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Beginn und Ende einer Reise: Fez

Nun kehrten wir aus Casablanca und Rabat wieder ins Landesinnere, nach Fez, zurück. Das neue Fez hatten wir schon am ersten Tag unserer Marokko-Reise recht gut kennen gelernt. Cafés, Restaurants, breite Boulevards, unstressige Stimmung, und dann auch die Mauern und Gassen in der sogenannten “ville nouvelle” – ist ja immerhin rund 700 Jahre alt.

Fez

Das Fez Nouvelle

Den letzten Tag verbrachten wir gänzlich in Fez Medina, der Alten Stadt. Ähnlich wie in Marrakech hatten wir ein traumhaftes Riad für unsere letzte Nacht, und dann ein ganz feines Abendessen in den alten Gassen. Ein bißchen Couscous, Huhn, marokkanischen Salat, scharf angemachte Oliven, einen Früchte-Milch-Shake und einige kleine Bissen Süßes.

Fez

Wieder mal in einem Souq

Die Straßen bieten sehr viel Orientalisches, und verlaufen ist so gut wie garantiert – trotz Karte. An den “Hauptgassen” finden sich aneinander gereiht Geschäfte aller Art – vom Kleinst-Greisler bis zum Schmuck-Verkäufer, vom Fleischer zum Friseur. Dazwischen Hamams, Fruchtstände, Moscheen und Gebackenes. Man kann sich gar nicht satt sehen vor Objekten.

Fez

Waschgelegenheit in den Gassen der Medina

Wenige Plätze bietet die Altstadt, so dass man kurz der Enge entweichen kann. Für Klaustrophobe ist dies gewiss kein Ort, erst recht nicht, wenn man sich für ein Kaffeehaus entschieden hat – enge Seitengassen, Tunnels, schiefe Stiegenhäuser in Schulterbreite. Einfach schön und verwegen. Einige Lehmhäuser werden zur Seite abgestützt, der jahrhunderte lange Druck auf die Gebäude muss sich irgendwann bemerkbar machen.

Fez

Pausieren vor den Toren einer Moschee

Fez

ein Stadtteil von Fez mit grünen Bergen im Hintergrund

Den letzten Morgen verbrachten wir auf der Dach-Terrasse unseres Riads, träumten von der Stadt, aber auch von Zuhause. Und wie immer sorgten wir mit unserem Ski-Gepäck für Furore, erhielten interessierte Blicke und wurden darauf angesprochen. Ob es nicht gefährlich sei, das Skifahren, sans volant, et ma soeur? Non, ma femme; Oh! Ich solle unbedingt auf sie aufpassen, elle est très gentille. Aber das mache ich, es ist unser vierter Hochzeitstag an diesem Tag.

Das moderne Marokko: Casablanca und Rabat

Nach den Bergen des Toubkal, der Königsstadt Marrakech und dem Atlantikhafen Essouira wurde es Zeit, die Ballungsräume Marokkos zu entdecken. Auf einer Tagesreise standen Casablanca und Rabat auf dem Programm.

Casablanca

Schöne Häuserfront in Casablanca

In sechs Stunden Busfahrt erreichten wir die Metropole Marokkos. Casablanca ist modern, westlich, und an der Peripherie entsprechend arm. Mehr als 3 Millionen Menschen tummeln sich in den französisch-spanisch anmutenden Straßen, und in keiner marokanischen Stadt haben wir eine derartige Kaffeehaus-Dichte gesehen.

Casablanca ist aber auch eine Stadt, die über eine Medina verfügt und sehr viel arabische Kultur pflegt. Es ist eine feine, wenn auch was den Verkehr betrifft etwas hektische, Betriebsatmosphäre in den Straßen. Casablanca ist vor allem eine Geschäftsstadt, und man sieht kaum Lonely Planet Reiseführer. Will heißten: Touristen verlieren sich hier in der Menge.

Rabat

Im alten Festungsviertel Kasbah des Oudaias (Rabat)

Rabat

Die Einfassung der Medina bei Bab al-Had (Rabat)

Am späten Nachmittag erreichten wir dann noch nach kurzer Fahrt Rabat, die Hauptstadt des Landes. Unmittelbar neben einem Tor zur Medina verbrachten wir in einem Hotel unsere Nacht. Zuvor konnten wir aber das gesamte Viertel auch bei Dunkelheit durchstreifen – alle Straßen waren gefüllt mit Massen von Leuten und Händlern. Es ging alles quer und drüber, und man mußte einfach bei vielen Ständen stehen bleiben und das eine oder andere kosten, außer bei den escargots.

Rabat

Palmen säumen Straßen im Regierungsviertel

Rabat

Ein Minarett in der Nähe des Palais Royale

Auch am nächsten Morgen durchstreiften wir die Stadt, diesmal den neueren Teil. Breite Palmenalleen, großzügige Gehsteige, zahlreiche Cafés und recht wenige Leute prägten das Stadtbild um 8.30 morgens. Um diese Jahreszeit war Rabat eine wirklich angenehme Stadt. Jetzt aber fuhren wir wieder zum Busbahnhof, wir und unser Skigepäck sollte noch nach Fez…

Lonely Planet Marokko

Der englische Titel des Bandes heißt exakter “Lonely Planet Morocco” und war unser informativer Begleiter bei dieser Tour durch das Land am Atlas. Die 2009 erschienene Ausgabe hat wieder zahlreiche “Features” zu bieten – rund 500 Seiten dicht bepackter Information, knapp 100 Karten, und eine Menge an Farbfotos, die Lust auf mehr machen.

