Rolle, Cereda, Valles: mit 18% bist du dabei

Als ich die Augen öffne ist der Himmel schon blau-grau, die weit entfernte Pass-Straße zum Sellajoch aber noch ruhig. Ich überlege noch, ob ich mich schon aus dem Biwaksack zwängen soll, oder mir einfach der Tatsache verweigern soll, dass die Nacht schon vorbei ist. Die steinerne Stadt hat uns gut über die Nacht gebracht. Der Gedanke an einen heißen Kaffee überzeugt mich doch, den Reissverschluss zu öffnen. Ich bleibe im Schlafsack sitzen, während ich die Gaskartusche am Kocher montiere, Wasser eingieße und den Kochvorgang beginne. Beate schläft noch, als ich den ersten Schluck nehme. Das tut nicht nur gut, das tut so richtig gut.

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unterhalb des Passo Rolle, in den Wolken die Dolomiten

Irgendwann ist auch Beate auf, das Frühstück gemacht (Expedition Breakfast!), und die leicht feuchten Biwaksäcke verräumt. Etwas wortkarg marschieren wir zwischen Felsen zur Straße und weiter zum Wagen, schließen auf und fahren über das Sellajoch nach Predazza. Ein Örtchen südlich der Sella-Gruppe. Wir folgen der Straße noch ein bißchen weiter hinauf Richtung Passo Rolle, und nach einer Umziehaktion klicken wir mit unseren Radschuhen wieder in die Pedale. Es geht hoch zum Passo Rolle, der sich noch recht eingehüllt zeigt. Der Aufstieg fällt leicht, aber die Abfahrt ist lang und kalt, und uns schlottern schon wieder die Arme, als wir durch San Martino de Castrozza fahren. Es geht noch weiter steil abwärts, die Talsohle erreichen wir Fiera di Primiero. Wir freuen uns schon auf den nächsten Aufstieg, auch wenn er im Radführer als saftig steil beschrieben wird.

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auch der Passo Cereda ist geknackt

Der Anstieg zum Passo Cereda ist nicht lang, aber wie versprochen hochprozentig, mit 18% über längere Abschnitte. Dennoch fühlen wir uns am Pass nicht ausgeblutet, fahren ohne viel Aufhebens wieder ab Richtung St. Andrea, wo nochmals ein kleiner Anstieg bevorsteht. Es ist bald Mittag, ich hab Hunger und stopfe mir unterwegs Schokoriegel, Brot und Roulade in den Mund. Das ist okay, denn auch in Agordo gibt’s keine Pause. Ab hier empfinde ich die Strecke als lästig, eine Schnellstraße mit einem langen Tunnel bis nach Cencenighe. Der Ort kommt uns bekannt vor, und tatsächlich erinnern wir uns einmal an eine vergangene Tour: vom Passo S. Pelligrino kommend passierten wir diesen Ort auf dem Weg zum Passo de Fedaia.

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das letzte Stückchen eines langen Anstiegs zum Passo Valles

Der Aufstieg nach Falcade ist unangenehm, weil er durch ein Tunnelstück hinauf führt. Dementsprechend lange ist man in dieser lauten Röhre. Die Strecke beginnt sich zu ziehen, und in Falcade machen wir endlich mal Rast. Käsebrot. Fruchtriegel. Wasser. Yeah. Und dann wieder der Sattel, den Beate schon nicht mehr sehen möchte. Der Anstieg bleibt hart, aber wenigstens ohne Verkehr, und ab und zu kommen wieder ein paar 18%ige Rampen hinzu. Das Tempo verringert sich dementsprechend, doch das Wetter hält, und der letzte Pass des Tages, Passo Valles, kann sich unsereins nicht erwehren: wir kommen hinauf, klatschen ab, ziehen Jacke, Handschuhe und Brillen auf, und schon geht’s abwärts ins Tal, zum Auto, in das wir uns müde und zufrieden setzen. Was nun, nach Penser Joch und Passo Rolle? Gemächlich fahre ich die Landstraße hinaus aus den Dolomiten, währen Beate über noch mögliche Rennrad-Varianten hier in der Gegend grübelt. Viel ist nicht mehr über. In der Brenta? Oder weiter südöstlich in Richtung Cortina? Wie auch immer die Antwort ausfällt, nur Beate kennt sie. Sie bleibt unausgesprochen, denn meine Mitfahrerin schläft prächtig, nach einem Besuch in Bozen und einem Abendessen in Steinach am Brenner.

