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Mount Fairview: im Eiskanal nach Lake Louise

Unsere letzte Tour in/um Lake Louise bricht an. Der Morgen ist nass-kalt, wir können die Fensterscheiben kaum aufbekommen, sie sind von aussen angefroren. Trotzdem sind wir die Ersten, die den Weg vom Lake Louise Castle (1.750 m) zum Saddle Pass (ca. 2.200 m) nehmen. Die Orientierung gestaltet sich einfach, ein breiter Skitouren-Trampelpfad führt durch den Wald und über mehrere ausgeräumte Lawinenstriche. Wie in den letzten Tagen (Wapta Icefields, Mount Hector, Cathedral Mountain) ziehen Wolken am Vormittag rasch auf, es wird windig und es beginnt zu schneien. Die Schlechtwetterprognose hat uns gestern dazu getrieben, den Mount Fairview wegen seiner Kürze und Einfachheit auszuwählen. Und das ist gut so.

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in einer Lawinenschneise unter Mount Fairview

Am Saddle Pass liegen die Wolken noch über uns, aber als wir kontinuierlich nun den Osthang zum Gipfel des Mount Fairview (2.744 m) hochsteigen, wird die Sicht rasant schlechter. Wir müssen Harscheisen anlegen, auf einer Eiskruste liegen vielleicht zehn Zentimeter Pulver. Zu wenig für einen einfachen Aufstieg in steilem, baumlosen Gelände. Wir queren gegen Norden, hoffen auf einen etwas flacheren Aufstieg, den wir auch finden. Von einer Schulter geht es in einem Nordhang langgezogen zum Gipfel, der überraschend kleinräumig wirkt. Kurz strahlt uns die Sonne auf den letzten einhundert Höhenmetern an, bevor sie bei der Abfahrt wieder verschwindet.

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am Saddle Pass, Blick zum Haddo Peak

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am Gipfel des Mount Fairview, Blick zum Lake Louise und Mount Niblock (in den Wolken)

Das fahle Licht macht den Nord- und Osthang nicht einfacher. Der Ärger kommt erst in der engen Waldspur auf. Sie ist immer noch glatt und hart, und so eng, dass man im Pflug-Modus fast überall hängen bleibt – an Bäumen, Wurzeln und Schneewänden. Der Weg ist steil, und ein Bremsen fast schon ein Stunt. Wir brauchen etwas, bis wir wieder am Parkplatz sind. Ohne Brüche, ohne Wehwehchen. Die Kong-Brothers hätten hier ihre Feuertaufe erlebt.

Wir reisen weiter. Banff ist unser Nachmittagsziel, Schwimmbad und Fitnesscenter, Reisevorbereitungen für die nächsten Tage, Wettercheck. Das Leben ist einfach geworden.

Mount Hector: Mit Eispickel zum Gipfel

Was für eine Tour! Am Tag nach der 3-Tages-Traverse des Wapta-Icefields ist Beate in Höchstform. Kein Murren, kein Mjaulen, sondern geradlinig zum Gipfel gestürmt. Wir starten am Highway 93 im Banff NP beim Hector Lake und folgen einigen Spuren durch den Wald entlang eines eingeschneiten Bachs. Die Sicht ist gut, Wolken sind nur im Westen zu sehen. Zwei Stunden später, nach dem “Erklettern” eines Wasserfalls, zieht der Himmel zu, die Wolken senken sich, und als wir den Gletscher betreten, fast keine Sicht mehr. Noch ist es einfach, wir folgen alten Spuren, die sich bald als frische erweisen: kurz unter dem Sattel zum Mount Hector kommen uns vier Skitouren-Geher entgegen: sie brechen ab, der Wind und die Sicht, Schneefall, nichts für einen Aufstieg.

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so gefällt mir ein Morgen um 08.00