Lonely Planet Marokko

Buchcover Lonely Planet Marokko

Wie fast immer bilden die Reisevorschläge (Trips von mehreren Tagen bis zu mehreren Wochen) das Rückgrat eines LP Bandes. Wir hatten aber schon unsere Ideen (Skitouren) wo anders ausgebrütet, mussten uns eigentlich nur auf die Informationen zu den Königsstädten und den Verkehrsverbindungen konzentrieren. Die Informationen stimmten im Wesentlichen mit der Realität überein, haderten wir dennoch ein wenig mit den Angaben zur Gepäcksaufbewahrung, da wir oft die exklusive CTM-Buslinie fuhren, welche eigene Bus-Terminals nutzt. Auch der CTM-Fahrplan war nicht akkurat, aber das läßt sich vor Ort leicht erfragen.

Zum Thema Skitouren steht im Reiseführer Marokko überhaupt nichts drin. Ein paar Infos finden sich zum Nationalpark Toubkal, zum Aufstieg zur Refuge, und sehr dünne Routenbeschreibungen für Trekker.

Weiters inkludiert ist ein Kurzlexikon (Arabisch, Französisch, Berber), Informationen zu Trekking im Atlas sowie eine – ein wenig dünn ausgefallene – Sektion zu West-Sahara. Insgesamt aber ein gut recherchiertes Buch, wobei man hier besonders auf den Kauf der letzt-erschienen Auflage achten sollte. In Marokko ist vieles im Fluß.

Bibliographische Informationen finden sich hier: Lonely Planet Reiseführer Marokko

Am Atlantik: Fisch essen in Essaouira

Nach unseren Skitouren-Ausflügen auf Djebel Toubkal, Ras und Akioud war es Zeit für etwas Atlantisches. Als Abschluss unserer Rundfahrt durch Marokko sollte es entlang des Atlantiks zurück nach Fez gehen. Erste Station: Essouira.

Essaouira

Minarett am westlichen Rand der Stadt

Essaouira liegt rund drei Autobus-Stunden von Marrakech entfernt. Ski-Gepäck ließen wir am Busbahnhof zurück, steuerten durch die Menge ziemlich zielgerichtet auf unser Hotel in der Altstadt zu. Das Gewirr in den Gassen überraschte uns nicht, doch diesmal waren die Touristen auffallend zahlreich. Das schlug sich in manchen Abschnitten der Stadt im Warenangebot nieder: Kunsthandwerk, Teppiche, Hotelzimmer-Keiler. Wir hatten ein nettes Zimmer mit Dachterrasse, Blick zum Strand. Und nichts wie hin.

Essaouira

Metzger in der Hauptstraße der Altstadt

Essaouira

Fischer und Möwen – ein typisches Bild in Essaouira

Auch wenn wir nicht baden gingen (es waren nur sehr wenige Leute im Wasser), genossen wir den Strandspaziergang. Aber nicht der Sand interessierte uns, sondern der geschäftige Hafen mit Dutzenden Fischerbooten, die gerade einliefen bzw. eingelaufen waren und ihren Fang löschten. Fischer, Käufer und Möwen waren nun in aller Hektik. Wir hingegen konnten das Schauspiel aus einer Distance aus Bewunderung und Neugierde verfolgten, und hatten sehr bald Lust, die Früchte des Atlantiks selbst auszuprobieren. Die kleinen Buden am Hafen boten sich hier an.

Essaouira

Blick durch die Festungsmauern auf die Altstadt

Essaouira

Fischerboote ohne Ende

Essaouira bietet einen historischen Tummelplatz voller Festungsmauern, enger Gassen, schöner Plätze und einem kulturellen Mix aus kolonialer Vergangenheit und marokkanischer Kultur. Die zahlreichen Touristen fördern dieses authentische Gesamtbild zwar nicht, bringen der Stadt wohl aber einen ökonomischen Push, den sie notwendig hat. Viele Häuser werden restauriert und wieder lebenswert gemacht. Die Cafés haben französischen Flair, und die Bedienung ist trotz der vielen Arbeit sehr nett. Ein Abendessen über den Dächern Essaouiras macht einen kurzweiligen Nachmittag komplett. Es ist Zeit weiterzuziehen.

Essaouira

Ein Möwen-Porträt

Der schönste Skiberg der Region: Akioud

Das Ende unseres Aufenthaltes nahte: nach den Touren zum Ras N’Ouanoukrim und dem Timesguida und Toubkal Ouest, Djebel Toubkal und Imouzzer wählten wir als Vormittagstour den rassigen Akioud (4.030 m) mit seinen schönen Osthängen aus.

Akioud

Durch einen schönen Felsdurchstich Richtung Akioud

Heute starteten wir wieder um 8.30 – die Sonne schien prächtig und die ostseitige Hanglage deuteten auf frühen Firn hin. Der Aufstieg ging flott dahin – zunächst wie zum Ras nach Süden gegen das Tal hoch, dann beim ersten Seitental rechts (gegen Westen) hinein. Der Weg zur Hochebene führt durch ein teils flaches Couloir, das an eine Bobbahn erinnert. Hier sahen wir schon in der Früh das Schmelzwasser von den Felsen herunter fließen.

Akioud

Der Akioud vor uns

Am Ende des Felsdurchstichs gelangt man auf eine breite, recht flache Ebene, die man weiter gegen den Talabschluss durchstreift, wobei man sich eher südlich hält. Vom Norden kommen immer wieder Eisbrocken herunter… Man orientiert sich dabei am höchsten Gipfel – leicht rechts davon gibt es einen Steilhang, der zum Grat führt. Den muss man nehmen.