Chillen in der Steinernen Stadt

Auch der versprochene Sonntag – nach einer nass-kalten Erfahrung am Penser Joch am Vortag – bringt einen überraschenden Morgen: auf dem Weg zu einer Alpintour versperren uns Carabinieri den Weg. Sämtliche Pässe um die Sella-Gruppe sind gesperrt, bis Mittags, wegen einer Radveranstaltung. Na sowas, danke für die Info! Kurzentschlossen machen wir also kehrt und gehen mal wandern. Ja, wir wandern auch. Diesmal von St. Catherina hinauf zur Regensburger Hütte und dann in einem kleinen Bogen wieder retour. Hübsch, wenn auch nicht beschaulich, da sich oben auf dem Plateau die Horden mit Hilfe der Seilbahn in Stellung bringen. Der Ausblick auf die Dolomiten ist aber recht unschlagbar.

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es klart auf, über dem Grödner Tal

Mehr als gemütlich schlendern wir vom Berg zum Auto, vom Auto zur Bergwiese am Sellajoch, und schlafen erstmal eine Runde in der Sonne. So ein Schläfchen ist im Moment was Feines, das Aufstehen aber mühsam, und spät abends rächt sich das mit sturer Nicht-Einschlaf-Haltung. Doch jetzt treibt es uns mit zwei Rucksäcken voll mit Klettergerät in die Klettersektoren der Steinernen Stadt, die eigentlich mehr für ihre zahllosen Boulder bekannt ist. Wir irren nicht nur durch das unübersichtliche Gelände, sondern auch in den Routen, mal zu leicht und mal zum Zähne ausbeißen. Spaß machts trotzdem, weil wir irgendwann die Routen biegen und ich weiter unten im Tal einen Kaiserschmarren bestellen kann. Schmeckt leider nicht, und so freue ich mich noch mehr auf ein Abendessen aus der Tüte (Nasi Cashew), welches wir dann in einem einsamen Biwak irgendwo in der Steinernen Stadt aufschlagen. Iso-Matte, Schlafsack, Biwaksack, das ist es. Es bleibt lange hell, und Beate schläft schon lange, während ich immer noch auf die Felsen, die Bäume und den Himmel starre. Ich denke viel an die Zukunft, und schlafe dann auch irgendwann ein, nachdem ich mich zig-mal im Biwaksack gewälzt habe.

Über Rittner und Penser: Rampe für Rampe

Wir wollen wieder einmal ein richtig gutes Wochenende zusammenbringen. Das Wetter spielt nicht mit, der Bus immer noch in der Werkstatt, Freunde springen uns ab. Da muss man dagegenhalten. Hey, die Rennräder sind schneller als gedacht im Kofferraum, die Biwaksäcke vorbereitet und der kleine Clio flott getankt. Was wir brauchen ist ein Plan, und den haben wir, dass wir am ersten Tag dem Regen nach Süden ausweichen und wieder Höhenmeter im Radsattel machen wollen. Das Ziel ist Sterzing im Südtirol, das wir schon von der Transalp 2012 kennen.

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keine Hitzschlag-Gefahr an diesem Tag

Was gibt es zu unserer Radrunde zu sagen? Lang ist sie, wenn auch unser Radführer sie mit 152 Kilometer angibt, die Nachmessung im Web aber 132 km ergibt. Die Höhenmeter sind auch brav, mit 2800 m. Aber Höhenmeter sind nicht Höhenmeter, denn ein beschauliches Ansteigen ist was anderes als wilde Rampen und ständige Abfahrten. Nach dem Einrollen von Sterzing bis Klausen sind wir warm gefahren für die zackigen Aufstiege über Vilanders und Barbian. Die Straße zwischen den beiden Örtchen ist teils sehr ruppig und löchrig, und die Rampen nach Barbian über die Dörfer bis zum Rittnerpass immer mehr, immer steiler und immer kürzer. Wer glaubt, diese Route in die Gegenrichtung zu fahren: der Anstieg auf den Rittner ist von Norden noch steiler, gefühlt.