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Beate durch den Wasserfall

Ab jetzt heißt es also selbst die Spur suchen und machen, auf einem Gletscher bei kaum Sicht keine angenehme Sache. Hab ich schon gesagt, dass Beate heute nur den Gipfel kennt, Wind und Wetter keine Rolle spielen? So stark! Wir finden den Sattel und hanteln uns gegen Osten bis zu einer Felswand, die wir fälschlicherweise schon für den Gipfel halten. Skidepot. Steigeisen an, Pickel gegen Skistöcke, und auf geht’s in den Sturm. Es bläst hier nun ordentlich, der Schnee kommt von allen Richtungen und Beate denkt gar nicht daran abzubrechen. Ich bin entzückt, und sie übernimmt die Führung, als wir den steilen Hang entlang der Felswand seilfrei Schritt für Schritt in Angriff nehmen. Der Schnee ist hier tief, wir müssen uns abwechseln, aber ohne Rucksack und Ski am Rücken ist alles leicht. Ich erinnere mich an die harten Meter am Mount Fuji. Wir kommen auf ein kleines Plateau, aber da sehen wir weiter östlich wieder Felsen, eine Anhöhe, nur schemenhaft, aber da muss es irgendwo hinaufgehen. Wir steuern einfach gegen die Höhe, erklimmen einen weiteren, steilen Schneehang, dann taucht ein Felsband auf. Ich erklettere zwei Passagen, dann kommt Beate nach. Hier wechseln wir wieder, in einer geraden Linie steigt sie zu einem Kamin hoch, umrundet den Felsen und steht zwei Meter unter dem Gipfel, der mit einer großen Schneehaube auf uns wartet. Mit wenigen Hieben säubert sie den Fels, hakt sich ein und zieht sich hoch, bis sie mit den Händen den Gipfelturm des Mt. Hector (3.394 m) umgreifen kann.

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‘Little Hector’ in Sicht, noch ist der Himmel recht blau

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am Col unterhalb des Mt. Hector

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kurze Kletterstelle

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White-out Classics

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nicht mehr weit zum Gipfel, den wir von hinten erklimmen

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am Gipfel des Mt. Hector

Im Abstieg folgen wir unseren Spuren, aber die sind beinahe vom Schnee und Wind verdeckt. Ich muss genau hinschauen. Es dauert vielleicht fünfzehn Minuten, bis wir am Skidepot sind. Es stürmt, Steigeisen ab, Pickel fixieren, Felle weg, bereit für die Abfahrt? Seil fehlt noch, denn bei dieser Suppe sehen wir keine zehn Meter weit, und die Aufstiegsspuren sind längst weg. Beate macht sich vorne am Seil auf die Suche, während ich hinten sichere und auf die Seilführung achte. Es dauert eine Ewigkeit, bis wir uns aus dem Gletscher hinausmanövrieren. Am Seil fahren, das ist Teamsache. Alles geht gut, Spalten erfolgreich gemieden, Seil weg, und dann eine wilde Abfahrt, die mit der Schlüsselstelle “Wasserfall” seinen Höhepunkt findet. Im Wald sind wir schon recht souverän, kommen nach sechs Stunden wieder beim Büssle an. Wow! Zwei Bierdosen stehen auf unserer Windschutzscheibe, wohl von den vier Skitouren-Gehern aus Jasper, die am Sattel umgedreht sind. Vielen Dank! Mittlerweile geht der Schneefall in Regen über, wir versuchen wieder unsere Sachen zu trocknen. Die Aufgabe des Nachmittags…

Wapta Icefields Traverse

Ungewohnt für uns, marschieren wir in einer 6-er Gruppe von der West Louise Lodge entlang des Sherbrook Creek zum Mt. Niles hoch. Der Tag ist prächtig, warm, blendend. Wir wissen nicht, was die nächsten drei Tage bringen werden, und wie es mit unseren Team-Partnern sein wird. Gestern saßen wir noch in Banff im Hot Pool, brachten unseren Körper im Fitness-Center auf Vordermann, kletterten in der Halle, und auch die Ski kamen auf ihre Kosten – ein wohlverdientes Tune-up. Grund für all das: übles Bergwetter. Aber an diesem Morgen – alles wie weggezaubert.

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let’s go skiing!

Rob aus Neuseeland, David und Manfred aus Calgary und Pat aus Invermere laden uns zu dieser Tour ein. Wir sind bald alle gute Freunde, wechseln beim Spuren ab und erarbeiten uns den Sattel unterhalb des Mt. Niles gegen Mittag. Zwei Stunden später erreichen wir die Scott Duncan Hütte. Sieht wie eine Schachtel aus, und fühlt sich auch so an. Feucht, wenig Platz, kein Ofen, aber Gas für die Küche. Wir verbringen eine gemütlichen Abend, draußen tobt mittlerweile ein leichter Sturm, die Sicht geht gegen Null. Am nächsten Morgen müssen wir die Eingangstür einen halben Meter hoch ausschaufeln. Das Wetter bleibt ungünstig, und das ist wie immer das größte Risiko auf mehrtägigen Traversen: irgendwo auf einer Hütte verhaftet zu sein. Wir kennen das ja schon von Kamchatka. Hier dauert das Warten einen Vormittag, dann wird es leicht besser und wir entschließen uns für die nächste Etappe.

