Kalkutta – etwas britisch, mit Sympathiewerten

Ein letztes Mal hatte uns Dhaka ordentlich geschreckt – auf dem Weg zum Flughafen. Ein langer Stau, kaum ein Vorwärtskommen, und wieder einmal dachten wir, der Flieger ist nun wirklich weg. Keine zwei Minuten nach unserem Check-in schloss der Schalter, wurde schon zum Boarding aufgerufen, als wir noch durch die Passkontrolle mussten (mehr zum Visum hier). Trotz einer sagenhaften Bearbeitungszeit von 15 Minuten pro Pass (!) schafften wir es noch in den Kingfisher-Flieger, eine überraschend nette Billigflieger-Linie.

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Starker Verkehr in Kalkutta

Die Ankunft in Kalkutta war dementsprechend ein Aufatmen, und wir fühlten gleich den Unterschied. Das hätten wir uns im Vorfeld nicht gedacht, dass diese Metropole eine Art Insel der Ruhe sein könnte. Die Straßen waren belebt, ja, aber es war anders. Irgendwo war eine Linie zu erkennen, eine gewisse Ordnung. Es gab Straßennamen, es gab Verkehrsampeln, und auch Polizisten, die das umsetzten. Kalkutta ist anders drauf.

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Auf der Straße wird gekocht und gegessen – hier der Nachtisch
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Ein Löwe am Eingang zum Victoria Memorial

Dieses Stadt ist nicht sehr alt. Die britische Ostindien-Kompanie hatte Ende des 17. Jahrhunderts das Land dreier Dörfer am Delta aufgekauft, und zu einem Warenumschlagsplatz und Administrationszentrum ausgebaut. Auch wenn schon andere Länder in der Gegend ihre Handelsumschlagplätze errichtet hatten, die Engländer hinterließen den bleibendsten Eindruck. Hier begann der rasende Aufstieg der Stadt, die wie ein Magnet auf die Menschen Bengalens wirkte. Der Zuzug war gigantisch, heute hat die Stadt ohne Vororte schon 5 Millionen, der Großraum weist ca. 15 Millionen Bewohner aus. Für ein halbes Jahrhundert war Kalkutta gar die Hauptstadt Indiens, aber seit 1911 verlor die Stadt im Sinne wirtschaftlicher und politischer Bedeutung merklich. Seit 2001 heißt die Stadt offiziell Colcatta. Mehr dazu auch im Lonely Planet Guide Indien.

PB230323Das Victoria Memorial in einer schönen Gartenanlage
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Verfall – Image der Stadt

Trotz des Images des Armenhauses fühlten wir uns in Kolkatta recht wohl. Angenehm zum Spazieren gehen, keine Belästigungen, viel Leben in den Straßen, ein immer noch englisches Flair nicht nur an den Monumenten, sondern auch im Verkehr und in diversen Geschäften. Wir haben unsere Zeit in Buchgeschäften, beim Tee oder in weitläufigen Parks unweit des Victoria Memorials verbracht. Hier wird Cricket gespielt und Vieh gehalten. Aber rosig ist die Situation der Stadt nicht. Bettler sind in den Straßen die Regel, die Luftverschmutzung ist drastisch, der Verfall vieler Häuser im feuchten Klima offensichtlich. Streiks legen ganze Stadtteile lahm, und wir hatten Glück, am letzten Morgen ein Taxi zu finden, welches uns rechtzeitig zum Flughafen bringen sollte: ins gelobte Bhutan.

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Hier zwei Transport-Arten: Rickshaw gezogen, und Lebendhühner-Transport per Dutzend

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Parks sind ein Charakteristikum in Kalkutta, mitten im Zentrum

Live and let live – Leben auf den Straßen Bengalens

Der Lebensraum ist ein Begriff der Humanwissenschaften und entspricht den Begriffen “Habitat” oder “Biotop” in der Biologie und Ökologie. Er bedeutet einen bewohnten und beanspruchten Raum einer sozialen Gruppe. In Bengalen (Kalkutta nordwärts sowie Bangladesh) und Ost-Indien (Assam und alles östlich davon) ist die Straße der Lebensraum großer Teile der Bevölkerung.

