Fixpunkt einer Vietnam-Reise: die Halong Bay

Mit dem Boot durch die Halong Bay zu schippern ist wohl eine der drei Hauptaktivitäten für den Vietnam-Reisenden (siehe auch: Hué). Es ist nicht nur zu Recht Weltkulturerbe, sondern auch noch schön anzuschauen. Die Landschaft, ein Labyrinth aus hochgeschossenen Kalkfelsen und Wasserstraßen, bietet kleine Buchten für jedermann. Diese wirken um diese Jahreszeit vielleicht nicht so attraktiv wie im Hochsommer, dennoch bemüht sich eine Flotte an Ausflugsbooten die Massen an Besuchern durch das jeweilige Programm zu schleusen. Ein sanfter Tourismus ist das nicht, die Hotelmeile in Cat Ba ist erstaunlich groß, und teilweise fühlt man sich wie Vieh, das hier von einer Station zur nächsten getrieben wird.

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Blick auf die Bucht vor Cat Ba

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Hausboot-Leben

Erstaunlicherweise kann man gerade in Cat Ba dem Trubel am ehesten entkommen. Glücklicherweise nur, weil es Nebensaison ist. Und da sitzt man höchstens zu viert in einem Restaurant an der Straße und trinkt einen Tee. Mit dem Kayak ist man gänzlich unabhängig und wir können uns aus dem Staub machen. Unser eigenes Tempo, unseren eigenen Weg.

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Strandflucht per Kayak

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Hausboot-Leben II

Das mit Abstand Interessanteste an diesem Archipel ist die Lebensweise der Leute hier, welche auf ihren Hausbooten leben und arbeiten. Fischer, Bootsführer, Händler, aber auch Perlentaucher und Schrimpszüchter. Mehrere Hausboote sind über Stege miteinander zu einer “Straße” verbunden, dazwischen sichern ausgespannte Netze, das nichts zufällig im Meer verloren geht – Kleinkinder und Hunde ebenso. Das Meer wird tagtäglich geerntet, die Mahlzeiten “im Garten” erzeugt. Ein hartes Leben, denn viel Komfort haben die Leute nicht.

Über die große Prärie

Jetzt stehen die langen Wege an. Nach den Naturparks Killarney und Lake Superior umrunden wir die Nordküste des gleichnamigen Sees in einem Vormittag. Es klart auf, der Regen hört auf, und nach einem kurzen Tim Horton-Stop schauen wir uns den Canyon von Ouimet an. Steiler, schwarzer Fels. Nun ist eine Laufpause angesagt, wir vertreten unsere Beine im hügeligen Waldterrain. Auch die anschließende Solardusche ist bereits Routine.

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die Nordküste des Lake Superior

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Der Canyon von Ouimet

Das Fahren gefällt mir. Die Strecken sind nicht langweilig, es gibt viel zu sehen, und der Verkehr ist sehr mäßig. Wir rollen nach Thunder Bay und schauen uns ein wenig in der Marina um. Heute ist Labour Day, und alles hat geschlossen. Macht nichts, unsere Büssle-Vorräte reichen für die nächsten Tage sicher. Nocheinmal gute 250 Kilometer weiter suchen wir in Ignace einen Stellplatz und werden an einem See fündig.

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am Lake Richard

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super gsi!

In der Früh haben wir keine Lust zu Laufen. Fahren einfach mal los, das Gelände bleibt hügelig und Seen-reich. Die sportliche Abwechslung am heutigen Tag kommt nach gut zweihundert Kilometern: wir entdecken die Cottages von Gillis. Das Kanu ist schnell ausgeborgt und schon umrunden wir die Küste von zwei absolut ruhigen, dunklen Seen. Das Wasser ist so warm, dass wir einem Tauchgang nicht entsagen können. Wir plaudern noch ein wenig mit Gillis, die im Winter in Arizona ein Häuschen hat. Ihre Söhne sind ebenfalls Reise-Freaks. Wir hätten den ganzen Tag dort verbringen können, langweilig wäre es nicht geworden. Auch Gillis war vom Büssle begeistert und hätte gerne etwas Ähnliches. Aber wie es so schön heißt, im Leben trifft man sich immer zwei Mal. Email-Austausch hilft schon mal.

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in der Prärie wurde es nicht langweilig

Winnipeg hat uns nicht groß begeistert, eine Stadt aus der Prärie, sehr US-amerikanisch vom Stadtbild, Beate hat aber ihre tägliche Ration Sushi bekommen. Auch hat sie Obst und Gemüse im Markt erstanden und ist wieder zufrieden. Damit ich auch. An der Grenze zu Sasketchewan übernachten wir an einem Truck-Stop. Praktisch, aber keine Augenweide. Man muss das pragmatisch sehen – WC, Wasser, sicherer Parkplatz.