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am Mt. Niles

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Aufstieg aus dem Sherbrook Creek

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in der Scott Duncan Hütte

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nördlich der Belfour-Hütte

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Pause am Seil

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Mt. Olive

Tag 2 bringt nichts als ein riesiges White-out. Wir orientieren mit GPS und Kompass, machen einige Umwege, erwischen aber den richtigen Sattel und fahren am Seil sicher durch das Spaltengelände. Gegen fünf Uhr am Nachmittag sind wir in der angenehmen Belfour-Hütte. Was für ein Unterschied zur Duncan! Hier können wir Socken, Innenschuhe und Felle endlich trocknen, ohne Stress kochen und essen. Der Ostersonntag wir entsprechend mit Schoko-Eiern gefeiert. Bock-Bier gibt’s aber vielleicht erst im Tal, welches wir am dritten Tag erreichen. Es ist keine ewig lange Etappe zum Bow Lake, aber wir erwischen ein schönes Wetterfenster und machen uns auf dem Weg nach Lake Louise – Fahrzeuge holen, Bier trinken. Danke Jungs für die tolle Tour und die schöne Einführung in Gletscher-Traversen in British Columbia / Alberta!

Mt. Niblock: kanadische Herausforderungen

Es schneit, als wir etwas verschlafen aus unserem Büssle schauen. Die schlechte Sicht ist die erste Herausforderung, derer wir uns für die Tour zum Mt. Niblock bewusst werden. Zwei Hundert Meter, schon auf den Ski, kommt die zweite: ein Warnschild – Grizzly unterwegs. Diesmal können wir uns nicht irren – wie am Mt. Decoeli wo wir eine Wolverine-Spur für einen Bären gehalten haben.

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am Continental Divide

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bald sind wir durch den Wald…

Die Tour haben wir bewußt als Schlechtwettertour ausgewählt, weil die Orientierung recht einfach scheint. Aber im Nebel ist alles anders. Den Pfefferspray am Gürtel, die Bärenglocke am Skistock marschieren wir einige Kilometer bis zur Continental Divide, jener Wasserscheide, die Flüsse in den Pazifik, in das Polarmeer, in den Atlantik oder in den Golf von Mexiko schickt. Und es bildet auch die Grenze zwischen Alberta und British Columbia (z.B. gestern noch in BC am Mount Field). Ab hier geht’s im dichten Wald nach Süden, immer einem Bachverlauf folgend. Oberhalb der Bäume tauchen links und rechts hohe Felswände auf, der Eingang in ein enges, kurzes Tal, welches durch eine hohe Moräne wie abgeschlossen erscheint. Wir überwinden diese, marschieren flach, dann wieder steil gegen den Sattel zwischen Mt. Niblock und Mt. Whyte. Der Nebel ist nun sehr dicht, und ein Fortkommen schwierig. Etwas südlich des Sattels drehen wir um, ich sehe kaum noch unsere Spur hinter mir, der Schneefall wird recht stark.

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ein Lichtblick im baldigen White-out

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wenn’s mal hell wird, dann genügt es für die Navigation

Die Abfahrt ist entsprechend defensiv. Wir müssen unserer Spur auf den Meter genau folgen, um den Rückweg zu finden. Sturmfest eingepackt fahren wir die Moräne ab, und kurz vor dem Wald hole ich den Pfefferspray wieder heraus. Dann geht’s recht lässig durch das eingeschneite Bachbett im frischen Pulver durch den Wald. Für einen „Schlechtwettertag“ eine feine Tour von 1.200 Höhenmetern.

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ab nach unten im Bachverlauf

Bisons & Hot Springs: Erinnerungen an einen Road Trip

Es sind einige Wochen her, dass wir in München aus dem Flugzeug gestiegen sind. Zurück in den Alltag, zurück aus dem hohen Norden Alaska’s, den unendlichen Weiten Kanadas und der bezaubernden Mondlandschaft Islands. Es gibt da so Momente, da träumt von diesen Tagen, und wünscht sich nichts mehr als zu zweit wieder unterwegs zu sein. Eine lange Reise, ein Road Trip, ein Weg in das Abenteuer. Das sind unsere Erinnerungen, das ist, was wir sind.