Nach der rumpelnden Abfahrt ins Sarntal haben wir so richtig Hunger, stürmen den kleinen Spar-Laden in Sarntheim. Fein, denn hier fängt schon der Regen an, nicht fest, aber genug um die Straße nass zu machen und damit letztlich auch unsere Hintern. Beate schaut mit ihren neuen Plastiksack-Socken, Marke Gemüsestand Spar, so richtig gerüstet für ein Rennrad-Hochglanz-Magazin-Shooting aus. Von Sarntheim steigt die Straße bis zum Talende kontinuierlich an, wenn auch nie sehr steil, der Verkehr wird immer dünner, bis er schließlich nach Penz immer seltener wird. Die Wolken hängen nun sehr tief, es ist kalt, nass, windig, und wir strampeln uns da hoch, Meter für Meter. Am Penser Joch sind wir aber nicht allein, Horden von Motorradfahrern feiern ihre Fahrleistung mit laufenden Motoren und Gebrüll. Wir essen unsere letzten Schokoriegel, bevor wir zitternd vor Kälte die lange Abfahrt nach Sterzing auf uns nehmen. Schlußendlich endet unser Tag im Grödner Tal bei Pizza und Wein, denn der nächste Tag ist für die Berge reserviert. Die Sonne scheint.

Auf dem Heimweg ins Valle Verzasca

Palermo verlassen wir noch in der Nacht, an Bord einer großen Fähre, die uns nach Genua verschifft. Die Nacht ist ruhig, wir haben ein feines Plätzchen am Deck unter freiem Himmel ergattert. Naja, “ergattert” ist vielleicht das falsche Wort – wir sind die einzigen am Deck. Der Rest ist in ihren Kojen oder schläft irgendwo im Sitzen. Das brauchen wir nicht, wir wachen zu den ersten Sonnenstrahlen auf, frühstücken noch einsam auf dem Holzboden, und erst am späten Vormittag wagen sich viele ob des starken Windes an die Sonne heraus.

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ab ins Valle Verzasca

Den Tag verbringen wir also auf der Fähre, meist lesend und dösend, und am Abend stechen wir von Genua aus in die Dunkelheit nach Norden, passieren Mailand und die Schweizer Grenze, ehe wir bei Bellinzano einen ruhigen Stellplatz ausfindig machen können. Der nächste Morgen, immer noch traumhaft schön und wolkenlos, dient uns als Eingewöhnung in die “alte” Welt, in unsere gewohnte Umgebung: die Alpen. Wir fahren mit den Rennrädern ins Valle Verzasca hinauf. Erst im ungewohnt heftigen Frühverkehr in der Ebene, dann angenehm hinauf zum Lago di Vagorno.

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absolut herrliches Wasser

Schöne Gegend, denke ich mir, und je weiter wir hinaufkommen, wird uns klarer, warum diese Gegend so für’s Canyoning beliebt ist: das Wasser ist sagenhaft schön, die Felsen rund geschliffen und tief. Immer wieder bleiben wir stehen, um zu staunen, und erreichen den Endpunkt in Sonogno irgendwann am Vormittag. Auch die Kaffee-Preise holen uns wieder zurück in die Realität.

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schöner Abschluss eines lässigen Roadtrips!

Rapide geht’s zurück, ein Dörfchen nach dem anderen schießt an uns vorbei, und letztlich sitzen wir wieder im Büssle, schauen uns an, wissend, unser Soultrip nach Sizilien ist nun endgültig Geschichte, wortlos starte ich den Wagen, Beate schläft bald ein, und ich lenke unser Gefährt ins Rheintal zurück. Was bleibt, sind eine Menge schöner Erinnerungen, zehn gut ausgefüllte Tage unserer Leben, und ein bißchen Bräune. Um die wird man uns in Vorarlberg später staunend fragen, denn hier hat der Winter wieder Einzug gehalten.