Akioud

Steiler Aufstieg zum Nordgrat

Am Fuße dieses Steilhanges hieß es wieder Ski auf den Rucksack, Steigeisen an. Der Aufstieg war schnell geschafft, und am Grat (3.900 m) gab es das Skidepot. Von hier führte ein steiler, wenn auch nicht besonders anspruchsvoller Weg hinter den Felswänden zum Akioud hoch. Mehr als eine leichte “Felskletterei” war hier nicht notwendig.

Akioud

Und schon wieder auf dem Weg hinunter vom Akioud-Gipfel

Auch der Abstieg und die Mittagspause am Grat verliefen ohne Aufregung. Just vor der letzten Abfahrt brach die Bindung (genau das gleiche Teil wie bei mir vor 3 Wochen! Offensichtlich eine der Schwachstellen der Silvretta Pure Bindung!!!) bei Beate’s Ski – sie musste den ganzen Weg zur Hütte zurücklaufen. Ich genoss derweil die letzten Schwünge am Akioud…

Auf der Refuge Les Mouflons packten wir dann unsere Sachen, es ging ins Tal, das Muli wartete, eine herzliche Verabschiedung von unseren marokkanischen Gastgebern folgte. Das weitere Tagesgeschehen habe ich ja schon beschrieben – inklusive der Einladung von Mohamed und seiner Frau zu Essen und Übernachtung in Marrakesh. Die nächste Station: Essaouira.

Am höchsten Berg Nordafrikas: Djebel Toubkal

Nach der Aklimatisationstour zum Ras N’Ouanoukrim und dem Timesguida wollten wir zum Hauptgipfel des Hohen Atlas aufbrechen: den Djebel Toubkal. Mit seinen 4.165 m ist er der höchste Gipfel Nordafrikas und Ziel zahlreicher Bergsteiger im Winter, im Sommer einer Mehrzahl an Wanderern. Das sagt schon ein wenig über seine Begehbarkeit aus – technisch kaum anspruchsvoll, dennoch ein Berg, den man nur bei gutem Wetter wagen sollte.

Djebel Toubkal

Der steile Einstieg ins Kar

Djebel Toubkal

Über hartgefrorene Hänge geht es ostwärts

Bewußt warteten wir noch länger im Refuge Les Mouflons, damit wir nicht ähnlich harte Verhältnisse bei der Abfahrt hatten wie am Vortag. Aber das brauchte es gar nicht, denn die Sonne schien vom Sonnenaufgang an ungestört. Manche Tourengeher wählen eine direkte Route vom Refuge hinauf zum Sattel Ikibi und schnallen dabei ihre Ski auf ihre Rucksäcke und steigen mit Steigeisen hoch. Das wollten wir nicht, sondern querten den steilen Einstiegshang in einem weiten Bogen von Süden nach Norden, und dann in mehreren Schleifen über die erste Steilstufe hoch.

Djebel Toubkal

Schon kurz vor dem Sattel, eine kleine Steilstufe wartet noch

Das Kar verläuft nach Osten und ist durch Fußgänger schon recht “bearbeitet”. Wir wählten oftmals Wege, die am Rand der Felsen einen einfacheren Weg boten und gelangten so immer höher von Kuppe zu Kuppe bis zum Karabschluss, der dann wieder einiges an Hangneigung aufwies. Der Schnee war aber immer noch so hart, dass man hier keine Lawinen fürchten musste.

Toubkal Ouest

Vom Westgipfel des Toubkal sieht man schön gegen Norden und Westen

Vom Sattel Tizi n’ Toubkal auf ca. 3.900 m Seehöhe errichteten wir unser erstes Skidepot und brachen gegen Süden zum Westgipfel auf. Der Westgipfel ist ein Marsch von 20 Minuten über Fels, der im Sommer wohl kein Vergnügen sein dürfte. Vom Gipfel hat man einen schönen Rundumblick, vor allem aber nach Osten – der Hohe Atlas läuft hier aus und wird am Horizont zur Ebene der Sahara.

Djebel Toubkal

Der Hauptgipfel Djebel Toubkal ist eher unspektakulär

Nach dem Abstieg schnallten wir die Skier auf unsere Rucksäcke und es ging über den breiten Grat und den Rücken zum flachen Gipfel des Djebel Toubkal hoch. Der Gipfel ist recht unspektakulär, an diesem Tag war er aber herrlich ohne Wind, so dass sich eine lange Mittagspause ausging. Sunblocker nicht vergessen!

Über Norden stiegen wir zunächst 300 Höhenmeter zum nächsten Sattel (Colledo Norte, ca. 3.900 m) ab – hier war kein Befahren möglich, da der Schnee schon dem blanken Fels gewichen ist. Hier ließen wir Ski und Rucksäcke hoch und waren in wenigen Minuten am letzten Gipfel dieses Tages angekommen: der Imouzzer auf 4.010 m.

Nordabfahrt vom Djebel Toubkal

Firnabfahrt über den Norden des Djebel Toubkal

Vom Calledo Norte erwartete uns nun aber eine lange Firnabfahrt. Zunächst flach gegen Norden, dann über einen Steilhang in das eigentliche Kar, welches gegen Westen führt. Wir hatten wirklich Glück und fantastische Firn-Verhältnisse. Man konnte gar nicht anders als die Ski laufen zu lassen. Der Vorteil dieser Abfahrtsvariante vom Djebel Toubkal ist eindeutig sein Unversertheit von irgendwelchen Fußgänger – die Piste ist in einem tadellosen Zustand. Bei Talausgang muss man allerdings nochmals gute 150 Höhenmeter wieder zur Refuge Les Mouflons hoch. Das ist die grandiose Abfahrt aber durchaus wert.