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Landstraße in Assam – außergewöhnlich unbelebt

Primär ist die Straße auch hier eine Verkehrsverbindung zwischen A und B, mit seinen Regeln, Sitten und fahrtechnischen Eigenheiten. Asphaltbelag haben theoretisch nur die wichtigen Verbindungen, aber Baustellen und (noch schlimmer) fehlende Abschnitte sind eher die Norm als die Ausnahme. Schlaglöcher, enge Passagen, einspurige Brücken reduzieren das Tempo der schnelleren Verkehrsteilnehmer auf 30-45 km/h. Das ist für unsere Verhältnisse extrem langsam, und bei einer recht kurzen Distanz von 200 km wird das bald zu einem Tagesausflug. Ist man aber einmal in diesem Verkehrsfluss, dann ist man froh, mit einer so geringen Geschwindigkeit unterwegs zu sein. Überholmanöver beginnen und enden mit der Hupe, grundsätzlich hat dabei der Gegenverkehr Nachrang. Dass in Indien rund 13 Menschen – pro Stunde! – auf den Straßen umkommen, wundert einen nicht.

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Verkaufskiosk 1m x 1m x 1m am Straßenrand – da passt nur ein Kind als Verkäuferin hinein

Die Verkehrsteilnehmer sind sehr vielfältig. Vom Fussgänger über den Radfahrer bis zum Groß-LKW fährt hier alles. Am seltensten sind dabei private Klein-PKWs. Insofern müsste Bengalen ein Vorbild grüner Verkehrspolitik sein, ist doch fast alles mit eigener Muskelkraft betrieben. Ruß-LKWs und vor sich hin rottende Busse machen zwar durch Abgase und Lärm auf sich aufmerksam, spielen aber im Gesamtkonzert des Straßenwesens keine dominante Rolle, betrachtet man deren absolute Anzahl. Transportiert wird alles und mit allem. Auf dem Land sind eher Motorfahrzeuge (drei-rädrige Mini-Taxis oder Jeeps als Mini-Busse) im Einsatz, in den Städten Rickshaws mit Menschenfracht oder als Lastfahrzeuge.

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Shared Taxis – die beliebte und schnelle Alternative zum Bus

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Besonders im städtischen Bereich sehr populär: das Rickshaw

Allen Fahrzeugen gleich ist deren künstlerische Dekoration. Rickshaws weisen auf ihrer Rückseite Bemalungen auf, LKWs werden oft mit religiösen Symbolen “individualisiert” oder mit netten Sprüchen versehen. Was wir schon auf den Philippinen oft gesehen haben, findet sich auch in Bengalen wieder: die Bitte um (göttlichen) Schutz im Straßenverkehr. Die Hinterseite vieler Fahrzeuge fordert zudem andere Verkehrsteilnehmer auf, die Hupe zur Kommunikation zu nutzen und auch den Verstand einzuschalten. Wir fragten uns bei den jeweiligen Fahrweisen, ob der Fahrer je seine eigenen Sprüche gelesen hat; in allem, sie sind vielleicht nicht wirkungsvoll, aber doch unterhaltend. Den besten Spruch fanden wir an einem LKW: “Keep slow: no vacancy in heaven”. Hin und wieder fanden sich auch am Straßenrand entsprechende Aufforderungen, die nicht minder kreativ waren: “Live and let live”.

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Bengalische LKW-Fahrer motzen ihr Fahrzeug gerne mit dem Pinsel auf

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Lebendtransport von Hühnern am Fahrrad in Kalkutta

“Live and let live” ist nicht nur an die Fahrer der Brummis gerichtet, Fußgänger und Radfahrer zu verschonen. Der Lebensraum Straße ist weit mehr, und er wird mit den Anwohnern der Hütten an den Straßen sowie deren Tieren geteilt. Eine Straße ist nicht nur Straße, sie ist auch Arbeitsplatz, Spielplatz, Treffpunkt, Platz zum Trocknen von Feldfrüchten, Futterstelle und Schlafplatz. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen mitten auf der Straße einfach liegen und schlafen, und die Tiere schauen sich das ab. Insofern ist der Autofahrer in Bengalen vielen Hindernissen ausgesetzt, und er muss gut aufpassen, dass er nichts überfährt. Bei dem Durcheinander von Fahrzeugen und Menschen ist es stets nur eine Frage der Zeit, bis es wieder mal jemand oder etwas erwischt. Hunde, Ziegen, Kühe, Hühner, Gänse und Schafe, alles kreuzt und quert die Wege, bringt den Verkehr zum Stillstand, kaum zum Ärgernis der Fahrgäste. “Live and let live” ist das Motto hier und jetzt, praktiziert wird es im alltäglichen Leben.