Impressionen aus Palermo

Unser Soultrip nach Sizilien kommt nun zu einem Ende und zu seinem Höhepunkt – eine der wahnsinnigsten Städte Europas: Palermo. Man könnte Bücher füllen mit den Szenen, die sich hier abspielen. Vielleicht ist das überall so auf Sizilien – in Messina, Catania und Syracusa. Hier fällt es uns aber auf: Fußball in den Gassen, Vespas auf den Gehsteigen, Antipasti in den Cafés, Hochzeitsgesellschaften vor den Kirchen, Hupen in den Ohren und historische Fassaden in den Augen. Diese Ansammlung an Farben und Tönen, Formen und Bewegungen ist wohl das Ideal einer dichten Beschreibung (‘dense description’, Geertz, siehe auch hier). Ja, es würde wohl mehrere Forscherleben ausfüllen, das hier zu dokumentieren, geschweige denn zu verstehen. Wir leben in einer verrückten Welt, heißt es, aber die Welt war wohl schon immer verrückt in Palermo. Wir saugen diese Stadt tief in uns ein, und lassen sie erst allmählich los, im Schlaf auf dem Oberdeck unserer Fähre nach Genua.

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prächtiges Palermo

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super gsi!

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die kleinen Gassen sind die Interessanten

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das ließ ich mir nicht nehmen…

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der Tag geht, und wir auch

Dolce Vita in San Vito: Klettern, Sonnen, Nachthimmel

Endlich haben wir die großen Schnellstraßen in Palermo passiert, der Verkehr ist dicht, und auch groß Einkaufen muss mal sein – für die letzten Tagen auf sizilianischem Boden. Wir folgen also der Autobahn nach Trapani, mit einem kurzen Abstecher nach Segesta, der bekannten Ruinenstätte. Trapani selbst bietet nicht viel, dafür die etwas abseits liegenden Küstendörfer: Bonagia, Custonaci, Casteluzzo und letztlich San Vito.

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in Segesta

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Custonaci

Custonaci dient uns als willkommener Ort für eine Übernachtung. Die Szenerie kann schöner nicht sein – wilde Wellen, Wind, dunkle Wolken und Sonnenschein. Wir genießen es, und der Wind läßt über Nacht nach. Der Morgen ist erfrischend herrlich, kaum Wolken am Himmel, und wir besorgen uns eine Topo-Karte des Klettergebietes um San Vito herum. Dort finden sich massenhaft Routen, und wir gelangen über einen Weg durch die Klippen an den Strand zum Sektor “Bunker”. Die Sektoren sind so weitläufig, dass sich die Seilschaften gut über die Küste verteilen, auch wenn vom nahen Camping zahlreiche Kletterfans zu uns herübermarschieren. Wir klettern einige Stunden, bis uns die Fingerhaut langsam empfindlich wird – der Fels hier ist sehr scharf. Fein für den Halt der Füße, hart für die Fingerspitzen.

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Felskletterei um San Vito

In San Vito ist für Abwechslung gesorgt. Wir liegen faul am Strand, lesen, stürzen uns in das kältere Meerwasser. Es ist Dolce Vita hier, anders kann ich es nicht benennen. Ohne Sorgen verbringt man hier seinen Tag, und den Abend nicht unweit des Camping direkt am Meer – einen feineren Stellplatz kann man sich nicht vorstellen. Das abendliche Ritual folgt – Essen kochen, Wein trinken, den Nachthimmel anschauen, eindösen.

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es geht heimwärts

Auch am nächsten Morgen ist die Welt dieselbe. Wir trinken einen Cappuccino in San Vito. Wir klettern an den Klippen. Wir erholen uns am Strand. Und doch ist etwas anders: es ist unser letzter Tag in Sizilien. Wir müssen nach Palermo, und dann noch viel weiter. Kaum hat alles angefangen, ist es schon wieder vorbei. Wir denken an die Möglichkeit, es einmal anders zu machen.

Oh Madonie – Rennrad, Einsamkeit, Fernblicke

Der Tag beginnt schön ruhig, auch wenn wir an einer Rennstrecke übernachtet haben. In Pergusa am gleichnamigen See liegt eine Auto-Rennstrecke. Das Besondere: sie umschließt den See vollkommen, so dass keine Zugang zum See möglich ist. Auch eine Form von Tierschutz. Wir fuhren also entlang der Strecke am äußeren Ring entlang und fanden irgendwo eine feine, kleine Lücke für einen nächtlichen Stellplatz. Die Nacht brachte einen kurzen Regenschauer, am Morgen blieb es etwas grau, klarte später völlig auf.

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super gsi!