Den Nachmittag verbrachten wir – in Vorfreude auf unseren letzten Gipfel, den Akioud, wieder einmal auf der Sonnenterrasse und hatten mit allerlei Neuankömmlingen und alten Hüttenfreunden viele Geschichten auszutauschen. Spanier, Südafrikaner, Südtiroler, Österreiche, Polen und Amerikaner fanden ihren Weg zum Refuge Les Mouflons Toubkal. Noch mehr Unterhaltung hatten wir mit unseren marokkanischen Refuge-Team. Themen: Familie, Kinder, Essen. C’est la vie!

Die ersten 4000er: Ras und Timesguida

Nach unserem schönen Aufstieg zur Refuge Les Mouflons Toubkal auf 3.200 m Seehöhe planten wir als nette Einstiegstour zur Akklimatisation unsere ersten 4.000er: Ras n’ Ouanoukrim (4.083 m) und Timesguida n’ Ouanoukrim (4.089 m).

Ras N'Ouanoukrim

Den Sattel Tizi n’Ouanougane im Visier

Ras N'Ouanoukrim Hoher Atlas

Gegen Talende wird’s nochmals ein wenig steiler

Nach feinem Frühstück konnten wir es kaum erwarten, und spürten schon beim Anlegen der Ski den warmen Wind von der Küste. Der Schnee jedoch blieb aufgrund der Bewölkung steinhart. Die Harscheisen mussten gleich ran, und die vielen Löcher der Fußgeher im Schnee blieben auch mehrere hundert Meter nach der Hütte ein lästiges Merkmal der Aufstiegsspur. Die Route führte vom Refuge Les Mouflons das Tal hoch nach Süden, mal flacher mal steiler, bis zum Talabschluss (Sattel Tizi n’Ouanougane auf ca. 3.700 m). Dort mussten wir unsere Ski nun ablegen, auf den Rucksack schnallen und die Steigeisen zum Einsatz bringen.

Ras N'Ouanoukrim Hoher Atlas

Der technisch schwierigste Abschnitt – ein steiler Grat – wird mit Steigeisen begangen

Über den schmalen Grat ging es hoch, Tritt für Tritt gegen die doch ungewohnte Höhe. Auch nach der Bewältigung der steilen Passagen ließen wir die Eisen an, und liefen gegen den Ras hoch. Recht früh (gegen 10.45) erreichten wir den Gipfel. Ein erstes Berg Heil auf einem afrikanischen 4.000er. Das war trotz der merklich dünneren Luft schon mal ein Erlebnis, vor allem als nun auch die Sonne heraus kam. Die Hoffnung auf Firn stieg.

Ras N'Ouanoukrim Hoher Atlas

Kurz unterhalb des Ras N’ Ouanoukrim klar es schnell auf

Der Abstieg und der folgende Aufstieg zum Schwestergipfel Timesguida verlieft unspektakulär und auf Skiern. Erst auf den recht großen, flachen Gipfel erkannte man die Besonderheit: der Rundumblick hinunter zur Sahara.

Timesguida N' Ouanoukrim

Nochmals die Ski am Rücken beim Abstieg vom Timesuida N’Ouanoukrim

Die Abfahrt wurde trotz längerem Wartens in einer Scharte (als Windschutz) keine weiche Firngeschichte, sondern steinharter Kanteneinsatz bis zum Grat. Dort schnallten wir die Skier wieder an (auch wenn es hinten rum eine enge Umfahrung gegeben hätte), und warteten nochmals eine halbe Stunde. Schließlich fuhren wir doch ab: zuerst auf Eis, später doch noch auf Firn. Was für ein Unterschied! Auf der Terrasse schmeckte dann der heiße Minztee umso besser, und zwei 4.000er hatten wir in der Tasche. Und für den nächsten Tag hatten wir noch mehr vor. Plus haut, plus loin!

Aufstieg in den Nationalpark Toubkal

Der Hauptgrund für unsere Kurzreise nach Marokko war die Aussicht auf ein paar schöne Firn-Skitouren. Der Hohe Atlas bietet im März so etwas, also hatten wir es auf die Region um den Nationalpark Toubkal abgesehen. Von Marrakesh liegt dieser etwa 60 km entfernt, mit Bus und Grand Taxi muss man aber einen guten Vormittag mit der Anfahrt nach Imlil (über Asni) rechnen.

Aroumd Toubkal National Park

Aroumd im Hintergrund

Wir hatten aber das Glück, schon vor Wochen beim Refuge les Mouflons (eine der beiden verfügbaren Refuges im Kerngebiet des Nationalparks) ein Zimmer reserviert zu haben. Denn davon gibt es nur eines. Und so – ohne es zu wissen – waren wir die VIPs des Refuge, zumindest gab man uns das Gefühl. Mohamed, selbst Bergführer und Skifahrer auch in den Schweizer Alpen, hatte über Jahre Beherbergungs- und Transportbetriebe aufgebaut, und das Refuge Les Mouflons gehörte auch dazu. Wir riefen ihn am Vortag an, und er bot uns an, uns nach Imlil mitzunehmen. Er musste selbst dorthin.

Mules in Imlil

Das Muli weiss was kommt – Ibrahim (links) und Mohamed (rechts) helfen bei bepacken

Gesagt, getan. In knapp zwei Stunden (inklusive Marktbesichtigung in Asni und Kaffee-Pause) brachte uns Mohammad in seinem Quatre-quatre zunächst zum Annex in Imlil, wo wir einen kleinen Teil der Ausrüstung zurückließen. Dann packten wir unseren Maulesel, und schon ging es zusammen mit Ibrahim, dem Muli-Führer, über Stock und Stein die 1.600 Höhenmeter hoch zum Refuge Les Mouflons.