Road Trip from Mark Buzinkay on Vimeo.

Auf dem Alaska Highway

Hätte ich gedacht, dass die große Ebene zwischen den Großen Seen und den Rocky Mountains “Weite” bedeutet, so fühle ich mich auf dem Weg von Jasper nach Anchorage erst recht in der Endlos-Landschaft aus Bäumen verloren. Wälder, soweit das Auge reicht. Hinein führen einige unbefestigte Stichstraßen, entweder für die Holzwirtschaft oder für das Fracking-Geschäft. Beides ist mir auf der Reise unangenehm, den der Highway ist voller Schmutz und Steinen, die auf uns niederprasseln und auf dem Wagen kleben. Die Distanzen sind so groß, dass wir Tankstopps und Mobilfunk-Erreichbarkeit planen müssen.

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super gsi!

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in den Stone Mountains

Der Herbst zieht hier langsam ein. Bäume verfärben sich, die Luft ist klar, die Mogen mit wenigen Grad Celsius bereits angenehm kühl. Der Winter hier ist schwer vorstellbar – extrem kalt und trocken? Aufgeregt schaue ich auf die Straße vor mir. Noch 300 Kilometer bis Stone Mountains, noch über 1.000 Kilometer bis Whitehorse. Dann taucht ein Schwarzbär aus dem Gebüsch, stellt sich auf die Hinterbeine, schaut, und läuft davon.

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Schilderwald in Watson Lake

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Whitehorse

Über die Stone Mountains und den Summit Pass kommen wir in einen bergigen Teile des Alaska Highway. Hier laufen die Bergziegen auf der Straße, die Bisons grasen daneben und die Karibu sammeln sich im Busch. Die Tage sind schön, herbstlich, die Straße wird ruhiger, und irgendwann erreichen wir auch Whitehorse, nach einem feinen Morgen in den heißen Quellen am Laird Lake.

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Alaska Highway, irgendwo Kilometer 1398

Sulfur Ridge, Hot Springs und Steinschlag

Ist Banff mit St. Anton vergleichbar, dann Jasper eher mit Schruns. Weniger touristisch, bietet aber immer noch viel Infrastruktur für einen längeren Aufenthalt in der Gegend. Und so haben wir uns, nach unserem Tag am Mount Wilcox, dann auch eher in Jasper wohl gefühlt, auch wenn wir dort vielleicht nur drei Stunden verbracht haben – einkaufen, Infos einholen, Internet, tanken – das Übliche halt. Bei der Fahrt hinaus zum nächtlichen Stellplatz kommt uns ein Elk auf der Straße entgegen, die Nacht bleibt sonst aber ruhig.

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Jasper

Am Morgen klart das Wetter auf, der Fels ist aber immer noch nass. Wir lassen den langen Zustieg zur Aldrige Ridge deshalb bleiben und widmen uns wieder dem Wandern statt dem Klettern zu – es soll die Sulfur Ridge werden, oberhalb der bekannten Heißen Quellen um Miette. Im dichten Wald bringen wir wieder unsere Bärenglocken an, haben den Bärenspray im Holster und klatschen uns den Weg hinauf. Die Bären bleiben also aus, nicht aber andere Besucher, denn ist hier Sonntag.

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Blick von der Sulfur Ridge gegen Westen

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super gsi!

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Morgenstimmung im Jasper Nationalpark

Nach einer kurzen Gipfelrast ist also klar was zu tun ist. Mittags sitzen wir im heißen Wasser und lassen uns einweichen, bevor die lange Strecke gegen Norden beginnt: gut 3000 Kilometer sind es nach Anchorage. Beate schläft sich aus, ich fahre interessante 450 Kilometer über Grande Prairie fast bis nach Dawson Creek. Unterwegs erwischen wir den zweiten Stein in der Windschutzscheibe, die langsam etwas angeknackst aussieht. Mal sehen, wo und wie wir das reparieren werden (müssen).

Mount Wilcox – über dem Icefields Parkway

Nach unserem ersten Gipfel – Lady MacDonald bei Canmore – gab’s in Banff die Belohnung in Form von einer heißen Thermalquelle. Im Dauerregen des Abends liegen wir stundenlang wie auf Island in Hvargedi im warmen Pool. Die Nacht bleibt kühl, es klart aber auf und trotz schlechter Vorhersage bleibt es trocken. Wir fahren gegen Norden den Icefields Parkway hinauf, und kurz vor dem Infocenter biegen wir ab – es geht auf unsere zweite Bergtour, zum Wilcox Peak.