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Zivilisierter Stau von Taxis

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Straße heißt in Indien auch gleichzeitig kochen und essen

Die Straßen in Assam und auch die kurvenreiche Straße nach Shillong in die “Rock-City” Indiens hat nicht jedem Fahrgast gefallen. Manche kotzten aus dem Fenster, und manche wollten das ewige auf der Achse hüpfen vorbei haben. Auch auf die Abfahrt in die Tiefen an die Grenzen Bangladeshs hätten viele gerne verzichtet, so schien es mir. Ich hatte eine Freude an den Panoramaausblicken. Eine eigene Welt abseits des Brahmaputra-Betts, die Luft klar und frisch, die Hänge dicht und grün. Shillong selbst war dagegen eine seltsame Mischung. Fein zum Ausgehen, aber eine Stadt, die aus halbfertigen Häusern bestand. Es schien, als hätten Bauherren irgendwann einfach eine Pause gemacht, und sich später entschlossen, die Fertigstellung auf irgendwann zu verschieben. Shillong war eine Station, die wir reise-technisch eingehen mussten, und das war auch gut so. Das Kapitel hatten wir schnell abgeschlossen und ließen es hinter uns. Live and let live.

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Früh morgens in Shillong – kaum Verkehr, aber noch Dreck vom Vorabend

In Indien angekommen: Kaziranga

Nach den großen Mühen, die wir aufgebracht haben nach Kohora zu kommen, war die Erwartungshaltung groß. Was konnte der Nationalpark Kaziranga tatsächlich bieten? Wir hatten viel darüber gelesen, und große Biologen waren wir auch nicht, so dass wir schon Großwild für unsere Augen brauchten, um eine “Sensation” zu erleben. Die Kleinigkeiten würden uns nicht auffallen oder groß interessieren, oder einfach gesagt: wir wollten Rhinos sehen. Und das bekamen wir.

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Die Community steht hinter dem Projekt “Nationalpark”

Insgesamt verbrachten wir einen sehr langen Tag im Elefantengras. Einmal auf dem Rücken von Elefanten, zweimal auf der Ladefläche von Jeeps. Stets begleitet von unserem Guide, und im Falle der Jeeps auch von einem Fahrer und einem Wachmann, der unartige tierische Zeitgenossen zähmen sollte. Der Ritt auf den Elefanten in den Morgen des Parks glich einem Bootsausflug. Der Tierrücken als Barke, das Elefantengras als Meer. Dazwischen tauchten die ersten Tierspuren auf, dann die ersten Bewegungen, und schließlich auch die Köpfe und Körper von Büffeln, Sumpfhirschen und eben auch Rhinos. Das leise Dahingleiten der Elefanten beruhigte die Tierwelt um uns herum, und da wir nur mit der Fotokamera herumschossen, hatten wir Gelegenheiten genug, sehr nahe an diese Tiere zu kommen. Mehr Bilder gibt es in unserer Gallerie “Kaziranga National Park”.

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Büffel im Morgengrauen

Die Stimmung im Park veränderte sich im Laufe des Tages nur unwesentlich – ruhig, abgeschieden, im voller Spannung auf den kurzen Moment, den Rücken eines Tigers im Augenwinkel doch noch zu erhaschen. Auch wenn es an diesem Tag keine Tiger zu sehen gab, die Komposition der Natur, seiner Einwohner und seiner Beschützer ist sehr gelungen. Rund 700 Parkwächter leben im Park, in Baumhütten oder anderen verwegenen Hauskonstruktionen, um ständig bei den Tieren zu sein und sie vor Wilderern zu schützen. Die Population der Tiere steigt an, auch der Tiger und Rhinos. So gesehen ist der Park eine Symbiose zwischen Mensch und Natur, im modernen Sinn. Den Tieren ermöglicht es ein relativ freies und beschütztes Leben, und der Bevölkerung um den Park ein doch bescheidenes Einkommen aus dem Tourismus.