Nationalpark Toubkal

Der steinige Weg hinauf zum Refuge Les Mouflons Toubkal

Nach guten 3 Stunden schnallten wir die Skier und die Rucksäcke selbst an, ließen Ibrahim und das Muli an der Schneegrenze zurück und stiegen die letzten 200 Höhenmeter zur Hütte hoch. Abdullah, Manager des Refuge, begrüßte uns sehr herzlich – Minztee gehörte dazu. Das Refuge selbst ist recht groß (bis zu 160 Betten!), im Sommer, wenn einheimische Touristen von Mulis getragen hochkommen das Tal stürmen, ist es schon mal ausgebucht. Es ist recht modern, hat einen prima “Shop”, allerdings auch nur eine Feuerstelle. Das kann ein bißchen frösteln, speziell wenn es um’s duschen geht (eine warme Dusche gibt es trotzdem!). Strom ist nur Abends da (aus Generatoren gespeist), und auch warme Küche gibt es.

Nationalpark Toubkal

Man nähert sicher der Schneegrenze bei ca. 3.000 Meter

Der große Vorteil des Refuge Les Mouflons sind seine sauberen Räume und die frische Luft, auch die Terrasse ist klasse und die Manschaft, die oben den Dienst versieht. Wir hatten stets einen Spaß, unterhielten uns auf französisch, englisch, spanisch und manchmal gar auf deutsch. Berber sind sehr sprachgewandt, und sehr gastfreundlich. Immer gab es Tee, viele Geschichten und herzliche Worte. Das Mouflon ist gewiss zu empfehlen.

Aufstieg zum Refuge Toubkal Les Mouflons

Nun heißt es alles selber tragen, für kurze Zeit auch die Ski!

Vom Refuge ging es in drei Skitouren auf insgesamt 6 Gipfel, darunter Djebel Toubkal, Akioud und Timesguida. Nach drei Nächten mussten wir wieder ins Tal, zusammen mit Ibrahim und seinem Muli, nach Imlil zum Annex, wo wir unsere Übernachtung geplant haben. Mohamed war auch wieder da, diesmal mit seiner Frau, und wir hatten ein tolles Abendessen im marokanischen Stil auf Polstern. Wir erzählten von unseren weiteren Reiseplänen, und nach kurzer Überlegung schlugen uns Mohamed und seine Frau Saloua vor, mit ihnen am selben Abend nach Marrakech zurückzufahren, um den Morgenbus nach Essaouira zu erwischen. Wir waren überrascht, willigten aber nur allzu gerne ein – und schliefen bei den beiden und deren Familie in deren Haus in Marrakech.

Am nächsten Morgen lernten wir beim gemeinsamen Frühstück auch die Kinder kennen, und hatten eine Menge Gesprächsstoff. Geschlafen haben wir im riesigen Wohnzimmer der beiden, alles mit Polstern und Teppichen ausgelegt. Vor der Reise habe ich mich schon auf die arabische Gastfreundschaft gefreut, hier erlebten wir sie hautnah – wildfremde Leute einladen, wie Freunde behandeln, sie beschützen, bis man sicher ist, dass sie gut weiterkommen werden. Das ist Berber-Tradition. Mohamed brachte uns letztlich zum Bus-Bahnhof, und wir fuhren weiter zum Atlantik. Je vous en prie!

Riad: Wohnen in Luxus und Komfort

Eine der schönsten und angenehmsten Überraschungen unseres Marokko-Aufenthaltes waren die privaten Kleinpensionen in den alten Stadtzentren. Riads sind eine klassische Häuserform, die in letzter Zeit auch immer wieder zu touristischen Zwecken umgebaut und angeboten wird. Dabei sind selten mehr als 6-7 Zimmer pro Riad zu haben, und das garantiert Wohlgefühl.

riad al ez chez danielle

Der Innenhof im Riad Al Ez chez Danielle

riad al ez chez danielle

Ein Blick nach oben – Licht in Hülle und Fülle, auch ohne Fenster

Riads sind zentral um eine Art Patio gebaut, ein Innenhof, der sowohl zentraler Ort als auch Licht-, Luft und Temperaturschacht zugleich ist. Da die Gassen der Altstadt oft keinen Meter breit sind, Baugrund sehr rar und die Bauweise als extrem dicht und gedrängt bezeichnet werden kann, existieren keine Außenfenster. Einzig ein kleines oder großes Haustor weist den Weg ins Innere.

riad al ez chez danielle

Unsere Zimmertür, nicht das Haustor

Meist nach mehrere Ecken und Wendungen gelangt man über einen dunklen Gang in den Innenhof (meist um die 5×5 Meter groß), der wie fast alle Räume gekachelt ist. Der Innenhof eines Riad ist meist ein kleiner Garten, während der Innenhof eines Dar ein reiner, gekachelter Innenhof ist. Von diesem zentralen Ort gelangt man in alle Zimmer des Erdgeschoßes sowie über ein steiles, schmales Treppenhaus in die nächsten Stockwerke wie auch die Terrasse, der Balkon des Riads.

riad al ez chez danielle

Die Dachterrasse im Riad Al Ez

Viele Riads werden derzeit renoviert, und zum Teil mit dem Kapital von ausländischen (sprich vor allem westeuropäischen) Investoren. Ist man an solchen Unterkünften interessiert, so sollte man sie im Vorfeld reservieren, da nur wenige Zimmer verfügbar sind und entsprechend ein Empfang sicher gestellt werden kann – das Finden eines Riad ist oft nicht leicht.