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im Jasper Nationalpark

Der Mount Wilcox (2.884 m) macht einen schroffen Eindruck und von Süden ist sein langer Grat schön zu sehen. Der Aufstieg zum Grat geht durch dichten Wald, dann über eine Hochebene. Hier tummeln sich einige Touristen, die wir aber bald verlassen, als wir uns vom Wilcox Pass dem eigentlichen Berg zuwenden. Es geht steil hinauf, aber einfach, und dann etwas unterhalb des Grats immer weiter zum Gipfel hoch. Der Fels ist etwas brüchig, aber es macht Spaß, hier leichteste Kletterstellen noch komplexer zu machen. Vom Gipfel des Mount Wilcox sehen wir gegen Westen fast auf das Eisplateau am gegenüberliegenden Athabasca-Gletscher. Scheint eine interessante Touren-Gegend zu sein.

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links der Athabasca Gletscher

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unser Tagesziel: Mount Wilcox und der SO-Grat

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Blick vom Gipfel des Mount Wilcox nach Süden

Am Parkplatz gibt’s für uns die obligate Solardusche, bevor wir die anderen einhundert Kilometer auf dem Icefields Parkway bis nach Jasper zurücklegen. Hier irgendwo wollen wir wieder einen Stellplatz für die Nacht finden – wir haben noch einen ganzen Tag im Jasper Nationalpark eingeplant. Bleiben könnten wir wohl Monate.

Lady MacDonald – windig, neblig, Felskontakt

Die Rockies sind da und mit uns eine Schlechtwetterfront. Also kein Klettern am ersten Tag nach Calgary in Canmore, dafür ein Wanderausflug zur Lady MacDonald (2.606 m). So nah am Banff Nationalpark rechnen wir mit reichlich Grizzly Aktivität, besorgen uns einen Bärenspray und marschieren durch den Wald hinauf zum abgebrochenen TeaHouse. Einzig ein Moufflon-Pärchen kommt uns entgegen. Es bleibt bewölkt, aber trocken, und als wir nun an den nackten Gipfelgrat kommen, zieht Nebel auf. Endlich können wir in leichter Kraxlerei am Grat etwas Felskontakt haben – wie haben wir das schon seit Wochen vermisst. Am Steinmann-Gipfel bleiben wir eine Jause-lang, bevor wir wieder zurück eilen. Erst in Canmore fängt es leicht zu tröpfeln an.

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Nördlich von Canmore: die Kananaskis

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Blick ins Tal nach Canmore

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am Gipfelgrat kurz bevor Nebel aufzieht

Auch in der Stadt sind wir “erfolgreich”. Wir finden eine passable Infrastruktur vor, mit allen Möglichkeiten für den Winter – Langlauf, Skitouren etc. Könnte mal eine Winter-Idee sein. Wir ergänzen unsere Vorräte und Infos zur Gegend, und fahren am späten Nachmittag weiter nach Banff. Hier geht es wesentlich touristischer zu, ist uns aber auch recht. Am Info-Center sehen wir, welche Wanderwege wegen Bärenaktivitäten, Hochwasser oder sonstigem gesperrt sind. Einen Stellplatz finden wir etwas oberhalb der Stadt, ein Karibu kommt uns im Wald entgegen und wir freuen uns schon auf die Hot Springs. Da lassen wir uns wieder so richtig aufweichen, bevor die nächsten Berge dran sind. Sehr easy hier, das Leben im Büssle.

Downhillen in Calgary

Die Prärie haben wir mit Calgary nun endgültig verlassen. Die Rockies sind noch nicht zu sehen, dafür aber die Wolkenkratzer der Downtown. Die Stadt überrascht uns positiv. Wir marschieren durch China-Town in den Business-Bezirk. Alles wirkt grün, sehr geordnet, die Gehsteige fünf Meter über der Straße. Die Architektur ist interessant und wir fühlen uns durch die Hochbauten nicht eingeschränkt. Der Wind bläst angenehm durch die Mittagshitze, die Leute sind auf der Straße. Alle Arten von nationalen Küchen sind hier zu finden, und wir enden mit einer chinesischen Nudelsuppe und einem vietnamesischen Sandwich. Eine Stadt zum Verweilen.

