Gneis-Genuss am Hochmaderer

Nach der großen Lehrstunde am Spuller Schafberg am Vortag, gingen wir wieder voller Tatendrang am Hochmaderer (2.823 m) in der Silvretta ans Werk. Die Nacht am Vermuntstausee (1.743 m) war etwas böig, unser Büssle wackelte hin und wieder im Wind. Zeitig standen wir in unseren Bergschuhen und stiegen über den Weg zur Saarbrückner Hütte, später zur Tübinger Hütte kurz unterhalb des Hochmadererjochs (2.505 m) auf. In den Serpentinen zweigt eine Trittspur zur Hochmaderer-Südostwand ab.

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Hochmaderer vom Süden

Die Kletterroute am Südostpfeiler ist rund 200 m hoch und liegt im 5. Schwierigkeitsgrad. Erreicht man den Kopf des Pfeilers, sind es nochmals gute 200 m im 3. Schwierigkeitsgrad zu den Gipfelschrofen, dann über den ausgesetzten Grat zum Gipfelkreuz. Die Stände sind alle gebohrt und redundant angelegt, die Route recht gut zu finden, wobei Abweichungen je nach Können die Route erleichtern oder erschweren können. Wir folgen dem Topo recht genau und brauchten ohne Probleme für den Pfeiler gute 3 Stunden. Erst im oberen Teil zu den Gipfelschrofen muss man sich seinen Weg suchen, was ein paar Verhauer inkludieren kann. Dadurch verzögert sich der Aufstieg, so dass wir letztlich doch gute 5 Stunden zum Gipfel benötigten.

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Beate im Vorstieg am Südostpfeiler

Der Abstieg vom Hochmaderer ist im oberen Teil unangenehm rutschig (Geröll und feiner Split), ab dem Hochmadererjoch aber sicher. Die Heidelbeerbüsche sind noch voll, wir konnten uns von der Qualität der Beeren überzeugen.

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Letzte Meter am Grat zum Gipfel

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Kleinlitzner, Großlitzner und Seehorn im Hintergrund links

Fazit der Tour: im sehr griffigen, aber teilweise mit Flechten überdeckten Gneis lässt es sich gut klettern, die Haut der Fingerspitzen wird allerdings etwas stärker beansprucht. Die Route ist objektiv sicher, der Fels fest und die Stände gut eingerichtet. Zwischensicherungen sollten aber selbst angelegt werden, wenn auch immer wieder mal Bohrhaken zu finden sind.

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Sechs Tage Alpinkletterei hinterlassen Spuren…

7 replies
  1. Ute says:

    Hallo Ihr, ich habe mich sehr gefreut, diese Seite zu lesen. Ich war vor genau 50 Jahren im Alter von 18 Jahren auf den Hochmaderer geklettert. Es ist mir ein unvergessliches Erlebnis geblieben. Wir sind durch die Wolkendecke gestiegen und oben auf dem Gipfel schien die Sonne. Die Bergspitzen schauten aus der Wolkendecke heraus. Man und frau fühlten sich wie im Himmel. Die Täler waren nicht zu sehen.
    Danke für die schönen Fotos!

  2. MBuz says:

    hallo Ute,
    kann mir gut vorstellen, dass eine Kletterei vor 50 Jahren ein ganz anderes Unterfangen war als heutzutage. Hoffe, dass du immer noch die Berge genießen kannst. Beste Grüße, Mark

  3. Ute says:

    Hallo Mark, danke für die Antwort. Wir hatten wohl gute Bergschuhe, aber sonst nichts. Da es ein super Wetter war ging alles gut. Ich kann mich nur an diese kleinen Steinhaufen erinnern, die in etwa den Weg zeigten aber es waren keine Stahlseile oder ähnliche Sachen da. Ich erinnere mich an Schneefelder und Schotterhänge über die wir gehen mußten. Schön waren immer die Pfiffe der Murmeltiere. Sie waren so schnell weg, wir haben keines sehen können. Das tollste war das Gipfelbuch oben am Kreuz. Da war ich doch sehr stolz.
    Ich klettere noch gerne solche kleineren Sachen, wie die Affensteine im Elbsandsteingebirge oder dieses Jahr auf den Brandnerschrofen bei Füssen, allerdings vorher mit der Tegelbergbahn hoch.
    Ich wünsche Euch noch viele schöne Bergtouren, kommt immer wieder gesund nach unten, Gruß Ute

  4. Thorsten says:

    Waren gestern in der Route unterwegs und ehrlich gesagt war das bislang die unlohnenste alpine Kletterei, die ich bisher gemacht habe. Das Gestein ist zwar schön fest, nützt aber wenig wenn man oft im Gras unterwegs ist. Zugegeben: durch die schlechte Absicherung habe ich mich dann auch oft verleiten lassen den einfachsten Weg zu wählen und der führte dann oft durch die Schrofen, direkt neben dem Fels. Nur die (kurze) 5er-Seillänge war eigentlich ganz schön.
    Der Ausstieg ist auch irgendwie ein Witz, gebohrte Stände gibt es da dann ja auch nicht mehr? Wir sind dann irgendwann vom Grat weg und direkt durch die Schrofenflanke in Richtung Gipfel gestiegen. Der Grat war irgendwie zu leicht zum Klettern, aber zu schwer zum Wandern.. 😉
    Aber vielleicht waren wir auch etwas vom Urner Granit und den dortigen Routen verwöhnt, wo wir 2 Wochen vorher waren.

    Ansonsten danke für deine Tourenbeschreibungen und die Top-Webseite, wo ich schon öfters mitgelesen habe. :)

  5. MBuz says:

    hi Thorsten, ist schon eine Weile her, dass ich diese Tour gemacht habe. Ist, wie du schreibst, ein Mix aus Klettern und Steigen. Mir hat sie weniger wegen der Kletterei gefallen, sondern weil dieses kombinierte Gelände ein bißchen von allem abverlangt.
    Urner Granit, das ist natürlich ein anderer Genuss 😀
    schöne Grüße
    Mark

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  1. […] und ich komme gut hinauf. Die Sicht ist heute prächtig – Kops unter mir, Galtür, der Hochmaderer auf der anderen Talseite, das Große […]

  2. […] häufen sich doch unsere Besuche am Vermuntstausee in letzter Zeit – Valgraggersgrad, Hochmaderer und nun die große Überschreitung von Grosslitzner und Seehorn an einem […]

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