Dar Iman Fes

Der Innenhof des Dar Iman in Fez

Dar Iman Fez

Die Zimmerverteilung im Erdgeschoss

Unser Riad in Marrakech, das Riad El Az chez Danielle, können wir bestens weiter empfehlen. Es liegt recht zentral in der Medina, unweit des Palais Royale. Auch unser Riad in Fez, Dar Iman, kann man als Schmuckstück betrachten. Inkludiert ist in beiden Fällen ein Frühstück, ob auf der Terrasse oder im Patio. Und: man schläft herrlich… Et pas cher!

Dar Iman Fez

Das Dachambiente im Dar Iman

Marrakech: das “klassische” Marokko

Unser Marokko-Abenteuer begann eigentlich in Fez (mit netten Cafés, feinen Fischplatten und einer langen Bus-Überfahrt), schreiben tun wir aber zuerst über Marrakech, der Dreh-und-Angelpunkt unserer Reise. Marrakech, mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnern eine der bevölkerungsreichsten Städte Marokkos, ist mittlerweile die de facto Hauptstadt des Tourismus geworden. Agadir, früher so stark gepusht mit Hotelbauten an der Küste, verliert wohl zu Recht gegenüber dieser historischen und interessanten Stadt am Atlas.

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Gegen Abend wird die Menge größer – der zentrale Platz in Marrakech Medina

Die Medina (Altstadt) von Marrakech ist ein sehenswertes Gewirr aus Straßen, Ständen und Menschen. Zunächst hatten wir aber selbst die Aufgabe, unsere kleine Privatpension chez Danielle zu finden. Riads sind von außen gar nicht zu erkennen, und machen häufig nicht über Wandanschläge auf sich aufmerksam. Man muss sich schon durchfragen, und dann landeten wir wohl in einer der schönsten Unterkünfte, die wir auf allen unseren Reisen nutzen durften. Mehr über Riads und deren Architektur in einem anderen Post…

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Angenehm zu durchwandern, aber schwer zu orientieren

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Minarett gegenüber der Djema el-Fna

Schon in der Früh trieb es uns hinaus in die Altstadt. Um den Königspalast herum (Fotos machen verboten, Beate fasste gleich mal eine höfliche Rüge aus) kreuzten wir immer tiefer in das Stadtgewirr der Gassen. Vorbei am Platz der Gehängten (Djema el-Fna) drangen alle Gäßchen in das feine Wurzelwerk des riesigen Souq ein. Am Vormittag war noch recht wenig los, die Verkäufer vertrieben sich die Zeit mit Domino oder Karten spielen, und unsere einzige Sorge war, sich vor den in Wellen aus Reisebussen pulsierenden Touristenströmen (kurze Hosen, Tops, rote Haut) zu entfernen. Kein Wunder, welches Bild Einheimische von Westlern bekommen.

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Eine der breiteren Straßen der Altstadt

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Medina Marrakech ist wie alle alten Städte Marokkos von einer hohen Mauer umgeben

Stundenlang “irrten” wir durch die Gassen, aßen dort was, tranken hier dies, und kamen auf ein spätes Mittagsschläfchen auf die Terrasse unseres Riads, wo wir im Schatten von Zeltdächern und Palmen unsere Weiterreise in den Hohen Atlas zu organisieren hatten. Bienvenu au Maroc.

Wochenende an der falschen Bucht

Die Kap Halbinsel ist unser! Wir verbringen unsere Tage noch auf der falschen Seite (False Bay), aber in einer Gegend die nicht umsonst seit einigen Jahren boomt. Die Lage ist einfach zu schoen, links die Berge, rechts das brandende Meer. Dazwischen schlaengelt sich eine Strasse und ein Gleis, was mich ein wenig an die Pipeline am Bodensee erinnert, und rechts hinauf den Hang dann die Heauser. Das geht einige Kilometer so, und wir waeren wohl weiter gefahren, wenn uns nicht ein Rudel Pinguine gestoppt haette. Am Boulders Beach gab’s einsame, kleine Buchten, mit grossen, runden Steinbloecken, und ueberall Pinguine, die mit uns im Wasser schwommen. Nicht scheu, sondern im Gegenteil ziemlich posierfreudig. Wir nennen sie die Pin-Up-Pinguine.

Das ganze hier waere sonst eine nicht weiter bemerkenswerte Perlenkette von Staedtchen, wenn hier nicht a) die suedafrikanische Marine stationiert waere, und b) reichlich Kunstlaeden zu finden waeren. Das ist ziemlich die Haerte mit den Antiquitaeten, weil wir de facto nichts mitnehmen koennen. Nach ein paar Galerien entdecken wir unsere Liebe fuer suedafrikanische Kunst. Ich habe beschlossen (fuer den heutigen Abend), ich werde Kuenstler. Anregungen hatten wir genug.

Ausserdem hatte ich per Zufall ein Buch ueber Hai-Opfer in den Haenden. Autsch! Viele sind verblutet, weil angebissen und Arterien aufgerissen. Meist hier in der False Bay oder auf der anderen Seite des Kaps.

Irgendwie (?) denken wir mehr und mehr an Montag. Seltsam. Ok, wir haben D-Day minus (oder heisst das “plus?) 3 oder noch ein paar Stunden ohne Ring. Was wird danach passieren? Werden wir in ein gelangweiltes Ehepaar mutieren? Oder die Welt erobern? Unser Gastgeber hier in Muizenberg hat uns prophezeit: erst der Nachwuchs veraendert alles. Er weiss wovon er spricht. Alle anderen Eltern auch. Wir laecheln. Noch.

Fuer Tage in der Suppe

Buffalsbaai ist ein verschlafener Ort : wenige Haeuser, eine Strasse, ein Strand. Dass wir Einsamkeit (gegenueber Mallorca) bevorzugen, ist nun gelaeufig, und am Strand von Buffalsbaai ist sie gegenwaertig, wenn man von den wenigen Moewen absieht. Hier gibts nicht mal Muscheln in nennenswerter Anzahl. Hier ist also nicht viel ausser liegen und spazieren gehen zu tun, und wir geniessen das.

Nach einigen Mails unserer LeserInnen, die sich ueber die unregelmaessigen Posts der letzten Tage am Blog gewundert haben, muss nun auch von redaktioneller Seite eine kurze Sachverhaltsdarstellung vorgenommen werden. Ich meine berechtigt gewundert, weil bis dato mit einer gewissen Regelmaessigkeit Geschichten serviert wurden. Nun also zur eigentlichen Abhandlung zum potentiellen Abhandenkommen in Suedafrika. Grundsaetzlich kann man hier zwischen dem Untertauchen aus freien Stuecken und dem Verschwinden aus unfreien Stuecken unterscheiden.
Fangen wir beim ersteren an, so gibt es mehrere Moeglichkeiten:

  • wir haben vom Angebot “magic mushrooms” zu kaufen nicht abstand genommen und sind fuer 5 Tage in einer anderen Welt gewesen…
  • das Finanzamt hat sich wieder gemeldet und verlangt eine Nachzahlung – so bleiben wir einfach hier…
  • wir waren einfach faul und strand-verliebt (die einfachste und wahrscheinlichste Version)

Nun zur unfreiwilligen Variante, die unsere (europaeischen) Koepfe so gerne beschaeftigt:

  • wir hatten wieder einen Platten, aber diesmal 100 km im Busch und an allen vier Reifen
  • das Geld ist uns ausgegangen und wir konnten nicht mal mehr das Internet benuetzen
  • wir sind in einem Suppentopf gelandet

Nun die Aufklaerung: Es war kein PR-Gag oder Marketing-Trick, um mehr Aufmerksamkeit auf diese Seite zu lenken. Suedafrika ist einfach telekommunikationstechnisch (am Land) eine Katastrophe. Wir kaempfen sogar um verfuegbare Steckdosen. Dass hier nicht der Eindruck entsteht, Suedafrika sei rueckstaendig, aber dort wo wir reisen (bis dato), da ist ausser wenigen “Inseln” viel 3. Welt, auch wenn der Ausdruck nicht der “political correctness” entspricht. Weitere Pausen in der Berichterstattung werden folgen, auch wenn wir es gerne anders haetten. Die Leitungen sind dermassen schlecht, dass der Upload von Bildmaterial nicht realisiert werden konnte. Heute hatte ich Glueck. Ob das in Kapstadt besser ist, koennen wir nur hoffen.
Ok, genug der Technik, die letzten Tage brechen an, und der Montag kommt naeher. Die Ringe sind vorbereitet.

Surfen an der Garden Route

Wir fahren weiter westwaerts, ich mit Rueckenschmerzen vom ultrabequemen Autositz, Beate mit schlafenden Augen. Wir folgen dem Ozean, vorbei an East London, vorbei an Port Elisabeth, dass bald Nelson-Mandela-City heissen wird. Meine Sympathie fuer Nelson, aber das riecht nach Ho-Chi-Minh-Stadt und Leningrad.
Bis dato muss ich sagen, die (befestigten) Strassen sind ok, und auch fuer Radfahrer geeignet (breiter Pannenstreifen). Detlev, die Garden Route nicht aus den Augen lassen, die Hunde sind nicht so zahlreich wie die Schlagloecher. Aber ob man dir das Rad vom Hintern weg klaut, tja, die Frage muss ich unbeantwortet lassen. Manche Staedte, die wir passieren, errinnern mich an Western und Dodge City, eine Strasse und Saloons, tausende Leute ueberall, fuer unser Auge Chaos pur. Wir sind nicht ausgestiegen…

Ueber viele Huegel gings dann auch nach Jeffries Bay, das Surf Mekka Suedafrikas. Hier finden viele Wettbewerbe statt, von Weltrang wohlgemerkt, und auch das kleine Museum zur Surfgeschichte spricht Baende. Mich haben natuerlich die Hai-Geschichten besonders interessiert, und in den Jahren hat sich da einiges ereignet, oft mit tragischem Ausgang.

Suedafrika bietet fast an jeder Ecke einen wenn nicht passablen Surf, und auch wenn das Wasser nicht so von Surfern wimmelt, so ist doch immer die Ungewissheit mit beim Paddeln, dass da draussen und unter einem ziemlich viele scharfe Zaehne herumirren.
Jeffries Bay ist daher auch ein Konsum-Mekka der Surfer – alle Weltmarken sind hier mit Factory Outlets vertreten. Billabong steht bald auf jeder Brust, Ripcurl an jedem Hintern. Diesen laufenden Werbereklamen haben wir uns bedingtermassen angeschlossen, im dezenten Ausmass. Sehr gut hier, uebrignes in ganz Suedafrika, die Mangos und Ananas. Ich aber lebe fuer Ginger Cookies

Die suedafrikanische Realitaet holt uns aber spaetestens im Hostel wieder ein – hohe Zaeune, Warnungen “jene” Gegend zu meiden, oder “dieses” zu tun. Man lebt wie in einer Enklave mit anderen Weissen, sich selbst einsperrend. Wir moegen es nicht, aber es laesst uns schlafen. Derweil tobt die See vor unserer Terrasse und wir packen fuer die naechste Station – Buffalo Bay.