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Einhörnige Rhinos im lichten Elefantengras

Unser Guide Tarun ist ein schönes Beispiel für ein Leben am und vom Park. In seinen 20ern, verheiratet und gerade ein kleines Baby zuhause, ist er sicherlich einer der Privilegierten in Kohora. Sein Einkommen ist hoch genug, um sich in privaten Hospitälern (in Indien) behandeln zu lassen, um seinen Geschwistern finanziell unter die Arme zu greifen. Seine Ausbildung als Guide erweist sich als wertvoll, seine Englisch-Kenntnisse als essentiell, denn er weiss sehr viel zu berichten. Wer sich also in Kaziranga einen guten Guide sicher möchte, kann Tarun Gogoi über sein Mobil-Tel erreichen: 09859332737 (in Indien).

Wir hatten ihn zufällig kennen gelernt, denn unsere Unterkunft (Wild Grass Resort) organisierte für uns die Ausflüge in den Nationalpark. Das klappte vorzüglich, und man muss wieder mal hinweisen, auch wenn es möglich ist, das alles selbst zu machen, die indische Bürokratie ist ein Schrecken, und man verliert unendlich viel Zeit, dies auf die richtigen Schienen zu bringen. Man wird viele Bürowände sehen, bevor es überhaupt nach Elephantengrass riecht. Unsere Empfehlung: über die Unterkunft, die man in Kohora gewählt hat, alles organisieren lassen. Auch wenn es ein paar Rupies mehr kostet. Im Wild Grass ist man auf diese Anfragen vorbereitet und dementsprechend klappt das. Die Hotelanlage ist wohl die Beste in der Gegend, die Zimmer sehr nett, das Gelände weitläufig, nur der Pool ist zugeschüttet (warum auch immer). Das Essen ist mäßig, und die Kommunikation nach außen ist auch sehr beschränkt (kein Internet, kein Fax). Bezahlen kann man nur Cash, wenn auch in US-Dollar. Das sollte man tun (in US$ zahlen), denn in der ganzen Gegend gibt es selten Möglichkeit Geld zu tauschen, und das auch nur zu beschränkten Zeiten. Unser Rat: Rupies horten.

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Der Speisesaal im Wild Grass

Nach unseren Tagen und Nächten am und im Nationalpark Kaziranga folgten wir unseren Reiseplänen zunächst zur beliebten indischen Reisedestination Shillong, einer Stadt in den Bergen nahe der Grenze zu Bangladesh…

Von der 1. Klasse zur indischen Bus-Economy

Unerwartet spät melden wir uns über unseren Blog – und zwar aus Dornbirn. Gestern Nacht von unserer Asien-Reise zurück gekehrt, die Waschmaschine bedient und die Mails sortiert, fassen wir (sehr) langsam wieder Fuß in Vorarlberg. Es gibt sehr viel zu erzählen, und das werden wir in den nächsten Tagen nachholen. Auch wenn fast alles so geklappt hat wie geplant, eines war auf unserer Reise de facto nicht vorhanden: (vernünftige) Internet-Verbindungen. Hin und wieder konnte ich über meinen Telekom-Provider ins regionale Mobilnetz einsteigen und Kurzmeldungen verfassen bzw. unsere aktuelle Position durchgeben. Aber das war’s auch schon.

Die Reise hatte interessant begonnen. Die Verbindung Memmingen – Kaziranga ist schon eine abwechslungsreiche Strecke voller Wechselbäder. Deutsche Bahn, Münchner Flughafen und Quatar Airways – sicherlich die Konstanten dieser Anreise. Erwähnenswert dabei: kein Bayernticket vor 9.00, super-schneller Check-in am Flughafen, und das überraschende Upgrade in die Erste Klasse bei Quatar Airways auf der Strecke Doha nach Delhi. Letzteres hat uns den Flug sehr angenehm gemacht, mit Liegestühlen, Champagner und privater Stewardess. Ein feiner Zug von Quatar Airways, muss man schon sagen! Für jemand, der sonst nie Erste Klasse fliegt, gab es da viel zu entdecken. Die Sitze hatten sogar eine Massage-Funktion, und es gab ein 4-Gänge-Menü.