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Downtown Calgary

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super gsi!

Das Wetter bleibt freundlich, als wir uns im Olympischen Park einfinden. Zunächst eine kleines Mittagsschläfchen in der Wiese,  welches wir dann wegen Downhill-Mountainbikes aufgeben. Wir fahren bis zum Abend verschiedene Downhill-Pfade vom teilweise künstlich aufgeschütteten Hügel bei der Skisprungschanze. Macht Spaß und müde. Wir verlassen Calgary in Richtung Rocky Mountains. Endlich sind sie da. Canmore, Banff, Lake Louise…

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mobile Snack-Buden

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Spaß am Nachmittag

Über die große Prärie

Jetzt stehen die langen Wege an. Nach den Naturparks Killarney und Lake Superior umrunden wir die Nordküste des gleichnamigen Sees in einem Vormittag. Es klart auf, der Regen hört auf, und nach einem kurzen Tim Horton-Stop schauen wir uns den Canyon von Ouimet an. Steiler, schwarzer Fels. Nun ist eine Laufpause angesagt, wir vertreten unsere Beine im hügeligen Waldterrain. Auch die anschließende Solardusche ist bereits Routine.

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die Nordküste des Lake Superior

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Der Canyon von Ouimet

Das Fahren gefällt mir. Die Strecken sind nicht langweilig, es gibt viel zu sehen, und der Verkehr ist sehr mäßig. Wir rollen nach Thunder Bay und schauen uns ein wenig in der Marina um. Heute ist Labour Day, und alles hat geschlossen. Macht nichts, unsere Büssle-Vorräte reichen für die nächsten Tage sicher. Nocheinmal gute 250 Kilometer weiter suchen wir in Ignace einen Stellplatz und werden an einem See fündig.

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am Lake Richard

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super gsi!

In der Früh haben wir keine Lust zu Laufen. Fahren einfach mal los, das Gelände bleibt hügelig und Seen-reich. Die sportliche Abwechslung am heutigen Tag kommt nach gut zweihundert Kilometern: wir entdecken die Cottages von Gillis. Das Kanu ist schnell ausgeborgt und schon umrunden wir die Küste von zwei absolut ruhigen, dunklen Seen. Das Wasser ist so warm, dass wir einem Tauchgang nicht entsagen können. Wir plaudern noch ein wenig mit Gillis, die im Winter in Arizona ein Häuschen hat. Ihre Söhne sind ebenfalls Reise-Freaks. Wir hätten den ganzen Tag dort verbringen können, langweilig wäre es nicht geworden. Auch Gillis war vom Büssle begeistert und hätte gerne etwas Ähnliches. Aber wie es so schön heißt, im Leben trifft man sich immer zwei Mal. Email-Austausch hilft schon mal.

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in der Prärie wurde es nicht langweilig

Winnipeg hat uns nicht groß begeistert, eine Stadt aus der Prärie, sehr US-amerikanisch vom Stadtbild, Beate hat aber ihre tägliche Ration Sushi bekommen. Auch hat sie Obst und Gemüse im Markt erstanden und ist wieder zufrieden. Damit ich auch. An der Grenze zu Sasketchewan übernachten wir an einem Truck-Stop. Praktisch, aber keine Augenweide. Man muss das pragmatisch sehen – WC, Wasser, sicherer Parkplatz.

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Doppeldecker-Güterzüge, mehrere hundert Meter lang

Die Sonne geht mit einem weiten Morgenrot über der Ebene auf. Wir starten los, bei Regina gibt’s Kaffee und Donut. Der Latte schmeckt süß, checke meine eMails, und dann wechseln wir hinter dem Lenkrad. Die Cockpit-Routine bestimmt unseren Tag, Geräte aufladen, Straßenkarten studieren, in die Weite gucken. Hier zu fahren ist sehr einfach. Doppelspurige Autobahn, wenig Verkehr. Und die Prärie ist nicht uninteressant. Weite Getreidefelder, riesige Silos, und hin und wieder die eine oder andere Bison-Herde. Stadt über Stadt folgt, wir passieren die Grenze nach Alberta, tanken noch billiger, und verbringen den Rest des Tages im Kinbrook Island Provincial Park. Bald sollten wir die Rocky Mountains sehen. Und Calgary.

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das ist ein kleines Getreide-Verlade-Silo westlich von Medicine Hat