Es ist nicht alles cool an der Surf-Front

Kinder buddeln Löcher in den Sand, die Teens reiten die Wellen mit ihren Bodyboards, und die Älteren lesen oder schießen ständig Selfies. Am Strand von Pupukea ist das Leben nicht viel anders als an der italienischen Adria, ausser dass hier keine Massen in Reih und Glied unter Sonnenschirmen ihren Tag verbringen. Das bedingt alleine schon die Landschaft. Die meisten Strände an der North Shore sind klein und buchtenartig, mit wenigen Parklücken und viel Grün rundherum. Das Publikum ist bunt gemischt, hauptsächlich Paare, alt und jung, hetero und homo, alle Ethnien.

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ein Morgen auf Oahu

Ich grüble über so einen Tag. Die Strandgänger kommen mit einer Regelmäßigkeit wie Ebbe und Flut. Mal mehr, mal weniger. Das Smartphone ist auch hier (wie in den Städten Ostasiens) ein digitaler Spiegel, um Makeup und Frisur unauffällig zu prüfen. Das Rettungsschwimmer-Image, dass man vom TV kennt, lässt sich zumindest nicht von Kalifornien hierher verschieben. Denn keiner schaut hier fit aus, von den Badegästen meine ich. Auf dem Bodyboard ist das vielleicht ein Vorteil, das bisschen Extra-Fleisch. Bei vielen ist zudem nicht eindeutig, ob sie tatsächlich ohne Dach über dem Kopf leben müssen oder sich einen derartigen Look verpassen, um cool zu sein. Wochend-Rocker, Facebook-Veganer, und nun Surf-Sandler?

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am North Shore

Tatsächlich ist nicht alles cool an der Surf-Front auf Oahu. Hawaii ist eine beliebte Destination für Hauslose geworden. Kein Geld für ein Ticket zurück auf den Kontinent, keine Perspektiven dort und hier, und auch kein Winter. Alles spricht für ein Anwachsen der im Zelt lebenden Bevölkerung. Eine Spirale nach unten, die leicht gelingt. Die Kriminalität hat ihren festen Platz an den Parkplätzen der Strände. Daneben hält ein Bus voller Taiwaner an und stattet dem Strandabschnitt einen Besuch ab. Man sieht kaum Köpfe, dafür in die Höhe gehaltene Tablets. Die neue Art zu fotografieren. Die Landschaft, aber meist sich selbst. Der Selfie als Beweis, im Paradies gewesen zu sein. Einsteigen, die Fahrt geht weiter.

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Ananas, Ananas, Ananas – so weit das Auge reicht

Auch wir kreuzen entlang und durch die Insel, kehren am Abend nach Honolulu zurück. Die Insel hat ihre Faszination. Würde ich hier leben und im Wasser meinen Tag verbringen, so hätte ich bald einen blonden Bart. Aber ich weiss: ich mag ihn lieber mit Eiszapfen. Die gute Nachricht: der Winter ist nicht vorbei. Für die nächsten dreizehn Monate.

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  1. […] Die Sonne knallt wie gewohnt mit aller Härte auf den Strand, die Wellen bleiben klein. Das Leben in Honolulu’s Waikiki dümpelt so dahin. Die Luft heiss und trocken, der Verkehr mäßig. Ich sitze mit den Senioren im Palmenschatten, der Rest grillt im weichen Ockergelb. Einzig die Tauben sind hier umtriebig, fliegen von einem vermeintlichen Futterplatz zum nächsten, oder werben um Liebespartner. Unter den Menschen gibt es hier und um diese Zeit kein Werben, und bei den festen Pärchen sind die Rollen klar verteilt. Sie trägt ihr Handtäschchen, er den Rest. Sie spricht, er springt. Er sagt etwas, sie schweigt. Altes Spiel, alte Falle: Besitzansprüche sind auch Ketten. Und in solchen Gefügen herrscht keine Freiheit. Wir schauen dem Treiben etwas zu, und wenden uns schließlich der Literatur zu. […]

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