Wir fahren nach Nord-West in das Naturreservat Madonie. Die Landschaften sind rauh, beeindruckend. Der erste Aufstieg führt uns mit dem Rennrad von Scilato nach Collesano – ein Wolken-Sonne-Spiel mit absolut ruhigen Straßen. In Cosellano lassen wir uns es nicht nehmen, schnell für einen Cappuccino und Cornetto vom Rad zu steigen. Wir wollen eine Hungerrast wie am Etna gerne vermeiden. Wir sind ziemlich happy, und die Abfahrt bis an Meer bei Campofelice bietet auch nur eines: Entspannung und schöne Blicke.

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einsam

madonie

sizilianische Landschaften

Hier beginnt der etwas stressige Kurzabschnitt: auf der Bundesstraße entlang der Autobahn bis zur Abzweigung nach Cerda zu radeln und mit Rasern und dicken Brummern um den Asphalt zu streiten. Erst der langsame Aufstieg nach Cerda bringt wieder Verkehrsberuhigung, aber auch wärmere Temperaturen. Man merkt die Höhenmeter kaum, die man hier macht, denn es nie sonderlich steil, und immer wieder streuen sich kurze Abfahrten ein, sodass man bald vor der Entscheidung steht: wollen wir einen kleinen Umweg nach Sclafani Bagni machen? Selbstverständlich wollen wir, und rollen nun etwas langsamer, weil steiler auf einer engen Straße vorbei verlassener Thermen Kehre für Kehre bis auf den Marktplatz des kleinen Städtchen, welches wie ein Nest auf einem Felsen sitzt.

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Sclafani Bagni

Lange halten wir uns dort nicht auf: die Wolken werden wieder dunkler, irgendwo brummt es im Himmel, also schießen wir über Hügel flach bis nach Caltavaturo und dann in rassigen Abfahrten bis zum Ausgangspunkt. Was für eine befriedigende Rad-Runde! Wir brauchen nicht lange, um abfahrtsbereit zu sein, passieren Palermo auf der Autobahn, wollen ganz in den Westen, an das Ende Siziliens. Klettern ist endlich wieder dran!

Madonie Rennrad

knappe 90km, 1.700 Höhenmeter

Impressionen aus Syracusa

Nach dem Spaziergang zum Kraterrand am Etna, fuhren wir recht zackig vom Berg mitten nach Catania. Die italienische Beschilderung hat uns, wieder einmal, in etwas umständlicher Manier den Weg nach Syracusa gewiesen. So kommen wir in den Genuss zweier Städte, wobei Syracusa wir ausführlich erkunden. Die Altstadt strahlt, die Leute genießen es, und der Wind bläst stürmisch am Lido. Gleich nach der Stadt geht es zum Strand, später zum Obststand und danach weiter ins Herz Siziliens, zum Lago di Pergusa – auf Stellplatzsuche für die Nacht.

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Syracusa

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enge Gassen,

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schöne Blicke,

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tolle Fassaden!

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super gsi!

Nichts als teurer Rauch am Etna

Am Morgen springen wir frisch aus dem Büssle, der Parkplatz am Rifugio Sapienza ist aber trotz einiger Camper menschenleer. Scheint noch alles zu schlafen, als wir in leichter Bergmontur die Hänge unterhalb des Skilift am Etna hochsteigen. Das Lavagestein ist lose, aber dennoch gut zu gehen, und so kommen wir doch recht rasch voran, auch wenn wir kein Bedürfnis haben, schnell nach oben zu kommen. Die Route ist eher fad und man sieht bereits von unten, wohin man laufen wird müssen, zumindest zum ersten Teilziel, der Bergstation des Skilifts. Als wir oben ankommen, beginnt die Bergbahn gerade anzulaufen. Wir schauen nach unten, und am Parkplatz passiert immer noch nicht viel.

Ab hier wird’s etwas interessanter, zumindest müssen wir durch hohe Schneegassen wandern und später auf einem etwas flachen Plateau Staub schlucken: der Wind wird stärker. Die Aussicht ist heute nicht so prächtig, dennoch bleiben die Wolken oberhalb des Etna. Aus dem einen oder anderen Grat kommt Rauch empor, aber sonst ist alles sehr friedlich hier. Bis dann die ersten Allrad-Busse vorbeirauschen, vollgestopft mit Touristen, die sich den Weg nicht antun wollen und direkt bis zum Kraterrand fahren. Für einen stolzen Preis – rund 50 Euro pro Nase. Die machen aber ein fettes Geschäft, denke ich mir, und sehe mich bestätigt, als wir gut 20 Minuten später am “Parkplatz” ankommen. Der Weg zum “Krater” ist gerade mal 400 m, und dann sieht man in ein Loch, aus dem etwas Rauch kommt. Das muss der teuerste Rauch in der Gegend sein!

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Mondlandschaft am Etna

Diesem treiben schauen wir keine fünf Minuten zu. Schon nehmen wir eine Abkürzung über einen gegenüberliegenden Hang und sind sehr schnell wieder bei der Bergstation. Dort stehen schon mehr als hundert Personen für die nächsten Busse Schlange. Ich fasse es nicht. Wir gehen weiter, steigen bis zum Rifugio ab, schauen uns nochmals verwundert an und drehen den Motor grinsend an. Auch das ist Sizilien. Der große Parkplatz ist mit mehreren Großraumbussen belegt, daneben Dutzende Fahrzeug. Das Geschäft blüht, und wir haben nichts dazu beigetragen. Also runter vom Berg, und ab nach Syracusa!

Lange Runde um den Etna

Die Nacht bleibt unheimlich still, kein Bäumerauschen, sehr finster im tiefen Wald. Fast schon pünktlich geht’s um 06.30 an die Arbeit, frühstücken, anziehen, Auto fertigmachen, zum Ausgangspunkt fahren, Velos bereit machen und Wasser auftanken. Unser erster richtiger Tag in Sizilien, wir sind gespannt, wie sich die Insel anfühlt, was sie hergibt und ob sie unsere Träume und Vorstellungen von Wildheit und ungestümer Lebenskraft trifft.

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Start im Morgengrauen

Etna Runde

gute 120 Km, 2.300 Höhenmeter

Wir starten an der Nordseite des Etna (Ätna) und rollen im schnellen Wechsel mal runter, mal rauf. Die Straße ist nicht viel befahren, und die ersten Kilometer spulten sich wie immer sehr locker ab. Erst ab der Bundesstraße zwischen Bronte und Randazzo kommt LKW-Verkehr auf. Das stört die Blicke auf die schnee-bedeckten Flanken des Vulkans aber nicht. Schnell passieren wir Bronte und Adrano, deren Verkehr und löchrige Straßen uns nicht zusagen, und erwischen gerade noch die richtige Abzweigung, um nicht nach Paterno, sondern in die Hügel nördlich von Adrano zu gelangen. Dieser Anstieg ist etwas steiler als die vorhergehenden, aber vollkommen verkehrsberuhigt. Dafür hat man nie die Gewißheit, auf der richtigen Straße unterwegs zu sein. Die Beschilderung fehlt hier so gut wie zur Gänze, man muss sich ein wenig auf sein Gespür verlassen.

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hinauf durch die Vororte von Adrano

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düsterer Blick nach Catania

Zwischen den Villen und großen Anwesen radeln wir Kilometer für Kilometer um den Etna, und endlich auch zur wichtigen Einmündung zur Straße zwischen der Bergstation am Etna und Nicolisi zu gelangen. Hier ist die Vegetation verschwunden, Lavaströme haben sich 2002 hier den Berg hinuntergewälzt, und alles platt gemacht. Auch die Straße, daher ist unsere Strecke recht neu und entsprechend gut ist auch der Asphalt. Gut 13 Kilometer geht es nun die Serpentinen hoch, es wird warm, die Trinkflaschen leeren sich, Hunger kommt auf, aber kein Kiosk oder Gaststätte, die offen wäre, bietet sich an. Letztlich sind wir froh, diese Straßen passiert zu haben um etwas müde in die Stühle des Rifugio Sapienza (1.920 m) zu fallen. Entgegen unseren üblichen Pausen essen wir hier so richtig ausgiebig, so dass es eine Weile dauert, bis wir uns wieder auf unsere Räder erheben wollen. Die Pizza ist einfach zu gut, und gierig stecke ich noch zwei Scheiben Brot in meinen Rucksack. Wir wissen was wir bis jetzt geschafft haben, wir wissen aber auch, dass wir noch einiges vor uns haben.