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Air-Condition à la indischer Reisebus

Die Realität des Reisens in Asiens kam mit der Landung in Delhi: ewiges Warten auf das Gepäck, x-Kontrollen, Schweine-Grippe Check, Pass-Kopie für’s Geldwechseln, und dann das Rennen um den Anschlussflug nach Guwahati, von einem Flughafen zum anderen, um 4.00 morgens im Dunst der Großstadt, des Durcheinanders am Flughafen und der Straßen, Menschentrauben, welche wir nur am Weihnachtsmarkt in Nürnberg oder Salzburg am späteren Abend erleben. So dicht war das Gedränge, mit Taxis, Menschen, Gepäck und Kühen. Irgendwie mit viel Glück, einem Formel-1 Fahrer als Taxilenker und nochmals mit viel Glück erwischten wir gerade noch die Maschine…

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Feines Bike-Design, aber 50kg schwer

Völlig verlassen hingegen der Flughafen von Guwahati. Ein trauriger Anblick verfallender Gebäude und untergehender Landschaften. Das Taxi brachte uns zum Bus, der Bus (6 Stunden, blaue Knie, 1 Klo-Pause) nach Kohora zum Nationalpark. Indien begrüßte uns rußig, dunstig, laut. In Kaziranga hofften wir das Andere zu finden.

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Das Rad als das Transportmittel des “kleinen Mannes”

Alles ist gepackt

Der schwierigste Teil ist schon gemeistert: was nehmen wir denn alles mit? Wir sind sowohl in tropischen, feuchten und schwülen Gegenden unterwegs genauso wie im hochalpinen Bereich zwischen 2.500 und 4.500 m, und da kann die Auswahl schon kompliziert werden. Außer unserem mehrtägigen Trek im Himalaya haben wir keine großen sportlichen Ambitionen vor, und auch der Abenteuercharakter der Reise ist definitiv anders als letztes Jahr mit den Rädern im Oman. Mit einem Satz: wir können mit unserem Gepäck großzügig sein!

Wen es interessiert, ich habe mal für die Zukunft einen Rucksackplaner von Ausgeruestet.com adaptiert und für diese Reise exemplarisch für meine Person befüllt. Zum Download geht’s hier: Rucksack-Nov09

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Nun dann, schöne Zeit und wir melden uns über diese Seite oder über die Kurzmeldungen auf der Startseite. Hin und wieder gibt es auch eine Standort-Meldung hier…

Sundarbans: Bangladesh’ Mangroven-Wunder

Im Zentrum des historischen Bengalen wollen wir im Zuge unserer Reise durch Bangladesh auch den Nationalpark Sundarbans besuchen. Das Einzigartige an diesem rund 1.300 km² großen Park ist sein Lage:

  • Mündungsgebiet von Ganges, Brahmaputtra und Megna
  • riesiges Delta, das “fließend” in den Indischen Ozean übergeht
  • und daher das Brackwasser einen gewissen Salzgehalt aufweist.

Die Sundarbans (“schöner Wald”) sind ein System aus unzähligen Wasserarmen und dichten Mangrovenwäldern, in denen Krokodile, Pythons, Hirsche, Wildschweine und vor allem der vom Aussterben bedrohte bengalische Tiger leben. Gerade letzter hat in den Sundarbars den Ruf eines “Killers”, fallen ihm doch jährlich rund 100 Menschen (meist Honigsammler) zum Opfer. Die Tigerpopulation in den Sümpfen ist die Höchste der Welt, doch ihr Lebensraum ist bedroht – die Wasserverschmutzung, das Drängen der Bevölkerung auch in diesem unwirtlichen Gebiet eine Lebensstätte zu finden. Die Sundarbars sind aber auch besonders vom steigenden Meeresspiegel bedroht, mehrere Eilande sind bereits in den ozeanischen Fluten verschwunden.

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Das Sundarbars-Delta. Der dunkelgrüne Fleck ist der eigentliche Nationalpark, und um diesen herum landwirtschaftliche Flächen.

Ein Teil des Nationalparks erstreckt sich auf auf Indisches Gebiet und ist somit auch “leicht” von Kalkutta aus erreichbar. Mehr Infos zu den Sundarbans findet sich hier oder in unserem Guide Bangladesh.

Wie man ein Visum bekommt

Eines jener Dinge, die wir schon viele Monate vor Reiseantritt überprüft haben, waren die Einreisebestimmungen für Indien, Bhutan, Bangladesh und Nepal. Die Erteilung ist gänzlich unterschiedlich, kostet überall recht viel und ist mit einem zeitlichen Aufwand verbunden. Hier unsere Erfahrungen für jene, die in dieselbe Region reisen möchten.