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Doppeldecker-Güterzüge, mehrere hundert Meter lang

Die Sonne geht mit einem weiten Morgenrot über der Ebene auf. Wir starten los, bei Regina gibt’s Kaffee und Donut. Der Latte schmeckt süß, checke meine eMails, und dann wechseln wir hinter dem Lenkrad. Die Cockpit-Routine bestimmt unseren Tag, Geräte aufladen, Straßenkarten studieren, in die Weite gucken. Hier zu fahren ist sehr einfach. Doppelspurige Autobahn, wenig Verkehr. Und die Prärie ist nicht uninteressant. Weite Getreidefelder, riesige Silos, und hin und wieder die eine oder andere Bison-Herde. Stadt über Stadt folgt, wir passieren die Grenze nach Alberta, tanken noch billiger, und verbringen den Rest des Tages im Kinbrook Island Provincial Park. Bald sollten wir die Rocky Mountains sehen. Und Calgary.

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das ist ein kleines Getreide-Verlade-Silo westlich von Medicine Hat

Gegen Westen, mit dem Kanu: Superior Lake

Der Trans-Canada Highway wird uns noch länger begleiten. Von Killarney über Saulte St. Marie, wo ein seltener Restaurant-Stop eingelegt wird, fahren wir in die Nacht hinaus. Der Verkehr ist mäßig, dennoch fahren wir vorsichtig. Elche kreuzen gerne bei Nacht die Straßen. Und für uns wird nach 150 Kilometer die Ausschau nach einem guten Nacht-Spot eine kleine Herausforderung.

Am nächsten Morgen sind es nur noch wenige Kilometer zur Park Office des Lake Superior Provincial Park. Es schüttet, als wir mit Karte, neuen T-Shirts und dem Schlüssel zum Kanu aus dem Büro stürmen. Unser Launch-Spot ist am Rabbit Blanket Lake, wenige Kilometer weiter. Es donnert und gießt wie aus Kübeln, wir bleiben also gute zwei Stunden im Bus und lümmeln herum. Es gibt immer genug zu tun – Route im Detail planen, Fotos bearbeiten, aufräumen und Kaffee trinken.

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im Rabbit Blanket Lake

Gegen 11.00 nutzen wir eine Regenpause und stürmen zum Kanu. Den ursprünglichen Plan einer Übernachtung mit Zelt in der Wildnis lassen wir aufgrund der nahen Gewitter-Front fallen, sind also leicht ausgerüstet, als das Alu-Kanu zu Wasser gelassen wird. Wir paddeln den Rabbit Blanket Lake entlang, folgen dann dem South Old Woman River aufwärts. Der Fluss fließt gemütlich, die Paddlerei ist genüsslich, trotz wieder einsetzendem Starkregen. Wir passieren einen Biberdamm, dann wird der Fluss eng und unübersichtlich. Wir sind mitten in einem Sumpf und versuchen unseren Weg durch das Dickicht zu paddeln. Letztlich kommen wir richtig zum ausgeschilderten Ausstieg – die Zu-Fuß-Passage beginnt. Wir entscheiden uns das Kanu zu ziehen, es wiegt einfach zu viel für uns, und so haben wir auch noch die Hände frei gegen die aggressiven Mücken.

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super gsi!

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ein kleines Work-Out entlang der Portage

Diese Portage-Passage ist 1200 Meter lang und gestaltet sich als ein schmaler Weg durch das Unterholz. Bald finden wir eine passable Technik, wie wir das Kanu durch den Wald zum nächsten See – Peat Lake – transportieren. Beate findet die Portage mittel-lustig. Einmal dort sind wir froh, auf den See hinauszufahren und den Mücken zu entkommen, trotz heftigem Regen und Böen. Wir umrunden den See und kehren auf gleichen Weg wieder zum South Old Women River und später in den Rabbit Blanket Lake zurück. Es donnert. Völlig durchnässt aber glücklich machen wir es uns wieder einmal im Büssle gemütlich. Ein feiner Tag ohne große Fahrerei trotz Regenwetter.

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Weltuntergangsstimmung am Peat Lake

Kajak-Nachmittag am Bodensee

Die Hitze dieser Woche war sagenhaft – und nichts wie hinein in den Bodensee! Gleichzeitig wollten wir den Massen entkommen und ein wenig Techniktraining machen. Das klingt also ganz stark nach einem Kajak-Nachmittag, den wir uns gönnten.

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Die Sonne zeigte sich erst später, der Kajak-Trip war auch für die Zukunft eine Empfehlung

Mit einem gemieteten Doppelkajak ging es vom Bregenzer Yachthafen über die Bregenzer Ach Mündung zur Rheindammspitze. Dazwischen und danach hatten wir genung Möglichkeiten anzulanden, auszuspannen und zu schwimmen. Hier verläuft auch der Bodensee Kanuweg.