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Lava, die alles niederwalzte

Draussen wird es nun schön kalt, mich friert es bei der Abfahrt derart, dass ich mich vor lauter Klappern der Arme richtig am Rad festbeissen muss. Erst in Zafferana Etnea bin ich wieder auf Betriebstemperatur. Die Wolken bleiben heute weiterhin dunkelgrau, aber es fällt kein Tropfen. Die letzten zwanzig Kilometer sind ein Auf und Ab, mit vielen tollen Straßenabschnitten und Kurven. Milo und Linguaglossa bieten uns noch einmal schöne Einblicke in das sizilianische Dorfleben – der Gartenbau dominiert hier ganz besonders. Jeder scheint sich in seinem Garten zu bewegen, bis auf die Trauergesellschaft, die in Milo auf das Begräbnis eines Verstorbenen wartet. Der Dorfpolizist steht schon da, um bald den Verkehr zu regeln. Schließlich findet auch diese Runde einen Abschluss. Am Büssle gibt’s erstmal keine große Pause, sondern wir packen die Räder gleich ein und düsen wieder zurück zum Rifugio unterhalb des Etna: nach einem Dusch-Stop aus der berühmten Wasserflasche, in einer Kehre und frischem Wind, verbringen wir die Nacht am Parkplatz. Am nächsten Tag soll doch auch der Kraterrand des Etna eines Blickes gewürdigt werden.

Auf ruppigem Asphalt, irgendwo im Parco Nazionale del Pollino

Puglia und unsere Kletterei in Statte liegen hinter uns, eine sternenklare Nacht ebenso. Wenige Kilometer brauchen wir, um am Ausgangspunkt unserer Radroute anzukommen, wieder mal ein Cornetto einzuwerfen, die Räder klar zu machen und schon die ersten Höhenmeter Richtung San Severino Lucano zu bewältigen. Wie schon in Gargano sind diese Provinzstraßen ruppig, löchrig und kaum befahren. Beate hat noch ihren starken Husten aus der Vorwoche, und doch läuft ihr Motor halbwegs rund. Die Sonne lacht, und wir bekommen den einen oder anderen freundlichen Wink oder ein Hupen von vorbeiziehenden Autos.

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super gsi!

Um diese Jahreszeit ist im Nationalpark Pollino nicht viel los. Im Sommer kann das anders sein: in San Severino finden wir größere Busparkplätze, in Viggianello allerlei Freizeit-Einrichtungen und in Rotonda ebenso. Kaum verwunderlich, bietet diese Gegend viel Luft, schattige Wege und damit ein willkommenes Entkommen aus der sommerlichen Bruthitze Kalabriens. Unsere zu grobe Straßenkarte läßt uns wieder einmal etwas im Stich, so dass wir uns aufgrund eines etwas engeren Zeitbudgets am heutigen Tag für eine Stichtour entscheiden: über einen “Pass” hinunter nach Viggianello und hinauf nach Rotonda und das Ganze auf derselben Strecke wieder retour.

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Viggianello

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grob 80km, rund 1400 Höhenmeter

Rotonda dient uns als willkommener Umkehrpunkt und Cappucino-Rastplatz, um das Leben am Dorfplatz in Augenschein zu nehmen. Männer über 30 disktutierend und arbeitend, alte Frauen in Knie-langen Röcken mit Einkaufstaschen über den Platz huschend. Alle sehr behäbig, fast schläfrig, die italienische Provinz eben. Die Rückkehr zum Büssle wird wieder eine Mischung aus längeren, aber moderaten Anstiegen und sehr vorsichtigen Abfahrten, denn die Löcher im Asphalt sind derart groß, dass Schäden am Rad, Platten und saftige Stürze im Rahmen des Möglichen sind.

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Rotonda

In Pollino nehmen wir noch an einer Quelle gut 10 Liter Brunnenwasser mit – für die nächsten Tage unser Duschwasser. Das entpuppt sich als wahrer Segen, können wir doch das Meersalz mit einer Dusch-Ladung von 750 ml (= 1 Trinkflasche) leicht abwaschen. Das machen wir dann auch am Strand bei Pizzo am Golfo di Sant’ Eufenia. Auch hier: nichts los, sauberes Meer, wilde Wellen. Die Reise geht weiter, trotz chaotischer und umständlicher Beschilderung, finden wir den Weg aus dem Gassenchaos der Küste wieder auf die Autobahn bis nach Villa San Giovanni, um mit der Fähre nach Sizilien überzusetzen.

