …

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denn über den Westgrat geht es zum…

Der Abstieg ist etwas länger, führt er doch über einen grünen Grat in einem weiten Bogen zurück zum Spullersee. Aufgrund der Kürze der Route hatten wir am Spullersee einen Badenachmittag – das Wasser war sehr angenehm temperiert!

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Baden am Spullersee!

Das Topo für diese Route ist im Kletterführer Vorarlberg recht brauchbar.