Indien

india Die indische Botschaft in Wien nimmt auch Anträge per Post entgegen, und wir taten so. Auf ihrer Webseite sind alle notwendigen Unterlagen aufgelistet, die der Sendung an die Botschaft mitgegeben werden müssen. Wichtig: nicht zu früh beantragen, da das Visum ab Erteilung für 6 Monate gültig ist. Die Visa Fee (multiple entry: 50 Euro / Person) ist vorab an die Bankverbindung zu überweisen. Der gesamte Prozess lief reibungslos ab, wir hatten unsere Pässe nach etwas mehr als einer Woche wieder.

Nepal

nepalEigentlich ist eine Beantragung eines Visa im Vorfeld nicht notwendig, kann man auch an der Grenze oder am Flughafen machen. Allerdings hat man dann stundenlange Wartezeiten und hohen Pass-Foto-Verschleiss. Also schickten wir unsere Pässe nach München (Konsulat, in Österreich gab es keine 15-Tage Visa mehr…), bezahlten vorher noch die Visa-Gebühr (25 Euro / Person) per Banküberweisung. Deutsche Briefmarken für die eingeschriebenen Retourbriefe nicht vergessen! Die Bearbeitungsdauer war auch hier sehr kurz, nach einer Woche hatten wir das Visa und die Pässe.

Bangladesh

bangladesh Der bürokratische Aufwand ist hier doch bedeutend größer als bei den anderen zwei Ländern. Wir mussten mit der Botschaft in Berlin die Visa ausmachen. Da Nachweise (Flugbestätigung, Hotelbuchung) neben den anderen Formularen (Antrag, Einverständniserklärung der Rücksendung der Pässe via Post, …) gefordert waren, zögerte sich die Bearbeitung der Pässe auf fast vier Wochen hinaus. Wir haben ja keine Flüge von und nach Bangladesh gebucht, und auch keine Hotelreservierungen (mit kleinen Hotels über das Web zu kommunizieren ist in den seltensten Fällen möglich. Und wenn die nicht einmal ein Fax haben, wie bekomme ich eine Reservierungsbestätigung für die Botschaft?) getätigt. So mussten wir eine Selbsterklärung nachreichen, in der wir versicherten, dass wir genug Geldmittel für unsere Rückkehr haben, und welche Stationen wir in Bangladesh planen (Tag-genau). Zusätzlich belegten wir unsere gesamten Reisepläne mit den Flubuchungen nach Indien, von und nach Bhutan und von Nepal weg. Die eMail-Kommunikation mit der Botschaft war manchmal etwas schwierig (eMails verschwanden, eMail-Adressen waren überlastet etc.), die Mitarbeiter waren aber trotzdem sehr bemüht und freundlich. In diesem Sinne: besser einmal mehr anrufen als ewig auf etwas zu warten, was keiner weiß.

Bhutan
bhutan Bhutan hat sehr strikte Einreisebestimmungen, die auch einem klar geregelten Bewilligungsverfahren folgen. Voraussetzung ist, dass man einen (akkredierten) Reise-Agent in Bhutan hat, der diesen Prozess begleitet. Hat man so einen gefunden, wird zunächst die Dauer des Aufenthalts und auch die Art und Weise, wie man ins Land kommen will, festgelegt. Wichtig: mindestens eine Wegstrecke (von oder nach Bhutan) muss über den Luftweg erfolgen. Da die Druk Air (Bhutanesische Airline) die einzige ist, die diese anbietet, muss man sich deren Flugplan (Achtung: Winter- und Sommerflugplan!) anschauen und die Flüge so wählen, dass sie in den Gesamtreiseplan passen. Basierend auf den Flugdaten und der Aufenthaltsdauer berechnet der Reise-Agent die Kosten für den Aufenthalt. Grundlage ist, dass ein Besucher pro Tag eine Pauschale von ca. 200 US$ (variiert abhängig von der Gruppengröße) zu bezahlen hat. Inkludiert sind aber für die Dauer des Aufenthalts die Hotelzimmer, das Essen, die Führer und auch der Transport im Land. Die Visa-Gebühr selbst macht 20 US$ pro Person aus. Der Gesamtbetrag der Reise (Flug und Aufenthalt) wird auf ein entsprechendes Konto überwiesen, dann erst beginnt das Ansuchen beim Department of Immigration. Ist das einmal ok, kann der Reise-Agent die entsprechenden Sitzplätze im Flieger reservieren, das eTicket per eMail zusenden und kurz vor Reiseantritt (ca. 1 Monat vor Ankunft in Bhutan) das Visa ausstellen lassen. Das Visa wird hinterlegt, und zwar an jener Destination, an der die Einreise nach Bhutan erfolgt. Eine schriftliche Bestätigung für das Besteigen der Druk Air Maschine bekommt man per eMail. Klingt kompliziert? Ist es auch 😀 Der gesamte Prozess dauert locker 2 Monate, dafür muss man seinen Pass auch nicht hergeben, sondern hat ihn ständig zur Verfügung.

