Mount Dana: Skitouren in der Sierra Nevada

Die Nacht am Lee Vining Creek ist ruhig aber frisch. Am Morgen habe ich Frost an der Fensterscheibe. Ich fahre ein paar Kilometer zum Tioga Lake (2.941 m), Ausgangspunkt für eine kurze, aber skitechnisch anständige Tour zum Mount Dana (3.980 m). Nach zwei Bergtouren-Tagen (Mt. Walt, Matterhorn Peak) endlich wieder die Bretter unter den Füßen.

Bei der ersten Tour in der Sierra Nevada (Leavitt Peak) überlege ich am Morgen beim Anziehen, ob ich den Pieps überhaupt mitnehmen soll. Wer soll den mein Signal empfangen können? Ich nehmen ihn doch mit. Teils aus Gewohnheit, teils für den Notfall. Sehr unwahrscheinlich, aber ich könnte Zeuge eines Lawinenunfalls werden, und dann kann ich den Pieps gebrauchen. So laufe ich los, aber der Pieps bleibt ausgeschaltet.

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Blick zum zugefrorenen Tioga-See

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da lässt sich Skifahren

Vom zugefrorenen See geht’s zunächst durch dichten Wald und Lichtungen erstaunlich gut auf einer Schneedecke, die auch eine Rückkehr auf Ski ermöglichen wird, in den Glacier Canyon. Dieser ist leider nicht vollständig mit Schnee bedeckt, und so müssen die Ski immer wieder getragen werden. Da der Schnee betonhart ist, läuft es sich aber auch bei kurzen Schneepassagen einfach. Ich durchlaufe das Tal, das ca. 5km lang ist. Ständig sind meine Blicke nach rechts gerichtet, auf der Suche nach meinem Einstieg in den steilen Hang zum Mount Dana. Fast die gesamte Nordseite ist ein einziger, zerklüfteter Fels, aus dem immer wieder Couloirs einladen. Aber alle bis auf einen sind überwechtet, ein Ausstieg ist nicht möglich. Ich gelange am Talende zum einzigen Couloir, welches sind anbietet: das Ost-Couloir ist 40° steil, die linke Hälfte (beim Aufstieg) ist mit blankem Eis belegt. Ich legen den Helm auf, Steigeisen an, Pickel raus und Ski auf den Rucksack. So geht es gute 200 Meter hinauf.

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Mount Dana von Westen, der Ost-Couloir ist ganz hinten zu sehen

Beim Ausstieg sehe ich dunkle Wolken aus dem Norden kommen. Ich beeile mich auf den Gipfel, auf dem ich eigentlich eine lange Pause einschieben wollte, damit der Schnee im Couloir aufweicht. Aber ohne Sonne, die jetzt verschwindet, wird das nichts. Der Gipfelhang ist hart und eisig, aber ich komme mit meinen Harscheisen gut voran. Vom Gipfel des Mount Dana hat man eine schöne Rundumsicht, und ich sehe im Süden einige hohe Spitzen, deren Nordhänge durch und durch weiss sind. Skitourenmäßig sollte da also noch einiges gehen. Die Abfahrt ist bis zur Einfahrt in den Ost-Couloir einfach, das Couloir dann aber extrem ruppig. Ich brauche viel Kraft, um nach vier-fünf Schwüngen die Ski wieder abzufangen. Ich komme gut heraus und suche mir einen Weg durch das Glacier Canyon. Wiederum müssen die Ski oft aus- und angezogen werden. Dennoch ist die zweite Hälfte der Abfahrt im feinen Firn eine Entschädigung für die Skischuhwanderung über große Blöcke.

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Blick vom Gipfel nach Süden – da liegt noch jede Menge Schnee

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Blick von Mt. Dana nach Osten: Mono Lake und re unten die Einfahrt in den Ost-Couloir

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mein Ost-Couloir

Es kündigt sich Schnee an, und morgen sollten ein paar Zentimeter fallen. Ich wäre mit mehr auch zufrieden.

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  1. […] hier kaum mit Schnee oder Eis bedeckt. Wir fahren in einen kleinen Canyon unweit der Passstraße (Tioga Pass) und treffen dort auf John, meinen Freund aus Rainbow. Gemeinsam mit Hund Mountain steigen wir zu […]

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