Bald in Los Angeles

Ich habe die Sierra Nevada hinter mir gelassen. Die Fahrt nach Süden ist eine Fahrt in die Wüste. Die Landschaft wird zusehends trockener, überall Bewässerungsanlagen, die im Sparbetrieb laufen. Die Dürre hat Südkalifornien im Griff. Je weniger Wasser, desto mehr Verkehr, scheint es. Die Städte werden größer, die Straßen breiter, und die Sonne brennt unermüdlich.

In Lancaster habe ich einige Besorgungen zu machen, und auch später in Santa Clara. Alles dient der „Einwinterung“. Reifenschutz. Solar-betriebenes Batterie-Ladegerät. Insekten- und Nagetier-Abwehr. Ich nähere mich Los Angeles, etwas benommen von der Hitze, suche ich etwas Abkühlung am Meer bei Malibu. Die leichte Meeresbrise macht die Stunden am Strand erträglich. Ich schließe meine Augen, ziehe die Krempe meines Huts nach vorne. Es kommt Freude auf – Freude auf den nächsten Winter in den Rockies. Freude auf die vielen kommenden Dinge, ganz besonders Südamerika.

california

auch bei Malibu gibt es Strände mit Ruhe

Ich atme tief durch, schäle eine Orange, und schaue zurück, auf die letzten drei Wochen in der Sierra. Ich habe so viele schöne Dinge gesehen. Viel geschwitzt, mich gut geschlagen. Solo und frei geklettert, alleine Skitouren gemacht und Gletscher überquert. Solo-Unternehmungen sind, ohne Frage und für mich nun bewiesen, machbar und, abhängig von den Verhältnissen, genauso sicher wie unsicher mit jemand an der Seite oder in einer Gruppe. Es ist letztlich immer die Frage, die man sich selbst stellen muss, weshalb man eine Unternehmung in den Bergen macht. Wenn das Soziale im Vordergrund steht, dann ist eine Solo-Tour natürlich Nonsens. Fitness? Bergerlebnis? Herausforderung? Etwas Adrenalin? Dann ist man alleine genauso gut dran, meine ich. Es fühlt sich am Anfang etwas „unnatürlich“ an. Zweifel. Befürchtungen, die einen ständig pieksen. Ich erinnere mich. Ich bleibe vom ersten Tag dran, habe mein Programm, Tag für Tag in den Bergen, und dann entdecke ich die interessanten Seiten einer Solo-Tour. Das vielleicht Wichtigste: der Umfang und die Geschwingkeit, mit der ich lerne. Ich habe nun mehr Vertrauen in jemand, der seit einem Jahr solo in die Berge geht, als in jemand, der zwanzig Jahre in Gruppen auf den Bergen herum gelaufen ist.

Ich öffne meine Augen, nehme einen Schluck Wasser und packe meine Sachen zusammen. Es geht nach Los Angeles, und wenige Tage später geht das Bergleben weiter. In der Zwischenzeit bekomme ich das “Baywatch”-Kalifornien zu Gesicht. Wachtürme der Rettungsschwimmer. Breite Sandstrände. Pfahlhäuser am Strand, Surfer, Cabrios am Strassenrand. Bekannte Szenen, obwohl man noch nie hier war. Ich fahre durch, und mühe mich durch den Stadtverkehr von Santa Monica, Venice und der Marina zum Flughafen. Ich habe eine Verabredung.

1 reply
  1. Marion says:

    Da bin ich aber sehr gespannt wie dir die Verabredung gefällt.
    Mir hat sie gut gefallen!
    Marion

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