Countdown läuft – der Indische Kontinent wartet

Die Vorbereitungen haben im Dezember letzten Jahres begonnen, die Flüge hatten wir im Jänner in der Tasche, die ersten Kontakte im Februar, und nun, mit dem letzten ausständigen Visum schließlich im Pass, sind wir bereit für ein neues kleines Abenteuer. Es wird uns auf den indischen Subkontinent führen, vom Meer bis hinauf auf 4.200 Höhenmeter, vom Delta des Ganges und des Brahmaputtra zum Himalaya, von den Hill Tracks Ost-Bengalens zu Metropolen wie Kalkutta.

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Unsere Zielregion – Assam, Bangladesh, West-Bengalen, Bhutan und Ost-Nepal

Diese Reise führt über vier Länder, die trotz ihrer geographischen Nähe nicht anders hätten sein können:

Wir werden versuchen, unterwegs wie immer hier zu posten, einfach dürfte es aber nicht werden. Die elektronische Kommunikation besonders in Bangladesh ist “schwierig”, und wenn wir irgendwo im Busch oder auf einsamen Bergpfaden unterwegs sind, werden wir keinen Internet-Zugriff haben. Vor unserer Reise werden wir noch den einen oder anderen Bericht über diese Gegenden schreiben, um uns einzustimmen.

Auf dem Weg nach Assam: Kaziranga Nationalpark

Bevor wir Mitte November zu unserem großen Jahresziel “Brahmaputtra und der Himalaya” aufbrechen, stellen wir hier wieder ein paar Schwerpunkte unserer Reise vor – quasi zur mentalen Vorbereitung (sprich: Vorfreude). Beginnen wollen wir mit dem bekannten indischen Nationalpark in Assam, Ost-Indien: Kaziranga.

Satellitenaufnahme vom Kaziranga Nationalpark. Blau der Brahmaputra, in der Mitte mintgrün der Park.

Der Name klingt schon sehr viel versprechend, und der Nationalpark ist es auch. Das Weltkulturerbe der UNESCO beherbergt auf ca. 430 km² (etwas kleiner als der Bodensee) zahlreiche einzigartige Spezies wie den Asiatischen Elefant, den Bengaltiger, wilde Wasserbüffel, den Goldlangur, den Weißbrauengibbon, den Zackenhirsch, Muntjaks, Schweinshirsche, den Sambar, und den Gaur sowie den Asiatischen Wildhund, Leoparden, Kragenbären, Lippenbären, Indische Fischotter und Gangesdelfine.

Der Park ist aber vor allem für die große Population an indischen Panzernashörnern bekannt. Derzeit leben rund 1.500 Tiere im geschützten Park, der den Zutritt an Besuchern stark reglementiert. Eintritt ist nur auf dem Rücken von Elephanten in den Morgenstunden möglich, oder zwei Mal täglich mit Jeeps und Guides. Das Projekt ist insofern erfolgreich, als die Population der hier lebenden Tierarten wächst.

Da das Klima vom Monsun geprägt ist, fällt ab November (bis April) kaum Niederschlag. Wenn der Dauerregen aber schließlich los geht, dann sind weite Teile des Parks überschwemmt und die Tiere büchsen in höhere Gebiete aus. Das gibt natürlich Ärger mit den umgebenden Landwirtschaften, Zwischenfälle und Jagd auf Nashörner durch Wilderer sind die Folge. Übrigens beträgt die Durchschnittstemparatur im Winter 10 °C, also fast schon kühl. Infos zum Nationalpark, Übernachtungsmöglichkeiten und Anfahrt sind auch im Lonely Planet Indien zu erfahren.