Austern in Hamburg

Auch nach viel Regen blieb die unwegsame Strasse von Mdumbi zurueck zur Route 2 befahrbar, auch wenn unser Mietwagen kein Gelaendewagen ist und wir durch Schlammfahrbahn, steile Abfahrten und blockierendes Vieh langsam vom Meer ins Landesinnere vordrangen. Wie im letzten Posting angekuendigt, es ging nach Hamburg, ca. 300 km weiter westlich, ein kleines Nest direkt am Ozean, aber auch traumhaft verschlafen.
Direkt an unserem Hostel befand sich frueher ein Austern-Zuchtbecken, und wie wir spaeter zu unserer Freude feststellen durften, gab es auch weiter den Fluss hinauf reichlich Austernbaenke. Hamburg war voller Ueberraschungen, unb blieb es auch bis zur letzten Minute unserer Abfahrt. Da gab es den Muschelstrand, der auf einer Flaeche eines Fussballfeldes Muscheln zu Hunderttausenden beherbergte. Aber auch unsere Lodge hatte es in sich: Joseph und Edward Deutschmann, Sohn und Vater, Suedafrikaner mit deutschen Vorfahren, fuehrten uns mit gewaehlten Worten und vielen Geschichten in das (weisse) Suedafrika ein, seine Probleme und Zukunftsaengste. Da ist die politische Unsicherheit, da ist die Kriminalitaet, da ist vor allem das AIDS-Problem (rund 25% der Bevoelkerung ist HIV-positiv!).

Aber es gibt auch schoenes aus Suedafrika, das Edward, der Handbuecher fuer den suedafrikanischen Tourismus schreibt, hervorzaubert – das Meer, seine Fruechte, die grossartige Landschaft und der Wein. Joe wiederum lebt fuers Fischen, und am naechsten Abend, als wir gemeinsamen seinen Geburtstag feierten, gab’s frische Fische aus dem Fluss sowie Austern als Dessert. Joe ist Koch, und da nahm Beate gerne Anschauungsunterricht, waehrend ich bei Poolbillard und Bier mit Edward und unseren deutschen Freunden Markus und Heike aus Berlin ueber lohnenswerte Fahrten plauderten. Eine davon fuehrte uns auch in ein Tierreservat, rund 100 km ueber eine unbefestigte Strasse entfernt, welches auch mit unserem Auto befahren werden konnte. War recht spannend, da man nie wusste, was hinter der naechste Kurve auf uns lauterte (das gleiche galt fuer die Anfahrt, da wir zufaellig in ein Township gerieten … auch interessant, fuer die Nerven).
Ok, zurueck zu den Tieren: Warzenschweine liefen uns rudelweise ueber den Weg, Zebras, diverse Antilopen und auch ein paar Giraffen zeigten sich. Ein Riesenvaran haetten wir fast ueberfahren, und ein Paerchen Vogelstraeusse liess es gar nicht darauf ankommen und kuschte ins Dickicht. Ein letzte Hamburger-Ueberraschung dann in der Frueh: wir hatten uns einen Platten eingefangen. Joseph liess mich gar nicht ran, sondern montierte gleich das Reserverad drauf. Auch das Auto steckt voller Ueberraschungen: nun klaerte mich die Chefin des Hostels auf, dass das Auto in der Frueh meist eine Weile laufen muss, bevor ich aufs Gas trete. Aha! Ich hasse diese Karre…
Leider: aufgrund der schlechten Internet-Verbindungen kann ich keine Bilder laden, hoffentlich aendert sich das in Kapstadt, fuer den grossen Tag…

3 Tage im Niemandsland

Das sogenannte Gemuese, umgangssprachlich Niemandsland, hatte uns die letzten drei Tage voll im Griff, wie angekuendigt. Kein Internet, kein Asphalt, kein Supermarkt. Wir sind nahe bei Coffee Bay abgebogen und dann war nur noch Schlagloch um Schlagloch, Ziege um Ziege auf der Strasse. Ich hatte Sorge um unser Mietauto, denn ausser der Gangschaltung erinnert leider gar nichts an einen Traktor.

Neben der abartig wackligen Strasse und den hunderten Schulkindern, die von der Schule heimliefen, verbluefften uns die (dummen) Kuehe, die einfach nicht von der Strasse wollten, auch wenn es links und rechts die schmackigsten Wiesen gab. Dasselbe dachten wir uns spaeter am Abend, als wir am Strand dann auf Kuehe trafen. Bis heute koennen wir uns keinen Reim darauf machen, was die dort trieben. Auf jeden Fall schien der Platz Loewen-frei zu sein. Das kann man vom Wasser aber nicht behaupten, denn einige Surfer berichteten von Haien im Wasser. Naja, wenn das wahr ist, aber auf jeden Fall sind hier viele Straende mit Hai-Netzen gesichert. In der “Sardinen-Saison” werden die dann entfernt, damit hier keine Haie und andere Meerestiere in den Maschen verenden. Das gilt auch fuer Delphine, die uns an einem Morgen in den Wellen entgegen sprangen.

Ueberhaupt ist das Wasser hier sehr fischreich, und die Mahlzeiten, die in unserem Camp angeboten werden, sind daher meist Fische, Krebse und Muscheln, frisch als Morgenfang. Ja, noch ein paar Worte zum Camp hier. Wir haben Pferde und Hunde hier, und nennen eine dieser runden, traditionellen Huetten unser; wir schlafen unter einem Strohdach, das auch dicht ist. Ja, leider hat das Wetter umgeschlagen, es sieht sehr schlecht fuer die naechsten Tage aus. Regen und peitschender Wind hat uns schon gequaelt, und bei den ungeteerten Strassen ist das Fahren auch so eine Sache. Wie auch immer, naechste Station ist Hamburg, immer der Kueste nach nach Kapstadt…