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auf nach Sizilien

Die Sonne senkt sich, als wir auf die Fähre kommen, sie verschwindet, als wir in das Verkehrsgetümmel von Messina einfahren. Hier herrscht gerade Hochbetrieb, ich fürchte etwas um unser Büssle, wehre mich gegen alles was sich bewegt und steht. Im Schritttempo kommen wir so zu einer äußerst eindrücklichen Besichtigungsrunde der Innenstadt und seines beginnenden Nachtlebens. Als wir dann aus der Stadt entkommen, kann ich etwas durchatmen. Doch wir brauchen im Dunkeln eine Weile, bis wir an den Nordhängen des Etna ankommen und schließlich auch einen passenden Stellplatz finden können. Irgendwo im Wald, wo nur hohe Nadelbäume wachsen und frische Vulkanasche liegt. Und wir in unserem Büssle. Wir hören noch eine Eule, dann schlafen wir ein. Es wartet die nächste Rennrad-Runde, diesmal um den bekanntesten Berg Siziliens: dem Etna.

Kletterei in Statte

Alberobello und Locorotondo liegen nun hinter uns, es wird langsam Mittag, und wir durchstreifen Puglia auf Nebenstraßen auf der Suche nach unserem ersten Kletterspot. Es soll in der Umgebung von Stratte liegen, gute 10 Kilometer nördlich von Taranto. Aber unsere Landkarte ist zu grob, und bald verirren wir uns auch noch in den engen Gassen der Kleinstadt. Da sind wir um ein kleines Auto froh. Mit einem großen Camper wären wir stecken geblieben. Erst als wir nach Nachfragen den entscheidenden Tipp (“Cimitero” aka Friedhof) bekommen, gelangen wir mit etwas Spürnase zum richtigen Parkplatz. In Statte gibt’s aber gar keine Berge, sondern nur Schluchten. Und deshalb ist die Suche auch etwas mühsam. Der Zustieg letztens auch, weil er mit einem steilen Abstieg beginnt – und dieser will gefunden werden.

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feine Kletterei in Statte

Die Sektoren in Statte sind vielfältig und bieten für unser eins alles im Bereich 5 bis 6 (frz. Skala). Trotz der Tageszeit finden sich auch andere Kletterer dort ein – alles Einheimische. Wir haben aber kein Problem, freie Routen zu finden, denn das Gelände verteilt sich ganz schön. Das Wetter ist herrlich, und wir jammern auch nicht wegen der Hitze. Was will man beim Klettern mehr als eine trockene Wand? Nach gut drei Stunden brechen wir wieder auf, wollen noch über Tarent den Stiefel weiter südwestlich abfahren, irgendwo ins Meer springen und dann in den Nationalpark del Pollino kommen.

Das Meer erfrischt, der Strand ist so gut wie leer, irgendwo finden sich wilde Marillen-Bäume. Stürmischer Wind kommt uns aus dem Nationalpark entgegen, aber keine Wolke. Selbst die Schlangen treibt es aus den Büschen auf den Straßenasphalt. An einem Stausee haben wir dann für heute genug, suchen uns einen feinen Stellplatz mit Aussicht, es gibt Tomaten mit Mozarella, und eine ruhige Nacht. Wie jeden Abend freuen wir uns schon auf den nächsten Morgen – diesmal im Parco Nazionale del Pollino.

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unser Stellplatz am Lago di Monte Contugo

Impressionen aus Puglia

Nach einer klaren und ruhigen Nacht verlassen wir Mattinata am Tage des großen Radrennens im NP di Gargano – überall sind schon Hinweistafeln, Streckeninfos und Vorbereitungen für den Festakt zu sehen. Italien ist eine Radnation, das erlebt man auch im eigenen Sattel. Italien ist aber auch ein Land mit einer außerordentlichen Vielfalt und Dichte in seiner geschichtlichen Entwicklung, und in Puglia werden wir Augenzeugen zweier architektonischer Perioden: zunächst in Alberobello mit seinen typischen, rund-angelegten Häuschen, etwas später in Locorotondo mit seinen dicht gepackten Innenstadt-Gassen. Ein schönes Vormittagsprogramm, bevor es uns in die Kletterfelsen bei Stratte treibt. Der Soultrip nach Sizilien geht weiter.

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Alberobello

alberobello

selten so von Touristen verlassene Gassen wie hier …

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weniger touristisch: Locorotondo

locorotondo

dennoch, sehr herausgeputzt