Gran Paradiso: hier wird nicht gegrüßt

Ein Wochenende mehr, das wir gemeinsam verbringen können. Das Meteo bestimmt unseren Kurs, und wir fahren über den San Bernardino ins Aostatal. Da waren wir ja schon mal, auf einer Trans-Alp mit den Mountainbikes. Den Weg ins Valsavarenche kennen wir daher mehr als gut, in Pont sind wir komplett nass im Berghotel abgestiegen.

Auch diesmal schlagen wir unser Lager in Pont (1.960 m) auf. Diesmal ohne Hektik, in der Abendsonne am Parkplatz, richten uns für die Nacht im Büssle her, wundern uns über Bettel-Füchse hier, und gehen noch auf einen Kaffee ins benachbarte Restaurant. Kurz danach holt uns auch schon der Wecker aus den Schlafsäcken. Beate macht Frühstück, ich mache das Dach fertig. Im Schein der Stirnlampe schleichen wir vom Parkplatz nach Süden, zunächst einer Langlaufloipe entlang, später biegen wir links den steilen Waldhang hoch ab.

Der Weg ist eisig, glatt, steil. Wir müssen uns vielfach hochstemmen. Aber auch oberhalb des kleinen Waldes wird es nicht einfacher, und bald habe ich das Gefühl, nur noch auf meinen Schultern zu laufen, auch wenn das Gelände deutlich flacher wird. Es ist schon taghell, als wir das Rifugio Vittoria Emanuelle (2.732 m) erreichen. Einen Gang in das Innere ersparen wir uns, folgen einfach den vielen Spuren in einen weiten Talkessel. Nun erreichen wir die ersten großen Gruppen, die am Morgen vom Rifugio den Aufstieg begonnen haben. Man kommt sich hier fast wie auf der klassischen Haute-Route vor. Massig Leute in großen Gruppen. Ab 3.200 m muss ich schon deutlich mehr Schnaufen als weiter unten. Mein Tempo wird langsamer, auch wenn wir immer noch andere Gruppen überholen. Bekomme meine Hände nicht warm, der Rucksack wiegt schwer heute. Wahrscheinlich geht es anderen noch schlechter, denn grüßen tut hier niemand.

gran-paradiso

wolkenlos auf 2.700 m, in der Mitte klein das Rifugio Vit. Emanuelle

Am Skidepot (auf ca. 3.800 m) ist dann große Versammlung. Leute, die sich für den Aufstieg fertig machen. Gruppen, die von unten ankommen, und Gruppen, die von unten herunterkommen. Keiner realisiert den anderen. Die Einzigen, die wir zu einem Wortwechsel überreden können, sind eine Tiroler Seilschaft, die es mit Skiern zur Spitze schaffen wollte. Aber ohne Steigeisen geht heute nichts. Blankeis. Wir stiegen hoch, am Seil. Das Getümmel wird ärger, die Leute noch weniger redselig als stumm. Wir geben das Grüßen auf, das ist am Gran Paradiso nicht common sense. Vielleicht sind hier auch keine Bergsteiger. Am Gipfel (4.061 m) machen wir deshalb auch sofort kehrt.

gran-paradiso

Beate am Gran Paradiso

gran-paradiso

Abstieg zum Skidepot

Die Abfahrt ist aber lässig. Die Beine brennen zwar höllisch, aber wir finden guten Pulver vor. Ich bin richtig matt vor Müdigkeit, trinke meine Teeflasche leer. Wir sonnen irgendwo mitten im Hang. Fahren dann recht wild durch den Wald nach Pont ab. Noch müder schmeißen wir uns gleich in unsere Campingstühle. Das Leben ist gut, und auch die Kaffee-Preise hier sind sehenswert: Cappuccino 1,30 Euro. Ich freue mich schon auf die Nacht im Bus, morgen noch eine weitere, feine Tour.

gran-paradiso

super gsi!

4 replies
  1. Molldu says:

    Hallo ihr beiden! Ich habe gerade euren Tourenbericht vom Grand Paradiso gelesen… Macht euch nichts draus… auf der Wildspitze ist es uns heute ähnlich ergangen…kann man sich kaum vorstellen was da abgeht, wenn man nicht selber mal dabei war… Hoffe ihr hattet heute eine schönere Tour als gestern… Schöne Grüße, Gerhard

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Arbeitswelt hat uns vollends nach unserem Aosta-Weekend am Gran Paradiso verschluckt, und nur Abends gelang es uns auszubrechen – Laufen im Ried, Bouldern an […]

  2. […] einem feinen, aber anstrengenden Tag am Gran Paradiso stechen wir noch im Morgengrauen wieder nach Süden – vom Parkplatz in Pont (1.960 m) […]

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *